9
Yesterday in Vietnam ⋅ ☁️ 21 °C
Zentralvietnam beschreibt der „Lonly Planet“ mit „Königreich der Höhlen, ländliche Gebiete, Ökoabenteuer“. Alles das kann ich rückblickend auf den gestrigen Tag bestätigen.
Das heutige Ziel ist Vinh und bildet die Grenze zum eigentlichen Norden Vietnams. Markant ist nicht nur der Hafen, sondern die vielen katholischen Kirchen. Auch wenn Jürgen sagt ich könne schlecht sehen, so habe ich heute mehr katholische Kirchen auf der ca. 200 km Fahrt gesehen, als Tempel oder Pagoden. Immerhin ist Vinh spätestens seit der Franzosenzeit ein Industriezentrum und Sitz des eines der 25 Bistümer der römisch-katholischen Kirche Vietnams. Es ist heute nicht möglich gewesen eine der Kathedralen, die teilweise unvermittelt am Horizont erscheinen, zu besuchen. Dafür fahren wir am Jesuiten-Colleg vorbei.
Eigentlich ist der heutige Tag negativ. Es regnet ununterbrochen 4 Stunden lang. Danach gibt es wenigstens ein paar Auflockerungen und die Temperaturen steigen auf über 20 grad. Da macht dann auch ein heißer Kaffee keinen Spaß. Zum Mittagsimbiss genügt eine Schale mit gebratenem Reis und warmen Tee. In einer Regenpause kommen wir am Monument Nga Ba Dong Loc an. Bekanntlich wurde Nordvietnam erheblich bombardiert. Eine Bombe tötete hier 10 junge Frauen, die mit Strassenausbesserungsarbeiten beschäftigt waren. An dieser Stelle ist jetzt ein propagandistischer Friedenspark eingerichtet. Ganze Familien, Brigaden und Gesellschaften besuchen das Gelände um Kränze niederzulegen, der Toten zu gedenken oder einfach nur die ausgestellte Kriegstechnik zu bestaunen. Der Park ist zu weitläufig um alles zu sehen.
Das Hotel ist ein 5-Sterne Hochhaus im Zentrum. Es wurde hier viel Entwicklungshilfe von Deutschland geleistet, so dass ausnahmsweise die Bundesrepublik Projekte der DDR weiterführte. Wir merken es an den von der DDR geplanten Alleen, die heutzutage wie alle Straßen verstopft sind. Aber auch einige deutsche/europäische Automarken im Stadtbild sind ein Zeichen dafür. Zum ersten Male sehen wir an einer viel befahrenen Kreuzung sogar Verkehrspolizei in Aktion.Read more
8
March 3 in Vietnam ⋅ 🌧 25 °C
16
Eigentlich ist schönes Wetter angesagt, nur über Mittag ein Schauer. Stattdessen nieselt es bei der Abfahrt und bei der Ankunft. Zwischendurch klettert das Thermometer auf erträgliche 26 grad. Es sind heute nur ca. 50-60 km. Die abenteuerliche Route führt durch einen Teil des Ke-Bang-Nationalparks. Dieser Park besteht zu 90% aus primären Wald, der nicht von Menschen beeinflusst wurde. Dadurch gibt es ein hohes Maß an Biodiversität, wobei die wilden Bananen wie Unkraut wuchern. Hier befindet sich auch der meist geheime Teil des Ho-Chi-Minh-Pfades, der parallel zum Asian Highway verlief. Der Highway konnte aus der Luft gut beobachtet und bombardiert werden. Deshalb erfolgte der Zustrom von Kämpfern und Nachschub jeder Art aus dem Norden auf gebirgigen Pfaden und Pisten. Weil Vietnam an der schmalsten Stelle nur 40 km breit ist, nutzte man auch das Terretotium der Nachbarstaaten Laos und Kambodscha. Heute lassen sich die, zumeist Betonstraßen, gut mit dem Mottorrad fahren, zumal kaum Verkehr ist. Nur ein paar verrückte Jugendliche Radfahrer quälen sich bei den Temperaturen bis auf Wolkenhöhe und mehr.
