Al Hitaymah Vulkankrater
1. januar, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 21 °C
Weiter geht es durch die rotbraune Landschaft. In der Ferne erheben sich die Vulkanberge. Nach einiger Zeit erreichen wir den Abzweig zum Al Hitaymah Krater. Die Piste sieht gut aus. Das müsste mit meinem Auto machbar sein. Los geht es. Zunächst fester Gravel, dann heftiges Wellblech und schließlich Sand. Der wird immer tiefer und ausgefahrenen. Mir wird heiß. Es kommen Senken. Kann ich noch zurück? Dann wird es wieder fester und ich will schon aufatmen, als es noch viel schlechter wird. Das Auto schwimmt. Das geht nicht. Ich schaffe das nicht. Ich halte, drehe vorsichtig im Sand, um mich ja nicht festzufahren. Zurück. Doch auf dem Rückweg sieht manches, was auf dem Hinweg nicht so schlimm aussah, viel schlimmer aus. Mir wird wieder heiß. Was einmal ging, muss auch ein zweites Mal gehen. Und ja. Wir kommen wieder auf festen Grund. Schade, aber das geht mit diesem Auto wirklich nicht. Nächstes Mal muss ein 4x4 her. Wir fahren noch ein Stück in die Berge und ich entdecke einen großen Greifvogel. Dann fotografiere ich eben den, statt des Vulkankraters. Ein Auto hält neben mir. Ob ich einen Kaffee möchte und nach Ha‘il fahre. Nein, ich will weder Kaffee noch fahren wir nach Ha‘il. Da kommen wir her. Der Saudi fährt weiter und wir auch. Er wartet aber auf uns und zeigt uns ein toll auf den Berg gebautes Haus. Ein Cafe. Er will uns hinauffahren. Wir sollen die Aussicht genießen. Nun gut, warum nicht? Sein Auto kämpft sich durch die Felsen. Teilweise geht es blanken Fels hinauf und hinunter. Wer baut so ein Café? Doch sein 4x4 kämpft sich nach oben und schafft die Strecke mit Bravur. Wir erreichen unser Ziel. Die Aussicht ist spektakulär zumal unten eine große Herde Kamele durch den Sand läuft. Sie umkreisen mein Auto. Es sieht toll aus. So viele. Das Café ist nicht besetzt. Aber der Ausblick ist wunderschön. Plötzlich ist Moritz Besitzer einer Uhr und einer Sonnenbrillle. Hm. Außerdem werden wir gefragt, ob wir Hilfe brauchen, ein Hotel, sonstiges. Nein, alles bestens. Dann komme ich auf die Idee und frage, ob ich mit meinem Auto den Al Hitaymah Krater erreichen kann. Nein - niemals. Aber er bringt uns gerne hin. Wenn er wüsste, dass wir fast schon dort waren. Mit meinem Auto.
Wir machen sogar noch einen Umweg zu einem anderen, riesigen Krater, in dem mittlerweile einige Oasendörfer liegen. Alle verlassen. Wir sehen auch gleich den Grund. Das Wasser, vor allen Dingen das von vor 2 Wochen, hat tiefe Krater und Canyons ins Erdreich gespült. Sie enden im Moment kurz vor dem Dorf. Hier kann man nicht mehr leben. Die unheimliche Kraft des Wassers wird hier sichtbar. Erschreckend und beängstigend. Der Ausblick in den Oasenkrater ist aber toll. Es folgt ein kurzes Telefonat. Dann biegen wir schon wieder ab, halten vor einem Haus und drei Kisten Datteln, die dort schon auf uns warten, landen neben mir auf dem Sitz. Ja, er hat von Datteln gesprochen. Ich dachte an ein 500g Päckchen. Aber doch nicht drei riesige Kisten. Mal sehen. Am Abend stellen wir fest, das es sich um 12kg Datteln handelt. Wie sollen die nach Deutschland fliegen?
