• Felsengräber von Hegra

    December 24, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 20 °C

    Die Nabatäer waren ein Handelsvolk auf der Arabischen Halbinsel, dessen Blütezeit zwischen dem dritten Jahrhundert v. Chr. und dem ersten Jahrhundert n. Chr. lag. Ihr Zentrum war das Weltberühmte Petra im heutigen Jordanien – eines der neuen sieben Weltwunder.
    Der Reichtum des Königreiches beruhte auf dem Handel mit Gewürzen, Weihrauch und Myrrhe, die vom Orient in den Mediterranen Raum geliefert wurden. Die damalige Handelsstraße ist unter dem Namen Weihrauchstraße bekannt.
    Mit der Expansion der Nabatäer gen Süden wurde nahe der Oase Al-Ula, einer der ältesten Siedlungen Saudi Arabiens, eine neue Stadt gegründet: Hegra - auch Mada’in Saleh genannt. Hegra liegt auf einer Wüstenebene am Rande des Ithlib Gebirges, befand sich auf einem Knotenpunkt wichtiger Karawanenrouten und wuchs schnell zu einer großen Handelsmetropole. Sie wurde nach Petra die zweitwichtigste Stadt im Königreich der Nabatäer und kontrollierte die Karawanenrouten entlang der Weihrauchroute.
    Ab dem ersten Jahrhundert n. Chr. weiteten die Römer ihre Einflusszone auch in diesen Teil der Welt aus. Sie verfügten über gute Kenntnisse im Schiffsbau und verlegten wichtige Teile des Gewürzhandels auf den Seeweg durch das Rote Meer. Dadurch konnten Waren deutlich schneller und sicherer transportiert werden. Ehemals bedeutsame Handelsposten verloren dadurch ihre Einnahmequellen und auch Hegra wurde schon bald verlassen.
    Von den Strukturen der Stadt Hegra selbst gibt es heute kaum Überreste. Die eindrucksvollen, in den Fels gehauenen Bauten sind keine Wohngebäude sondern Gräber. Bereits zu Lebzeiten haben sich Einzelpersonen und Familien Grabmäler errichten lassen. Die Lage und Ausstattung des Grabes zeigt den sozialen Status.
    Insgesamt gibt es in Hegra über 100 Felsengräber. Bis auf eines sind immer mehrere Gräber in einen Fels gearbeitet worden. Doch das größte Grab Qasr Al-Farid wurde in einen alleinstehenden Felsen gehauen.

    Unter strenggläubigen Muslimen gilt Hegra bis heute als verflucht. Für die Regierung ist dies ein Problem, da Hegra wichtigstes, touristisches Ziel des Landes werden soll.
    Allerdings leidet Hegra aus meiner Sicht an einem anderen Fluch - dem Vandalismus. Über lange Zeit war die antike Stätte ein frei zugängliches Gelände. Man konnte die Felsengräber frei erkunden und sogar in der Wüste unter freiem Himmel Campen. Klingt nach einem Traum! Leider litt die Stätte unter Vandalismus. Erst 2021 wurde das Gelände mit einem neuen Konzept wiedereröffnet. Das bedeutet leider, dass man die Gräber nur noch im Rahmen einer geführten Tour zu festen Zeiten oder immerhin mit innerhalb einer Hop-on-Hop-off-Tour besichtigen kann. Dabei wird man so streng überwacht, dass sich die Atmosphäre, die dieser Ort eigentlich hat, nicht entfalten kann, nicht auf uns wirken kann. Außer uns sind fast keine anderen Touristen vor Ort. Eigentlich liebe ich so etwas. Hier wären mehr Tpuristen vielleicht von Vorteil gewesen. Ja, es ist einem eben nie recht. Wir kommen an, steigen in den Bus und werden zum ersten Besichtigungspunkt gebracht. Dabei fahren wir an traumhaften Gräbern vorbei. Wie? Die dürfen wir nicht sehen? Halten wir hier nicht? Also laufen wir nichts Böses ahnend dorthin und sehen sie uns an. Der erste Fehler des heutigen Tages. Wir werden vermisst, gesucht und gefunden. Wir dürfen nicht mal mehr zum nächste. Besichtigungspunkt laufen, sondern werden im Golfcart hingefahren. Dort weiß man natürlich, was für Übeltäter kommen und uns wird sofort ein Aufpasser zur Seite gestellt. Macht nichts. Soll er mitlaufen. Wir haben nichts zu verbergen. Er will dann höflich wissen, wo wir waren und wir zeigen ihm die gewünschten Fotos. Er ist dann zufrieden. An Besichtigungspunkt drei kommt dann der zweite Fehler, von dem ich bis jetzt nicht weiß, was er ist. Wir umrunden wie alle anderen Besucher, es sind nur fünf, den Felsen mit den Gräbern. Ein Guide erklärt noch etwa und macht sogar Fotos von uns vor der Grabwand. Alles wunderbar. Als wir jedoch noch ein zweites Mal herumlaufen wollen, werden wir „eingefangen“, sollen in das Golfcart steigen und werden auf direktem Weg zum Bus gebracht. Wir erklären, dass wir dort schon mit dem Guide waren. Er meint, dass diese Seite nicht zu besichtigen sei. Niemand darf dorthin. Aber wir alle waren doch dort….? So werden wir also „abgeführt“ und zum letzten Grab gebracht. Das berühmteste Grab, Tomb of Lihyan, son of Kuza, ist das einzige freistehende Grab in Hegra. Ein riesiges Gran aus einem Monolithen herausgehauen. Es erinnert mich an ein riesiges Farberge-Ei, in das ein Grab eingearbeitet wurde. Unglaublich beeindruckend. Wir wollen warten, bis es von der Sonne angestrahlt wird. Ob das klappt, nachdem wir nun schon zweimal aufgefallen sind? Wir hören uns intensiv unseren Audioguide an, schinden Zeit. Wir sind zu früh. Zum Glück treffen wir auf ein deutsches Pärchen und unterhalten uns lange. Es kommen zu unserer Freude weitere Touristen. Die Sonne wandert. Und schließlich um kurz vor 16 Uhr ist es soweit und der größte Teil liegt wunderschön in der nachmittaglichen Wintersonne. Ein Traum. Auch hier ist ständig eine Wachpersonal vor Ort, die alles genau im Blick hat. Daher und wegen unserer vorigen Erfahrungen können wir uns nicht wirklich auf die Atmosphäre des Ortes einlassen. Ständig warte ich darauf, wieder weggeführt zu werden, weil ich etwas falsch gemacht habe, von dem ich nichts weiß. Wir sind also etwas angespannt. Doch keiner schimpft mit uns. Offenbar machen wir gerade alles richtig oder eben nicht falsch.

