• De Riet?!?

    3–4 cze 2025, Namibia ⋅ ☀️ 34 °C

    Nach einer ersten kleinen Erkundungstour durch das trockene Flussbett des Ugab Rivers landen wir eher zufällig in De Riet. Ein winziger Ort mitten im Nichts, welcher nicht in einem Reiseführer steht. Am schlichten Shack der Tourist Information werden wir freundlich empfangen. Uns wird ein Blatt Papier gereicht. Eine Art Spendenliste, auf der wir selbst eintragen dürfen, wie viel wir denn gerne „geben“ möchten. 600 oder 800 Namibia Dollar wären „völlig in Ordnung“, sagt man uns mit einem Lächeln.
    Wir schlucken kurz und sind wegen der Direktheit etwas überrascht. Wir entscheiden uns zu einem ortsüblicheren Preis im Ort zu übernachten und dafür etwas bezahlen.

    Was als einfache Nachfrage beginnt, wird zu einem eindrücklichen Stück Geschichte. Denn De Riet ist mehr als nur ein abgelegener Weiler. Die wenigen Familien, die hier leben, gehören zur Riemvasmaker Gemeinschaft. Einer Gruppe der Nama, die 1974 im Zuge der Apartheid-Politik aus ihrer Heimat im heutigen Südafrika zwangsumgesiedelt wurden. Sie lebten einst nahe den Augrabies Wasserfällen im Northern Cape, wurden aber als „nicht zuordnungsbar“ eingestuft. Zu weiss für Schwarzafrika, zu schwarz für das weisse Südafrika und darauf aus ihrem Homeland vertrieben. Heute leben sechs dieser Familien hier, unter der Führung von Häuptling Johannes Mangani.

    Wir dürfen direkt neben der kleinen Schule unser Lager aufschlagen. Als Gäste sind wir willkommen. WC und Dusche der Schule stehen uns offen, es wird gescherzt und gelächelt. Herzlich, unkompliziert und direkt. Für einen Moment fühlen wir uns nicht wie Touristen, sondern wie Besucher auf einer Reise zu einem Ort, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf stille Weise in sich trägt.
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