• Alzani-Tal Wein zu Wein

    Sep 27–29, 2025 in Georgia ⋅ 🌧 15 °C

    Als Abschluß unserer Georgien-Reise hat die Vermieterin unseres Quartiers für uns einen Tagesausflug organisiert, der es in sich hatte: 4 Weingüter und zwei Klöster. Das in den Weingütern jeweils Degustationen vorgenommen werden, versteht sich. Nur das Wetter war diesmal so gar nicht auf unserer Seite, bis auf eine Ausnahme.
    Wir hatten für den ganzen Tag einen Chauffeur samt Benz zur Verfügung, der uns überall hin brachte und auch wartete bis wir wieder herzu kamen. Wir haben das schöne Herrenhaus samt Park von Chavchavadse besichtigen können, eine Führung durch die Räume dieser in Georgien sehr geschichtsträchtigen Familie gemacht und als Opener gab es dann vom zugehörigen Weingut Tsinandali einen Qvevri-Weißwein, der ganz ordentlich war. Der Gründer des Weinguts hat im Übrigen die Weinabfüllung auf Flaschen in Georgien eingeführt. Vorher lieferte nan Wein in Amphoren. Danach wurden wir direkt nebenan zum Weingut Shumi gebracht, wo es zu nieseln begann und auch die Temperaturen mit 12 Grad nicht direkt zum draußen sitzen einluden. Aber wir waren ja nicht zum Spaß da. Und vor der Verkostung gab es noch eine Führung durchs Weingut mit allerhand Informationen. Da aber unser Englich not so the yellow from the egg ist hatten wir ganz schön zu tun, der recht schnell sprechenden jungen Frau zu folgen. So dass es am am Ende nicht nur im Kopf schwirrte sondern dieser auch nach Wein verlangte. Den gab es dann auch. Man muss sagen, dass die Weine der großen Weingüter allesamt von recht hoher Qualität sind. Besonders die Qvevri-Weine sind sehr Charaktervoll. Deshalb haben wir beschlossen das Weingut zu unterstützen. In Form des Kaufs von mehreren Flaschen einzigartigen Getränks. Der Fahrer brachte uns alsdann zur Gremi-Wehrkirche. Thronend auf einem Felssporn, war hier früher die Hauptstadt Kachetiens. Mit Kirche, Glockenturm und Königspalast ein recht eindrucksvolles Ensemble. Alles auf engstem Raum und fast 500 Jahre alt. Danach rein in den Benz und zum Kloster Nekresi. Dieses klebt an einem Berghang wie ein Vogelnest und ist über eine unglaublich steile Straße erreichbar. Aber die Mercedesbusse fahren die Besucher unverdrossen tagein tagaus dort hinauf. Nekresi ist eine der ältesten Kirchen Georgiens, aus dem 6.Jh., und das zugehörige Kloster wurden von einem der 13 syrischen Missionare gegründet. Neben einem beeindruckenden Weinkeller samt Wehrturm gab es in der Kirche einen offenen Sarg mit den Gebeinen ehemaliger Mönche und die Reste von weit über 1000Jahre alten Fresken zu bestaunen. Und eigentlich auch eine herrliche Fernsicht, liegt Nekresi doch fast 300m über dem restlichen Gelände im Alazani-Tal. Aber wir durften uns über weiße Wolken freuen die hie und da mal leicht aufrissen und uns die Aussicht ahnen ließen. Unten empfing uns wieder unser guter Fahrer und fuhr mit uns zum kurz vor der aserbeidjanischen Grenze gelegenen Weingut Kindzmarauli, dass auch in Deutschland Kennern bekannt sein dürfte, da die Weine nicht nur bei Jacques vertrieben werden, sondern auch bei 8000 Vintages in Berlin. Hier hatten wir das Glück, die Weinverkostung vor der Führung genießen zu dürfen. Und wieder war jeder der vier Weine vorzüglich. Auch hatten wir unsere persönliche Führerin, die uns überall herumführte, sogar ins Labor und Abfüllanlage und uns soooo viel über das Weingut erzählte, dass wir hinterher zwar unheimlich gebildet, aber wieder viel zu durstig, den Store plünderten. Als wir dann ins riesengroße und massentouristisch ausgebaute Weingut Khareba entlassen wurden, haben wir die Segel gestrichen. Einerseits trieben uns die Degustationspreise die Tränen in die Augen, andererseits bestand die Gefahr einer weiteren Führung beiwohnen zu müssen, obwohl der Bedarf für heute mehr als gedeckt war. Wir baten unseren verwunderten Fahrer deshalb, dem Heimweg anzutreten. Auf der Heimreise konnten wir dann aus der Ferne das Kloster Nekresi am Berg kleben sehen, denn die Wolken hatten sich etwas nach oben verzogen. Als wir dann aber in Telavi aus dem Auto stiegen trauten wir unseren Augen kaum: über einer schmalen Wolkenbank tauchte der ganze schneebedeckte Bergzug des Kaukasus im Lichte der untergehenden Sonne vor uns auf. Einigermaßen ausgehungert machten wir uns dann auf den Weg in ein empfohlenes Khinkali-Restaurant, wo wir vorzüglich essen konnten. Dort wurde uns dann die Folklore eines nur von Einheimischen krachend vollbesetzten Lokals zuteil. Das Personal lief Achten und die Kinder rannten schreiend und purzelbaumschlagend zwischen den Tischen umher während die Alten Platten mit Bergen von Khinkali verschlangen. Nach einem geruhsamen Heimweg lud uns unsere Vermieterin noch zu Hauswein, "Kompott" und nettem Gespräch ein, bevor wir satt zufrieden und glücklich ins Bett fielen.
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