Die Karstformation des Nationalparks Phong Nha-Ke Bang hat sich seit dem Paläozoikum vor etwa 400 Millionen Jahren entwickelt und ist die älteste bedeutende Karstregion in Asien. Der Nationalpark wurde 2003 durch die UNESCO in die Liste der Weltnaturerbestätten Vietnams aufgenommen. Er liegt unmittelbar an der Grenze zu Laos und gehört zum Truong-Son-Gebirge, auch Annamitische Kordillere genannt, eine etwa 1100 Kilometer lange Gebirgskette, die für ihre bizarren Kalkfelsen und -höhlen sowie für seine große Artenvielfalt bekannt geworden ist. Der höchste Gipfel im vietnamesischen Teil ist mit 2711 Metern der Phu Xai Lai Leng. Den erreichen wir natürlich nicht, sondern kraxeln auf 400 bis 850 m Höhe.
Am Nachmittag machen wir eine Bootsfahrt zu den Phong Nha Höhlen. Die Höhlen entwickelten sich vor ungefähr 250 Millionen Jahren, sind die größten der Welt und die schönsten Höhlen Vietnams. Die Höhlen sind mindestens 8 Km tief mit einem Netz von unterirdischen Flüssen, die über 65 Km lang sind. Im April 2009 entdeckten britische Forscher in diesem Nationalpark zwanzig neue Höhlen mit einer Gesamtlänge von 56 Kilometern, darunter die Sơn-Đoòng-Höhle, nach Angaben der Forscher die größte der Welt. Ist schon interessant. Wir fahren mit dem Boot, und in den Höhlen müssen die vietnamesischen Boots-führer/Innen paddeln.
Wir übernachten in einem kleinen Dorf in der Nähe. Ein Belgier hat sich nicht nur in Vietnam verliebt und betreibt nach einer Odyssee durch das Land hier im Norden eine Logde.Read more
Xã Cửa Tùng
March 2 in Vietnam ⋅ ☀️ 32 °C
15
Hue soll die alte Kaiserstadt sein. Ursprünglich nur im Bereich Nordvietnams erstreckte sich das vietnamesische Kaiserreich in seiner größten Ausdehnung über den gesamten Bereich Vietnams. Erst 1802 wurde Hue Hauptstadt. Die Tempelanlagen werden von einer Zitadelle umgeben, welche die französische Schutzmacht mit konstruierte. Der Kaiser lebte in einem geschlossenen Bezirk, ähnlich der verbotenen Stadt in Peking. Jürgen sagt, dass eine Besichtigung dieser 24 Hektar unseren Zeitrahmen sprengen würde. Aber einen Fotostop an diesem UNESCO Weltkulturerbe machen wir!
Wir fahren durch atemberaubende Landschaften Vietnams. Zum Glück sind die Temperaturen heute mit 26-29 grad erträglich und wir fahren die Küstenstraße entlang. Idyllisch genießen wir einen Kaffee am Strand. Es ist alles einfach und landestypisch. Mit unseren Motorrädern fahren wir kleine Wege und teilweise auch den Highway. Bei einer wunderschönen Pagode (eigentlich sind es mehrere beieinander liegende Pagoden) machen wir Fotostop.
Wir nähern uns dem 17. Breitengrad, der Grenze zwischen Nord- und Südvietnam. Nach dem Pariser Abkommen, bei dem Ho Chi Minh seine Ziele nicht erreichen konnte, war dies eine 10 km breite entmilitarisierte Zone. Beide Seiten hielten sich nicht daran: der Norden schmuggelte Waffen und Amerika bombardierte das zu Nordvietnam gehörende Gebiet. 7 Tonnen Bomben pro Einwohner führten dazu, dass man sich in dem Karstboden ein 2,5 km langes Tunnelsystem baute.
Unser Hotel ist ein Hochhaus am Rande der Stadt. Irgendwie beschleicht einem das Gefühl, dass alles strenger abläuft.Read more
6
March 1 in Vietnam ⋅ ☁️ 25 °C
14
Es geht los. Bereits um 8 Uhr sind wir unterwegs.Es sollen heute nur 34 Grad werden.
