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  • Day15

    Saarburg

    April 26 in Germany ⋅ ⛅ 9 °C

    Wie geplant, geht es am Morgen zeitig los. Bereits um acht Uhr sind wir unterwegs durch ein wolkenloses Burgund . Die Sonne lacht, als hätte sie nie etwas anderes getan. Es gefällt mir, diese Gegend noch einmal so frühlingshaft zu sehen. Den Platz werden wir uns als Übernachtungsplatz ganz bestimmt merken. Michael hat es heute geschafft, das Wohnmobil samt Hänger auszuparken. Das macht er schon recht perfekt. In Charlon Süd fahren wir auf die Autobahn Richtung Dijon. Mit zunehmenden Kilometern Richtung Norden wird es bewölkter und die schöne Sicht verschwindet. Wir spielen immer etwas Hase und Igel mit dem Regen und dem schlechten Wetter. Meist sind wir schneller und erwischen noch den sonnigen Teil, bis uns der Regen einholt. Hoffentlich ist es auch heute so. Die Fahrt verläuft unspektakulär. Fast unspektakulär. In Frankreich müssen wir noch einmal tanken. Michael rechnet genau aus, wie viel Liter er benötigt, um damit bis nach Luxemburg zu kommen.
    Kurz vor Luxemburg macht es auf einmal "Klack". Das Geräusch kennen wir doch noch vom letzten Jahr. Mitten auf der Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite ist ein kleines Loch in der Scheibe zu sehen. Steinschlag! Jetzt brauchen wir wohl wirklich eine neue Scheibe.
    Als heutiges Ziel haben wir uns Saarburg ausgesucht. Kurz nach der Grenze, in Luxemburg, führt uns das Navi allerdings in Richtung A13 /A8. Auf dem folgenden Stück gibt es weder billigen, noch überhaupt Diesel. Auch auf deutscher Seite keine Tankstelle in Sicht. Dafür geht es ordentlich bergauf in die Höhen des Hunsrück. Bei Metternich fahren wir ab. Die Landstraße führt steil bergab hinunter zur Saar und in den Ort, vorbei am "Villeroy und Boch- Outlet" und am Stellplatz "Am Brauhaus". Über 20 km entlang der Saar und ihren Schleifen geht es, bis wir Saarburg erreichen. Wir fahren auf den Platz und das Womo schreit laut nach Diesel. Die Reservelampe leuchtet. Über uns fängt gerade noch etwas Anderes an zu leuchten: Die Sonne. Für heute bleibt sie uns erhalten. Morgen kommt der Regen, aber dann fahren wir wieder.
    Jetzt suchen wir einen Platz für Womo und Hänger. Ein wenig Rangieren, und schon haben wir beides stehen. Gerade wollen wir die Campingmöbel in die Sonne stellen, als unser Nachbar uns darauf aufmerksam macht, dass der Hänger hier nicht mit auf den Stellplatz darf. Er hätte seinen gestern Abend noch bei strömendem Regen entfernen müssen. Welches Glück, dass wir genau vis-a-vis vom Hängerparkplatz stehen. Mit vereinten Kräften, das Paar aus dem Nachbarwomo packt dankenswerter Weise mit an, schieben wir ihn auf die erwünschte Parkfläche.
    Nach der Anmeldung und dem Kaffee trinken zieht es mich in den Ort, der ca 1-2 km entfernt liegt. Dort am Anleger liegt außer dem Rundfahrt- auch ein kleines Flusskreuzfahrtschiff vor Anker. Es handelt sich um ein Rad -und -Flussboot. Die Passagiere kommen jetzt am Nachmittag gerade mit ihren Rädern zurück und haben vor dem Abendessen noch Zeit, den Ort zu besuchen. Die Räder werden ihnen von fleißigen Mitgliedern des Stuffs abgenommen, gereinigt! und wieder an Bord gebracht. So eine Fahrt könnte mich auch interessieren. Deshalb besorge ich mir von einem Mitarbeiter ein Prospekt.
    Dann geht es in die Altstadt zur Wassermühle und dann den Laurinsberg hinauf zum Wasserfall. Sehr schön. Rund um die Leuk, die an dieser Stelle ca. 30 m in die Tiefe stürzt und dabei auch über Rinnen die Wasserräder der Mühle antreibt, sitzen Menschen in Cafés und Restaurants in der Sonne. Ich widerstehe der Versuchung mich dazuzusetzen und bummele weiter durch die Gassen, bis ich zur Burgruine komme. Natürlich muss ich die Aussicht von ganz oben genießen und habe die Aussichtsplattform ganz für mich allein. Wie lange bin ich eigentlich schon unterwegs? Schnell Michael anrufen und fragen, ob er seine Mittagsruhe beendet hat, und was sein weiterer Plan ist. Er möchte gegen Abend in die Stadt und dort essen gehen. Ich verspreche innerhalb der nächsten Stunde zurückzukommen, verliere mich dann aber wieder in der Betrachtung der Häuser und Gassen. Dann fällt mir ein, dass ich ja gesagt habe, dass ich noch einkaufen wollte. Oh je. Natürlich schaffe ich es nicht in einer Stunde und Michael ist etwas verschnupft. Aber kurze Zeit später, ich muss nur kurz einmal die Schuhe wechseln, die bereits knapp 10 km auf der Sohle haben, geht es in der Abendsonne zurück in den Ort. Wir können draußen sitzen. Dabei fällt uns ein sonderbares Phänomen auf. Alle Tische drinnen wie draußen sind in der "Zunftstube" vollbesetzt, und man schickt Gäste fort. Genau nebenan sitzt niemand, weder drinnen noch draußen und das, trotz ähnlicher Möblierung und Speisekarte. Alle steuern sofort auf die vollbesetzten Tische zu und lassen die leeren außer Acht. Liegt es an der Farbe? Rot bei dem vollbesetzten Lokal. Weiß bei dem Leeren. Oder ist es einfach nur eine menschliche Eigenschaft, sich dort hingezogen zu fühlen, wo schon andere sind? Das beobachtet man ja auch häufig auf Wohnmobilstellplätzen.
    Als wir mit dem Essen fertig sind und noch entlang der Leuk bummeln, sehen wir, wie das enttäuschte Personal des zweiten Lokals die Decken und Dekos der Terrasse wieder abräumt.
    Wir aber beobachten beim Rückweg noch den Sonnenuntergang, der die kleinen weißen Wölkchen am Himmel rosa färbt. Morgen kommt der Regen, da fahren wir ihm wieder davon.
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