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China und Tibet

Roadtrip von der Großen Mauer zum Dach der Welt Read more
  • Trip start
    March 26, 2026

    China - ein neues Land will entdeckt werden

    March 26 in Germany ⋅ ☁️ 3 °C

    Wie bei unserer letzten Reise nach Saudi-Arabien schon beschrieben, befinden wir uns dieses Jahr im „Jahr der verschobenen Reisen“. Auch China und Tibet waren nie geplant und allenfalls sehr weit unten auf der Reisewunschliste. Doch zum 5. Mal habe ich nun unsere Wunschreise nach Ägypten storniert. Es sollte ins GEM (Grand Egyptian Museum) gehen, das im Juli 2025 wieder nicht eröffnet werden konnte und danach durch die Weiße Wüste von Kairo nach Luxor. Schweren Herzens haben wir uns entschieden zu stornieren. Die Eröffnung wurde schließlich schon so oft abgesagt. Was wir nicht wissen konnten - dieses Mal sollte es klappen und seit November 2025 ist das GEM tatsächlich eröffnet. Irgendwann…..
    Jedenfalls sind wir auf der Suche nach einem neuen Ziel über China und Tibet gestolpert und hängen geblieben. Gestolpert im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin in Kappadokien auf einer wackeligen Hängebrücke über eine hochstehende Holzbohle gestolpert. Die Brücke wackelte daraufhin noch mehr und erinnerte uns an Nepals Hängebrücken. Da Nepal eine ganz besonders außergewöhnliche Reise für uns war, haben wir in Erinnerungen geschwelgt und sind gedanklich über den Mount Everest von Nepal nach Tibet gereist. Die Idee nach Tibet zu reisen, war geboren. Moritz ist gedanklich immer wieder zu diesem Moment zurückgekehrt und hat mich letztendlich überzeugt, wirklich in das Autonome Gebiet Tibet zu reisen und noch einige weitere Highlights in China anzusehen. So war er auch dieses Mal wieder der „Schuldige“ bei der Wahl des neuen Reiselandes.

    China hat zwar das Treppchen im Rennen um das „Größte Land der Welt“ mit Platz 4 hinter Russland, Kanada und USA knapp verpasst, ist dafür aber die absolute Nummer 1 was die Höhenunterschiede im Land angeht. Zwischen dem tiefsten Punkt des chinesischen Festlandes mit -154m unter dem Meeresspiegel bis zum höchsten Punkt mit 8848m über dem Meeresspiegel liegen unglaubliche 9002m. 9002m senkrecht in die Höhe. Was für eine Distanz!

    Auch unsere Reise kann man in Distanzen messen. Wir werden aber nicht nur einige Höhendistanzen überwinden, sondern auch mal wieder viele Kilometer mit Hochgeschwindigkeitszügen, dem Flugzeug und Auto in diesem riesigen Land zurücklegen. Mit Zügen haben wir absolut keine Reiseerfahrung. Das ist eine Premiere für uns.
    Etwas über die Hälfte unserer Reisezeit verbringen wir auf dem Hochplateau Tibets - dem Dach der Welt - und tauchen in die spirituelle Welt des Buddhismus ein. Die restlichen Tage erkunden wir die verschiedenen Facetten des Landes. Wir sind gespannt, was wir dieses Mal erleben dürfen und freuen uns auf die nächsten beiden Wochen, die leider viel zu kurz sind, für eben dieses riesige Land.
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  • Vorbereitungen und E-Einreise

    March 27 in China ⋅ 🌙 15 °C

    Das übliche Vorgeplänkel einer jeden Reise ist erledigt. Da wir leider nicht sehr lange durch China reisen, benötigen wir kein E-Visum. So hat eben alles seine Vor- und Nachteile. Die elektronische Einreiseerklärung muss aber, wie für so viele andere Länder auch, vor der Reise ausgefüllt und ein QR Code generiert werden. Außerdem benötigen wir eine spezielle Einreisegenehmigung für das Autonome Gebiet Tibet. Das TTB - Tibet Travel Permit. Woher kommt das B? Müsste es nicht TTP heißen? Das Permit wird im Tibet Travel Bureau erstellt und heißt deswegen TTB. Egal, wir haben es und das ist das einzige, was zählt.
    Für China benötigen wir unbedingt mobiles Internet. Nachdem wir in Saudi-Arabien nur über zwei E‘s verfügt haben, haben wir dieses Mal schon vier. Das E-Flugticket, die E-Einreiseerklärung, die Einreisegenehmigung für Tibet und die E-SIM. Die E-SIM von Trip.com kann alles, was wir die nächsten Wochen benötigen. Eingecheckt sind wir noch nicht. Man wird vom Lufthansa online check-in auf die Air China Seite weitergeleitet. Dort soll ein Account erstellt werden. Das wäre ja alles möglich, wenn es nicht nur auf chinesisch dastehen würde. Hiermit scheitern wir das erste Mal an Schrift und Sprache. Leider finde ich keine Möglichkeit, die Sprache zu wechseln. Somit müssen wir ganz old school am Flughafen einchecken.

    China ist ein absolut digitalisiertes Land. Nach kurzer online Recherche wissen wir, welche Apps wir benötigen und haben eine blasse Ahnung, wie das digitalisierte China vielleicht funktionieren könnte. Nachdem ich in Deutschland alles mit Bargeld bezahle und im Urlaub die Kreditkarte auch nur für Mietwagen, Hotelzahlungen und Tanken benütze, kann ich nun in China beide Zahlungsweisen vergessen. Die internationale Kreditkarte wird nicht akzeptiert und Bargeld kennt kaum noch jemand. Was ist bitte schön Wechselgeld? So muss ich Bargeldliebhaber nun den ganz großen Schritt tun und per App über das Handy bezahlen. Dabei habe ich ja noch nicht einmal ein Handy. Wie sagt man so schön: alles zu seiner Zeit. Es ist jetzt offensichtlich Zeit. Es muss ein Handy her und eingerichtet werden. Die Installationen sind einfach und in kürzester Zeit erledigt. Das gute Stück ist nun mit den gängigen Zahlungsapps WeChat und Alipay ausgestattet. Bei beiden hinterlegt man einfach die Kreditkarte. Von der Bank habe ich direkt die Mitteilung erhalten, dass die Verbindung steht. Beide Apps sind keine reinen Zahlungsapps. In ihnen sind ein chinesisches WhatsApp, ein chinesisches Uber namens Didi, eine Übersetzer App, eine Plattform für Hotel, Ticket und Zug/Flugbuchungen und vieles mehr direkt integriert. Da Google.Maps erstens nicht funktioniert und ansonsten auch total veraltet wäre, benützen wir Maps.me und AMap zur Navigation. Wir sind somit komplett versorgt. Die Verbindung nach China steht. Ich habe alle Zug- und Flugtickets. Es dürfte also nichts mehr schief gehen.
    So dachte ich… Eine knappe Woche vor Abflug stelle ich fest, dass meine handgepäcktaugliche Powerbank doch nicht so tauglich ist. Sie erfüllt zwar die Norm < 100Wh und hat auch eine schöne CE Zertifizierung. Doch das hilft mir in China nicht. Hier benötige ich die chinesische CCC Zertifizierung. Habe ich nicht. Ist hier auch schwer zu bekommen. Solche Geräte gibt es kaum. Hier hilft der Ami dem Chinesen oder eben doch mir. Amazon macht’s möglich. Im letzten Moment erstehe ich eine CCC zertifizierte Powerbank, eine der wenigen Modelle, die es innerhalb Europas überhaupt gibt.

    Den Weg nach Frankfurt findet unser Auto mittlerweile ja schon von ganz allein. Fast ein wenig langweilig. Vielleicht sollten wir auch mal mit der Deutschen Bahn zum Flughafen fahren. Reisende erleben vor und während dieser Anreise manchmal beinahe mehr, als während der gesamten eigentlichen Reise. Was für Abenteuer.
    Das Wetter gestaltet alles ein klein wenig abenteuerlich. Extra für uns? Wer weiß. Obwohl noch nicht einmal April ist, muss er seine Wetterkapriolen demonstrieren. Die sturmartigen Böen reißen den Himmel auf und wir fahren im strahlenden Sonnenschein und wenige Momente später treibt er die Wolken wieder zusammen. Es graupelt, regnet und Schnellflocken wirbeln um uns herum. Wilde Wetterwechsel während der gesamten Fahrt.
    Mit Air China sind wir noch nie geflogen. Aber das Gepäck ist auch hier schnell aufgegeben. Obwohl mit Lufthansa gebucht, müssen wir bei Air China einchecken. Tatsächlich kommt man hier nur mit Papier Bordingpass an Bord. Alles doch nicht so digital? Oder liegt es an unserer Digitalisierung? Daher müssen wir auch nichts lesen können, wenn wir versuchen online einzuchecken. Es soll nicht gehen. Nun folgt der „Warteteil“, den jeder liebt, bevor wir in die Lüfte steigen.

    Nachdem wir uns 7 Stunden in die Zukunft katapultiert haben oder anders gesagt, 7 Stunden unserer Lebenszeit verschenkt haben, landen wir nach einem ruhigen Flug mit ausnahmsweise mal wirklich gutem Essen, von dem man auch satt wurde, in Peking. Die Einreise ist schnell erledigt, Stempel im Pass und Geld getauscht, ein bisschen Bares will ich Bargeldfan schon haben.
    Dieses Mal sind wir doch sehr froh, dass unser Gepäck gleich mitgeflogen ist und nicht noch irgendwo vergessen und verlassen in Frankfurt stehen geblieben ist und vor allen Dingen auch, dass es in einem Stück und nicht wie bei den letzten beiden Reisen als Bruch angekommen ist.
    Der PEK ist ein schöner, sehr großer Flughafen. Es gibt aber schönere. Wir machen uns bei frühlingshaften Temperaturen auf den Weg ins Hotel. Die Mandelbäume und Forsythien blühen, die Weiden tragen hellgrün. Die Natur ist schon etwas weiter als in Deutschland. Lautlos rollen wir entlang riesiger Straßen und haben das Gefühl durch einen Park zu fahren. Alles grün, alles bepflanzt. Die Stadt ist so riesig, dass sich die Dimensionen verschieben und ich zwischendurch überlege, ob nicht doch alles klein ist. Vielleicht entsteht dieses Gefühl auch, weil ich die gesamte Strecke zwischen blühenden Bäumen fahre und absolut kein Großstadtfeeling aufkommen will. Ein Hochhaus reiht sich an das andere, die Straßen sind breit, die Distanzen enorm. Es staut sich überall und geht nicht vorwärts. Gefahren wird sehr gesittet, aber man liebt das Hupen. Die Straßen sind für diese Unmenge an Verkehr nicht gemacht. Es staut überall. Geduld ist gefragt. So erreichen wir schließlich unser Hotel fußläufig zum Tiananmen Platz. Wir sind angekommen.
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  • Beijing

    March 27 in China ⋅ ⛅ 12 °C

    Beijing, also Peking, ist die Hauptstadt und somit politisches Zentrum der Volksrepublik China. Es hat eine über dreitausendjährige Geschichte mit bedeutendem Kulturerbe. Seine Fläche ist fast so groß wie Thüringen. Die Stadt befindet sich in der Nordchinesischen Tiefebene durchschnittlich 63m über dem Meeresspiegel und ist vom Mongolischen Plateau umgeben. Obwohl Peking nur etwa 150 Kilometer von der Küste entfernt liegt, hat es ein gemäßigtes, kontinentales Klima, das heißt warme, feuchte Sommer und kalte, trockene Winter. Im Winter herrschen Temperaturen bis zu −20 °C und ein eisiger, aus den Ebenen der Inneren Mongolei wehender Wind. Zum Glück ist es jetzt nicht mehr so kalt und wir erfreuen uns an frühlingshaften Temperaturen.

    Beijing - eine Stadt mit vielen Gesichtern. Eine riesige Stadt, die von fünf Cityringen umgeben wird. Wir wohnen im ersten, nahe dem Tian’anmen Platz, also dem politischen Zentrum. Der zweite Ring umgibt die Altstadt, deren Häuser alle niedriger sind, als die der Verbotenen Stadt. Danach wachsen die Hochhausriesen aus dem Boden. Moderne Glasgebäude, der Fernsehturm, der City Tower, der höchste Turm Pekings mit 528m, das Finanzviertel. Während wir auf der Stadtautobahn an den Hochhausriesen vorbeifahren, versuche ich einige Fotos aus dem Fenster zu schießen. Dazwischen zeigt die Stadt alle Facetten. Sie ist sehr grün und wir wähnen uns meist in einem Park. Eine sehr stille Stadt, in der nur noch Elektroautos fahren. Ich sehe lediglich eine einzige Tankstelle in der gesamten Stadt, in der zu mindest im Moment, niemand tankt. Wir können die Vögel zwitschern hören. Dennoch ist der Himmel gräulich vor Smog. Zu viele andere Abgase werden in die Luft geblasen. Im ersten Ring der Stadt wird es nachts absolut leise. Es fahren keine Autos und alles ist abgesperrt. Im frühen Morgen ist Auto fahren noch angenehm, aber mit fortgeschrittener Tageszeit steht man nur noch im Stau. Es nervt. Gehupt wird dabei sehr gerne. Alle fahren äußerst diszipliniert.
    Leider können wir in unseren gerade Mal zwei Tagen nur an der Fassade Pekings kratzen. Wir sehen uns die berühmtesten Sehenswürdigkeiten an und sind geschockt von den Menschenmassen. Überall wird geschoben und gedrängelt. Es gibt kaum einen Moment ohne andere Menschen. Es ist anstrengend immer in der Masse zu stecken. Immer schauen zu müssen, niemanden in die Hacken zu treten. Es gibt viele westliche Touristen. diese reisen alle in Gruppen. Die Mehrheit sind Chinesen, die ihr eigenes Land besichtigen. Wir schieben uns durch diese schönen Orte wie auf dem Weihnachtsmarkt. Dichtes Gedränge.