    Natürlich ist auch mir der Schutz der Anlage sehr wichtig. Offenbar fehlt es an Personal, alles zu bewachen. Aber so sehr muss man es gar nicht bewachen. Schlimm war, dass es die letzten Jahre vernachlässigt und überhaupt nicht beachtet wurde. Dadurch ging leider sehr viel kaputt. Jetzt ist die Bewachung dafür so extrem, dass es nicht mehr wirklich Spaß macht, diesen tollen Ort zu besuchen. Dieses Konzept schießt weit über das Ziel hinaus und lässt mich nach dem Besuch etwas wehmütig zurück. In meinem Bericht geht es auch hauptsächlich um das persönlich Erlebte und nicht um die Gräber an sich. Die Gräber sind doch aber der Besichtigungsgrund. Alles andere verdient normalerweise keinerlei Erwähnung. Wir erkennen auch ganz klar, dass Individualreisende nicht wirklich willkommen sind. Die muss man einzeln bewachen, Die Busgruppe kommt mit Guide, läuft brav mit und verschwindet nach einigen Minuten komplett wieder. Der Guide Aufpasser genug.
    Dennoch! Hegra ist ein absolutes Muss auf jeder Saudi Arabien Reise und definitiv einer der beeindruckendsten Orte, die ich je besucht habe. Die Felsengräber sind in einem fantastischen Zustand. Und zu Recht wurde Hegra 2008 das allererste UNESCO Weltkulturerbe Saudi Arabiens.

    Die einzige Möglichkeit, Hegra zu besuchen, ist eine organisierte Tour, die über https://www.experiencealula.com gebucht wird. Wir fanden die Hop-on-Hop-off-Tour am geeignetsten für uns. Wir hatten im Groben solange Zeit zu bleiben, wie wir wollten. Wer das Lihan Grab im Dezember in der Sonne sehen will, sollte gegen 15:30 Uhr dort sein und ist fast allein. Ab 16 Uhr werden die Busgruppen hngekarrt und es wird voll und laut.

    Ein bisschen Historie
    Jabal Al Ahmar heißt so viel, wie „Der Rote Berg“. Hier ist das Grab von Hinat, der Tochter von Wahbu. Die Inschriften verraten, dass die Frauen im Nabatäerreich eine entscheidende Rolle in der Gesellschaft spielten. In diesem Grab wurden 80 Personen aus verschiedenen Generationen begraben. Die Nabatäer haben ihre Toten in drei Schichten eingewickelt. Als erstes Wolle, dann Leinen und als letztes Leder.

    Der Name des Qasr Al-Farid Tomb (Grab von Lihyan) bedeutet „Das einsame Schloss“. Es ist ein Einzelgrab, in einen riesigen Felsen gemeißelt und das Wahrzeichen von Hegra. Dieses Grab unterscheidet sich von den anderen nicht nur darin, dass es alleine steht. Es hat vier statt zwei Säulen. Sein unterer Teil wurde leider nicht fertiggestellt. Sonst hätte es die größte Fassade in Mada´in Saleh.

    Um den großen Sandsteinfelsen Jabal Al Banat herum findet man mehrere kleinere Gräber. Sie wurden einfacher gestaltet, was darauf schließen lässt, dass hier Menschen mit niedrigerem, sozialem Status beigesetzt wurden.
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