Weiter geht es und schon biegen wir auf die Kraterpiste ab. Aus Jeepperspektive sieht die Piste noch viel schlimmer aus. Gott, wie konnte ich da überhaupt fahren? Aber irgendwie ging es ja offensichtlich. Er saust durch den Sand, wir fliegen über das Wellblech und spüren es kaum. Tiefsand, Steine - kein Problem. Nach fünf Minuten sind wir unterhalb des Kraterrands. Ich will aussteigen und hochsteigen. Kommt nicht in Frage. Ein Saudi läuft nicht. Das Auto kämpft sich kurz die Felsen hoch. Geschafft. Und der Ausblick? Ohne Worte. Wahnsinn, spektakulär, atemberaubend, grandios…… Wir blicken in den Krater. Unten steht Wasser. Die Kraterwände spiegeln sich. Die Wasserstelle ist von einer weißen Salzschicht umgeben. Im Hintergrund, in der Mulde des Kraterrandes, thront in der Ferne der nächste Vulkan. Und mal wieder: wir sind geflasht. Wir genießen diesen wundervollen Ort und fahren dann wieder zurück. Nicht auf der zerfurchten Piste, sondern daneben. Und dieses daneben ist wunderbar. Das hätte ich mit meinem Auto auch geschafft. Ich muss lernen weniger in Wegen und Pisten, sondern mehr in Richtungen zu denken. Eigentlich kenne ich das doch schon aus der Mongolei. Kurz bevor wir die Straße erreichen, werden wir noch auf einen Kaffee eingeladen. Wir können nicht ablehnen, obwohl es schon spät ist. Es folgt wieder ein Telefonat und als wir ankommen - ja wo eigentlich, ist der Kaffee schon fertig. Wir sind uns nicht sicher, ob es das Privathaus eines Bekannten ist. Wir werden begrüßt. Ich bin zurückhaltend. Aber ich erhalte von allen einen Handschlag im Gegensatz zu manch deutscher Politikerin. Mit Kaffee, Tee und Datteln werden wir bewirtet. Es werden viele Fotos gemacht und mit Google Übersetzer klappt auch die Kommunikation halbwegs. Wir sind eingeladen wieder zukommen. Gleich drei Übernachtungsmöglichkeiten stehen uns zur Verfügung.
Dann brechen wir auf. Wir müssen noch zu unserem Auto zurück, bevor sich unsere Wege trennen. Moritz hatte vor dem Café seine Socken verschwinden lassen. Schließlich stecken sie schon den ganzen Tag schwitzend in den Schuhen. Die nicht vorhandenen Socken sind offenbar aufgefallen. Auf dem Rückweg erhält er neben zwei Handyhüllen auch noch 2 Paar Socken. Was soll ich sagen? Ablehnen zwecklos. Als wir beim Auto ankommen, werden die riesigen Dattelkisten in mein Auto verfrachtet. Widerstand zwecklos. Das ist kein Problem am Flughafen. Die Datteln an sich vielleicht nicht. Aber die Menge. So viele Kilos…. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass es 12kg Datteln sind.
Wir bedanken uns, verabschieden uns und so schnell wie Fahad vor drei Stunden aufgetaucht ist, ist er auch wieder verschwunden.
Wir sind etwas ratlos. Was haben wir da erlebt? Saudische Gastfreundschaft in Reinkultur. Warum wurden wir angesprochen? Warum werden wir eingeladen, beschenkt, herumgefahren? Einfach so? Es gibt keinen Eigennutz. Es war alles viel zu viel. Beschenkt werden wollten wir ja überhaupt nicht. So etwas kennen wir in unserer Welt nicht mehr. Ich werde noch lange darüber nachdenken. Mal sehen, in welche Richtung sich meine Gedanken noch bewegen.Læs mere

















RejsendeUnvergessliche Erlebnisse. Wunderschöne Gastfreundschaft.
RejsendeSo ähnlich haben wir Gastfreundschaft im Iran erlebt, einfach nur schön.
RejsendeJa wunderschön. So wie wir es überhaupt nicht kennen.