    Hier stößt Tradition auf Moderne. Chinesen lieben es, sich zu verkleiden. Daher gibt es überall Kostümverleih. So fühlen sich hauptsächlich die Damen in eine andere Zeit versetzt und wandeln durch das historische Peking. Für mich sehr schön anzusehen. Da Chinesen Selfies über alles lieben, lassen sie sich liebend gerne ablichten. Perfekt für mich.
    Um dem Stau zu entgehen, greift man gerne zum Fahrrad. Der alte Drahtesel kann überall per moderner App ausgeliehen werden. Sie parken überall und wer falsch parkt, zahlt extra. Manchmal muss dann aber doch der Verleiher eingreifen und seine Fahrräder alle mal wieder einsammeln. Damit das Rad auch immer per App geliehen werden kann und man niemals ohne geladenes Handy dasteht, kann man an allen Ecken Powerbanks leihen. In gelben Kästen, die mich an Hochhäuser erinnern, steckt die Power. Ein Scan per App und schon kann sie entnommen werden. Wenn das Handy geladen ist, gibt man sie irgendwo wieder ab. An allen Ecken stehen die gelben Powerbankstationen.
    Chinesen lieben Blumen, gerade blühen Magnolien und die Kirsche. Nicht nur die Japaner sind verrückt, was die Kirschblüte angeht. Nur ist es bei ihnen bekannt. Hier ist es genauso. Die ganze Stadt blüht und überall stehen die Menschen und fotografieren Blüten. Wir erfahren, dass während dieser Steig die Eintrittspreise in den Parks teuer werden und die Menschen gezielt wegen der Blüten in die Parks gehen. Sie wachsen aber auch überall entlang der Straße. Die Blumenliebe macht mir die Menschen doch gleich sehr sympathisch.
    Während es hier schon deutlich wärmer ist als in Deutschland, ist es offenbar für die Einheimischen noch kalt. Die Mopeds haben alle ein Wintergewand. So schlüpft man in eine Art Mantel, der am Lenker befestigt ist. Die Hände verschwinden in Handschuhen, die mich an Kochhandschuhe erinnern. Der lange Mantelteil bedeckt die Beine. Man ist zugedeckt und eingepackt und vor dem Fahrtwind geschützt. Besonders schön ist die rosa Hello Kitty Variante.
    Beijing - eine leise, laute, moderne, traditionelle Stadt. Sie gefällt mir, abgesehen von den Touristenmassen sehr gut.
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  • Spaziergang durch die Hutongs

    March 27 in China ⋅ ☁️ 20 °C

    Unser Ziel sind die Hutongs, die alten Stadtviertel Pekings. Siegessicher ordern wir ein Didi (in anderen Ländern Uber oder Grab) und wollen los. Doch nichts passiert. Die Order klappt nicht. Wir können keine Verbindung zu Didi herstellen. Kein Taxi für uns. Mist. Also nehmen wir eines von der Straße und ich bin froh, dass ich ein wenig Bargeld dabei habe. Bares ist eben doch Wahres. Um das Didi Problem müssen wir uns heute Abend noch kümmern. Es staut sich schon wieder. Für die 5km benötigen wir über eine halbe Stunde. Hier muss ich Geduld üben. Und geduldig bin ich in dieser Hinsicht überhaupt nicht. Doch schließlich erreichen wir unser Ziel. Hutongs sind die alten, engen Gassen mit Wohngebieten in traditioneller, einstockiger Bauweise mit ihren Innenhöfen, den Sìhéyuàn, die sich einst durch ganz Peking zogen. Das Wort Hutong kommt aus dem Mongolischen und bedeutet so viel wie Quelle, da die Bewohner dieser Hutongs oft in der Nähe eines Brunnens wohnten. Viele haben sich zum Glück bis heute erhalten und sind ein großartiger Ort, um einen Einblick in das lokale Leben zu erhalten, authentische lokale Speisen zu probieren, Souvenirs zu kaufen oder in einem der schönen Cafés die Atmosphäre zu genießen. Die Gassen sind schmal, die alten Häuser reihen sich aneinander, unterbrochen von Tempeln und Bäumen. Im Schneckentempo tippeln wir vorwärts. Mopeds, Menschen, alles durcheinander und viel zu viele. Es sind sehr viele Touristen unterwegs. Es erschlägt mich. An solche Menschenmassen muss ich mich gewöhnen. Wir entdecken einige nette Geschäfte und kaufen ein. Doch leider lässt die nächste böse Überraschung nicht lange auf sich warten. Wir sind zahlungsunfähig. Mittellos mitten in Peking. Das gibt es doch nicht. Keine der Apps funktioniert. Passwörter werden verlangt, die wohl falsch sind. Wir geben auf. Bei einem weiteren Einkaufsversuch werden die Passwörter plötzlich akzeptiert. Freude kommt auf. Doch leider wird ein Code an die Handynummer verschickt, der uns nie erreicht. Also wieder nichts. Noch ein Problem für heute Abend. Und zwar ein Ordentliches. Wir brauchen ein Zahlungsmittel, das funktioniert.
    Wir bummeln weiter durch viele ursprüngliche Gassen. Wir können überall Tee probieren und Naschereien werden auf der Straße angeboten. Es klopf und hämmert, wenn man sich den Schmuckgeschäften nähert. Man kann dabei zusehen, wie Armreife entstehen. Viele Food Stünde gibt es in den Gassen. Ergibt Fleischspieße, gegrillten Kalamar, Fruchtspieße, Eis und Getränke. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, In einigen wird es sehr ursprünglich und wir sind nicht so gern gesehen. Auf den größeren Plätzen werden Federball und Indiaka gespielt. In den Innenhöfen entdecken wir wunderschöne e Tempel und viele Cafés und Restaurants. Die Atmosphäre ist alles nur nicht großstadttypisch. Leider werden die Hutongs auf Grund der Umgestaltung des Stadtzentrums zunehmend seltener. Auf der Fläche eines Hutongs mit traditionell meist erdgeschossiger Bebauung lassen sich in moderner mehrstöckiger Geschossbauweise wesentlich mehr Wohnungen unterbringen.

    Obwohl sowohl der Glocken- als auch der Trommelturm heute von Pekings Wolkenkratzern überragt werden, sind sie immer noch die höchsten Bauten in ihrem Umfeld und bieten einen schönen Ausblick über das Hutong-Viertel. Der Ausblick vom Glockenturm ist der schönere, weil er rundherum begehbar ist und man nach allen Seiten blicken kann. Um in den Genuss des Ausblicks zu kommen, muss man allerdings erst 70 steile Stufen überwinden. Das Highlight ist die stündlich stattfindende Vorführung der Glocken. Zwischen beiden Türmen liegt ein schöner Platz, der am Abend seinen Charme versprüht. Vergeblich warten wir auf das Trommelkonzert. Heute wohl nicht. Die Gassen werden immer bunter und enger. Kleine Restaurants reihen sich aneinander. Die Hauptgassen sind absolut touristisch, wobei nicht viele westliche Touristen vor Ort sind. Die Gassen erinnern mich an ein Spinnennetz, das immer feiner und enger wird. Von der großen Autostraße verzweigt es sich in die touristische Hauptgasse mit vielen Geschäften. Von dort biegen kleine Straßen ab, in denen sich kaum noch Geschäfte befinden. Von hier tritt man durch meist rote Türen, die aber nicht in ein Haus führen, sondern in noch schmaler, winzige Gassen. Hier hängt die Wäsche und sogar Gemüse wird angebaut. Die Stromzählkästen hängen im Eingangsbereich. Es gibt jetzt nur noch einen Weg und der führt durch die Haustür in die Wohnung.
    Wir spazieren nun weiter durch die Hutongs. Wer müde Füße hat, kann sich eine Rikscha mieten und die Gassen durchfahren. Wir müssen nicht lange überlegen. Wozu haben wir Füße? Mit ihnen können wir in unserem Tempo bummeln und bestimmt noch die eine oder andere schöne Ecke entdecken. Sie sind nach der 9 stündigen Sitzerei im Flugzeug froh, sich bewegen zu dürfen. Außerdem haben wir ja gar kein Geld.
    Schließlich erreichen wir den riesigen See und erleben einen herrlichen Sonnenuntergang. Immer wieder fällt uns auf, dass es absolut still ist, obwohl Unmengen Autos um uns herum fahren. Nur das Abriebgeräusch der Reifen ist zu hören und natürlich die Huperei. Ansonsten Stille. Dafür hört man die Menschen umso lauter. Dennoch kommen uns die Straßen klein vor, alles ist bepflanzt und eben still. Still wie in einem riesigen Park.
    Der Hunger kommt. Wir sind immer noch zahlungsunfähig und müssen mit unserem wenigen Bargeld haushalten. Trotzdem gibt es einen leckeren Kalamar, Meine Gedanken kreisen um das Zahlungsproblem. Schließlich versuchen wir es nochmals. Keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert ist, aber nach einigen Minuten Warterei kommt dieses Mal der Code durch. Wir können verifizieren und bezahlen. Perfekt. Ein Problem gelöst. So scheint es. Wie auch immer. Die Stimmung steigt. Ich hasse es, das Gefühl zu haben, nicht bezahlen zu können.
    Es wird dunkel und die Stimmung am Wasser mit all den Laternen ist wunderschön. Die Lichter spiegeln sich im Wasser. Auch der Trommel- und Glockenturm sehen im Dunkeln wunderschön aus. Eine tolle Architektur. Die Hutongs gefallen uns ausnehmend gut und wir beschließen, den morgigen Abend wieder dort zu verbringen. Geld haben wir ja jetzt offensichtlich.
    Der Tag war lang und die Füße sind müde. Wenn wir jetzt bezahlen können… vielleicht können wir auch ein Taxi holen? Und oh Wunder, auch das klappt. So erleben wir einen Tag mit vielen Aufs und Abs, der wunderbar endet.
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  • Platz des Himmlischen Friedens

    March 28 in China ⋅ ☁️ 20 °C

    Unsere erste Nacht in China liegt hinter uns. Da ich wegen der Zeitverschiebung überhaupt nicht schlafen konnte und erst um 5:00 Uhr morgens eingeschlafen bin, reißt mich der Wecker aus dem Tiefschlaf. Dennoch sind wir putzmunter in Erwartung des heutigen Tag.
    Zeitig fahren wir zum Tian’anmen Platz. Mich trifft beinahe der Schlag, als ich sehe, wie voll es bereits ist, Die Reisegruppen haben jetzt schon Warteschlangen für die Sicherheitskontrolle von 2 Stunden. Wir dürfen mit Guide eine andere Kontrollzone nehmen und sind schnell durch. Alleinreisende haben besonders strenge Kontrollen. Dabei müssen das Ticket und die Pässe gezeigt werden und es wird eine genaue Sicherheitskontrolle des Gepäcks durchgeführt. Eine Kopfschmerztablette sollte besser nicht darin gefunden werden. Das führt nur zu unangenehmen Fragen
    Es ist unglaublich. Der Tian’anmen-Platz oder Platz des Himmlischen Friedens wird mit seinen 39,6 ha Fläche oft als größter befestigter Platz der Welt bezeichnet.
    An der Nordseite steht das Tian’an Men, das Tor des Himmlischen Friedens, hinter dem sich die Verbotene Stadt anschließt. Der Platz wird im Westen von der Großen Halle des Volkes und im Osten vom Chinesischen Nationalmuseum begrenzt.
    Nach dem Tode Mao Zedongs im Jahr 1976 wurde auf dem südlichen Teil des Platzes ein gewaltiges Mausoleum an der Stelle des südlichen Haupttors der Kaiserstadt errichtet. Seither ist dort der Leichnam Maos ausgestellt. Er war der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) während des chinesischen Bürgerkriegs und hatte diese Position bis zu seinem Tod im Jahr 1976 inne. Maos einbalsamierter Körper wird im Inneren öffentlich ausgestellt. Der Bau der Gedenkhalle begann kurz nach seinem Tod und wurde am 24. Mai 1977 abgeschlossen. Eigentlich wollten wir das Mausoleum besichtigen. Leider ist es bis in den Herbst wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Aber von Außen.

    Jetzt stehe ich hier auf dieser gigantischen Fläche und die Menschenmassen scheinen beinahe zu verschwinden. Alles ist unfassbar riesig. Maos Mausoleum, ein riesiger Palast und die Große Halle des Volkes scheint ein niemals enden wollendes Gebäude zu sein. Ich kenne diese Art Bauwerke bereits aus Moskau, doch Moritz ist völlig geflasht. Er hat diesen Baustil noch nie vorher gesehen. Hunderte Meter laufen wir und erreichen immer noch nicht das Ende. Eine Stele zum Gedenken der Kriegstoten und andere Mahnmale befinden sich hier. Alles ist kontrolliert und wenn es Versammlungen gibt, ist das komplette politische Areal geschlossen. Dies kann jederzeit und ohne Vorankündigung der Fall sein. Wir hatten heute somit Glück, dass wir einfach durch den südlichen Eingang auf den Platz gelangen konnten. Ich stehe hier und kann es kaum glauben, dass ich tatsächlich hier stehe. Das Wetter ist herrlich und so durchqueren wir diese gigantische Freifläche bis wir zum südlichen Tor und damit zum Eingang der Verbotenen Stadt gelangen. Auch hier haben wir nochmals Glück, da die Wasserfontänen angeschaltet waren. Sonne und Wasser zaubern herrliche Regenbogen vor das riesige Tor. Der 12 spurige Paradeboulevard zwischen dem Platz des Himmlischen Friedens und der Verbotenen Stadt wird unterirdisch gekreuzt. Soldaten in Paradeuniform patrouillieren hier. Wir durchqueren das Tor des Himmlischen Friedens in der Mitte. Das heißt, wir benützen den Abweg, der dem Kaiser vorbehalten war. Die Damenwelt und hohen Beamten mussten damals die Seitenwege nehmen. Wir blicken zurück über den riesigen Tian‘anmen Platz und sehen weit entfernt das Amalia Mausoleum. Fast einen Kilometer sind wir gelaufen, um den Platz zu durchqueren. Leider kann man nicht einfach sagen „wir kommen heute Abend nochmals her“, denn hier benötigt man für alles ein Ticket und das Umfeld ist weiträumig abgeriegelt und streng kontrolliert.
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  • Die Verbotene Stadt

    March 28 in China ⋅ ☁️ 20 °C

    Die Verbotene Stadt ist eine riesige Palastanlage im Zentrum Pekings. Dort lebten und regierten bis zur Revolution 1911 die chinesischen Kaiser der Dynastien Ming und Qing. Der einfachen Bevölkerung war der Zutritt verwehrt – was den Namen Verbotene Stadt erklärt. 1987 wurde sie von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

    Wir betreten das südliche Tor über die Kaisertreppe. Von oben blickt Mao Tsedong in Richtung seines Mausoleums. Wir sind schon seit weit von ihm entfernt, dass es nur noch als kleines Gebäude erscheint, obwohl es riesig ist. Als wir das gewaltige Tor auf der anderen Seite verlassen, scheinen wir in eine andere Welt zu treten.
    Die Verbotene Stadt stellt ein Meisterwerk der chinesischen Architektur dar. Ihre Anlage entsprach der Weltsicht der kaiserlichen Herrscher: ein annähernd rechtwinkliger Grundriss – ausgerichtet entsprechend dem Prinzip von Yin und Yang an der Nord-Süd-Achse – und die Verbotene Stadt als Machtsymbol des Kaisers in der Mitte. In ihr befanden sich unter anderem die Paläste der Herrscher. Die Dächer der meisten Hauptgebäude waren teilvergoldet und mit in Gelb, der Symbolfarbe des chinesischen Kaisers, glasierten Ziegeln gedeckt. Kein Gebäude in Peking durfte die Verbotene Stadt in der Höhe überragen.
    Der dritte Kaiser der Ming-Dynastie, Yongle, begann 1406 mit dem Bau der Verbotenen Stadt. Zeitweise sollen eine Million Sklaven und mehr als 100.000 Kunsthandwerker daran gebaut haben. Nur durch solch einen Aufwand ist es verständlich, dass der Bau schon 1420 abgeschlossen werden konnte.
    Yongles Nachfolger konstruierte den Palast zwar in seinem Sinne um, am Grundriss veränderten aber weder er noch ein anderer Kaiser etwas.
    1924 musste die letzte Kaiserfamilie schließlich die Verbotene Stadt verlassen und die Tore wurden für die Bevölkerung geöffnet.

