• Tankwa-Karoo

    March 27, 2025 in South Africa

    Von den Cedarberg arbeiten wir uns mit einem crazy 4x4 Fahrtag in die Tankwa Karoo. Über Eselsbank fahren wir nach Wupperthal und dann aus den Bergen Richtung Tankwa. Die Strasse ist teilweise in üblem Zustand, Bachbette sind ausgeschwemmt und ziemlich rauh.
    Die Fahrt fordert den Landy das erste Mal so richtig… für die etwas mehr als 160km brauchen wir einen ganzen Tag. Wir überholen oder kreuzen während dem ganzen Tag ein einziges Fahrzeug. Aber was für ein Abenteuer! Die Landschaft besteht aus einem Haufen Nichts und davon so richtig viel.

    Unser Ziel ist der Park. Das Gebiet hat eine Fläche von 137.000 Hektar (ha) und wurde 1986 mit einer Größe von nur 26.000 ha ausgerufen, ist aber noch in der Entstehung (d. h. In der Umwandlung von Weideland in den ursprünglichen Zustand) und bietet so gut wie keine touristische Infrastruktur.

    Jährlich findet im April genau hier das mehrtägige Kunst- und Musik-Festival „AfrikaBurn“ statt. Ein verrücktes alternatives Festival, was von Burning Man in den USA inspiriert ist. Kunst. Freiheit. Staub. Gemeinschaft. Lagerfeuer. Kostüme. Musik. Keine Kommerz. Alles schenken. Alles selbst mitbringen. Alles möglich. Während dem Festival werden mitten in der Wüste riesige Kunstwerke geschaffen, welche dann zu einem Grössten Teil am letzten Abend abgebrannt werden.
    So müsste sich das jeweils in etwa abspielen:

    …Der letzte Abend – der grosse Burn
    Die Sonne ist gerade untergegangen. Die Karoo-Wüste liegt in Dunkelheit, aber die Camps und Mutant Vehicles leuchten in allen Farben.
    Du hörst Trommeln, elektronische Musik, Gelächter – dann wird es plötzlich still.
    In der Ferne siehst du eine riesige Holzstruktur, oft ein kunstvoller Tempel, eine Skulptur oder das "San Clan"-Symbol – das Herzstück der Gemeinschaft.
    Die Menschen versammeln sich drumherum. Manche feiern, manche sitzen still, manche weinen sogar – alle erleben etwas Eigenes.
    Dann... Feuer.
    Langsam steigen die Flammen auf.
    Zuerst knackt das Holz leise, dann schlagen die Flammen höher, Funken fliegen in den Himmel.
    Du siehst tanzende Silhouetten, Umarmungen, Menschen, die loslassen.
    Kein Moderieren, kein Countdown – es passiert einfach.

    …Wenn das Feuer nur noch Glut ist, zerstreuen sich die Menschen wieder – zurück in die Camps, zu Musik, Gesprächen, Umarmungen.
    Es ist bittersüss: Du weisst, es war besonders. Und dass es nie genau so wiederkommen wird

    …Am nächsten Morgen beginnt der grosse Rückbau:

    Jedes Camp, jede Schraube, jedes Seil wird mitgenommen.
    Menschen kehren den Boden, suchen nach Müll – sogar nach Mikropartikeln.
    "MOOP" (Matter Out Of Place) ist das Wort – alles, was nicht zur Wüste gehört, muss weg.
    Selbst Zigarettenstummel oder Glitzerreste werden eingesammelt.
    Warum? Weil die Natur hier nichts vergisst – und weil diese Gemeinschaft ihr Versprechen hält.

    Es gibt kein offizielles Ende – Menschen verlassen das Gelände, wann sie bereit sind.

    Viele verabschieden sich mit langen Umarmungen.
    Manchmal gibt es kleine Abschlussrituale im eigenen Camp – ein letztes Feuer, ein gemeinsames Lied, ein Dank.
    Manche fahren schweigend los, mit Sonnenbrille auf staubigem Gesicht und dem Kopf voller Gedanken.

    Die Strasse zurück ist lang und holprig. Du verlässt Tankwa Town, aber etwas davon bleibt in dir.
    Du wirst noch tagelang den Staub auf deiner Haut spüren –
    und vielleicht noch monatelang das Gefühl:
    "Ich war Teil von etwas, das größer war als ich."

    https://www.afrikaburn.org

    Wir stehen auf der Camp Site, welche dem Festival jeweils als Veranstaltungsort dient. Ein paar verlorene Seelen haben sich hier fest einquartiert. Sind sie noch nicht bereit?
    Unser grosse Burn ist das heisse Kaffee Wasser, welches ich im Kettle zubereite, ein bisschen loslassen, aber vor allem wunderbarer Kaffee in einzigartiger Kulisse…;-)
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