• Back to the roots

    Apr 28–May 1, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 23 °C

    Unser erster Abstecher Richtung Osten hat tiefere Beweggründe, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

    Die Entscheidung, ob wir von Kapstadt aus nach links Richtung Namibia oder nach rechts an die Ostküste und weiter nach Johannesburg fahren sollten, bereitete mir einige schlaflose Nächte. Schlussendlich brauchte es noch ein Ultimatum (2 Monate ☺️), um eine Richtung festzulegen – denn diese Entscheidung war keine rein geografische.

    Ich wurde in Johannesburg geboren, bin aber seither nie wieder dorthin zurückgekehrt. Als wir uns für die Reise beim Tropenarzt vorbereiteten, durchsuchte ich meinen alten Impfausweis – und fand darin die Adresse der Klinik, in der ich meine erste Impfung erhalten hatte (und auch geboren wurde?). Direkt darunter: die Adresse unserer damaligen Wohnung.
    Damit war der Samen gepflanzt. Der Gedanke liess mich nicht mehr los. Johannesburg liegt allerdings nicht gerade um die Ecke – auf direktem Weg von Cape Town sind es etwa 1400 Kilometer. Mit unserem Zickzack-Kurs Approach summiert sich die Strecke schließlich auf satte 5000.

    Long story short: Jetzt sind wir hier. In Johannesburg, einer Stadt, die zu den gefährlichsten der Welt zählt.

    Die letzten Kilometer ab Harrismith verlaufen ruhig und angenehm. Die Strasse ist in gutem Zustand, keine Schlaglöcher weit und breit. Die Sonne scheint, und zu beiden Seiten ziehen sich weite Felder, sattgrün und friedlich. In Rosebank, einem sicheren und lebendigen Viertel der Stadt, finden wir ein Airbnb – ein perfekter Ausgangspunkt für unsere nächsten Schritte.
    Schon am nächsten Tag steigen wir in einen Uber. Unser erstes Ziel: die Klinik in Parkhurst.

    Das Gebäude ist einfach und zweckmässig. Ein einstöckiger Bau, weisse Fliesen, der Geruch von Desinfektionsmittel in der Luft. Im Wartebereich sitzen unzählige Menschen – auf abgegriffenen Kunststoffstühlen oder unter einem schattenspendenden Vordach. Manche warten offenbar seit Stunden. Trotz allem herrscht eine fast stoische Ruhe: Gespräche, Kinderstimmen, gedämpfte Geschäftigkeit, eine Atmosphäre voller Geduld und stiller Hoffnung.

    Unsere zweite Station bringt uns zur Wabord Road. Die Adresse in meinem Impfausweis. Das Haus steht noch, oder zumindest ein Haus. Heute ist es von einer hohen Mauer umgeben, ein Schild am Eingang deutet darauf hin, dass es nun als Pension genutzt wird. Wir klopfen ans Tor. Jemand öffnet, freundlich, aber vorsichtig. Wir dürfen einen kurzen Blick in den Innenhof werfen, Fotos sind nicht erlaubt. Kurz darauf wird die Schiebetür wieder geschlossen.

    So stehe ich also zum ersten Mal seit meiner Kindheit wieder an meinem Geburtsort.
    Im ersten Moment fühlt es sich seltsam leer an. Keine Erinnerung. Kein vertrautes Gefühl. Keine sentimentale Wärme. Und doch, irgendetwas rührt sich in mir.

    Als ich damals hier zur Welt kam, herrschte nicht nur in Soweto Unruhe, die Apartheid prägte das tägliche Leben, und das politische Klima war gespannt. All das war Teil der Welt, in die ich geboren wurde. Auch wenn ich keine bewusste Erinnerung daran habe, scheint dieser Ort all das für mich in sich zu tragen. Als stilles Echo einer Vergangenheit, die ich Schritt für Schritt versuche zu verstehen.
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