DerSüden von Da Nang besucht durch seine vielen mondänen Ressorts. Angeblich besteht der Strand hier aus weißem Sand. Kein Wunder dass sich Hochhaus an Hochhaus und Club an Club entlang der Küstenstraße reiht. Erst weit im Zentrum können wir halten und erahnen, wie man es sich hier als Tourist gut gehen lassen kann. Auffallend ist die Sauberkeit, die einen Vergleich mit anderen Urlaubsregionen in Nordafrika, in der Türkei oder Europa schwer macht. Wir halten an einem Marmorladen und bestaunen die mannshohen Figuren. Hier in den Bergen soll es sehr reinen und festen Marmor geben. So richtig hat das keiner der Teilnehmer wahr genommen.
Weiter geht es den „Wolkenbergen“ entgegen. Die Wolken hängen so tief, dass die ca 800 m hohen Berge ihre Spitzen aus den Wolken stecken. Doch zuvor fahren wir an hunderten Fischerbooten im Hafen vorbei. Heute ist kein gutes Wetter zum Fischen. Weil China weite Teile des Meeres beansprucht bleibt für Vietnam nur ein kleiner Küstenstreifen zur Bewirtschaftung. Und in diesem Teil ist der Fischfang sehr vom Wetter abhängig.
Der „wolkenpass“ ist nur 400 m hoch und schlängelt sich in Serpentinen hinauf. Weil man es hier gewohnt ist Scooter zu fahren kommen wir mit unseren 150 bzw. 250igern gut voran. Wenn nicht die Pkw wären, die uns in jeder Kurve ausbremsen und permanent die Mittellinie unter ihr Fahrzeug nehmen. Wir genießen den Ausblick um bei der Abfahrt festzustellen, dass es noch schlimmer gehen kann. Ein Schwerlasttransporter hat in einer Kurve Reifenpanne. Der Fahrer schläft, bis der Schaden behoben werden kann. Solange warten unterwegs die anderen LKW und ganz unten stauen sich mehrere Schwerlasttransporte, die über den Pass wollen.
Wir besuchen ein Restaurant und essen eine Kleinigkeit. Auffallend, dass dieser Teil überwiegend Touristen aus dem asiatischen Teil besucht wird, während in Da Nang sich durchaus Europäer wohl fühlen. Um 12 Prozent ist der Tourismus in diesem Jahr in Vietnam gestiegen und einige Sehenswürdigkeiten mussten wegen Überfüllung schließen.
Das Gebirge reicht bis an das Ufer der „Ostsee“, wie die Einheimischen das ostchinesische Meer nennen. Manchmal trifft man auch auf die Gleise der Eisenbahn, welche die Franzosen um 1880 gebaut haben. Dann kreuzen sich der Asiatische Highway 1 (Istanbul - Tokio) mit diesen ehrwürdigen Gleisen. Wir benutzen aber überwiegend Nebenstraßen. Das ermöglicht es uns Einblicke in das ländliche Leben zu nehmen. Die Menschen sind für unsere Verhältnisse unglaublich arm. Auch wenn eine gute Reisernte den 10 fachen Ertrag von einer schlechten Weizenernte bringt, reicht es bei den vielen Menschen nicht aus. Die Felder sind zu klein, Mechanisierung ist gering, Wasserbüffel dominieren, Gemüsebau ist im kommen. Dabei ist das Durchschnittseinkommen doppelt so hoch wie in Kambodscha und das Bildungswesen ist gut entwickelt. Neben den universitären Studiengängen gibt es auch berufsorientierte Colleges. Trotzdem sind viele junge Leute in der „Warteschleife“, weil es an echten Perspektiven fehlt.
