• Der General und sein Marmor-Schatz

    Mar 3–7 in Chile ⋅ ☁️ 5 °C

    Der angekündigte nächtliche Schneefall in Villa Cerro Castillo blieb uns zum Glück erspart aber der Regen kam dann doch wieder 🌧️
    Nach einer regnerisch, windigen Nacht konnte wir aber immerhin in einer Regenpause die ca. 3000 Jahre alten Handabdrücke bei Villa Castillo besuchen und haben uns dann auf den Weg zum Lago General Carrera gemacht.
    Dort, im zweitgrößten See Südamerikas, gibt es die berühmten Capillas de Marmol (Marmorhöhlen) zu besuchen und wir hatten uns mit Irene&Peter zu diesem Behufe verabredet.

    Auf der Fahrt dahin zeigte sich die Carretera Austral von ihrer deftigen Seite. 120 km ausgefahrenen Schotter hielt sie für uns bereit und als Schmankerl gab's dazu ausdauernden Regen mit tief hängenden Wolken... Schei### war nicht selten zu vernehmen, wenn irgendeines oder alle Räder mal wieder krachend in irgendeinem der zahllosen Schlaglöcher eingeschlagen sind.
    Die Piste ist wahrlich übel...

    Umso mehr ist die Leistung der zahlreichen Radfahrer hervorzuheben. Unglaublich, wie viele, meist junge Leute, sich auf den 1247 km der Carretera Austral abstrampeln.
    Wir sind davon ohnehin schon schwer beeindruckt aber bei 5 Grad und strömenden Regen auf dieser Schei###-Strecke mit bärischen Steigungen bleibt uns nur Demut vor soviel Motivation.

    Zurück zum Wetter... Wie es eben in Patagonien so ist wechselt das Wetter innerhalb von Minuten in strahlendem Sonnenschein, die dichten Wolken reissen auf und plötzlich sind rundum Berge mit weißen Zipfelmützen zu sehen. Sogleich sieht man dann einen Herrn mittleren Alters mit gezücktem Fotoapparat aus einem Blaubär springen, der umgehend die ganze Gegend knipst (der Herr) und meist noch eine Drohne durch die Gegend scheucht 😜
    Obwohl der Fahrbahnzustand einfach nur grauslig ist, war die Fahrt durch die dichten Wälder, entlang an breiten (wirklich breiten) Flüssen ungemein beeindruckend.
    Und am Ende des Tages war er dann plötzlich zu sehen...

    Er - der Lago General Carrera.

    An Schönheit kaum zu übertreffen mit seinem türkis blauen Wasser, umrahmt von schneebedeckten Gipfeln über lieblich - wildromantischen Ufern.
    Uns (und vielen Anderen) gehen die Worte zur Beschreibung dieser Landschaft aus. Man probiert es gern mit "spektakulär", "atemberaubend", "traumhaft", "einzigartig"... alles ganz nette Versuche aber es reicht eben nicht aus...

    Das Wiedersehen mit Irene&Peter war sehr schön und herzlich. 2 Monate nach unserem Abschied in Montevideo hatten wir ja alle Einiges erlebt und dementsprechend viel zu erzählen 🙂

    Die Bootsfahrt zu den Marmorhöhlen hatten wir schnell gebucht. Der Anbieter gibt es ja sehr viele und die Preise sind auch überall gleich.
    Am Donnerstag Morgen ging es dann in einem kleinen Boot und bestem Wetter bei spiegelglattem See los.

    Meine Erwartungen bzgl. der touristisch bestens erschlossenen Höhlen hielten sich ehrlich gesagt in Grenzen... und wurden bei Weitem übertroffen. Es war mal wieder (ja) spektakulär schön und den Besuch auf jeden Fall wert.

    Der Lago General ist auch unser südlichster Punkt in Chile.
    So war das zwar nicht gedacht aber die Zeit reicht leider nicht mehr, um noch bis zum Ende der Carretera Austral nach Villa O'Higgins zu fahren - oder es würde in Fahrstress ausarten. Das wollten wir nicht und haben also unsere Route mal wieder geändert.
    Neuer Kurs - Argentinien - und wir verlassen die Carretera Austral am Südufer des Lago General und wählen die X-265 nach Osten.

    Der Lago hat uns für unsere Entscheidung schon belohnt. Die exponierte Schottersstrecke an seinem Südufer nach Chile Chico ist ein weiteres Leckerli. Sowohl fahrerisch - als auch und natürlich landschaftlich.
    Und weil es mal wieder so schön hier ist haben wir uns für die 120km Piste 3 Tage Zeit genommen und sind danach direkt in den Parque National Patagonia gefahren, welcher gleich daneben beginnt.

    Kleiner Spoiler...wir haben es nicht bereut 😉
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