Zurück in die Vergangenheit
Feb 17–20, 2024 in Kyrgyzstan ⋅ ☁️ -9 °C
Gefühlt schlittern wir nach Kirgisistan hinein. Im 90‘ Jahre Luxusliner geht es bei Schneegestöber über die teils zugeschneiten und gefrorenen Straßen. Wildes Getöse an der Grenze mit windigen Geldwechslern, Sim-Karten-Händlern und hupenden Mini-Bussen. Smooth gleiten wir über die Grenze ohne große Aufregung zu Fuß, um später wieder im Bus eingeladen zu werden. Wir stranden irgendwann am zentralen Busbahnhof, der ein prachtvolles Gebäude mit vergoldeten Blenden ist und noch aus alten Sowjetzeiten stammt und der zentrale Ort der Stadt ist.
Nun stehen wir im verschneiten, bitterkalten und dunklen (spärliche und einfache Beleuchtung in der gesamten Stadt) Bishkek, die Hauptstadt und mit Abstand größte Stadt Kirgisistans. Unser 20. Land schon und alles ist wieder einmal neu: Sprache, Schrift, Kultur, Kommunikation und Geld... also fix ewig einen Geldautomaten suchen, um frisches Geld zu ziehen, um mit den Bus zur Unterkunft zu kommen. Am Abend noch schnell ne Runde um den Block, um in einer bizarren Unterführung eine neue Sim-Karte für schlappe 1,30€ zu erwerben.
In Kirgisistan dreht sich die Moderne um einige Zeigerumdrehungen zurück. Viele alte Sowjetgebäude prägen die Stadt mit Strukturen aus breiten Straßen, großen Plätzen und unzähligen Statuen. Es ist ein ärmliches Land, welches seine Ursprünglichkeit in einfacher Landwirtschaft, vor allem Pferdewirtschaft, unberührter Natur und sichtbare Vergangenheit behalten hat. Symbolhaft dafür steht der alte Markt Bishkeks als Zentrum des hiesigen Lebens:
Es sind minus 10 Grad, die Gehwege sind meterhoch vereist und wir frieren. Den Kirgisen macht das nicht aus, sie sind standhaft und Kummer gewohnt - Überlebenskünstler auf eisiger Höhe. Es treibt die (jungen) Männer nach Russland fort zum Arbeiten, fast ein Drittel der Wirtschaftskraft kommt aus diesen Einnahmen. Die Händler mit selbstgemachtem Käse, Honig und anderen Lebensmitteln sind oft schon sehr alt, arbeiten weiter um überhaupt ein Einkommen zu haben oder bessern dieses notwendigerweise auf. Leid klagt hier keiner und wir werden überall mit Freundlichkeit begrüßt und empfangen. Man trotz den Umständen und ist diese gewohnt. Der Markt ist die Vergangenheit und für viele nach wie vor die Gegenwart und Zukunft... die Vermögenden und junge Generation treibt es hingegen in die Shopping-Malls.
Mit 20 Jahren entdeckte Dörte auf einem Berliner Flohmarkt ein Buch - von dem sie bis heute sagt, darin sei die schönste Liebesgeschichte - von Tschingis Aitmatov. Und hier in Bischkek besuchen wir sein Haus, ein Museum und eine Ode an den berühmten Schriftsteller und Diplomaten.
Literatur begleitet uns auf der Reise und durchs LebenRead more




