    Der gesamte Komplex hat eine Grundfläche von 720.000 m² und eine bebaute Fläche von 150.000 m². Auf dem Gelände befinden sich 890 Paläste mit unzähligen Pavillons mit 8.886 Räumen. Einer Legende nach sollen es eigentlich 9.999½ Räume sein. Der halbe Raum hat symbolischen Charakter. Danach durfte nur der Himmel einen Palast mit 10.000 Räumen besitzen, daher mussten sich die „Söhne des Himmels“ mit 9.999½ zufriedengeben.
    Allein die Dimensionen der Mauer der Verbotenen Stadt sind mehr als beeindruckend: 10m hoch und 3428m lang. In jeder Himmelsrichtung befindet sich jeweils ein großes Tor mit einem Turm und an den vier Mauerecken steht jeweils ein Eckturm. Der Haupteingang ist das „Mittagstor“ oder auch „Fünf-Phönix-Tor“.

    Wir durchwandern zunächst einige Tore, bis wir die eigentliche Stadt überhaupt erreichen. Die Tore mit ihren geschwungenen Dächer und der wunderschönen Bemalung sind kaum zu beschreiben. Ich habe schon viele sehr beeindruckende Orte gesehen, aber die Verbotene Stadt stellt alles in den Schatten. Die Größe, die Architektur und Schönheit der Stadt und Tempel sind unglaublich. Alle Gebäude sind dennoch schlicht und nicht überladen. Starke natürliche Farben und wunderschöne Bemalung. Die Plätze zwischen den Toren sind riesig. Wir legen Kilometer zurück und sind über 2 Stunden unterwegs bis wir überhaupt die Paläste des Kaisers erreichen. Es ist voll und wird immer voller. Es sind Menschenmassen wie ich es noch nie erlebt habe. Und dennoch verteilt es sich immer wieder. Da die gesamte Anlage symmetrisch aufgebaut ist, liegt immer ein Teil in der Sonne oder ist wenig überlaufen, so dass wir auch ab und an einen Moment in einer ruhigeren Ecke finden. Doch dies wird mit fortschreitendem Tag immer seltener. Wir blicken auf wundervolle Tempel mit geschwungenen Dächern, die sich vor dem blauen Himmel abheben. Oftmals weiß ich nicht, in welche Richtung ich als erstes blicken oder gehen soll. Ständig ergeben sich neue wundervolle Perspektiven auf diese traumhafte Stadt. Über die typisch chinesischen Brücken erreichen wir den Thronsaal mit seinen Nebengebäuden. Das Herz der Stadt. Dort stehen riesige Öfen, in denen Weihrauch verbrannt werden kann und ich versuche mir vorzustellen, wie damals die Atmosphäre gewesen sein mag und wie es gerochen hat. Die Bevölkerung durfte nicht in die Verbotene Stadt hinein, die Palastbewohner durften aber auch nicht einfach in die Stadt hinaus. Es war eine riesige Stadt in der Stadt. Nachdem wir den Thronsaal auf seinem Plateau verlassen haben, erreichen wir die Arbeits- und Schlafgemächer des Kaisers. Die Gassen werden schmaler und die Tempel niedriger, aber nicht weniger schön gestaltet. Zypressen, die Langlebigkeit bedeuten, da sie immer grün sind, wachsen zwischen den Gebäuden und in den Innenhöfen. Wir finden blühende Kirschbäume und Magnolien. Ich konnte mir bisher nichts unter dem Kirschblütenwahn Japans vorstellen. Doch jetzt habe ich eine Ahnung. Die Chinesen sind genauso blütenverrückt. Während wir völlig begeistert die Tempel aus jeder Perspektive fotografieren, interessieren sich die Chinesen für die Blüten. In den kleinen Höfen finden sich somit für alle viele Motive. Es ist hier nicht ganz so voll, wie beim Kaiserpalast, aber es gibt auch nicht so viel Platz. Alleine sind wir nie. Aber die Atmosphäre ist ruhig und angenehm. Zum Schluss erreichen wir den Garten und hier treffen sich nun alle Besucher, um das Gelände kurz darauf zu verlassen.
    Hier wird nochmals klar, dass nicht nur die Größe und die Anzahl der Räume gigantisch sind, Auch die Dimension der täglich verkauften Eintrittstickets ist enorm. Anscheinend sind es täglich 70.000 Tickets, die innerhalb weniger Sekunden ausverkauft sind. Alles scheint sich im Park zu versammeln und natürlich zu fotografieren.
    Ich habe immer ein Problem bei riesigen Touristenmenschenmassen. Ich bin so gerne alleine an den Orten und beschaue mir alles in Ruhe. Aber hier wird alles in den Schatten gestellt, was ich jemals erlebt habe. Man kann es sich nicht vorstellen und ich weiß im Moment auch nicht, mit welchen Menschenmassen ich das hier vergleichen könnte. Die Massen einer Demonstration könnten es am ehesten beschreiben. Wir kommen nur mit Minischritten vorwärts. Ständig läuft einem jemand in die Hacken und man wird angerempelt. Es gibt kaum ein Vorwärtskommen.

    Nachdem wir diesen unglaubliche. Ort verlassen haben, besteigen wir den Kohlehügel und überblicken von dort oben die gesamte Verbotene Stadt. Leider ist es sehr diesig und auch noch wolkig. Ein paar Regentropfen sind auch schon gefallen. Dennoch kann man klar erkennen, wie gigantisch riesig alles ist. Weit weg im Dunst erahnen wir das Ende des Platzes des Himmlischen Friedens mit dem Mao Tsedong Mausoleum. Vor 5 Stunden sind wir am Morgen dort losgelaufen. Alle Orte liegen genau auf einer Achse mit dem Kaiserpalast. Blicken wir vom Kohlehügel nach Norden, sehen wir den Glocken- und Trommelturm, die wir gestern besichtigt haben. Auch sie liegen auf dieser Achese. Die Strecke ergibt Luftlinie etwa 5km. Welch geniale Städteplanung und was für Distanzen.

    Während ich diese Distanzen realisiere, wird mir auch klar: ich war in der Verbotenen Stadt. Ich blicke eben auf sie herunter. Auf einen Ort, von dem ich niemals gedacht hätte, dass ich ihn einmal sehen würde. Ein Ort, wie es ihn definitiv nur einmal auf dieser Welt gibt. Unglaublich. Ich kann ihn in seiner Größe und Schönheit noch gar nicht wirklich greifen.
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  • Himmelstempel - Tiāngōng

    March 28 in China ⋅ ☁️ 19 °C

    Der Himmelstempel ist eine Tempelanlage in Peking, in der die Kaiser jedes Jahr für eine gute Ernte beteten. Er wurde 1406–20 in der Ming-Dynastie erbaut und 1998 von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen.
    Die gesamte Anlage ist von einer kilometerlangen, doppelten Mauer umgeben. Im nördlichen Teil haben die Mauern einen runden Grundriss, während der Südliche viereckig ist. Von oben betrachtet sieht der Mauergrundriss also wie eine langgezogene Kuppel aus. Diese Form rührt aus der Vorstellung, dass der Himmel rund und die Erde eckig sei.
    Im nördlichen Teil ist die Halle des Erntegebets mit 36m Breite und 38m Höhe das wichtigste Gebäude des Tempelbezirks. Der kreisförmige Grundriss steht auf einer dreistufigen, 20m hohen Marmorterrasse, ähnlich einem mittelamerikanischen Stufentempel.
    Im südlichen Teil steht das zweite große Gebäude, die Halle des Himmelsgewölbes. Die kreisrunde Tempelhalle ist von einer Echomauer, einer absolut glatten und exakt kreisförmigen Mauer umgeben. Durch ihre runde Form werden Schallwellen an der Mauer entlanggeführt und können überall an der Mauer wahrgenommen werden. Spricht man also gegen die Echomauer, kann man selbst an der gegenüberliegenden Stelle hören, was gesagt wurde. Leider wurden zu viele Graffitis in die Mauer geritzt, was die Echofähigkeit zerstört hat. Ein Plattenweg läuft auf den Himmelstempel zu und eigentlich würde sich mit dem jedem Schritt, den man darauf zugeht das Eche erhöhen. Klatsche ich auf Platte eins einmal, erhalte ich zwei Klatschechos. Auf Platte zwei klatsche ich zweimal und erhalte drei Klatschechos. Durch die Menschenmassen und die zerstörten Mauern, kann man dies leider nicht mehr erleben. Auch diese Halle steht auf einer dreistufigen Marmorterrasse.
    Die beiden Hallen sind durch die 360m lange Danbi-Brücke verbunden. Die gesamte Tempel-Achse ist 1200m lang und wird von alten Bäumen flankiert. Damit ist der Himmelstempel nach eigenen Angaben die längste Anlage zur Himmelsanbetung der Welt.
    Leider ist der Himmel mittlerweile komplett grau und es regnet immer wieder. Die Menschenmassen sind unerträglich. Teilweise sehr rücksichtslos quetscht man sich vor den Thronaal und wir müssen viele Ellbogen in den Rippen ertragen. Irgendwann stehen auch wir in der ersten Reihe. Der Blick ist toll, aber ansonsten ist es alles andere als schön.
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  • Foodytour durch die Hutongs

    March 28 in China ⋅ ☁️ 15 °C

    Nach vielen Kilometern und voller Eindrücke nehmen wir zum ersten Mal die Metro. Das System ist wie überall auf dieser Welt. Doch lesen sollte man können. Die Stationen sind alle zweisprachig angeschrieben. Doch am Ticketautomaten ist alles chinesisch. Wir suchen uns die Linie. Dann vergleichen wir wie Erstklässler die Buchstabenbilder und suchen unser Ziel. Am Ende zahlen wir mit Alipay und erhalten die Tickets. Man kann auch mit der Kreditkarte direkt am Drehkreuz bezahlen. Dann ist alles noch viel einfacher. Ich habe aber nur eine dabei und deshalb testen wir den Automaten. Jetzt können wir auch auf Chinesisch Metro fahren. Wunderbar. Das Gepäck wird wie am Flughafen durchleuchtet und dann geht es auch schon los, Wir wollen zurück in die Hutongs von gestern Abend und eine Peking Ente essen. Die erste Herausforderung besteht darin, überhaupt erst einmal zu bestellen. Die Ente passt, die Beilagen sind ausbaufähig und als es unser Wunschgetränk nicht gibt und die Bedienung nicht weiter weiß, meinte sie: Cola?? Oh ja gerne. Wir ahnen noch nicht, wie glücklich wir über die Cola sein werden. Wir sehen zu, wie die Enten am Haken in den Ofen gehängt werden. Es erinnert mich an die Streiche von Max und Moritz mit den gebratenen Hühnern. Dann wird mir klar, dass ich heute definitiv mit Stäbchen essen muss. Hier kann man nicht nach Besteck fragen. Eine Premiere. Ich kann das nicht und bisher konnte ich mich immer erfolgreich drücken. Die Ente wird zerlegt und steht dampfend auf dem Tisch. Sie sieht wunderschön aus. Los geht der Kampf. Die Ente scheint noch zu leben und nicht gegessen werden zu wollen. Ich kann sie nicht greifen. Die Tischnachbarn haben schon Freude an meinen Essversuchen. Ich komme mir vor wie eine Einjährige, die zum ersten Mal einen Löffel in der Hand hält. Sind die Stäbchen erfolgreich im Mund, sind sie leider leer und die Ente erfolgreich zurück bei den anderen Scheiben auf dem Teller. Aber mit der Zeit klappt es besser. Auch die Gurken hüpfen aus den Stäbchen und landen nicht in meinem Mund. Ein Hochgenuss ist diese Esserei sogesehen nicht. Moritz lacht über meine Misserfolge, dabei landet seine Ente oft genug in der Sojasoße und nimmt nochmals ein Bad. Und die Ente? Es beginnt ein erneuter Kampf: Dieses Mal die fettige Ente gegen meinem Bauch. Das Fleisch ist zart, aber die Haut extremst fettig. Sie trieft. Mein Bauch rebelliert. So kämpft jeder gegen jeden. Eine Beilage erinnert Moritz an Gummibärchen. Sowohl von der Konsistenz als auch von der Süße. Auch sie will nicht gegessen werden. Irgendwann reicht es mir und ich spieße sie mit dem Stäbchen auf. Hält und landet da, wo sie hingehört. Doch nun ist die Freude am Nachbartisch endgültig riesig. Wenigstens haben die ihren Spaß. Am Ende ist die Ente aufgegessen und mein Magen kämpft noch einige Zeit den ersten Verdauungskampf. Dankenswerterweise kommt die Cola zur Hilfe und räumt ein wenig auf. Mein Bedarf an Enten ist definitiv gedeckt. Moritz meinte: Mama, deine Ente schmeckt immer so lecker, aber die hier….

    Wir bummeln durch die Hutongs. Chinesen lieben Karaoke und es ist herrlich sie dabei zu beobachten. Manche sind echt gut. Und es gehört Mut dazu, sich da einfach hinzustellen. Es sind auch wirklich schon ältere Leute dabei. Es wird nicht nur gesungen, sondern auch Tanzeinlagen geboten. Herrlich.
    Wir probieren an einigen Ständen verschiedene Süßigkeiten. Am besten schmeckt uns das Jasmin-Panda-Eis. Und es sieht auch noch so toll aus. Mit der Metro geht es zurück zum Hotel. Wieder klappt alles prima.
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  • Die Chinesische Mauer

    March 29 in China ⋅ ☁️ 13 °C

    Wir starten heute sehr früh, da wir vor den Menschenmassen auf der Chinesischen Mauer sein wollen. Wie schon befürchtet, gab es heute Nacht keinen Wind und somit heute viele Wolken und keine Sonne. Nachdem wir uns der Mauer nähern, realisiere ich, dass es nur noch 10 Grad hat und mein Pulli im Hotel liegt. Ebenso der Regenschirm und ja, da regnet es auch schon. Das sind perfekte Voraussetzungen und meine Laune sinkt in den absoluten Minusbereich. Doch es hilft nichts. Los geht’s. Zuerst mit dem Shuttlebus und dann mit der Gondel nach oben. Um 8:00 Uhr sind wir nicht allein, aber es ist noch leer. Die Chinesische Mauer oder „10.000 Li lange Mauer“ ist eine Schutzanlage zur Grenzsicherung, die unter anderem während der Ming-Dynastie (1368–1644) im Norden Chinas errichtet wurde. Der chinesische Name „10.000 Li lange Mauer“ beinhaltet die chinesische Längenangabe lǐ. Ein historisches Li entspricht etwa 500m, 10.000 Li sind daher ca. 5.000km. Der Ausdruck ist jedoch nicht wörtlich zu verstehen. Die Zahl 10.000, also wàn, steht im Chinesischen auch für Unendlichkeit. Daher ist der Ausdruck etwa als „unvorstellbar lange Mauer“ zu verstehen.
    Vom 17. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein ging man in Europa davon aus, dass die Befestigungen bei Peking, sowie die gesamte damalige Nordgrenze mit einer solchen Mauer gesichert sind.
    Schutz allein war bald nicht mehr die einzige Aufgabe des stolzen Bauwerks. In der Han-Zeit (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) wurde die Mauer auch zur Verbreitung von Nachrichten genutzt. Da der Wall alle paar hundert Meter mit Wachtürmen versehen war, war es ein Leichtes, Botschaften zu übermitteln. Von einem Wachposten zum nächsten wanderten die wichtigen Informationen in rasantem Tempo per Feuersignal und Rauchmeldung.

