• Stonetown

    20. marts, Tanzania ⋅ ☁️ 28 °C

    Ich merke, professionelles Nixtun klappt hier nicht wirklich. Kein Scherz, es ist zu heiß. Bei gemütlichen 35 Grad und unfassbarer Luftfeuchtigkeit liegen wir im eigenen Saft oder drinnen im sanften Zug der Klimaanlage. (Oder im Pool, der mit 29 Grad Wassertemperatur tatsächlich kühlt)

    Also… schwitzen können wir auch woanders und damit ich nicht weiter von Fleecejacken im Schwarzwald träume, fahren wir gleich nach Stonetown. In die Altstadt von Tansania Stadt…

    … und ich muss sagen, das war ein Erlebnis. Kurz ein paar Fakten:

    Stonetown ist wie gesagt die Altstadt von Sansibar Stadt, also der Hauptstadt. Sie besteht aus 1.200 Gebäuden, die sich dicht an dicht nur durch winzige Gassen getrennt zwischen denHafen (westlich) und die Neustadt (östlich) quetschen.
    Es gibt in Stonetown 2 Kirchen (eine ev und ein rk), 4 Hindu Tempel und 52 Moscheen. Etwa 20.000 Menschen leben in der ganzen Stadt (also 10% der gesamten Bevölkerung aller Inseln, die zu Sansibar gehören). wieviele davon in der Altstadt, kann ich nicht sagen. Kann sehr wahrscheinlich keiner sagen bei dem Gewusel.

    Reich wurde Sansibar durch den Sklavenhandel. 600.00 Sklaven wurden aus dem Hafen nach Arabien verschifft. (Wenigstens waren es mal nicht die Europäer, auch wenn zwischendurch mal Spanier und auch Engländer hier waren.

    Heute Abend endet der Ramadan, also war noch mehr Gewusel als sonst und vor allem, noch mehr Stromausfälle, weil alle gleichzeitig backen. Kein Scherz!

    Unser Lieblingsfahrer Mr White holte uns vom Hotel ab (der mit dem Taxi mit dem Steuerknüppel, der in Deutschland unter das Jugendschutzgesetz fallen würde, aber super leuchtet dank USB Anschluss am Radio) und Mata, ein fließend deutsch sprechender Sansibarer Mitte 20, nahm uns als Guide in Empfang.

    Und los ging es. Ohne Mata wären wir wohl immer noch und sehr wahrscheinlich bis ans Ende unserer Tage in den Gassen, völlig verloren und orientierungslos, aber er lotste uns souverän durch alle Straßen. Besser gesagt Gassen.

    Unten auf Straßenniveau herrschte entweder heilloses Gedränge oder gähnende Leere. Ein Laden reiht sich an den nächsten, alle kauften, feilschten und versuchten, den wahnsinnigen Mopeds auszuweichen, die ungebremst durch die Enge fuhren. Im Souk gab es mehr Obst, als man sich erträumen konnte und es roch nach Gewürzen. Es roch nach Orient. Also nach allem, wofür Sansibar bekannt ist.

    @ Anja und Regina, meine mitlesenden Küchen-Göttinnen, ich hab Gewürze für euch gekauft. Nicht ohne Hintergedanken allerdings😉

    Am Hafen gibt es eine Park, in dem leben unzählige Katzen. Und ich, die ich ja eher zu den islamkritischen Menschen zähle, muss gestehen, eines gefällt mir sehr gut. Sie mögen Katzen. Denn Katzen, im Gegensatz zu Hunden (sorry Socke, aber wir lieben dich trotzdem), sind rein für sie. Also werden die Katzen nicht nur toleriert sondern gepflegt und gefüttert. (Kastrieren wäre auch eine Idee, aber füttern ist ja schon mal ein Anfang)

    Sollte ich also jemals nach Sansibar ziehen, das wäre mein Lieblingsplatz!

    Ansonsten ist es wie überall, viele Gebäude sind verfallen und unbewohnbar, das stört aber keinen. Nicht einmal, wenn es so berühmte sind wie der alte Sultanspalast oder das sgn. Haus der Wunder (es war das erste Haus auf Sansibar mit Wasser, Strom und sogar einem Aufzug). Is dann halt so. Dach eingefallen, Türe zu und gut is.

    Apropos Türen… Türen spielen eine große Rolle hier. Sie sind aus prächtigem Tropenholz und man erkennt ihre Herkunft, bzw. die der jeweiligen Bewohner. Mit Ketten im Holzstuck, Runde Metallpieker und oben gerade-arabisch. Ohne Ketten, spitze metallpieker und oben rund-indisch.

    Es gibt eine Menge Inder hier. Ganze Gassen sind fest in indischer Hand.

    Und es gibt ganz wunderbare Rooftopbars, von denen aus man herrliche Bilder machen kann. Auch wenn der Himmel ein wenig verhangen war.

    Also ein aufregender letzter Tag. Aber wir sind froh, dagewesen zu sei.

    Und ehe ich es vergesse noch ein kleiner Funfact: es gibt eine 1,5km lange Plattenbausiwdlung, die stark an Bautzen zu seinen besten DDR Zeiten erinnert. Und das nicht ohne Grund, denn als Sansibar selbstständig wurde und sozialistisch (ja, das waren sie auch mal. Nach dem letzten Sultan), schickte Walter Ulbricht (ja genau, der DDR Ulbricht) vor lauter Begeisterung einen Bautrupp hierher, um eben diese Plattenbauten zu bauen. Sozusagen als Willkommensgeschenk unter sozialistischen Freunden. Mega. Und Mega schäbbig. Aber… wenigstens fertig gebaut, wan man -wie bereits erwähnt- nur von den wenigsten Häusern hier sagen kann.

    So und damit endet unser letzter Tag. Morgen Abend sitzen wir im Flugzeug Richtung Zürich. Ich muss gestehen, ich freu mich drauf. Es wird die erste Nacht in einem Bett sein, das allemal bequemer ist als unser jetziges. Nach Boxspringbetten in den Lodges liegen wir hier auf einem Hängemattenartigem Brett aus Schaumstoff mit Liegekulle aus der man schwer rauskommt, geschweige denn sich drehen kann.

    Gute Nacht Freunde, oder wie man hier sagt: lala salama!
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