Letzter Tag in Saigon + Cu Chi Tunnels
February 2 in Vietnam ⋅ ⛅ 33 °C
Nachdem Dajanis abgereist ist, mache ich mir einen entspannten Vormittag und esse mein Banh Mi wieder alleine 😆 es ist super heiß, die Sonne brennt, doch ich will mir noch ein bisschen das Zentrum ansehen und mach spontan bei einer Walking Tour mit. Ich erfahre noch mal viel geschichtliches: die komplette Kanalisation und Straßen wurden von den Franzosen angelegt, und am Ufer betrieben die Kolonialisten ein Monopol mit Opiumhandel. Durch Opium war die Kolonie finanziell unabhängig und kontrollierte die lokale Bevölkerung - wohingegen es in Frankreich strikt verboten war. Klassische Doppelmoral. Im Zentrum von Saigon sieht man die durch den Krieg bekannt gewordenen Gebäude: das Rex Hotel, wo die USA während des Krieges die täglichen Pressekonferenzen hielt und viele Journalisten jahrelang wohnten. Und das Hotel Continental wurde während des Krieges ebenfalls berühmt als, als Stützpunkt der Journalisten, das Sprachrohr in die Welt. Auch die bekannte Radioshow, die täglich mit "Good Morning Vietnam" begann, wurde von hier ausgestrahlt. Der Vietnamkrieg war dahingehend besonders, dass er seinen Weg als erster in dieser Form in die Wohnzimmer der Welt fand durch die fortgeschrittene Technik und Arbeit der Journalisten vor Ort.
Hier im Zentrum fand auch die chaotische Evakuierung tausender Us-Bürger von den Dächern der Stadt statt, als klar wurde dass der Krieg verloren war. Tausende Vietnamesen, die für die Amis gearbeitet haben wurden dabei zurück gelassen. Sie verließen das Land aus Angst in Scharen auf gefährlichen Überfahrten in Booten und wurden bekannt als die "boat people". Sie kamen vor allem in Kalifornien an und formten dort eine der größten vietnamesischen Gemeinden außerhalb des Landes. Und dann steht noch ein geschichtlicher Besuch an. Der Besuch der Cu Chi Tunnels - einem Tunnelsystem außerhalb von Saigon, dass die Vietcong während des Krieges nutzten. Die Tunnel sind einer der Hauptgründe, warum die USA die Vietcong nie final besiegen konnte, sie bewegten sich lautlos und unterirdisch. An sich interessant aber total kommerzialisiert und viel zu voll. Ein paar Infos zu den Tunneln: sie wurden über 3 Ebenen bis zu 10 Meter tief gebaut, Bambus diente als Rohr für Sauerstoff, sie dienten als Verstecke, Wohnräume, Lazarette, Waffenlager und Nachschubrouten. Durch mehrere Ebenen, Tarnung, Fallen und enge Bauweise boten sie Schutz vor US-Truppen und Luftangriffen. Die Tunnel ermöglichten dem Vietcong, nahe der Stadt zu operieren und dennoch unsichtbar zu bleiben. Ernährt haben sich die Vietcong nur von Maniok, denn die Fische in den Flüssen waren von Agent Orange kontaminiert und die Reisfelder zerbombt. Ein Leben der Extreme geprägt durch Mangelernährung, Hitze in den Tunneln, Insekten, Sauerstoffmangel, ständige Bedrohung... Und trotzdem hielten die Vietcong getrieben von ihrer Ideologie dieses Leben jahrelang aus. Viele fanden in den Tunneln aber auch den Tod durch Bomben, Schlangen, Überschwemmungen, Krankheiten und Tunnel Rats. Tunnel Rats waren US Soldaten speziell dafür eingesetzt die Tunnelsysteme zu erkunden und zu räumen - eine der gefährlichsten Jobs des ganzen Krieges. Das Tunnelsystem dass ich heute besucht habe ist 250km lang - nur gegraben mit einfachsten Hacken. Und doch ermöglichte es den Vietcong über Jahre trotz der Unterlegenheit gegen die Amerikaner zu kämpfen. Auch gefürchtet waren die im Dschungel aufgestellten Fallen und Minen, denen unzählige Soldaten zum Opfer fielen. Die Vietcong waren die Geister des Krieges - operierten im Schutz der Natur, lebten in Tunneln und verschwanden nach jedem Schlag schnell wieder. Abends geht es für mich weiter Richtung Mekong Delta!Read more
