    Heute werden alle im Norden Chinas errichteten längeren Grenzbefestigungen durch Wälle und Mauern zusammenfassend als „Chinesische Mauer“ bezeichnet. Sie ist nicht als einheitliches Bauwerk, sondern über einen Zeitraum von über 100 Jahren in Abschnitten mit unterschiedlicher Bauweise errichtet worden. Breite, begehbare Mauern mit ihren Wachtürmen und Zinnen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bilden das ikonische Bild der Chinesischen Mauer und sind zu einem Sinnbild Chinas geworden. Die Länge der Schutzanlage wurde lange Zeit mit 6260km angegeben, was an ihrem Namen „10.000 Li lange Mauer“ liegt und auch schon enorm ist. Hinsichtlich Volumen und Masse gilt die Chinesische Mauer als das größte Bauwerk der Welt. Nach neuesten archäologischen Berechnungen aus dem Jahr 2012 sind alle Mauerabschnitte zusammen wohl 21.196km lang. Das entspricht etwa der Luftlinie Stockholm - Kapstadt und zurück.
    1987 erklärte die UNESCO die Chinesische Mauer zum Weltkulturerbe. 2007 wurde die Mauer von weltweit 70 Millionen Menschen im Rahmen einer Privatinitiative zu einem der „neuen sieben Weltwunder“ gewählt.

    Oben angekommen besteigen wir den westlichen Teil der Mauer. Die Wolken hängen tief, die herrliche Bergwelt versinkt unsichtbar im grauen Brei. Die graue Mauer schlängelt sich auf grauen Bergkämmen zwischen grauen Bäumen in Richtung grauer Wolken. Die einzigen Farbtupfer sind die Kirschbäume, die überall blühen. Wunderschön sehen sie aus. Wären die Bäume entlang der Mauer schon grün, könnte man das Mauerband deutlich besser sehen. Wir haben aber März und nicht Ende April. Obwohl meine Nase noch eiskalt ist, beginne ich zu schwitzen. Steil ist es. Die Stufen sind mal hoch, mal niedrig und mal für Riesen gemacht. Sie gehen nicht nur steil bergauf, sondern kippen alle nach links ab. So kann das Regenwasser perfekt ablaufen. Die Rinnen verlaufen auf der linken Seite und das Wasser plätschert in kleinen Wasserfällen die Stufen hinunter. Nein, heute zum Glück nicht. Der Regen hat wieder aufgehört. Die Blicke auf das sich schlängelnde Band innerhalb der Mauern und von den Seiten ist wunderschön. Wir steigen auf und wieder ab und überblicken das grandiose Bauwerk. Das letzte Stück bis Turm 20 ist kein Vergnügen. Mein Gott. Zum Glück liegt der Pulli im Hotel. Die Stufen sind extrem steil und riesig. Ist das anstrengend. Dieses Weltwunder muss hart erarbeitet werden. Und dann stehen wir am westlichsten Punkt und überblicken das Tal bis zum nächsten Berg immer entlang der Mauer. Die Atmosphäre ist toll. Still und leise, kaum Touristen zu dieser frühen Stunde. Was für ein Ort.
    Auch auf den umliegenden Bergen entdecken wir Wachtürme. Die Türme sind recht breit und immer drei Gänge führen durch sie hindurch. Der Blick durch die Fensteröffnungen ist toll. Wären da nicht die Bienen. Sie haben überall ihre Nester und fliegen uns direkt an. Bienen sind meine Todfeinde. Ich muss hier weg und so geht es im Eiltempo durch jeden Turm. Mittlerweile hat das Wetter ein wenig Erbarmen. Die Sonne drückt und die blauen Himmelslöcher nehmen zu. Leider nehmen auch die Menschenmassen zu. Und zwar ganz entsetzlich. Die gesamte Mauer scheint geflutet. Es ist ein einziges Gedränge und Geschiebe wie auf dem vollsten Weihnachtsmarkt. Ein Menschenband auf dem Mauerband. In winzigen Schritten tappeln wir vorwärts. Warum ist hier alles so furchtbar überfüllt? Es ist grauenhaft und die Menschenmassen stressen mich. Laut ist es und die Atmosphäre vom frühen Morgen längst verschwunden. Überall ragen bunte Fahnen von Reisegruppen in die Luft.
    Warum musste die Sonne erst jetzt herauskommen, wenn alles überfüllt ist? Wir erreichen schließlich den östlichsten Punkt. Unsere vielen Höhenmeter von heute Morgen haben wir längst verloren. Die Knie rufen um Erbarmen und die Beine zittern. Abwärts steigen ist Folter. Da freue ich mich schon auf den nächsten Mauerabschnitt, der steil bergauf geht. Das letzte Stück bis Turm eins ist mehr als dachsteil. Die Stufen völlig unterschiedlich. Jeder Schritt eine Stolperfalle. Ein Kampf. Eine Quälerei. Der Weg nach unten wird ja noch viel schlimmer. Doch zunächst sind wir oben, folgen der Mauer mit den Augen über Berge und Täler. Was für ein Monument. Ein unglaubliches Gefühl tatsächlich auf der Chinesischen Mauer zu stehen. Ich habe nicht erwartet, jemals hier zu sein und da stehe ich nun. Wir beginnen den Abstieg und meine Knie schreien bei jeder Stufe: Was tust du mir da an? Doch nach dem Abstieg folgt ein neuer Aufstieg und so winden wir uns wieder hinauf und hinunter zwischen den Menschenmassen hindurch bis zur Gondel. Wäre doch nur die Sonne am Morgen schon da gewesen. Es hätte so wunderschön sein können. Aber es sollte nicht sein. Ich kann mich noch nicht losreißen vom Anblick dieses grandiosen Bauwerks. Da macht es mir das Wetter leicht. Es beginnt wieder zu regnen, Dieses Mal kräftig. Und so haben wir die Zeit auf der Mauer zwischen Regen und Regen verbracht und die gesamte Trockenphase mit Sonne ausgenützt.
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  • Sommerpalast - Pinyin Yíhéyuán

    March 29 in China ⋅ ⛅ 22 °C

    Wir lassen uns leider von unserem Fahrer zum Mittagessen überreden. Die Konsequenzen erfahren wir leider später. Ein großer Fehler in mehrfacher Hinsicht. Ich gehe davon aus, dass wir in ein gutes Restaurant geschickt werden. Die. Inder in der Karte sehen nicht schlecht aus, die Preise sind ordentlich. Doch dann habe ich einen Haufen Knoche. In Sau.e in meinem Pfännchen und Fleisch kann ich kaum finden. Der Kampf mit den Stäbchen wird noch erbitterter geführt. Doch was soll ich in den Mind stecken? Knochen? So esse ich in meiner Not den Reis mit dem Suppenlöffel. Das klappt wenigstens. Zeit und Geld für nichts rausgeschmissen.
    Als wir uns Beijing nähern, landen wir natürlich wieder im Stau. Zu spät erkennt unser Fahrer, dass das Areal wegen Überfüllung abgesperrt ist und wir laufen müssen. Das hat viel Zeit gekostet. Als wir schließlich am Gate des Sommerpalastes stehen, beginnt es zu regnen. Wir sind ja nicht aus Zucker. Die Chinesen haben offensichtlich Angst aus Zucker zu sein und verlassen den Park. Gut für uns, es wird deutlich leerer. Ich laufe eine geriffelte Rampe hoch, doch sie ist durch den Regen so glitschig, dass ich trotz guter Schuhe rückwärts hinunterrutsche. Zum Glück fahre ich ohnehin auch gerne rückwärts Ski. Somit lande ich sicher am unteren Ende der Rampe. Die Sonne drückt trotz Regen und die Stimmung am Palast ist wunderschön.
    Kaiser Qianlong ließ den Sommerpalast, also den „Garten der Reinen Wellen“ um 1750 für eine Gesamtsumme von 4,8 Millionen Silber-Tael als Geschenk zum 60. Geburtstag seiner Mutter errichten. Die 297ha große Anlage entstand auf dem Gelände des seit 1153 bestehenden Gartens des Goldenen Wassers und war der bevorzugte Aufenthaltsort des Kaiserhofes in den feucht-heißen Sommermonaten.
    Er ist ein weitläufiges Ensemble bestehend aus Seen, Gärten und Palästen und gilt als der am besten erhaltene kaiserliche Garten der Welt und eine der größten noch existierenden Palastanlagen Chinas. Die über 3000 Gebäude zählen zu den Meisterwerken chinesischer Architektur, der Park zu den beeindruckendsten chinesischen Landschaftsgärten. In den Gebäuden befindet sich eine Sammlung von über 40.000 wertvollen historischen Relikten aus verschiedenen Dynastien. Er zählt zu den frequentiertesten Sehenswürdigkeiten der chinesischen Hauptstadt und gehört seit 1998 zum UNESCO-Welterbe.

    Wir wissen, dass wir nicht viel Zeit haben. Den zentralen Teil derAnlage können wir aber ohne Probleme besichtigen. Dennoch beeilen wir uns. Was wir nicht wissen: der wichtigste Teil mit der Halle für den Kaiser schließt in der Winterzeit. Dreiste um 16:30. wir erreichen das Tor um 16:36Uhr. Jetzt rächt es sich, dass wir durch unser ungenießbares Mittagessen so viel Zeit verloren haben. Das war‘s. Die Wachleute sind gnadenlos und obwohl erst um18:00 geschlossen wird, darf niemand mehr hinein. Wir sind nicht die einzigen die sauer und enttäuscht sind. Es gibt richtig großen Ärger am Tor. Doch leider hilft der Protest nicht. Wie schade. Wir durchqueren aber weiterhin diesen wunderschönen Park. Die Weiden spiegeln sich zartgrün in den Seen. Die Kirschen blühen und ziehen die Chinesen an. Es scheint ansteckend zu sein, denn plötzlich fotografieren wir auch nur noch Kirschblüten. Die Abrücken spannen sich in herrlichen Bögen über das Wasser. Überall entdecken wir wunderschöne Pavillons und Paläste. Wir laufen entlang des Wandelgangs mit seinen mystischen Motiven, immer parallel zum See. Er ist fast 800m lang. Der gesamte Palastpark ist ein Traum.
    Als eine der letzten verlassen wir ihn deutlich nach 18:00. Man sollte hier einen ganzen Tag Zeit einplanen. Es gibt so viel zu entdecken. An den wunderschönen Inseln waren wir überhaupt nicht und in den kleinen Cafés und Restaurants lässt sich der Tag gut aushalten. Es ist ein Jammer aber leider nicht mehr zu ändern.
    Nach einem langen Tag steuern wir ein letztes Mal mit der Metro die Hutongs an. Ich brauche etwas ordentliches zu essen und zwar mit Messer und Gabel. Begeistert entdecke ich einen Mc Donalds. Moritz stoppt mich doch tatsächlich. Zum Glück. Denn kurz darauf laufen wir an einem sehr gemütlichen Italiener vorbei. Es gibt Pasta Gambaretti mit Messer und Gabel. Ein Hochgenuss.
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  • Hochgeschwindigkeitszug nach Xi´an

    March 30 in China ⋅ ☁️ 17 °C

    Die Chinesische Mauer hat eindeutig ihre Spuren in meinen Beinen hinterlassen. Ich komme mir vor wie eine Hundertjährige. Mein Beine tun weh…..
    Heute treten wir unsere erste Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Beijing nach Xi’an an. Wir reisen mit einem sogenannten G-Zug. Dieser ist der schnellste unter den Hochgeschwindigkeitszügen und bringt uns in 4 Stunden 10 Minuten die knapp 1200km von Beijing nach Xi‘an. Dabei erreichen wir Geschwindigkeiten von 350km/h in der Spitze. Schneller geht es mit dem Zug nicht.
    Mein Zugticket gleicht einer Bordkarte im Flugzeug mit Zugnummer, Datum und Uhrzeit, Abfahrts- und Ankunftsbahnhof. Wunderbar. Außerdem entdecke ich die Nummer der Räume, in denen wir vor der Abfahrt zu warten haben, die Nummer des Wagons, in den wir steigen müssen und den gebuchten Sitzplatz. Keine Ahnung, ob das auf unseren Zugtickets auch so vermerkt ist. Diese Zugfahrt ist so ziemlich meine allererste. Perfekt. Alles da, was wir wissen müssen. Ich entdecke noch einige chinesische Zeichen und einen QR Code. Aber zu welchem Bahnhof muss ich eigentlich? Ich finde nur die Angabe Beijing West. Ich bin überzeugt, dass mein chinesischer Taxifahrer diese Ortsangabe problemlos verstehen wird. Ich suche eine Weile, bis ich in kleinster Schrift die Angabe Beijingxi nach Xi´anbei finde. Beijingxi muss also Beijing West bedeuten und Xi´anbei offensichtlich Xi´an Nord. Als ich die Worte in den integrierten Übersetzer bei Alipay eingebe, klingt es sogar so ähnlich wie es hier geschrieben steht und meine Vermutung ist bestätigt. Passt. Somit weiß ich nun, dass "xi" West und "bei" Nord bedeutet und die Silbe einfach an den Städtenamen angehängt wird. Funktioniert Chinesisch wie ein Steckkastenprinzip? Das gilt es in der nächsten Zeit noch heraus zu finden. Zwei Himmelsrichtungen haben wir hiermit schon gelernt. Ich checke gleich das nächste Zugticket und erkenne wie ein Profi, dass es wieder der Bahnhof Xi´anbei sein wird, zu dem wir gerade fahren.
    Der richtige Bahnhof ist schnell bei Didi eingegeben und der Taxifahrer steht quer bei Fuß. Wir fahren nochmals entlang des Tian’anmen Platzes, was uns sehr freut. So können wir nochmals einen kurzen Blick auf ihn werfen. Er ist absolut leer. Keine Touristenströme. Der Platz ist heute gesperrt. Was hatten wir doch für ein Glück. Die Fahrt zum Bahnhof zieht sich, da Beijing mal wieder im Stau versinkt. Wir sind aber immer noch zeitig genug vor Ort. Dann stehen wir vor dem Gebäude. Was für ein Monumentalbau. Ein Riesenklotz. Ist das oben auf dem Dach ein Tempel? Wohl eher nicht. Moritz will ihn sofort besichtigen. Wir betreten das Gebäude. Die Sicherheitskontrolle ist in Sekunden erledigt. Pass vorzeigen und Koffer durch den Scanner jagen. Das war’s. Ich habe schon gelesen, dass es manchmal sogar bei Nagelknipsern und -scheren zu Problemen kommt. Daher ist das kleine Taschenmesser, das manchmal auf Reisen so gute Dienste leistet, dieses Mal zu Hause geblieben. Meine Nagelschere bin ich nicht gewillt herzugeben. Die Klinge ist schließlich ganz kurz, kleiner 6cm. Es interessiert sich niemand dafür. In den Bahnhof darf nur rein, wer auch Zug fährt. Somit müsste man sich jetzt also von den Angehörigen verabschieden, wenn man denn welche hätte. Ein gutes System, denn wenn bei diesen Menschenmengen auch noch Angehörige in den Wartebereichen und an den Gleisen herumlaufen würden, wäre das Chaos perfekt. Hier ist alles schön sortiert und durchorgansiert und man weiß genau, wer sich im Gebäude befindet. Kotzende Penner wie auf dem Frankfurter Flughafen gibt es hier somit nicht. Sehr, sehr angenehm.

