• Apartheid Museum

    May 2, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 18 °C

    Wir möchten uns in Süd Afrika nicht nur der landschaftlichen Schönheit und den kulturellen Höhepunkten widmen, sondern uns auch mit der schweren Vergangenheit des Landes auseinandersetzen. Die Geschichte der Apartheid, des jahrzehntelangen Systems der Rassentrennung, ist ein düsteres und beklemmendes Kapitel.

    Heute besuchen wir das Apartheid Museum im Süden von Johannesburg – das einzige Museum, das sich vollständig diesem Thema widmet. Schon der Eintritt ist ein klares Statement: Jede/r Besucher/in erhält ein Ticket, das einen entweder als „White“ oder „Non-White“ einstuft. Ich werde als „Non White“ klassifiziert und betrete das Museum durch einen eigens bezeichneten Eingang – ein eindringlicher Einstieg in eine schmerzvolle Realität.

    Das Museum zeigt die Entstehung der Apartheid ab 1948, ihre Ausweitung über die Jahrzehnte, den Widerstandskampf, den Fall und schliesslich die Aufarbeitung nach ihrer offiziellen Abschaffung in den 1990er-Jahren. Besonders beeindruckend ist die multimediale Gestaltung: riesige Bildwände, eindrückliche Film- und Tonaufnahmen sowie berührende Originalobjekte vermitteln die Geschichte auf bewegende Weise.

    Ich bin sonst kein grosser Fan von Museen – doch dieses hat mich tief berührt. Es hat mich nachdenklich gemacht, erschüttert – und ja, ein paar Tränen sind über meine Backen geflossen.

    Die Apartheid war ein System staatlich organisierter Diskriminierung, das Menschen nach Hautfarbe klassifizierte und ihnen elementare Rechte vorenthielt. Schulen, Universitäten, Toiletten, Parkbänke, selbst Spielplätze waren streng getrennt – „Whites only“ war allgegenwärtig. Schwarze Kinder erhielten eine schlechtere Ausbildung, bewusst mit dem Ziel, sie zu billigen Arbeitskräften zu formen.

    Während in Südafrika farbige Kinder auf die Strasse gingen, um gegen ein Bildungssystem zu protestieren, das sie kleinhalten sollte, schrieb der Rest der Welt Geschichte: In Kalifornien gründeten zwei junge Tüftler Apple, Star Wars eroberte die Kinos, und der erste Überschalljet verkürzte die Reisezeit über den Atlantik drastisch. Es wurden im Rahmen des Apollo Programmes sechs Mondlandungen geschafft. Amnesty International wurde mit dem Friedensnobelpreis geehrt – ein starkes Zeichen für Menschenrechte, das ironischerweise zur gleichen Zeit gesetzt wurde, als in Soweto farbige Schülerinnen und Schüler von der Polizei erschossen wurden. Die Menschheit träumte vom Fortschritt, während in Südafrika schwarze Kinder dafür starben, einfach nur lernen zu dürfen.

    All das geschah nicht im fernen Gestern, sondern endete offiziell erst 1994, vor gerade einmal 30 Jahren.

    Untrennbar verbunden mit dem Ende der Apartheid ist Nelson Mandela. Als junger Anwalt kämpfte er gegen das System, wurde dafür 27 Jahre inhaftiert – und ging dennoch nicht gebrochen aus der Haft. 1994 wurde er der erste schwarze Präsident Südafrikas – und zum Symbol für Versöhnung, Stärke und Hoffnung.

    So verlassen wir das Museum mit schweren Herzen, treten in die afrikanische Dämmerung und sind erschlagen von der Schönheit der Farben und Stimmungen von diesem wunderbaren Land. Welche Gegensätze!
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