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  • Day6

    Mit Fähre und Rad auf die Nehrung

    July 18 in Lithuania ⋅ ☀️ 18 °C

    Der Wind hat sich heute morgen gelegt. Das ist gut für unsere Radtour. Relativ zeitig stehen wir auf, um die 10 Uhr Fähre zur Nehrung zu nehmen. Die Tickets habe ich schon am Abend vorher gekauft. Dabei musste ich schon angeben, um welche Uhrzeit wir die Fähre nehmen wollen. Für dieRückfahrt habe ich mir die Option gelassen, die Fähre eher zu nehmen. Man kann ja nie wissen. Schmunzelnd muss ich an mein Erlebnis nach dem Kauf der Fährtickets denken, die 5 Euro pro Person und Fahrt und 1 Euro für jedes Rad betragen hat. Senioren die Hälfte, was Michael freut. Als ich das Wechselgeld einstecken will, pustet eine starke Windböe mir einige Scheine aus dem Portemonnaie und auf die Erde. Ich muss ein komisches Bild abgegeben haben, als ich den einzelnen Scheinen hinterher gehechtet bin und versucht habe, sie mit dem Fuß aufzuhalten. Erst am Ende des Platzes konnte ich den letzten Zehner, völlig außer Atem, wieder in die Geldbörse stecken.
    Wir sind recht pünktlich an der Fähre, und dass obwohl es Michael kurz vorher noch einfiel, den Roller zu verladen. Es wollen viele Passagiere, Räder, Kinderwagen, Fahrradanhänger mit. Die Fähre ist bereits mehr als voll, als noch eine Gruppe Radfahrer mit gültigen Tickets ankommt. Nun muss impovisiert werden. Die Räder kommen auf ein Ausflugsboot, das auch in Juodkrante hält, und die Menschen finden noch irgendwo Platz auf dem Vordeck. Dann röhren die Motoren, das Schiff geht vorn hoch, die Schrauben verwandeln das Wasser in große Fontänen, und mit ohrenbetäubenden Krach schießt das Boot über das Wasser Richtung Juodkrante.
    Keine 10 Minuten später sind wir dort im Hafen und müssen erst einmal nach dem Verlassen der Fähre die Räder eine Treppe hochtragen.
    Dann starten wir Richtung Nidda. Der Radweg führt zunächst an der Promenade lang, bevor er im Wald und später entlang der Dünen verläuft. Alles Landschaftsschutzgebiet, und überall weisen Schilder darauf hin, dass der Weg nicht verlassen werden darf. Die Strecke bis Nidda beträgt 35 km, da kommen hin und zurück 70 km zusammen. Ich glaube, das wird Michael erst richtig beim Stop an der Düne bewußt, da haben wir ca 15 km durch die Natur hinter uns. Und er sieht nicht unbedingt glücklich aus. An der Düne gibt es einen super Kaffee, der die Lebensgeister wieder weckt. Auf eine Wanderung im ausgewiesenen Dünengebiet verzichten wir. Der Eintritt kostet 3 Euro und beinhaltet nur einen Spaziergang auf ausgewiesenen Pfaden durch den Sand.
    Wenn man mit dem Auto auf die Nehrung fährt wird je nach Größe Maut erhoben. Für ein Wohnmobil ca. 20 Euro.
    Für Radfahrer ist der Weg kostenlos. Wir strampeln weiter in Richtung Nidda, von kurzen Pausen unterbrochen. Endlich tauchen das Haff und die ersten bunten Häuser von Nidda auf. Der Verkehr auf dem Radweg nimmt zu. Im Wald haben wir gar nicht gemerkt, dass so viele Radfahrer unterwegs sind. Auf Radtouristen haben sich einige geschäftstüchtige Firmen speziallisiert . Überall, bereits schon im Hafen von Juodkrante, kann man Räder mieten. Wir finden heraus , dass auch die Busse sogar Räder transportieren. Und....wie wir erfahren , bieten sogarTaxen einen super Kurs für den Fahrradtransport an. Michael meint zwar, dass er auch zurückfahren würde, aber die Idee mit dem Taxi findet er super gut.. Und so ist unsere erste Tat in Nidda ein Taxi für die Rückfahrt zu ordern. Als wir den Taxifahrer auf englisch ansprechen, sagt er zu uns: Sprecht deutsch mit mir. Ich bin ein Memeldeutscher, ein Ostpreuße. "
    Dann gehen wir auf Entdeckungstour durch Nidda, bestaunen die bunten Häuser, besichtigenen den Hafen mit den Ausflugsbooten und den langgestreckten Sandstrand, bevor wir in einem der vielen Lokale landen. Um 15.30 Uhr haben wir uns mit dem Taxifahrer Jani verabredet, der geschickt unsere Räder verlädt und uns auf der Rückfahrt einiges über Litauen erzählt. Dabei gestikuliert er wild mit den Händen und sein Taxi bekommt dabei einen gefährlichen Linksdrall. Als Kind musste er am Wochenende mit seinen Eltern Bäume auf die Dünen pflanzen, denn das Abholzen des
    Waldes ließ den Sand wandern und mehre Ortschaften wurden darunter begraben.
    "Die Kinder sind alle in Deutschland, in Kiel und der Rest der Verwandtschaft verteilt sich über Schleswig-Holstein", erzählt er uns. Nur die Cousinen leben noch in Nidda und betreiben eine Pension und vermieten Ferienwohnungen. Er gibt uns Visitenkarten. Vielleicht hätten wir ja Freunde oder Bekannte, die einmal auf der Nehrung Urlaub machen wollen. Er schimpft auf die Straße, die von den vielen Besucherfahrzeugen ausgefahren ist. Hat er vergessen, dass jedes Auto um die 20 Euro Maut bezahlen muss, um die Straße über die Nehrung zu nehmen? Da sollte doch Geld zum Reparieren übrig sein. Im Hafen von Juodkrante haben wir noch ein wenig Zeit, bis die Fähre um 16.30 Uhr zurückgeht. Und die ist dann nicht so voll, denn die meisten werden erst um 18.30 Uhr zurück wollen.
    Am Wohnmobil angekommen, genießen wir noch ein wenig die Sonne und halten Smalltalk mit den neuen Nachbarn.
    Der Platz hat sich in unserer Abwesenheit gefüllt und viele Tagesgäste kommen selbst noch gegen Abend in den Hafen und zum Aussichtsturm. Als die Sonne untergegangen ist, wird es ziemlich feucht und frisch. Wir sind halt nicht im Süden. Zeit ins Wohnmobil zu gehen und den ereignisreichenTag zu beschließen.
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