    Bewaffnet mit unserem Papierticket, das niemand sehen will, steuern wir nun durch das riesige Gebäude. Zum Glück sind Zugnummer, Gleise, Wagonnummern und Warteräume auf riesigen Tafeln aufgelistet und auch für Nichtchinesen lesbar. Es ist also einfach, unseren Wartebereich zu finden. Wir bummeln durch die Gegend und staunen über die riesige Halle. Geschäfte wie im Flughafen reihen sich aneinander. Mehr ist es aber auch nicht. Alles sehr übersichtlich und einfach. So macht Zugfahren Spaß. Überpünktlich beginnt das Bording und auf die Minute pünktlich rollen wir aus dem Bahnhof. Wir sausen mit 350km/h Richtung Xi‘an. Die Landschaft gleicht unserer.
    Im Inneren suchen wir unseren Sitzplatz, verstauen das Gepäck über unseren Köpfen und setzen uns in unsere bequemen, breiten Sitze. Immer 2 Sitze befinden sich auf beiden Seiten des Mittelganges. Die Beinfreiheit ist prima und der Sitz lässt sich angenehm einstellen. So lässt es sich aushalten. Einziges Manko: man wird tiefgekühlt. Wie ich das hasse. Der Himmel verändert sich während unserer Fahrt von grau zu grau. Aber immerhin drückt die Sonne. Vielleicht wird es ja noch. Landschaftlich passiert auch nicht viel. Wir durchfahren entweder Plattenbaustädte oder rollen entlang von Feldern. Schließlich wird die Landschaft etwas hügelig. Die Erde ist ausgewaschen und hat vom Regen viele Bruchkanten. Erdcanyons wurden ausgespült und entlang dieser wurden Terrassen für die Landwirtschaft angelegt. Spektakulär geht anders.
    Es ist faszinierend, wie der Zug in den Bahnhof einfährt, kurz anhält, um die Reisenden ein und Aussteigen zu lassen und nach maximal 5 Minuten wieder lautlos aus dem Bahnhof auszufahren. Man bemerkt es kaum. Die Haltestellen kosten kaum Zeit.

    Wir erreichen Xi’an 15 Minuten früher als geplant. So endet unsere erste Zugfahrt sehr entspannt. Auf dem Weg aus dem Bahnhof stürzen sich die Taxifahrer auf uns und wollen uns ein Didi verkaufen. Er labert uns mit seinen drei Worten Englisch zu. Ich will den Preis wissen und er nennt 80 Yen. Didi ist mittlerweile aber angefragt und verlangt 32 Yen. Guter Mann, da hast du Pech und bist an die Falschen geraten. Nicht mit uns. Nach einer knappen halben Stunde stehen wir vor dem Hotel. Auf dem Weg zur Innenstadt fahren wir wieder an den Hochhausmonstern vorbei. Aber überall blüht es und es gibt viel Grün. Der Frühling ist viel weiter als in Beijing.
    Schon traurig, dass in anderen Ländern dieser Welt Züge und Flugzeuge pünktlich sein können und es bei uns leider nie klappt.
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  • Xi´an

    March 30 in China ⋅ ☁️ 18 °C

    Xi’an ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi mit etwa 13 Millionen Einwohnern. Sie war unter der Qin-Dynastie die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und im Verlauf von 1120 Jahren immer wieder Hauptstadt eines Kaiserhauses. Den Namen Xi’an erhielt die Stadt im Jahr 1369 vom ersten Ming-Kaiser. Xi’an besitzt eine nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer und war der Ausgangspunkt der Seidenstraße. Weltbekannt wurde es durch die archäologischen Ausgrabungen im Jahr 1974, als über 8000 lebensgroße Terrakotta-Soldaten in Gefechtsaufstellung entdeckt wurden. Die Grabstätte des Kaisers Qin Shihuangdi um 221 v. Chr., der als Erster China als Land einte und die Qin-Dynastie begründete, ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen in China.

    Die Stadtmauer von Xi’an wurde zwischen 1374 und 1378 erbaut und in den 1980er Jahren renoviert. Sie ist die größte weitgehend erhaltene Stadtmauer in China. Mit einer Gesamtlänge von fast 14km und einer Höhe von 12m umschließt sie die Innenstadt. Wir bummeln auf der Stadtmauer entlang. In den Türmen gibt es viele kleine Cafés, die zu einer Verschnaufpause einladen. In den Parks entlang der Mauer wird von den Einheimischen Tai Chi praktiziert oder Mahjong gespielt. Vier Tore gewährten früher einen durch Zugbrücken geschützten Zugang zur Stadt. Diese Zugbrücken wurden morgens durch ein Signal des Glockenturms heruntergelassen und am Abend durch ein Signal des Trommelturms wieder hinaufgezogen. Der majestätische Glocken- und Trommelturm sind Bauten der frühen Ming-Zeit um 1380. Sie sind Symbole einer Stadt mit reicher Vergangenheit und gehören zu den größten und am besten erhaltenen ihrer Art in China. Der Glockenturm in Xi’an ist imposante 27m hoch.

    Der Trommelturm wurde 1380, also noch vor dem Glockenturm, erbaut. Er beherbergt viele große Trommeln und einige antike Möbel. Es gibt zu verschiedenen Zeiten kurze musikalische Darbietungen mit Trommeln und anderen traditionellen Instrumenten.
    Man kann den Glockenturm über viele Treppen besteigen. Die Aussicht soll nicht grandios sein. Wir glauben den Berichten der anderen Reisenden. Von außen, von der anderen Straßenseite, wirkt der Turm vor allen Dingen, wenn er abends beleuchtet ist, viel beeindruckender. Man könnte auch sagen, da flasht er einen. Ist das ein Anblick. Viel schöner als in Beijing. Die intensiven Farben leuchten bei Tag und bei Nacht. Die Türme stehen leicht versetzt hintereinander, so dass man sie wunderschön miteinander sehen kann.
    Zwischen den beiden Türmen gibt es einen Platz, von dem man einen guten Blick auf beide Türme hat. Viele Geschäfte und Restaurants befinden sich hier. Es ist schön entlang zu bummeln und das Treiben zu beobachten. Auch das Schokoladenhaus kann hier besucht werden. Im Eingangsbereich findet man die Terrakotta Armee in Lebensgröße aus Schokolade. Das ist schon krass.

    Durch das südliche große Stadttor betreten wir die Stadtmauer. Mit der Sonne im Rücken laufen wir nach Osten von einem schönen Turm zum nächsten. Der Blick nach unten geht die Hutongs, die ich hier noch viel schöner finde als in Beijing. Auf vielen Hausdächern gibt es kleine Cafés mit Blick auf die Mauer. Wir laufen bis zum nächsten Ausgang. Eigentlich wollten wir bis zum Eckturm laufen. Aber dies sind noch über einen Kilometer und wir müssen uns eingestehen oder besser gesagt, ich muss mir eingestehen, dass meine Füße das beim besten Willen nicht mehr schaffen. Die Große Mauer hat die Beine zerstört und die vielen Kilometer der letzten Tage dienen nicht der Erholung. Es geht nicht mehr. Ein Weltuntergang ist es nicht, da sich die Türme alle ähneln. Unterhalb der Mauer verläuft eine wunderschöne Hutonggasse. Wir sind im Künstlerviertel gelandet. Handbemalte Fächer, Steinmetzfiguren, Kalligraphie, Bilderrahmen…. Hier findet man alles. Eine sehr schöne Gasse mit Tempeln und Innenhöfen. Die Atmosphäre ist hier eine ganz besondere. Eine Leichtigkeit liegt in diesen Straßen. Sie sind voll, aber leise. Überall wachsen. Äuge, blühen Blumen, die Vögel singen. Im frühen Morgen wird zu meditativer Musik Sport gemacht. Schon beim Zuschauen, werde ich wie eingelullt. Man wird vollkommen ruhig. Die Stimmung erinnert mich an Griechenland am frühen morgen, wenn das Leben langsam erwacht und die Gassen noch leer sind.

    Wir besuchen das Beilin Museum. Die Anlage mit den alten, tempelartigen, roten Gebäuden ist wunderschön. Die Pfingstrosen blühen im Park und entlang der Pavillons. In den alten Gebäuden sind Stelen mit wunderschönen Gravuren ausgestellt. Im hinteren Teil befindet sich das riesige neue Museum, in dem ebenfalls Stelen und auch Kalligraphie zu sehen sind. Es erscheint uns aber so neu, dass es noch nicht vollständig eingerichtet ist. Ich weiß nicht, was mich mehr begeistert, die Gebäude im Park oder die Ausstellungsgegenstände.

    Ein Stück die Gasse hinauf erreichen wir die Guanzhong Akademie, in die man ebenfalls hineindarf. An solch einem Ort würde ich auch gerne studieren. Wundervolle Eingangstore reihen sich aneinander. Auch hier gibt es einen Pavillon mit einer Trommel bzw. Glocke, die früher die Zeit angegeben haben. Die Glocke den Beginn des Morgens und die Trommel den Beginn des Abends. Damals wurde während des Tages nur alle zwei Stunden die Zeit angegeben. Es war also wirklich ein 12 Stunden Tag. Auch dieser Part ist eine Oase der Ruhe. In jeder Ecke finden sich wunderschöne Perspektiven mit Tempeln und Blüten. In etwa zwei Wochen endet der Frühling. Daher stehen bereits die Pfingstrosen in voller Blüte.

    Zu guter letzt entdecken wir noch das Wohnhaus von Yu Yuoren. Das Haus hat einen schönen Innenhof, typisch chinesische Einrichtungsgegenstände. Ein schöner Abschluss unserer Zeit in Xi‘an.

    Die Hutongs und die kleine Straße entlang der Mauer sind mittlerweile voller Menschen. Die Sonne scheint und es ist herrlich warm. Immer noch liegt diese Leichtigkeit in der Luft. Künstler bemalen Fächer mit Kalligraphie und in einem Geschäft spielt ein Mann Flöte. Die Menschen sind leise und bummeln zwischen den Ständen, die Kunsthandwerk und Pinsel verkaufen, hin und her. Es gibt keine laute Werbung, kein grelles Licht. Der Ort wirkt fast meditativ. Eine grüne Oase, ein kleines Dorf, innerhalb einer Millionenstadt, in der die Zeit still zu stehen scheint.
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  • Terrakotta Armee - Bing Ma Yong

    March 31 in China ⋅ ☁️ 9 °C

    Heute ist das Wetter traumhaft. Endlich blauer Himmel. Wir starten zeitig und fahren als erstes zur Fabrik der Terrakotta Figuren. Es wird gezeigt wie sie damals und deshalb auch heute hergestellt werden. In die Formen gepresst, dann die Details fein herausgearbeitet werden. Dann werden sie an der Luft vorgetrocknet und am Ende gebrannt. Das Verfahren wird ständig verfeinert, je mehr man über die Brennweise der damaligen Zeit heraus findet. Natürlich kann man hier auch wunderbar einkaufen. Wir haben Glück, den Morgen beginnen die Frühlingsferien in China. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Während wir heute kaum warten mussten, rechnet man morgen mit Wartezeiten von über 2 Stunden. Täglich werden 70.000 Tickets verkauft. Sogesehen war es heute leer.

    Das 1974 von Landarbeitern bei Xi’an entdeckte Mausoleum ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine frühchinesische Grabanlage, errichtet für den ersten chinesischen Kaiser Qín Shǐhuángdì. Bereits im Alter von 13 Jahren (246 v. Chr.), kurz nach seiner Thronbesteigung, begann der Bau seines Mausoleums. Während der 36 Jahre dauernden Arbeiten waren bis zu 700.000 Arbeiter gleichzeitig mit dem Bau beschäftigt. Auf einem mehrere 1000 Quadratmeter großen Areal wurde eine Grabkammer, geschützt von einer Armee lebensgroßer Tonsoldaten, der Terrakotta-Armee, errichtet. Der Kaiser wurde im Jahre 210 v. Chr. darin beigesetzt.
    Während das Mausoleum in zeitgenössischen oder späteren Aufzeichnungen erwähnt wurde, kam es zu keiner Erwähnung der Tonsoldaten. Ihre Entdeckung war deshalb für die Fachwelt eine Sensation. Bisher wurden mehr als 3000 Soldaten und Pferde, sowie mehr als 40.000 Waffen ausgegraben und restauriert, geschätzte weitere 5000 Figuren sind noch im Erdreich verborgen. Es ist einer der weltweit größten Grabbauten. Der chinesische Name für die als Terrakotta-Armee bezeichnete Figurenaufstellungen lautet Bing Ma Yong und bedeutet wörtlich übersetzt: „Soldaten-Pferde-Totenfiguren“. Seit 1987 gehört die Grabanlage zum UNESCO Welterbe.

    Etwas außerhalb liegt der Grabhügel des ersten Kaiser Qinshihuangdi. In einem neuen Museum werden die bronzenen Pferdewagen ausgestellt, die in einem der Nebengräber gefunden worden sind. So etwas Außergewöhnliches und Schönes habe ich, glaube ich, noch nie gesehen. Die Pferde und der Wagenlenker scheinen zu leben. Das Zaumzeug und die Züge sind aus Bronze, Gold und Silber und wirken weich und fließend, als wären sie aus Leder. Die Wagen verfügen über Lüftungsschlitze, Geheimfächer für Waffen und sind wunderschön bemalt. Sie sind als Symbolbeigaben in das Grab gelegt worden und haben aber immer noch eine Größe von über 1,50m.

