• Spaziergang durch die Hutongs

    March 27 in China ⋅ ☁️ 20 °C

    Unser Ziel sind die Hutongs, die alten Stadtviertel Pekings. Siegessicher ordern wir ein Didi (in anderen Ländern Uber oder Grab) und wollen los. Doch nichts passiert. Die Order klappt nicht. Wir können keine Verbindung zu Didi herstellen. Kein Taxi für uns. Mist. Also nehmen wir eines von der Straße und ich bin froh, dass ich ein wenig Bargeld dabei habe. Bares ist eben doch Wahres. Um das Didi Problem müssen wir uns heute Abend noch kümmern. Es staut sich schon wieder. Für die 5km benötigen wir über eine halbe Stunde. Hier muss ich Geduld üben. Und geduldig bin ich in dieser Hinsicht überhaupt nicht. Doch schließlich erreichen wir unser Ziel. Hutongs sind die alten, engen Gassen mit Wohngebieten in traditioneller, einstockiger Bauweise mit ihren Innenhöfen, den Sìhéyuàn, die sich einst durch ganz Peking zogen. Das Wort Hutong kommt aus dem Mongolischen und bedeutet so viel wie Quelle, da die Bewohner dieser Hutongs oft in der Nähe eines Brunnens wohnten. Viele haben sich zum Glück bis heute erhalten und sind ein großartiger Ort, um einen Einblick in das lokale Leben zu erhalten, authentische lokale Speisen zu probieren, Souvenirs zu kaufen oder in einem der schönen Cafés die Atmosphäre zu genießen. Die Gassen sind schmal, die alten Häuser reihen sich aneinander, unterbrochen von Tempeln und Bäumen. Im Schneckentempo tippeln wir vorwärts. Mopeds, Menschen, alles durcheinander und viel zu viele. Es sind sehr viele Touristen unterwegs. Es erschlägt mich. An solche Menschenmassen muss ich mich gewöhnen. Wir entdecken einige nette Geschäfte und kaufen ein. Doch leider lässt die nächste böse Überraschung nicht lange auf sich warten. Wir sind zahlungsunfähig. Mittellos mitten in Peking. Das gibt es doch nicht. Keine der Apps funktioniert. Passwörter werden verlangt, die wohl falsch sind. Wir geben auf. Bei einem weiteren Einkaufsversuch werden die Passwörter plötzlich akzeptiert. Freude kommt auf. Doch leider wird ein Code an die Handynummer verschickt, der uns nie erreicht. Also wieder nichts. Noch ein Problem für heute Abend. Und zwar ein Ordentliches. Wir brauchen ein Zahlungsmittel, das funktioniert.
    Wir bummeln weiter durch viele ursprüngliche Gassen. Wir können überall Tee probieren und Naschereien werden auf der Straße angeboten. Es klopf und hämmert, wenn man sich den Schmuckgeschäften nähert. Man kann dabei zusehen, wie Armreife entstehen. Viele Food Stünde gibt es in den Gassen. Ergibt Fleischspieße, gegrillten Kalamar, Fruchtspieße, Eis und Getränke. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, In einigen wird es sehr ursprünglich und wir sind nicht so gern gesehen. Auf den größeren Plätzen werden Federball und Indiaka gespielt. In den Innenhöfen entdecken wir wunderschöne e Tempel und viele Cafés und Restaurants. Die Atmosphäre ist alles nur nicht großstadttypisch. Leider werden die Hutongs auf Grund der Umgestaltung des Stadtzentrums zunehmend seltener. Auf der Fläche eines Hutongs mit traditionell meist erdgeschossiger Bebauung lassen sich in moderner mehrstöckiger Geschossbauweise wesentlich mehr Wohnungen unterbringen.

    Obwohl sowohl der Glocken- als auch der Trommelturm heute von Pekings Wolkenkratzern überragt werden, sind sie immer noch die höchsten Bauten in ihrem Umfeld und bieten einen schönen Ausblick über das Hutong-Viertel. Der Ausblick vom Glockenturm ist der schönere, weil er rundherum begehbar ist und man nach allen Seiten blicken kann. Um in den Genuss des Ausblicks zu kommen, muss man allerdings erst 70 steile Stufen überwinden. Das Highlight ist die stündlich stattfindende Vorführung der Glocken. Zwischen beiden Türmen liegt ein schöner Platz, der am Abend seinen Charme versprüht. Vergeblich warten wir auf das Trommelkonzert. Heute wohl nicht. Die Gassen werden immer bunter und enger. Kleine Restaurants reihen sich aneinander. Die Hauptgassen sind absolut touristisch, wobei nicht viele westliche Touristen vor Ort sind. Die Gassen erinnern mich an ein Spinnennetz, das immer feiner und enger wird. Von der großen Autostraße verzweigt es sich in die touristische Hauptgasse mit vielen Geschäften. Von dort biegen kleine Straßen ab, in denen sich kaum noch Geschäfte befinden. Von hier tritt man durch meist rote Türen, die aber nicht in ein Haus führen, sondern in noch schmaler, winzige Gassen. Hier hängt die Wäsche und sogar Gemüse wird angebaut. Die Stromzählkästen hängen im Eingangsbereich. Es gibt jetzt nur noch einen Weg und der führt durch die Haustür in die Wohnung.
    Wir spazieren nun weiter durch die Hutongs. Wer müde Füße hat, kann sich eine Rikscha mieten und die Gassen durchfahren. Wir müssen nicht lange überlegen. Wozu haben wir Füße? Mit ihnen können wir in unserem Tempo bummeln und bestimmt noch die eine oder andere schöne Ecke entdecken. Sie sind nach der 9 stündigen Sitzerei im Flugzeug froh, sich bewegen zu dürfen. Außerdem haben wir ja gar kein Geld.
    Schließlich erreichen wir den riesigen See und erleben einen herrlichen Sonnenuntergang. Immer wieder fällt uns auf, dass es absolut still ist, obwohl Unmengen Autos um uns herum fahren. Nur das Abriebgeräusch der Reifen ist zu hören und natürlich die Huperei. Ansonsten Stille. Dafür hört man die Menschen umso lauter. Dennoch kommen uns die Straßen klein vor, alles ist bepflanzt und eben still. Still wie in einem riesigen Park.
    Der Hunger kommt. Wir sind immer noch zahlungsunfähig und müssen mit unserem wenigen Bargeld haushalten. Trotzdem gibt es einen leckeren Kalamar, Meine Gedanken kreisen um das Zahlungsproblem. Schließlich versuchen wir es nochmals. Keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert ist, aber nach einigen Minuten Warterei kommt dieses Mal der Code durch. Wir können verifizieren und bezahlen. Perfekt. Ein Problem gelöst. So scheint es. Wie auch immer. Die Stimmung steigt. Ich hasse es, das Gefühl zu haben, nicht bezahlen zu können.
    Es wird dunkel und die Stimmung am Wasser mit all den Laternen ist wunderschön. Die Lichter spiegeln sich im Wasser. Auch der Trommel- und Glockenturm sehen im Dunkeln wunderschön aus. Eine tolle Architektur. Die Hutongs gefallen uns ausnehmend gut und wir beschließen, den morgigen Abend wieder dort zu verbringen. Geld haben wir ja jetzt offensichtlich.
    Der Tag war lang und die Füße sind müde. Wenn wir jetzt bezahlen können… vielleicht können wir auch ein Taxi holen? Und oh Wunder, auch das klappt. So erleben wir einen Tag mit vielen Aufs und Abs, der wunderbar endet.
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