Hue, die alte Kaiserstadt, empfängt uns unerwartet. Zunächst meinen wir an einer Pagode zu halten. Die chinesischen Schriftzeichen signalisieren eine Pagode der 3 Chinesischen Hauptrichtungen des Buddhismus: Zen, Konfuzius und Dao. Die Altgläubigen finden wir überwiegend in Kambodscha. Leider reicht weder die Zeit noch ist es das Ziel uns die Besonderheiten und Unterschiede zu erklären. Fakt ist nur, dass bei den 3-6 % Kommunisten, die das Land beherrschen es 60 % Buddhisten der verschiedenen Richtungen in Vietnam gibt. Daneben gibt es noch 10 % Katholiken, deren kirchgebäude unübersehbar sind. Muslime sind nicht zu erkennen.
Wir passieren die City of Ghost (An Bang Cemetery). Danach muss ich die königsgräber nicht mehr sehen. https://unseenvietnamtours.com/city-of-ghosts-d…
Einfach imposant dieser gigantische Friedhof der sich über mehrere Kilometer hinzieht, und den unterschiedlichen (überwiegend buddhisitischer) Religionen als monumentale bestattungsfläche diente.
In Hue werden wir im Stadtzentrum untergebracht. Kulturbanausen oder nicht, völlig durchgeschwitzt nach 170 km bei 36-38 grad im Schatten ist der swimming Pool wichtiger als die Kultur dieser Kaiserstadt. Umso interessanter ist der Abend. Über die Hälfte der Besucher der Vergnügungsmeile, die 10 mal größer ist als in Saigon, sind Europäer oder Amerikaner oder Australier/Neuseeländer. Es ist laut, aber nicht grell und man weiß was die Touristen mögen. Erstaunt und mit gemischten Gefühlen geht der Tag zu Ende.Read more
5
February 28 in Vietnam ⋅ 🌙 24 °C
13
Häufig sind Hektik und Chaos ein Zeichen von Unsicherheit. Nachdem wir mit 1,5 Stunden Verspätung endlich auf den Motorrädern saßen, lief alles wunderbar. Die 125iger Crossmaschine (warum eigentlich Crossmotorräder?) schnurrte und zog gut. Auch die Sitzbank war nicht allzusehr unbequem. Leider musste ich mich zu sehr auf das Fahren konzentrieren, so dass es keine Gelegenheit gab die wunderbare Landschaft zu fotografieren. Man musste die vielen Eindrücke im Vorbeifahren mitnehmen. Reisfelder, die in Kambodscha abgeerntet waren, stehen hier im satten Grün. Zwischendurch kleine Gruppen zu zweit oder viert Touristen auf Fahrrädern. Wolkenverhangene Bergzüge im Hintergrund. Reich geschmückte Dörfer weil ja bald Wahlen sind. Buddhistische Feste mit Musik. Schulen mit hunderten Kindern an einem normalen Sonnabend. Ja, das Leben ist vielfältig. Der Verkehr erfordert Aufmerksamkeit und konsequentes fahren. Manchmal sind es nicht nur Touristen, die sich nicht vorausschauend verhalten.
Wir halten an einer Ruinenstätte (Weltkulturerbe), ein ehemaliger hinduistischer Tempel aus der Cham-Zeit. In dieser Gegend entlang des 17. Breitengrades lebten die Cham zwischen den Chinesen im Norden und den Khmer im Süden. Ihr Königreich bestand fast 2000 Jahre bis ca. 1831. Zwar haben die Kommunisten mit Religion nicht viel Berührung, deshalb hilft der indische Staat und Mercedes und die Firma Würth bei der Restaurierung.