    Jetzt geht es endgültig zur Terrakotta Armee. Die tönerne Streitmacht besteht aus überdurchschnittlich großen Soldatenfiguren (Fuß-, Reit- und Wagenlenkersoldaten, Offizieren und Generälen), deren Pferden und Kriegswagen. Die einfachen Soldatenfiguren sind mindestens 1,85m und die der Generäle bis zu 2m groß.
    Es handelt sich wahrscheinlich um die realistische Darstellung einer vollständigen Garnison der damaligen Zeit. Die verschiedenen Ränge sind an unterschiedlichen Kleidungs- und Rüstungsteilen erkennbar. Die Bemalung der dargestellten Materialien war sehr wirklichkeitsgetreu. Es ließen sich Schleifen, eine farbig gestaltete Jacke, Ärmelaufschläge und die Panzerverschnürungen erkennen. Unterschiede in Obergewand, Gürtel mit Schnalle und das Tragen von Stiefeln stellten in der Bekleidung der Figuren zudem nicht-chinesische Minderheiten dar.

    In der Hauptgrube wurden die Terrakotta-Soldaten in einer Schlachtordnung aufgestellt. Die ersten drei Reihen (204 Bogenschützen) bilden die Vorhut. Dahinter folgt der Haupttruppenteil, der aus 6000 Grabkriegern besteht. Diese Hauptstreitkräfte werden links und rechts durch die Flankendeckung abgesichert. Die vierspännigen Streitwagen aus Holz im Zentrum sind mit einem Wagenlenker, einem Kommandooffizier und einem stark bewaffneten Schutzsoldat besetzt und dienen sozusagen als Befehlsstationen für die Fußsoldaten. Der Fund zweier Glocken in den Gruben, sowie historische Berichte zeigen: Die Offiziere übermittelten ihre Kommandos über akustische Signale, wahrscheinlich auch über Trommeln. Am Ende folgt die Nachhut.
    In der zweiten Grube finden sich Figuren von Infanteristen, Reitern mit Pferden, Bogenschützen und Streitwagengespanne. Diese Grube muss noch fast vollständig ausgegraben werden. In der dritten Grube befinden sich Figuren, die zum militärischen Führungsstab gehörten. Im angrenzenden Museum können weitere Figuren angesehen werden. Hier stehen besonders detailgetreue Krieger. Man sieht wie fein die Haare und Fingernägel gestaltet worden sind. Bei der Kleidung und Rüstung wurde auf jede Kleinigkeit geachtet. Auch von Hinten sind die Soldaten perfekt gekleidet. Die Ausgestaltung mit diesen feinen Details bei der Unmenge an Kriegern muss ewig gedauert haben.

    Wenn man die erste Halle betritt und vor den tausenden Terrakotta Soldaten steht, bleibt einem kurz die Luft weg. Überwältigend ist dieser Anblick und mir schießt der Gedanke durch den Kopf, weshalb dieser Ort nicht zu den sieben Weltwundern gehört. Sie stehen da und wirken absolut lebendig. Sehen einen an in ihren Rüstungen oder mit ihren Pferden. Sollten irgendwann in einige 100 Jahren alle Soldaten wieder hergestellt sein, vermag ich mir kaum vorzustellen, wie dieser Ort wirkt, es sind jetzt schon so viele, obwohl es so wenige sind. Ja, ein Paradoxon. Es ist vielleicht ein Viertel aller Soldaten ausgegraben und von diesen werden viele noch restauriert. Jeder Soldat ist ein Puzzle aus vielen tausend Teilen, das erst wieder zusammengesetzt werden muss. Ist er wieder ganz, so nach dem Motto Operation beendet, Patient lebt, wird er an die Stelle zurückgestellt, an der er gefunden worden ist. Die Chinesen lassen sich Zeit mit der Restaurierung, weil sie erst noch erforschen, wie man am besten konserviert. Die Figuren sind unter der Erde am besten geschützt. Auch die Grabkammer ist deshalb immer noch verschlossen. Man weiß, dass sich dort sehr viel Quecksilber befindet. Weiß aber nicht, wie man damit umgehen muss. Deshalb: Finger weg. Zumindest in nächster Zukunft.
    Was für eine Idee, das gesamte Leben mit ins Jenseits nehmen zu wollen und daher alles, was zum Leben gehört herzustellen und dem Grab beizugeben. Aufgrund des Armee weiß man heute exakt, wie die damalige Armee aufgebaut war. Jedes Gesicht ist anders und ich meine in die Augen der Menschen vor 2000 Jahren zu blicken. Sie leben. Wie viele Künstler waren damit beschäftigt, diese Soldaten herzustellen. On es wirklich die Gesichter der damaligen Streitkräfte sind, weiß man nicht, aber es wird vermutet. Dieser Ort könnte für mich einer der faszinierendsten Orte der Welt werden. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dieser Armee gegenüber zu stehen.
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  • Große Wildgans Pagode - Pinyin Dàyàn Tǎ

    March 31 in China ⋅ ☀️ 20 °C

    Die Große Wildganspagode ist ursprünglich eine 64m hohe Pagode aus dem Jahr 647, also der Zeit der Tang-Dynastie. Die Tempelanlage bestand eint aus mehr als zehn Höfen und hatte sieben Stockwerke. Der Name Wildganspagode geht auf eine indische Legende zurück: „Einst gab es ein Kloster des Hinayana-Buddhismus, in welchem Mönche auch Fleisch essen durften. Eines Tages gingen die Fleischvorräte zu Ende und einer der Mönche rief: „Wir haben kein Fleisch mehr, und Buddha sollte das wissen.“ In diesem Moment fiel eine Gans aus einer Schar Wildgänse, die gerade über das Kloster flogen, tot vom Himmel. Die erschrockenen Mönche – im Glauben, Buddha selbst habe sich geopfert – errichteten der Gans eine Pagode“.
    Die Große Wildganspagode gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbestätte.

    Diese Art von Pagode oder Stupa habe ich noch nie gesehen. Ein schmaler hoher Turm, in dem Bücher des Buddhismus aufbewahrt wurden. Die Klosteranlage ist sehr schön gestaltet. Leider sind die ursprüngliche. Häuser der Tang Dynastie zerstört worden. Man hat sie jedoch wieder aufgebaut. Wir fühlen uns ein wenig, als ob wir durch Japan spazieren würden. Anscheinend haben die Japaner den damaligen Baustil mit nach Japan gebracht. Auch hier blühen die Kirschen und es ist wunderschön bei Sonnenschein und warmen Temperaturen durch den Park zu schlendern.
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  • Xi‘an begeistert

    March 31 in China ⋅ ☁️ 15 °C

    Während wir weiter durch die Gassen bummeln ist klar, dass wir von Xi‘an begeistert sind. Natürlich ist alles touristisch. Die Stadt ist voller Leben. Essensstände, schöne und scheußliche Geschäfte reihen sich aneinander. Mopeds knattern, halt sie knattern eben nicht, sie hupen und sind ansonsten lautlos, durch die Gassen, was sie gefährlich macht. Einer fährt mich an. Prost Mahlzeit, das hatte ich in Marrakesch mal. Auf dieses Erlebnis hatte ich heute eigentlich keine Lust. Passiert ist aber nichts. Wir entdecken Früchte und andere Leckeein, die wir noch nie gesehen haben. Wir haben vieles probiert. Einiges war sehr lecker, anderes weniger. Was wir da versucht haben, wird ein Geheimnis bleiben. Es macht unheimlich Spaß alles durch zu probieren. Während wir bummeln, kommen wir an wunderschönen Toren vorbei.

    Vom Trommelturm aus spazieren wir weiter, bis wir die Moschee erreichen. Solch eine Moschee haben wir noch nie gesehen. Vielleicht lehne ich mich zu weit aus dem Fenster mit meiner Behauptung, dass diese Moschee einzigartig auf der Welt ist. Die Architektur gleicht der Tempelarchitektur Chinas. Die Gebäude sind sehr alt. Es handelt sich um die älteste Moschee Chinas. Sie strahlt Atmosphäre aus. Alte Dächer mit Blumen bewachsen, überall blühende Magnolien und Kirschen, kleine Pavillons, Stelen mit der Schildkröte, als Symbol für langes Leben. Diese kennen wir schon aus der Mongolei. Wir entdecken wunderschöne Steinmetzarbeiten und haben das Gefühl, durch einen Park zu spazieren. Die Dächer sind teilweise den Hutongs nachempfunden und teilweise mit türkisen Kacheln bedeckt, wie wir sie aus Usbekistan kennen. Herrliche Farbtupfen innerhalb der grauen Hutongmauern. Ruhig ist es mitten in der großen Stadt. Und dann ruft der Muezzin. Ganz leise. Einige Menschen kommen zum Gebet. Ein ganz bezaubernder Ort, ein Juwel, der mich absolut begeistert. Als ethnische Minderheit hat der Islam hier offenbar überlebt. Rund um den Sakralbau findet reger Straßenhandel statt. Touristischer Straßenhandel, quirliges Leben, viele Essensstände, die schon wieder zu einer Foodytour einladen. Ein lauter Ort.
    Während wir also bummeln, essen, staunen, stoßen wir auf eine schmale Gasse, in denen rote Lampions hängen. Als wir sie betreten, erkennen wir, dass wir das Anwesen der Familie Gao gefunden haben. Bei Anwesen denkt man unweigerlich an ein Herrenhaus mit großem Park. Ein großes Haus ist es in jedem Fall, aber ohne Park. Zwischen den Gebäuden und kleinen Innenhöfen ist aber schön bepflanzt und es wohnen einige Gänse im Areal. Die Gebäude sind dunkel, mit schwarzem Holz gearbeitet. Die roten Laternen stellen einen tollen Farbkontrast dar. Die Räume sind mit schönem Mobiliar und Porzellan ausgestattet. Am besten gefallen mir die Innenhöfe mit den Balustraden und Balkonen. Ein Häuserensemble, das wir in dieser Form so überhaupt nicht kennen.

    Eine der vielen Spezialitäten Xi‘ans sind Maultaschen. Es gibt zwei Restaurants in der Stadt, die die Maultaschen in verschieden Varianten anbieten. Das Defachang liegt gegenüber des Glockenturms, absolut zentral. Wir bitten um einen Tisch für 2 Personen in doch zeige Daumen und Zeigefinger. Wir werden zum Tisch gebracht, in einen scheußlichen Nebenraum mit riesigen runden Tischen, an denen 8 Personen Platz finden. Hier sitzen wir völlig verloren. Doch die Bedienung wird sauer und herrscht die andere, die uns gebracht hat an. Das Chinesische Englisch beginnt erneut. Ich zeige auf uns, two persons und halte nochmals die Finger hoch. Und bestätige. Die Chinesin hält auch die Finger hoch, anders als ich. Aber das ist doch egal. Nein eben nicht. Plötzlich lachen die beiden. Daumen und Zeigefinger bedeuten hier acht und Zeige und Mittelfinger zwei. Somit wäre das auch geklärt. Wir sitzen nun an einem wunderschönen kleinen Tisch mit Blick auf den Glockenturm. Das dürfte der schönste Platz in Restaurant sein. Nachdem die Sitzplatzfrage geklärt ist, wartet schon das nächste Chaos. Die Bestellung über den Barcode und alles auf Chinesisch. Alipay will zunächst nicht übersetzen. Doch dann klappt es. Wir bestellen verschiedene Maultaschen mit dem Gedanken nachzubestellen. Heute schmeckt es. Es klappt auch schon viel besser mit den Stäbchen. Nach einiger Zeit erhalten alle Ausländer eine Gabel. Doch nein, der Ehrgeiz ist geweckt. Wir tauschen nicht. Die Maultäschchen oder auch Tortellini sind mit Fisch und Schrimps gefüllt. Wir bestellen drei verschiedene Sorten. Bunt sind sie. Es gibt auch welche, die als wunderschöne Tierchen gestaltet sind. Unser Nachtisch ist ein Traum. Schwäne und Frösche in einem Seerosenteich, der von Eis umnebelt wird. Solch einen schönen Nachtisch hatten wir noch nie. Eine Augenweide
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  • Auf dem Weg nach Lhasa

    April 1 in China ⋅ ☀️ 21 °C

    Mit einem wehmütigen Auge verlassen wir das sonnige, frühlingshafte Xi’an, das uns sehr gut gefallen hat. Als wir das Hotel verlassen, müssen wir lachen. Man fragt, ob alles in Ordnung war und es gefallen hat. Doch der gute Mann verheddert sich in seinen Sätzen. Daher schaut er nun ganz offensichtlich nach unten. Dort liegt das Papier mit dem englischen Text. Jetzt kann er ablesen. Der gute Wille zählt. Englisch ist absolute Mangelware. Kaum einer versteht es. Das sollte sich in Zukunft dringend ändern. Wir haben aber unseren Spaß. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen, dass seine Aussprache erstaunlich gut war.

    Heute beginnt unsere Reise auf das Dach der Welt. Eine Reise in ganz dünne Luft und in die spirituelle Welt des tibetischen Buddhismus.
    Wir starten in Xi´an auf einer Höhe von gerade mal 405m und erreichen nach etwas über 4 Stunden Fahrt und 765km mit dem Hochgeschwindigkeitszug Xining auf einer Höhe von 2275m. Das ist schon mal ein kleiner Sprung von gerade Mal 1870hm. Da aber 2275m kleiner als 2500m ist und es erst ab etwa dieser Höhe interessant wird, was die Höhe mit dem Körper macht, sind wir immer noch im grünen Bereich. Aber wir sind ja auch erst am Anfang unserer Reise.
    Dieses Mal fahren wir mit einem D-Zug, dem Dongche, dem zweitschnellsten Hochgeschwindigkeitszug. Er ist etwas langsamer als der G-Zug und in der Spitze etwa 250km/h schnell. Daher brauchen für die 500km kürzere Strecke (als von Beijing nach Xi´an) ebenfalls 4 Stunden. D-Züge werden in China auf stark frequentierten Mittelstrecken zwischen großen Städten eingesetzt. Sie sind preislich deutlich günstiger, als die noch schnelleren G-Züge. Wir wissen ja nun schon, dass wir zum selben Bahnhof wie vor zwei Tagen müssen. Xi´anbei - also Xi´an Nord. Wir kennen die Wege und laufen sie nun eben genau entgegengesetzt.

    Auch der heutige Zug ist wieder pünktlichst. Zunächst fahren wir noch durch flaches Land. Doch schließlich wird es hügelig und interessant. Wenn es nur nicht so viele Tunnel gäbe. Man sieht kaum etwas von der Landschaft. Aber es beginnt deutlich und regelmäßig in den Ohren zu knacken. Die Chipstüte ist bereits dick wie ein Luftballon. Ich meine auch einen gewissen Druck im Kopf zu spüren. Das kann aber auch am Zug liegen. Andere westliche Touristen sehe ich außer uns keine. Ich bin gespannt, wie sich das im Lhasa Zug ändert. Leider habe ich keine Ahnung, wie hoch wir schon sind, aber die Temperatur ist von 23 auf 13 Grad gesunken. Das sagt schon einiges. Der weiche Boden ist vom Regen stark ausgeschwemmt und tiefe Canyon sind entstanden. Teilweise liegen die Felder mit einem Höhenunterschied 5/6m nebeneinander und dazwischen klafft ein Tal.
    Hier blüht noch kein einziger Kirschbaum und die Bäume sind komplett kahl. Vielleicht erleben wir so die Kirschblüte sogar zweimal. Ansonsten ist die Strecke landschaftlich alles andere als spektakulär. Jede Stadt sieht gleich aus. Unzählbare, 20-30 stockige, braun graue Hochhäuser ziehen sich bis zum Horizont.

