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    February 26 in Vietnam ⋅ 🌧 27 °C

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    Wir machen einen Tagesausflug, wie alle Touristen, nach Norden. Hier, in der Dschungelgegend wird Kautschuk in Plantagenwäldern geerntet. Das war seinerzeit die Ursache, weshalb Frankreich dieses Gebiet haben wollte. Dort im Dschungel befand sich das Hauptquartier der Rebellenorganisation Südvietnams. Um den Angriffen zu entgehen wurden ca. 250 km Tunnel gegraben. Nahezu die gesamte Infrastruktur befand sich unter der Erde. Nun muss man sich das nicht so vorstellen wie unsere NVA-Bunker, sondern es waren hauptsächlich Kriechgänge, die heute für Touristen ausgebaut wurden. Weil wir alles nun schon Rentner sind lehnen die ehemaligen NVA-Soldaten dieses Erlebnis ab. Wer einmal unter der Erde lebten musste vergisst diese Eindrücke sein Leben lang nicht. Aber für junge Leute ist diese Gegend ein Abenteuerspielplatz, der gerne besucht wird (und wahrscheinlich besucht werden muss). Einheitlich lehnen wir das (kostenpflichtige) Schiessen mit Zündnadelgewehren oder automatischen Waffen der damaligen Zeit ab.
    Zum Mittag gibt es wieder Suppe. Vietnam ist das Land der Nudelsuppen, es ist schwer andere Speisen zu erhalten. Es wird viel Fisch, Garnelen oder Rindfleisch als Einlage angeboten. Wenn es Geflügel gibt, dann gekocht und nicht entbeint. Reis muss häufig extra bestellt werden. Manchmal gibt es Brot dazu.
    Auffallend in diesem sozialistischem Land ist die Sauberkeit, auch wenn es hier und da „normal verschmutzt“ aussieht. Die Partei hat ihre Ohren und Augen nicht überall. Da nützen auch die Spruchbänder mit patriotischen Losungen nicht viel. Armut gibt es trotzdem, denn in den Städten leben Menschen auf den Straßen. Aber gebettelt wird nicht. Bekiffte Personen sind außerordentlich selten. Versteckte Prostitution gibt es, aber die alten Seitengassen, in denen das Rotlicht zu Hause war, sind jetzt „Kulturbezirke“ und werden genau beobachtet. Sie sind jetzt Vorzeigebezirke für Touristen, die zeigen, wie sauber und gut man in Vietnam leben kann, wenn man den Marxismus kreativ anwendet. Ein großes Problem sind Behinderte. Zwar sieht man in Saigon ab und zu körperlich Behinderte oder Taubstumme Personen, aber für Blinde ist die Stadt ein Horror. Gehsteige sind Parkplätze oder Plätze für Verkaufswagen. Selbst in der „Innenstadt“ werden die Führungslinien mit Poller zugebaut, um Rollerfahrern das Leben zu erschweren. Geistige Behinderungen werden als Strafe Gottes und als Last angesehen und zu Hause versteckt gehalten. 3-15 % der Bevölkerung (doppelt so viel wie in Deutschland) sind behindert, wovon man im Stadtbild wenig sieht.
    Ben Thah soll das Stadtzentrum sein. Eine Handvoll Highlights, die entweder geschlossen oder über Jahre eingerüstet sind (Notre Dame) neben sehr schönen Häusern aus der Franzosenzeit vermitteln etwas Flair. Der Präsidentenpalast mit seinem Park wird nur aus dem Bus gezeigt, das Kriegsrestemuseum wird nicht erwähnt, Pagoden und Tempel sind Tabu. Im Postamt drängeln sich daher die Touristen, die mit den großen Organisationen reisen. Vietnam leidet ein wenig darunter, dass nur wenige Touristen nochmals das Land besuchen, obwohl man Abzocke und Nepp erfolgreich bekämpft hat. Die Nobelmarken sind vertreten. Wir bummeln ein wenig (angenehm!) und steigen auf das höchste Gebäude der Stadt. Ich setzte mich ab und gehe über die Partymeile. Oh je! Laut, reißerisch ohne was dahinter, Schlepper, aber erschwingliche Preise. Und das, obwohl das Einkommen doppelt so hoch ist wie in Kambodscha aber gefühlt nur 30 Prozent der Touristen da sind.
    Den angeblichen Markt und das historische Zentrum (Cholon, heute das größte China-Town der Welt mit 1 Millionen Chinesen) der Stadt dürfen wir nicht sehen. Wahrscheinlich schämen sich die Kommunisten wegen ihrer chinesischen Vergangenheit oder unser Veranstalter möchte nicht, dass wir ohne Kontrolle sind. Ja, mit 8 Personen reist man anders als zu dritt. Also bleibt mir nur, diese Sachen im „Lonly Planet“ zu studieren. Spart zumindest Reisekosten.
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