Es ist der letzte Tag des 3 wöchigen Neujahrsfestes. Im Stadtzentrum ist sehr viel Betrieb. Endlich ein Restaurant , in dem es nicht nur Nudeln gibt. Ich verzichte auf das tiramisu und jeder der mich kennt weiß was das heißt! Eine versöhnliche Mondscheinfahrt mit dem Boot rundet den Tag ab.Read more
4
February 27 in Vietnam ⋅ ☁️ 27 °C
12
Wiedereinmal ein Abflug. Die Bustouristen haben um 7.30 Uhr schon das Hotel verlassen. In aller Ruhe können wir frühstücken und reflektieren. Saigon, die sprudelnde Metropole, verabschiedet uns. Einige Teilnehmer von uns haben schon Motorradsachen an, sicher voller Vorfreude. Es geht in die Mitte des Landes, in die Nähe von Da Nang, Fürsorglich werden wir zum Flugplatz begleitet. Obwohl es ein Inlandsflug ist müssen wir durch die Immigrationskontrolle. Bei der Security müssen die Schuhe ausgezogen werden. Die umweltfreundliche volle Stahlflasche am Rucksack findet keine Beachtung. In Da Nang empfängt uns starker Regen. Unsere Gesichter ziehen sich sorgenvoll zusammen und die Stimmung wird bedrückt. Der Urlaubsort Hoi An im Süden war vor 200 Jahren ein wichtiger Hafen an der Küstenstraße. Seit dem Bau der „Autobahn“ ist der Verkehr auf ein erträgliches Maß gesunken. Heut flanieren Urlauber durch die Straße und den Seitengassen im Zentrum.
Wir essen landestypisch, sicher eine Vorbereitung auf kommende Ereignisse. Ich schlafe unruhig: werde ich den Herausforderungen der kommenden Tage gerecht werden können? Werden wir die Möglichkeiten die sich uns bieten nutzen können oder vertrödeln wir unsere wertvolle Zeit?Read more
3
February 26 in Vietnam ⋅ 🌧 27 °C
11
Wir machen einen Tagesausflug, wie alle Touristen, nach Norden. Hier, in der Dschungelgegend wird Kautschuk in Plantagenwäldern geerntet. Das war seinerzeit die Ursache, weshalb Frankreich dieses Gebiet haben wollte. Dort im Dschungel befand sich das Hauptquartier der Rebellenorganisation Südvietnams. Um den Angriffen zu entgehen wurden ca. 250 km Tunnel gegraben. Nahezu die gesamte Infrastruktur befand sich unter der Erde. Nun muss man sich das nicht so vorstellen wie unsere NVA-Bunker, sondern es waren hauptsächlich Kriechgänge, die heute für Touristen ausgebaut wurden. Weil wir alles nun schon Rentner sind lehnen die ehemaligen NVA-Soldaten dieses Erlebnis ab. Wer einmal unter der Erde lebten musste vergisst diese Eindrücke sein Leben lang nicht. Aber für junge Leute ist diese Gegend ein Abenteuerspielplatz, der gerne besucht wird (und wahrscheinlich besucht werden muss). Einheitlich lehnen wir das (kostenpflichtige) Schiessen mit Zündnadelgewehren oder automatischen Waffen der damaligen Zeit ab.
Zum Mittag gibt es wieder Suppe. Vietnam ist das Land der Nudelsuppen, es ist schwer andere Speisen zu erhalten. Es wird viel Fisch, Garnelen oder Rindfleisch als Einlage angeboten. Wenn es Geflügel gibt, dann gekocht und nicht entbeint. Reis muss häufig extra bestellt werden. Manchmal gibt es Brot dazu.
Auffallend in diesem sozialistischem Land ist die Sauberkeit, auch wenn es hier und da „normal verschmutzt“ aussieht. Die Partei hat ihre Ohren und Augen nicht überall. Da nützen auch die Spruchbänder mit patriotischen Losungen nicht viel. Armut gibt es trotzdem, denn in den Städten leben Menschen auf den Straßen. Aber gebettelt wird nicht. Bekiffte Personen sind außerordentlich selten. Versteckte Prostitution gibt es, aber die alten Seitengassen, in denen das Rotlicht zu Hause war, sind jetzt „Kulturbezirke“ und werden genau beobachtet. Sie sind jetzt Vorzeigebezirke für Touristen, die zeigen, wie sauber und gut man in Vietnam leben kann, wenn man den Marxismus kreativ anwendet. Ein großes Problem sind Behinderte. Zwar sieht man in Saigon ab und zu körperlich Behinderte oder Taubstumme Personen, aber für Blinde ist die Stadt ein Horror. Gehsteige sind Parkplätze oder Plätze für Verkaufswagen. Selbst in der „Innenstadt“ werden die Führungslinien mit Poller zugebaut, um Rollerfahrern das Leben zu erschweren. Geistige Behinderungen werden als Strafe Gottes und als Last angesehen und zu Hause versteckt gehalten. 3-15 % der Bevölkerung (doppelt so viel wie in Deutschland) sind behindert, wovon man im Stadtbild wenig sieht.