    Xining ist offenbar ein für chinesische Verhältnisse kleiner Ort, denn unser Bahnhof hat keine weitere Angabe zu den Himmelsrichtungen. Es gibt aber auch nur einen Bahnhof für Personenverkehr. Die Stadt in der Provinz Qinghai ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ein Tor zur tibetischen Hochebene. Dort erhalten wir unsere Einreisegenehmigung, das TTB, im Original, sowie die Zugtickets für den nächsten Hochgeschwindigkeitszug. Als ausländische Touristen kann man sich im Autonomen Gebiet Tibet nicht frei bewegen. Man benötigt neben dem TTB grundsätzlich einen Fahrer plus Guide an seiner Seite.

    Damit wir uns schon ein wenig an die dünne Luft gewöhnen, erkunden wir Xining und gehen Abendessen. Der Bahnhof befindet sich mitten in der Stadt. Das ist sehr praktisch für uns.

    Während wir auf die Abfahrt der Lhasa-Bahn warten, kreisen meine Gedanken und wenn ich es mir so recht überlege, befinden wir uns, wenn wir in Lhasa nach 21 Stunden aus dem Zug steigen, 1972km weiter westlich auf einer Höhe von 3650m, was nochmals 1375hm mehr sind, als wir bis jetzt schon zurückgelegt haben. Um das Rechenspiel weiter zu spielen: Insgesamt bewegen wir uns also in etwa 25 Stunden 2737km nach Westen und 3245hm der Sonne entgegen. Was für eine Dimension. Doch so wirklich richtig ist das nicht, denn während dieser Zeit überwinden wir Pässe, Brücken und Schluchten und halten an Bahnhöfen auf über 5000m. Das ist dann ein Höhenunterschied von fast 5000hm innerhalb von 25 Stunden und nochmals eine ganz andere Dimension. Unvorstellbar. Stellt sich die Frage, wie unser Körper zu diesem Höhenexperiment steht und ob es für ihn vorstellbar ist. Andererseits bleiben wir an diesen Orten nur kurz und so gesehen liegt Lhasa dann schon wieder richtig niedrig auf "nur" 3650m. Wir sind gespannt....
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  • Akklimatisierung in Xining

    April 1 in China ⋅ ☁️ 10 °C

    Wir laufen vom Bahnhof aus den großen Boulevard Richtung Moschee entlang. Eine der typischen breiten chinesischen Straßen mit hohen Häusern. Die Moschee besteht aus einem modernen Teil und dem alten Teil. Eine Moschee im Tempel des alten tibetischen Stils. In Xining sind über 20% der Bevölkerung Muslime und der Glaube wird aktiv gelebt. Allerdings darf nur am Freitag zum Gebet gerufen werden. Und nur leise.
    Direkt hinter der Moschee beginnt der Markt. Weit sehen viel unbekanntes und entdecken Yakfleisch. Wir probieren und entscheiden unser die mildes Variante. Das getrocknete Fleisch lassen Wicklern schneiden und haben nun den perfekten Snack für die Zugfahrt. Dann probieren wir ausgebackene Teigtasche mit einer Art Lauchfüllung. Auch sehr fein. Vor unsere Abfahrt wollen wir noch richtig Abend essen. Im Restaurant muss ich beinahe lachen. In unserem gesamten Saudi Arabien Urlaub habe ich vergeblich nach den Restaurants gesucht, in denen Frauen abgetrennt vom Rest der Gäste sitzen. Hier ist es nun soweit. Per Vorhang werden kleine Kabinen abgetrennt. Wir mischen uns einen Tee aus Blättern und fügen Früchte bei, die wir am Ende auch essen. Immer wieder wird heißes Wasser aufgefüllt. So kühlt er nie ab. Das Essen ist lecker, aber scharf. Mit der Höhe kommen wir gut klar. Die 2300m spüren wir nicht. Wir bekommen unsere Einreisedokumente für Aribert und gehen auf 22Uhr zurück zum Bahnhof. Der Zug wird voll werden. Unsere Hoffnung, die Kabine alleine zu belegen, schwindet. Ein kurzweiliger Aufenthalt in Xining.
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  • Unser Zug

    April 1 in China ⋅ ☀️ 17 °C

    Wie immer kann man an den Bahnhöfen unsere Pässe nicht einlesen. Auch das Personal kämpft mit dem Computer und muss am Ende alles manuell eingeben. Da es immer einige Kontrollen gibt, dauert es. Schließlich ist es geschafft und wir stehen am Gleis. Der Zug von Xining nach Lhasa, was für ein Moment. Es geht wirklich los. Es gibt eine chinesische Reisegruppe und eine aus Hong Kong. Ansonsten nur Einheimische und wir. Keine weiteren westlichen Touristen. Unser Abteil ist winzig. Vier schmale Betten und ein kleines Tischchen. Wir parken ein und einen kurzen Moment später stehen schon unsere Mitreisenden vor der Tür. Wir sind nicht Zugerfahren. Die beiden schon und außerdem sind es Chinesen und die machen, was sie wollen. Unser Gepäck soll raus. Fehler Nummer eins, wir machen das. Schwups ist der erste Koffer unter dem Tisch und ich kapiere, was hier gerade passiert. So nicht. Das Gepäck müsste eigentlich unter die Betten. Es passt aber nicht. Unsere Koffer sind etwas schmaler und sie will sie nun darunter quetschen. So auch nicht. Da ist Zerbrechliches drin. Jetzt werde ich sauer. Fazit, es geht nicht und alles drei Koffer müssen auf den Gang. Da wir mal wieder zu langsam sind, haben unsere Koffer am Ende einen sehr guten Platz. So passt es dann doch. Wir richten unsere Betten und der Stecker ist zum Glück auf meiner Seite. Wir haben Strom. Da man viel schlafen und trinken soll wegen der Höhe, geht es für nach einem tollem Tag ins Bett. Die beiden Damen gehen kurze Zeit später und wie sich schnell herausstellt, schnarcht eine fürchterlich. Jetzt müssen leider die Ohrstöpsel an den Start. Bei dumpfem, ruckelnden Brummen schlafe ich ein. Wenn wir morgen früh aufwachen, werden wir auf dem tibetischen Plateau sein. Ich schlafe erstaunlich gut. Da wir den Vorhang blöderweise nicht zugezogen haben, wache ich gegen 4:00 Uhr vom Licht eines Bahnhofs auf. Vorhang zu. Doch dann kommt mir der Gedanke, dass es hier Netz geben könnte. In den Zügen können wir nie hochladen, da es kein Netz gibt. Unser Tracker funktioniert leider auch nicht. Sehr ärgerlich. Doch hier gibt es Netz und ich kann noch ein bisschen Pinguin hochladen. Als die Zug wieder losfährt, lullt mich das Geruckel wieder in den Schlaf. Gegen 7:00 Uhr wachen wir alle gleichzeitig auf und erleben den Sonnenaufgang auf dem Plateau.Read more

  • Zugstrecke der Weltrekorde

    April 2 in China ⋅ ⛅ 5 °C

    Die Zugstrecke, die Tibets Hauptstadt Lhasa mit der chinesischen Provinz Qinghai verbindet, ist die höchstgelegene Zugstrecke der Welt. Eine Zugstrecke der Superlative. Die Qinghai-Tibet-Bahn oder Lhasa-Bahn erreicht dabei Höhen von über 5000m. Der Tanggula-Pass liegt auf 5072m. Dies ist der Scheitelpunkt, auf dem die Grenze zum Autonomen Gebiet Tibet verläuft. Außerdem handelt es sich um den höchstgelegenen Eisenbahnpass der Welt. Auf unserer Fahrt halten wir auch in Tanggula, dem höchstgelegenen Bahnhof der Welt auf 5068m und fahren durch den Fenghuo-Tunnel, der auf 4905m Höhe liegt und als höchstgelegener Tunnel der Welt gilt. So viele "höchstgelegene der Welt". Es ist noch nicht genug. Es folgen weitere Weltrekorde. Der Guanjiao Tunnel ist mit 32,6km der längste Tunnel des chinesischen Schienennetzes und mit 160km/h zulässiger Höchstgeschwindigkeit der am schnellsten befahrbare Abschnitt der Bahnstrecke. Auf etwa 1000km Länge im tibetischen Hochland verläuft die Bahnstrecke auf Höhen von mehr als 4000m. Auf diesem Abschnitt werden die Züge mit Diesellokomotiven befördert. Es wurden 675 Brücken gebaut, die eine Gesamtlänge von 160km haben. Dabei überfahren wir auch die Qingshuihe Brücke, die längste Eisenbahnbrücke der Welt mit 11,7km, sowie die Sanchahe Brücke auf 3800m, die als höchstgelegene Eisenbahnbrücke der Welt gilt.
    Die Qingai-Tibet-Bahn gilt als das größte Eisenbahnprojekt des 21. Jahrhunderts wurde 2005 fertiggestellt. 2014 wurde die Verlängerung nach Shigatse, der zweitgrößten Stadt Tibets, in Betrieb genommen. Die Gesamtstrecke von Peking nach Lhasa ist 3700km lang und gilt als die 7. längste Eisenbahnverbindung weltweit.
    Es ist eine herausragende Ingenieursleistung, die extremen Höhen und die dünne Luft zu bewältigen. Ein technisches Wunderwerk. Etwa 550km der Strecke wurden auf Permafrostboden gebaut. Es wurden verschiedene Techniken verwendet, um ein Auftauen der Böden im Sommer zu verhindern und die Zugstrecke stabil zu halten.
    Nicht nur die geologischen Gegebenheiten sind extrem herausfordernd und besonders. Um die etwa 21 stündige Zugfahrt von Xining nach Lhasa komfortabel mit dem Zug reisen zu können, benötigt dieser ein besonderes Sauerstoffversorgungssystem, um die Aufstiege in extreme Höhen für die Passagiere sicher zu machen. Über Düsen wird Sauerstoff in die Kabinen geblasen, um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Als wir einsteigen bekommen wir außerdem eine Sauerstoffmaske. Neben unserem Bett, an den Sitzen und an den Wänden der Gänge befinden sich überall Anschlüsse, falls man Sauerstoff benötigen sollte. Fühlt man sich dennoch schlecht, gibt es einen Arzt im Zug, der einem (hoffentlich) hilft.
    Die Bahnstrecke verläuft nochmals fast 1000m höher, als die des Tren a las Nubes - des „Zug in den Wolken“ - die wir aus Argentinien kennen.

    Die Qinghai-Tibet-Bahn ist ein Z-Zug. Seine höchste Geschwindigkeit liegt bei 160km/h, was an den extremen Herausforderungen der Strecke liegt. Der Zug muss weit mehr leisten als ein G-Zug in gewöhnlicher Umgebung. Es gibt drei verschiedene Kategorien von Zugtickets. Der Hard Seat ist am günstigsten und man verbringt die gesamte Strecke auf einem wirklich harten, unverstellbaren Sitz. Bucht man das Hard Sleeper Ticket, verbringt man die Nacht in Dreierstockbetten. Immer zwei stehen einander gegenüber. Es gibt keine Türen. Das Gepäck verstaut man in gemeinsamen Ablagefächern. Die Komfortvariante ist die sogenannte Soft Sleeper Kategorie. Hierbei handelt es sich um abschließbare Viererkabinen, inklusive einer westlichen Toilette. Doch egal ob Hard oder Soft Sleeper - Sauerstoffanschlüsse gibt es für alle.
    Mittlerweile sind wir über 4700m. Die Höhe schlägt zu. Mir geht es gut. Die Sauerstoffsättigung stimmt immer noch. Moritz geht es kurzzeitig nicht so gut. Uns wird ein Pulver verkauft, das wir mehrmals am Tag nehmen sollen. Mir egal, was es ist. Hauptsache es unterstützt gegen die Höhenkrankheit. Es schmeckt ekelhaft. Aber - Medizin muss bitter schmecken. Das tut sie. Die Schneehöhe ist erreicht. Ein dünnes Schneefeld überzieht die Landschaft. Wie Puderzucker.

    Wir fahren durch atemberaubende Landschaft mit weiten Hochebenen, majestätischen Bergketten und unberührten Flüssen. Das Licht wird weich, die Farben der grün, rot bräunlichen Landschaft ebenfalls. Eine erhabene Stimmung stellt sich ein. Als ob man auf einem anderen Planeten wäre. Erhaben. Vielleicht liegt es auch am fehlenden Sauerstoff. Die Ebenen sind weit und Bäume gibt es schon lange keine mehr. Yaks, Esel, Pferde und Gazellen grasen in den Weiten. Die Landschaft erinnert an das Hochland Argentiniens aber auch an die Mongolei. Die weiß leuchtenden Flächen sind hier zugefrorene Seen und keine Salzseen. Gefrorene Flüsse ziehen sich wie starre Arme durch das Grün. Immer wieder blicken wir in der Ferne auf schneebedeckte Gipfel. Die Luft ist extrem trocken und die Schleimhäute schreien nach Feuchtigkeit. Ein leichter Druck im Kopf erinnert uns, dass wir sehr hoch sind. Eine unserer beiden Mitreisenden ist bereits höhenkrank, obwohl sie seit einer Woche Medikamente dagegen nimmt. Sie scheinen dann doch kein Wundermittel zu sein. Der Arzt war bereits hier und sie bekommt nun Sauerstoff. Ich spüre, wie das Herz rast und ich immer wieder leichte Kopfschmerzen habe. Aber meine Sauerstoffsättigung liegt noch bei 76%.
    Leider wird das Wetter immer schlechter und von dem berühmten blauen Himmel und den 300 Tagen Sonne im Jahr sehen wir gerade reichlich wenig. Wetter online scheint mit seinen Prognosen für China leider richtig zu liegen. Unsere Zugbegleiterin erzählt immer wieder mit schriller Stimme wo wir uns befinden oder bald befinden werden. Leider kann uns niemand übersetzen. Ein riesiges Land, in dem keiner Englisch spricht. Langsam steigen wir höher 4500m - 4800m…. Das Schneefeld taucht auf. Jedes Schuhe anziehen wird zum Hochleistungssport. Ich beginne zu husten. Andere aber auch. Kopfweh habe ich fast keines. Das Herz rast bei jeder Bewegung. Die Sauerstoffsättigung liegt bei 83%. Topp Werte.
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  • Tibet - weitere Höhenrekorde

    April 2 in China ⋅ ⛅ -6 °C

    Tibet - das Dach der Welt - mit seiner Hauptstadt Lhasa (3650m). Die Höhe des tibetischen Plateaus beträgt durchschnittlich über 4300m. Es ist das höchstgelegene und größte Plateau der Welt und nimmt 13% der Fläche Chinas ein. Da Tibet zu China gehört, gilt es nicht als das höchstgelegene Land der Welt. Diesen Platz sichert sich Tadschikistan mit durchschnittlich 3186m Höhe.
    Tibets tiefster bewohnter Punkt liegt auf 1760m Höhe. Der Höchste ist die Spitze des Mount Everest mit 8848m. Immer noch ein grandioser Höhenunterschied von 7088m. In keinem anderen Land liegt der tiefste bewohnte Punkt so hoch wie in Tibet. Tibet kann aber noch mit einem weiteren Höhenhighlight aufwarten. Neben dem höchsten Berg der Welt, der höchsten durchschnittlichen Gesamthöhe des Landes und dem am höchsten gelegenen bewohnten Tiefland gehört die Yarlung Tsangpo Schlucht als längste (504km lang) und tiefste Schlucht der Welt mit 6009m Tiefe ebenfalls zu Tibet. Berechnet man den Höhenunterschied von dort, liegen der höchste und tiefste Punkt fast 15.000m auseinander. 15.000m senkrecht nach oben. Was für Dimensionen.
    Wie oft habe ich in den letzten beiden Footprints das Wort „höchst“ verwendet? Jedem Deutschlehrer würden beim Korrigieren eines solchen Aufsatzes bei diesen Wortwiederholungen die Haare zu Berge stehen. Vielleicht gibt es auf tibetisch mehrere Worte, mit denen man etwas „Höchstgelegenes“ ausdrücken kann. Wir haben mit unserem Wortschatz überhaupt nicht die Möglichkeit, diese Höhenunterschiede differenziert zu beschreiben.

