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  • Day13

    Bootstour zu den Drachen

    July 4, 2017 in Indonesia ⋅ ☀️ 25 °C

    Früh morgens (was sonst?) um 7:00 holt uns unser Führer Vitalis vom Hotel ab. Wir erfahren, dass wir die einzigen Gäste sind. Zwei Tage Exklusivtour mit drei Mann Besatzung und einem Führer! Die Tour war zwar teuer, aber so teuer nun auch nicht. Wir fahren zum Hafen und suchen unser Boot. Es liegen viele Ausflugsboote nebeneinander mit der Spitze am Pier. Nach etwas Palaver deutet Vitalis auf ein weißes. Nur wie draufkommen? Die Bootsspitze ist weit weg. Die Jungs zerren das Nachbarboot so nah ran, dass man mit einem kühnen Schritt und etwas Mut rüberkommt. Von dort dann über die Bordwand auf unser Boot. Unsere Kabine besteht nur aus einem Bett und ist stickig und heiß. Wind regelt das später.

    Tucktucktuck... geht es los, an Labuan Bajo vorbei nach Süden Richtung Rinca, der neben Komodo zweiten großen Insel mit Waranen. Beide Inseln sind karge, heiße Steppenlandschaften. Zum Glück ist es heute immer wieder wolkig, so dass die Temperaturen erträglich bleiben. Am Anleger holt uns ein knitteriger, zahnarmer Ranger ab. Affen begleiten unseren Weg. Er trägt Uniform und einen langen Stock mit einer Gabel am Ende, mit dem er uns die Warane vom Hals halten will.
    Zuerst wird es offiziell: Im Nationalpark-Büro sitzt ein strenger Uniformierter, der mit militärischer Uniform und vielen Schulterstücken hinter seinem Schreibtisch thront und ganz wichtig scheint. Er beginnt sofort, unzählige Zettel abzustempeln und will dann 610.000 Rupien (40,- €) von uns, für hiesige Verhältnisse relativ viel Geld. Mit einem Berg gestempelter Zettel dürfen wir dann auf Tour gehen.

    Der Ranger erklärt, dass die Warane jetzt Paarungszeit haben und schwer zu beobachten sind. Zum Glück laufen ein paar Exemplare direkt an den Häusern herum, wahrscheinlich bestochene Eunuchen :-) Darunter ein ansehnlich großes Männchen, dem wir uns vorsichtig nähern. Der Ranger legt seinen Stock aus, um anzuzeigen, wie nah wir ran dürfen. Ein beeindruckendes Tier! Der Ranger lässt sich mein Handy geben und macht Fotos, die wir uns nicht getraut hätten.

    Die Tiere sind eigentlich ziemlich gefährlich. Ihr Speichel enthält über 50 Bakterienarten, die bei einem Biss übertragen werden und unbehandelt sicher zum Tod durch Blutvergiftung führen. Unvorsichtige Touristen hat es schon erwischt. Die Warane beißen ein Tier und lehnen sich zurück. Spätestens nach ein paar Tagen riechen sie über Kilometer, wo ihr Opfer gestorben ist. Warane riechen über die Zunge extrem gut, über Kilometer.

    Nach dem Fotoshooting geht es auf eine kleine Wanderung um die Rangerstation. Wir sehen Hirsche (ganz nah, ohne jede Scheu), Wasserbüffel, Affen und ein Waran-Nest (ein flacher Erdhügel). Die Warane graben ihre Eier an sonnigen Plätzen ein und lassen Sie in 6-9 Monaten von der Sonne ausbrüten. In den ersten Monaten bewacht das Weibchen das Nest, bis der erste Regen das Nest versiegelt und die Eier nicht mehr zu riechen sind. Die geschlüpften Jungen sind bereits ca. 30 cm lang und müssen sich sofort in Bäumen verstecken, um nicht von den Eltern gefressen zu werden. Funktioniert, denn der Bestand liegt bei ca. 3000 Exemplaren. Rica und Komodo sind allerdings auch riesige, weitläufige Inseln. Unterwegs haben wir, wie angekündigt, keine weiteren Warane gesehen.

    Inzwischen ist es am Anleger richtig voll, die chinesischen Reisegruppen sind auch da. Zurück auf dem Boot steuern wir Komodo an. Planänderung: wir wollen noch heute auf Komodo wandern, um morgen früh bei Flut bei den Mantas sein zu können.

    Das Mittagessen an Bord begeistert und entschädigt für vorherige Nasi Goreng Orgien. Aber dazu auf besonderen Wunsch ein eigener Footprint.

    Unterwegs stoppen wir am sogenannten "Pink Beach" auf Komodo. Ein schöner Strand, nicht pink, aber ein tolles Riff direkt davor. Klares Wasser, schöne Fische und Korallen. Zum ersten Mal sehen wir Muränen in voller Action, unterwegs wie Schlangen.

    Dann tuckern wir zum Anleger des Nationalparks. Es ist schon Feierabend-Stimmung, wir sind die letzten Besucher. Wie schon in Rinca sehen wir Warane an der Station und wandern los. In der Abendstimmung sind viel mehr Tiere zu sehen. Wildschweine, Hirsche, bunte Vögel und natürlich wieder Affen. Und dann winkt der Ranger plötzlich und zeigt ins Dickicht. Er klettert einen steilen Hang hoch, wir folgen und stehen vor einem entspannten Waran-Weibchen, das am Hang auf uns gewartet hat. Es gibt sie also doch in freier Wildbahn.

    Auf dem Rückweg finden wir viele blühende Orchideen (Vanda), die die Bäume bevölkern.

    Dann startet das Boot zu unserem Übernachtungsplatz, nahe einem Mangrovenwald auf Komodo. Die untergehenden Sonne zaubert für wenige Minuten einen flammenden Abendhimmel. Ein Fischadler jagt im Sturzflug direkt vor uns. Kurz danach fliegen riesige Flughunde aus, auf der Suche nach Früchten. Wir selbst bekommen ein wieder sehr gutes Abendessen und klettern bald in unsere Kabine. Der Schiffsdiesel direkt unter unserem Bett ist aus, dafür dröhnt ein Generator, damit die verwöhnten Westler ihre (defekte!) Klimaanlage haben. Auf unseren Wunsch wird das Gedröhne abgeschaltet. Wir schlafen bei leichten Durchzug mit dem Seewind. Moskitos gibt es hier nicht :-)
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