Ben Thah soll das Stadtzentrum sein. Eine Handvoll Highlights, die entweder geschlossen oder über Jahre eingerüstet sind (Notre Dame) neben sehr schönen Häusern aus der Franzosenzeit vermitteln etwas Flair. Der Präsidentenpalast mit seinem Park wird nur aus dem Bus gezeigt, das Kriegsrestemuseum wird nicht erwähnt, Pagoden und Tempel sind Tabu. Im Postamt drängeln sich daher die Touristen, die mit den großen Organisationen reisen. Vietnam leidet ein wenig darunter, dass nur wenige Touristen nochmals das Land besuchen, obwohl man Abzocke und Nepp erfolgreich bekämpft hat. Die Nobelmarken sind vertreten. Wir bummeln ein wenig (angenehm!) und steigen auf das höchste Gebäude der Stadt. Ich setzte mich ab und gehe über die Partymeile. Oh je! Laut, reißerisch ohne was dahinter, Schlepper, aber erschwingliche Preise. Und das, obwohl das Einkommen doppelt so hoch ist wie in Kambodscha aber gefühlt nur 30 Prozent der Touristen da sind.
Den angeblichen Markt und das historische Zentrum (Cholon, heute das größte China-Town der Welt mit 1 Millionen Chinesen) der Stadt dürfen wir nicht sehen. Wahrscheinlich schämen sich die Kommunisten wegen ihrer chinesischen Vergangenheit oder unser Veranstalter möchte nicht, dass wir ohne Kontrolle sind. Ja, mit 8 Personen reist man anders als zu dritt. Also bleibt mir nur, diese Sachen im „Lonly Planet“ zu studieren. Spart zumindest Reisekosten.Read more
2. Tag
February 25 in Vietnam ⋅ ☁️ 26 °C
10
Mein Eindruck hat nicht getäuscht: Vietnam ist was für Bustouristen. Auf eigene Faust etwas zu unternehmen ist in diesem kommunistischen Land schwer.
Wir werden früh abgeholt und mit dem Kleinbus aus der Stadt gefahren. Zwar war das Frühstück etwas besser als in Kambodscha, aber dafür war der Kleinbus abenteuerlicher. Im Mekongdelta lernen wir Vietnam insight kennen. Zunächst werden wir in einem Zentrum abgeliefert, in dem man sich über Seide, Bambus und Kokos informieren kann. Wie in der Türkei und Ägypten fehlt der Shop nicht. Unser Schwerpunkt heute liegt auf Kokos! Wir besteigen ein Boot einer Kooperative und besichtigen eine traditionelle Ziegelei. Im Strangguss werden Hohllochziegel und Vollziegel aus tonhaltiger Erde in Handarbeit gebrannt. Dahinter bestaunen wir das entfernen der Schale von Kokosnüssen in Handarbeit, teilweise im Akkord. Erst danach sind sie in der Form, wie wir sie kennen. Manuell werden sie aufgeschlagen und der Saft entfernt. Teilweise ist er schon dick, weil die Nuss überreif ist. Schmeckt aber trotzdem gut! Dann wird das sehr ölhaltige Mark rausgeschält. Das Öl nennen wir Palmöl und benötigen es für Seife, Margarine oder Schokolade. Dazu muss aber die Schale entfernt werden, die auch nochmal ausgepresst wird. Es ist sicher, dass ich jetzt bei jedem Biss in eine Schokolade an die ca. 10 Personen denken werde, die eine Stunde für diesen Bissen arbeiten müssen. Auch die Produktion von „Werthers Echte“ haben wir Teil. Dabei wird die abgelassene Milch eingekocht, so dass eine klebrige Masse entsteht. Jeder Bonbon wird von Hand geformt und eingewickelt, zumindest für uns Touristen. Natürlich dürfen wir auch hier alle Produkte aus Kokosnüssen kaufen. Beim Mittag bekommen wir noch die Technik des „Strohmattenwebens“ mit. Ok, das Mittag ist abwechslungsreich und den Kaffee und den Schnaps am Ende muss man bezahlen. Eine kurze Fahrt mit einem Boot zum Staken durch das Delta rundet den Eindruck über dieses große Flusssystem ab.
