• Khaybar Fort

    December 23, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☁️ 24 °C

    Die Oase Khaybar liegt in einer Reihe von Senken, in denen sich Regenwasser sammelt, wodurch seit Jahrtausenden Palmen wachsen. Khaybar ist von Lavafeldern umgeben, die „Harra(t)“ genannt werden. Das größte davon ist Harrat Khaybar.
    Bis heute profitiert Khaybar von permanenten Wasserstellen, die in den tiefsten Teilen der Oase an die Oberfläche treten und dort eine üppige Vegetation gedeihen lassen. Von den zahlreichen Brunnen aus wird ein komplexes System von Bewässerungskanälen zur Bewässerung der Palmen genutzt und bietet einen einzigartigen Einblick in das Aussehen einer arabischen Oase vor zweitausend Jahren.
    Die Festung ist berühmt für die historische Schlacht von Khaybar, die im Jahr 629 n. Chr. stattfand. Sie war die letzte jüdische Festung, die von den muslimischen Truppen des Propheten Mohammed und seines Gefährten Ali erobert wurde. Sie liegt auf einem Hügel und ist von Palmen umgeben. Die Ruinen bestehen aus einer Mischung aus schwarzem Stein (Basalt) und Lehm. Die Überreste lassen jedoch erahnen, wie majestätisch diese Festung in ihrer Blütezeit gewesen sein muss.

    Aufgrund des unregelmäßigen und überschwemmungsgefährdeten Geländes wurde die moderne Stadt einige hundert Meter südlich auf ebenem Land errichtet. Daher sieht die Oase mit ihren bewässerten Palmen und alten Häusern wahrscheinlich noch immer so aus wie vor mehreren hundert Jahren.
    Wer einen ihrer Felsgipfel besteigt und über die Oase blickt, fühlt sich in die Zeit der alten arabischen Oasen und der Karawanenstraßen zurückversetzt.
    Als ich dies alles recherchiert habe, freue ich mich auf diesen spannenden, authentischen Ort.

    Soweit sogut. Khaybar ist von einem riesigen, schwarzen Lavafeld umgeben, über zig Kilometer schwarze Steinwüste, die aus mehr oder weniger großen Steinen besteht. Als wir schließlich die Oase erreichen, erwarte ich leuchtend grüne Palmen, so wie ich die Oasen aus dem Oman kenne. Doch hier scheint die Wasserversorgung doch nicht mehr so optimal zu sein. Die graugrünen Palmen sehen traurig aus. Hier strotzt nichts vor Leben. Kurz darauf kommen wir uns vor wie die damaligen Feldherren, die die Festung einnehmen wollten. Die alte, schöne Lehmstadt Khaybar ist komplett abgeriegelt. Immer wieder wählen wir neue Wege und versuchen die Stadt von vier Seiten aus zu erobern. Erfolglos. Kurz vor unserem Ziel steht jeweils ein bemanntes Wachhäuschen und uns wird erklärt, dass die Stadt geschlossen ist. Keine Chance irgendwie hineinzukommen. Wie schade. Wir versuchen also den Aussichtspunkt zu erreichen, um wenigstens einen Blick auf die Oasenlandschaft werfen zu können. Ständig stoßen wir auf Schilder: Road is closed. Am Ende scheinen wir tatsächlich erfolgreich zu sein und stehen auf einem schönen Parkplatz, das Tickethäuschen ist besetzt und der Weg zum Aussichtspunkt schön angelegt. Die touristische Infrastruktur ist fertig. Aber nein - Tickets kann man nicht kaufen. Geschlossen. Das war es also. Alles reglementiert und bewacht. Im Oman konnte man diese alten, wunderschönen Lehmstädte immer besichtigen. Alles war offen und zugänglich. Und wie man sieht, oder eben gerade nicht sieht, es gibt keine Fotos.

    So machen wir uns enttäuscht auf den Weg nach Al Ula. Unterwegs beschließen wir, heute schwarz-weiß Fotos zu machen. Dazu benötigen wir weder Photoshop noch einen Filter, einfach auf den Auslöser gedrückt und das Foto ist schon fertig. Aber, wie ich später feststelle, es sind tolle Panoramen, grandiose Landschaften, durch die wir gefahren sind, Wüste mit hellem und rotem Sand, tolle Felsformationen, Felspyramiden und ab und an Kamele und Esel. Landschaftlich eine wunderschöne Strecke. Dennoch, wie das graue, schlechte Wetter ist gerade auch unsere Stimmung. Wir erwischen die Ausläufer des Tiefdruckgebiets, das etwas weiter nördlich gerade für viel Schnee sorgt. Mal sehen, ob wir diesen auch noch erleben dürfen. Allerdings sind weder meine laufbaren Untersätze noch die Fahrbaren des Autos auf Winter eingestellt. Sommerreifen und Sandalen kommen im Schnee nicht so gut. Aber noch schneit es nicht.
    Wir kommen relativ zügig vorwärts, wobei ich das Gefühl habe, in einem ratternden Zug zu fahren. Die Straße ist schlecht und es rappelt und ruckelt genauso, wie wenn ein Zug über marode Gleise rattert. Eine Massage ist somit gleich eingebaut und die Knochen werden alle mal wieder gründlich durchgeschüttelt. Da kommt man dann völlig neu geordnet und gelockert ans Ziel.

    Auch hier wird auf den großen Straßen weiterhin geblitzt was das Zeug hält. Auf den kleineren Straßen, wie auch auf unserer „Zugstrecke“, auf denen die Verkehrsdichte gegen null geht, nimmt auch die Zahl der Radarkontrollen ab. Ist aber nicht null.
    Mittlerweile habe ich auch meine Lieblingsgeschwindigkeitsanzeige entdeckt. Sie heißt Slow oder Slow down. Da kann sich nun jeder nach gut Dünken aussuchen, was für ihn Slow bedeutet. Alles Auslegungssache. Alles richtig, alles falsch.
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