• Taipeh X

    31. maj, Taiwan ⋅ ☀️ 29 °C

    Die Nacht war zwar angenehm, aber ich wurde durch die unendlich dünnen Wände von den Nachbarn um 6 geweckt. Noch bis 9 rumgewälzt und dann aufgestanden, gefrühstückt und Koffer gepackt. Mit meinem Koffer zum neuen Hotel gewandert. Spontan bleib ich noch ein zwei Tage länger in Taipeh und mache morgen nen Tagesausflug mit Eric. Weiter gings zum Taipeh 101. Dort nach oben in die 89. Etage (380m) in unter 15 Sekunden. Dieser Aufzug ist crazy, der fährt mit 60km/h. Aussicht genossen und weiter gings zum Expogelände und angrenzendem Bauernmarkt. Dort gabs nen Döner, bevor es zurück ging zum Hotel. Einchecken, kurzen Mittagschlaf. Dann wäsche waschen und Einkaufen. Dann gings auch schon wieder schlafen.

    Noch eine Sache, die mir schon vor ein paar Tagen durch den Kopf geschossen ist:

    Als ich mit meinem indischen Freund im Flieger nach Hongkong saß, haben wir uns darüber unterhalten, wie lange wir jeweils an unseren Reisezielen bleiben. Ich meinte, dass ich in Hongkong nur zwei Tage bleibe. Er sagte, dass er sowieso nur auf der Durchreise sei. Dann meinte er: „Die Visaregeln sind schon verrückt und teuer.“
    Ich schaue ihn an und sage: „Ich dürfte hier 90 Tage bleiben und zahle für die Einreise keinen Cent.“ Da saß er fassungslos da.
    Dann habe ich ihm erzählt: Vietnam 45 Tage kostenlos ohne Visum, Taiwan 90 Tage kostenlos, Japan 90 Tage kostenlos, Fiji 90 Tage kostenlos, Australien mehrere Monate. Bisher musste ich auf meiner Reise nur in Neuseeland überhaupt etwas bezahlen – und selbst das waren gerade einmal rund 10 Euro Bearbeitungsgebühr. Er meinte dagegen, dass er für viele Länder kostenpflichtige Visa beantragen müsse und dabei jede Menge Dokumente, Nachweise und Formulare einreichen müsse.
    Da wurde mir erst so wirklich bewusst, wie stark unser kleines dunkelrotes Dokument eigentlich ist. Während Indien im Reisepass-Ranking irgendwo weiter hinten auf Platz 77 liegt, steht Deutschland regelmäßig in der Spitzengruppe (aktuell Platz 4) - was man natürlich weiß, aber nie so wirklich greifbar wird.
    Und da sind wir wieder an dem Punkt angekommen, dass der Ort, an dem du geboren wirst, dir mehr Vorteile verschafft als vieles, was du später im Leben selbst erreichen kannst. Denn selbst wenn er Top-Manager wäre und Millionen im Jahr verdienen würde, müsste er für viele Länder trotzdem Visa beantragen, Nachweise erbringen und auf Genehmigungen warten. Und um es überspitzt zu sagen: Die ärmste Seele in Deutschland kann oft einfach einen Flug buchen und losreisen.
    Man redet oft darüber, wie wichtig Bildung, Fleiß oder sozialer Aufstieg sind. Aber manchmal entscheidet schon die Lotterie des Geburtsortes darüber, welche Türen überhaupt offenstehen... (Wort zum Sonntag ist gesprochen)
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