Der Mekong ist ca. 4500 km lang und einer der längsten Flüsse der Erde. Die 9 Hauptarme des Delta sind je 2 km breit. Seine Tide liegt bei 10-15 m zwischen der Trocken- und Regenzeit. Hier im Delta gilt der größte See in Kambodscha als Polder bzw. Vorfluter. Deshalb ist dort der Höhenunterschied bemerkbar, während er hier am Ausgang des Flusses nur 1-2 m beträgt.
Vietnam ist kommunistisch. 6 Prozent Parteikader bestimmen über 10 Millionen Menschen. Es gibt nur eine Partei und die revolutionären Parolen hängen überall herum. Schließlich sind im März Wahlen und es wird eine Wahlbeteiligung von 100 Prozent geben und alle Kandidaten der kommunistischen Partei werden in Politik und Verwaltung mit überwältigender Mehrheit gewählt werden.
Des Straßenverkehr verläuft gesittet und Staus von 40 km Länge sind zur Hauptverkehrszeit normal. Wie gut, wen man einen Motorroller hat.
Wir essen landestypisch; ein Curry wäre mir lieber, aber in einer Gruppe muss man sich fügen.
Bei meinem alleinigen abendlichen Bummel stelle ich fest, dass Saigon eine gewöhnungsbedürftige Stadt ist. Die Sportstätten sind gut besucht aber die Sehenswürdigkeiten sind nichteinmal angestrahlt. Offensichtlich sollen die Touristen abends schön in Gruppen im Hotel verbringen und sich vom Reiseleiter unterhalten lassen oder es gibt nur wenige Hotspots.
Morgen tauchen wir in die Geschichte ein. Da soll alles anders werden!Read more
Ho-Chi-Minh-Stadt
February 24 in Vietnam ⋅ ☁️ 25 °C
9b
Vietnam
Jeder aus der ehemaligen DDR kann etwas erzählen über dieses kommunistische Land. Bereits bei der Einreise fällt die Bürokratie und Ineffizienz bei der Passkontrolle auf. Wir werden zum Hotel gebracht, wo schon die Reisegruppe auf uns wartet. Beim Gang durch ein Altstadtviertel fällt auf, dass alles extrem sauber ist. Anzeigetafeln verkünden wer wann wo Dienst hat. Wenn man es schon mal anders gesehen hat dann wirkt diese Sauberkeit künstlich. Im Restaurant wirkt alles geschäftstüchtig, aber irgendetwas fehlt. Wir vermissen die Freundlichkeit und auch der Service (kalte Biergläser, englischsprachige Speisekarten) könnte besser abgestimmt sein.
Am ersten Tag ereignet sich nicht viel: kleiner Bummel, Bier trinken und erzählen. Das heißt: bis auf den Flug passiert heute Nichts.
Saigon (offiziell Ho Chi Minh Stadt HCMS) ist ein sprudelnder Moloch. Je nach Zählung sollen 3-10 Millionen Menschen hier wohnen. Einige behaupten sogar 20 Millionen, was der Gesamtbevölkerung Kambodschas entspricht. Die Fahrweise der vielen Mopeds ist robuster, der Verkehr ist dichter, es gibt Ampeln und Striche auf den Straßen die beachtet werden. Wie in jedem kommunistischen Land hängen überall Fahnen und Wimpel. Der Nahverkehr scheint zu funktionieren und es gibt sogar eine U-Bahn. Der Anteil der chinesischen Bevölkerung scheint geringer zu sein, zumindest in unserem Viertel.weil viele Teilnehmer vom Flug erschöpft sind begeben wir uns eher zur Nacht. Urlaub, Nichtstun.Read more





