    Und so erreichen wir den Tangula Pass mit 5067m. Die Berge wirken wie sanfte Erhebungen. Dabei sind sie zwischen und 6000 und 7000m hoch. Diese Landschaften sind nicht zu beschreiben. Es gibt einfach keine Worte. Atemberaubend - oh ja in jeglicher Hinsicht. Jedes Foto ist hart erarbeitet. Spektakulär. Kann man diese Wörte noch steigern. Selbst der Superlativ hilft hier nicht weiter. Ich weiß nicht, ob es ein spektakulärerer Ort auf unserer Welt gibt. Etwas solch einzigartiges habe ich noch nie gesehen und mir auch nicht vorstellen können, dass es gibt. Diese erhabene Landschaft die Weite. Die Luft bleibt einem weg. Diese Ruhe, die sie ausstrahlt. Diese Größe. Majestätisch. Aber auch absolut lebensfeindlich. Wobei das nicht stimmt. Gazellen und Yaks sehen wir viele. Man kann diese Landschaft eigentlich nicht mit Worten beschreiben, Die Fotos können auch nur ansatzweise zeigen, wie wunderschön es hier ist.
    Beim Überflug des Himalaya in Nepal dachte ich damals, dass dies ein absolutes Highlight ist. Was es ja auch ist. Dass mehr kaum möglich ist. Aber die Überquerung des Tibetplateaus ist nochmal etwas ganz anderes. Wir sind auf Augenhöhe mit den Bergen, mit der Landschaft. Wir atmen schwer und kämpfen gegen die Höhenkrankheit. Das erlebt man bei einem Rundflug nicht. Wir müssen schon ein bisschen leiden, um dieses Naturwunder erleben zu dürfen.
    Mittlerweile sehen wir den Arzt ständig durch den Zuggang laufen. Moritz ist eingeschlafen. Das ist bestimmt nicht schlecht. Von jetzt an geht es nur noch abwärts. Allerdings sind wir ja nie ausgestiegen und der Zug ist mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Wir haben den großen Schock auf über 5000m ja gar nicht erlebt. Trotzdem kämpfen wir alle und einigen geht es schlecht. Immer wieder kommt jemand vorbei, schaut in die Kabine und fragt, ob es uns gut geht. Man weiß hier genau um die Gefahr der Höhe.

    Und plötzlich pfeifen uns der Schnee um die Ohren. Die rötliche Erde erhält einen Zuckergussanstrich. Auf 4800m steigen wir für einen kurzen Moment aus. Die Luft ist dünn und eiskalt. Die Lunge zieht sich sofort zusammen. Als ich in den Zug steige wird mir schwindelig. So stark wurde dem Körper in diesen 2/3 Minuten der Sauerstoff genommen. Unglaublich. Doch nach einer Runde Mittagsschlaf fühle ich mich erstaunlich gut. Ich bin zufrieden. Je tiefer wir kommen desto mehr Dörfer und vor allen Dingen viele riesige Yakherden sehen wir. Yakherden und mäandernde Flussläufe erinnern mich sofort an die Mongolei. Wie habe ich genau diese Landschaften und lustigen Yaks geliebt. Jetzt bin ich wieder genauso fasziniert und begeistert von ihnen.

    Tibet - das Land der Klöster, des Ballungszentrums der lamaistischen Gläubigen, der Spiritualität. Tibetische Klöster zu besuchen, ist der beste Weg, um in die tibetische Kultur einzutauchen und Wissen über Tibetischen Buddhismus zu erlangen. Der Lamaismus hat eine lange Geschichte und ist mehr als 1300 Jahre alt. Klöster waren früher Zentren des Lernens und sind auch heute noch Zufluchtsorte, an denen Millionen Tibeter ihre Wünsche äußern und Glück von Buddha empfangen. Die Klöster sind die Luft und die spirituelle Heimat der tibetischen Buddhisten. Die typische, religiöse Architektur sowie Skulpturen, Wandmalereien, Gold- und Jadeschnitzereien gelten als Erzeugnis der religiösen Kunst, Weisheit und des Geistes und sind große Güter des Lamaismus für die Menschen. Tibet beherbergt mehr als 6.000 Klöster und Tempel, von denen die meisten auf Berggipfeln stehen.
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  • Lhasa

    April 2 in China ⋅ ☁️ 15 °C

    Lhasa - welch melodischer, weicher Klang, mystisch, sehnsuchtsvoll, geheimnisvoll. Der Name klingt so weich wie das Licht der Landschaft. Ein fremdartiger Name, der für den Ursprungsort des Lamaismus, des tibetischen Buddhismus, steht. Lhasa - eine verbotene Stadt, die jahrhundertelang, bis Mitte des 20. Jahrhunderts, für Ausländer, Händler und Entdecker verschlossen war. Abgeschottet von dieser Welt, um die tibetische Kultur zu bewahren. Tibet wird als „Land der Götter“ bezeichnet, weil es die Heimat des Dl war, der als lebender Gott der Tibeter gilt. Selbst oder gerade heute benötigt man eine spezielle Einreisegenehmigung, um Lhasa und das Autonome Gebiet Tibet zu bereisen.

    Die tibetische Hauptstadt liegt in einem geschützten Tal des Kyi Chu oder Lhasa-Flusses auf einer Höhe von 3.650m. Die Gipfel des umliegenden Berglandes erreichen Höhen bis zu 5.300m. Lhasa kann im Schnitt mehr als 300 Sonnentage pro Jahr aufweisen, was mich als Sonne und blaue Himmel Liebhaberin sehr freut.
    Die Gründung der Stadt geht auf das 7. Jahrhundert und den 33. tibetischen König Songtsen Gampo zurück. Sein Palast stand an der Westseite der Stadt auf dem Marpori, dem roten Berg, auf dem sich heute der Potala-Palast, das Wahrzeichen der Stadt, befindet. In Lhasa entstanden damals zwei Tempel, die heute zu den wichtigsten buddhistischen Heiligtümern des Landes zählen: der Jokhang und der Ramoche Tempel. Der Jokhang Tempel ist das religiöse Zentrum des tibetischen Buddhismus und gehört zum UNESCO Welterbe.
    Lhasa - ein Ort voller Geschichte. Von hier tauchen wir ein in die spirituelle Welt Tibets. Es wird eine Reise entlang der wichtigsten Klöster, in eine geheimnisvolle, fremde Welt und durch spektakuläre Landschaft des Himalaya.

    Doch bevor es losgeht, müssen wir erst einmal ankommen. Der erste Höhenschock erfasst uns direkt beim Aussteigen aus dem Zug. Ich atme tief ein und aus. Die Luft ist klar und die Sonne wärmt. Blitzartig spüre ich den Unterschied zwischen der mit Sauerstoff angereicherten Luft in unserem Zugabteil und der Höhenluft von Lhasa. Der Atem stockt. Die Brust wird eng. Wie schon bei unserem kurzen Zugausstieg auf 4800m entzieht der fehlende Sauerstoff auch hier dem Körper alle Energie. Die Muskeln versagen und Schwindel tritt auf. Zum Glück kompensiert der Körper recht schnell. Aber das Gefühl, keine Kontrolle mehr zu haben ist eine eher unangenehme Erfahrung. Wir werden am Bahnhof abgeholt und (so kennen wir das bereits aus Nepal) mit weißen, seidenen Schals, den Khatag, in Tibet begrüßt. Der Khatag symbolisiert das reine Herz des Überreichenden. Auf dem Weg zum Auto durchzuckt ein Gefühl der Schwäche meinen Körper. So starke Auswirkungen habe ich nicht erwartet, aber der Sauerstoffmangel zermürbt spürbar Gehirn und Muskulatur. Ich komme mir vor, als ob ich nach einem mehrtägigen Segeltörn zum ersten Mal wieder Land betrete. Alles schwankt. Unser Fahrer bringt uns ins Zentrum Lhasas zu unserem Hotel. Vorbei geht es an Hochhäusern und riesigen Betonklötzen. Der äußere Gürtel um die Stadt unterscheidet sich nicht von den Randzonen anderer chinesischer Städte, in denen wir zuvor waren. Bunt, grell, laut, riesige Werbetafeln und schmucklose Gebäude. Durch die Vororte Lhasas ziehen sich vierspurige Schnellstraßen in Topzustand, alle mit hübschen Laternen und bepflanzten Mittelstreifen bestückt. Auch sie sind alles noch vom Neujahrsfest geschmückt. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Aber nach einigen Kilometern Fahrt kreuz und quer durch Lhasa biegen wir von den breiten Stadtautobahnen ab. Das Stadtbild verändert sich. Die Straßen werden enger, die Neonreklame verschwindet nach und nach. Die Menschen haben dunklere Haut und sind vielfach traditionell gekleidet. Die rot-braun gegerbten Gesichter der Tibeter heben sich deutlich von der Blässe unserer Gesichter ab. Unser Guide Dorschdi erklärt uns, dass die Einheimischen hier schon im Kindesalter auf das Leben in der Höhe und der permanenten Aussetzung der aggressiven UV-Strahlung vorbereitet werden. Die Gesichtshaut wird mit Yak-Kot eingerieben und von der Sonne getrocknet. Über Monate und Jahre stellt sich dadurch die überlebenswichtige UV-Resistenz ein. Jetzt sind wir also in Lhasa. Wirklich in Lhasa. Zwei Städte in einer Stadt, so kommt es mir vor. Die Gegensätze sind riesig.

    Unser Hotel liegt in der Fußgängerzone der Altstadt nur wenige Gehminuten vom berühmten Jokhang Tempel entfernt. Einchecken geht schnell und dann schleichen wir im Schneckentempo auf unser Zimmer.

    Ich bin ermattet, als ich endlich unser Hotelzimmer erreiche. Ich merke die Höhe....Ich japse nach Luft wie eine Ertrinkende..... und ja wegen der Höhe soll man viel trinken... Ich greife nach der großen Wasserflasche. Aber trinken und atmen funktioniert nicht gleichzeitig. Was für ein Problem.
    Somit verschlucke ich mich als erstes. Und statt zu atmen und zu trinken, huste ich nun und bekomme noch weniger Luft. Bisher sind wir immer etwas langsamer in solch hohe Höhen aufgestiegen. Prinzipiell kennen wir die Probleme. Doch heute ist es dann doch ganz anders.
    Ich spüre leichte Kopfschmerzen. Aber ich habe ohnehin sehr häufig Kopfschmerzen und die Zugfahrt war lang und auch anstrengend. Rede ich mir das schön, oder sind es die typischen Symptome der Höhenkrankheit? Aber so schnell? Doch anstatt weiter in mich und meinen Kopf hineinzuhören, richten wir den Rucksack, um einen kleinen ersten Spaziergang durch Lhasa zu machen.
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  • Erste Eindrücke von Lhasa

    April 2 in China ⋅ ☁️ 14 °C

    Trotz Atemnot hält uns natürlich nichts im Zimmer. Als wir vor das Hotel treten, sind wir schon mittendrin.
    Wir bummeln durch Lhasas Altstadt und sind fasziniert, hin und weg und wissen überhaupt noch wohin wir schauen sollen. Diese Architektur haben wir noch nie gesehen. Uns läuft eine Frau mit Sauerstoffflasche über den Weg und wir beschließen, uns auch welche zu kaufen. Schaden kann es nicht. Doch zunächst müssen wir wieder durch eine Sicherheitsschleuse. Das abgepackte wird durchleuchtet, wir ebenfalls und die Pässe eingelesen. Jetzt stehen wir im Herzen Lhasas. Direkt vor uns ein Juwel - der Jokhang Tempel. Er wird von einem Wandelgang mit Gebetsmühlen umgeben. Der kürzeste Pilgerweg Barkhor verläuft rund um das Kloster. Das Geräusch von Holz, das auf Steinplatten schlägt und reibt, schallt uns entgegen. Es kommt von den Gläubigen, die sich vor dem Tempel der Länge nach flach auf den Boden werfen. Wir erleben hier den aller letzten Abschnitt der langen Pilgerreise kurz vor der Ankunft am Tempel. Ein Strom von Pilgern umrundet auf diese Weise den Jokhang Tempel im Uhrzeigersinn. Das Umrunden eines Tempels im Uhrzeigersinn ist ein Ritual, das mit Götterverehrung verbunden ist und nennt sich Kora. Absolut alle drehen dabei ihre Gebetsmühle, um ein gutes Karma anzuhäufen. Wir schließen uns der Reihe der Pilger an und umrunden den Tempel ebenfalls im Uhrzeigersinn. Viele der älteren Menschen tragen traditionelle Kleidung, was mich sofort begeistert. Dunkle, warme Farben, manchmal sehr farbenfroh, andere sehr schlicht. Viele Menschen sitzen auf den Bänken drehen die Gebetsmühlen und beobachten das Treiben. Die Stadt ist voller Leben. Wir werden viel angelächelt. Die Menschen sind freundlich und offen, können aber nicht mit uns in Kontakt treten.
    Während wir den Barkhor entlanglaufen, müssen wir uns ständig umdrehen, weil wir die Menschen von Vorne und nicht von Hinten sehen wollen und Moritz erinnert mich daran, dass wir in Nepal deswegen immer falsch herum gelaufen sind. Gesagt getan. Jetzt passt alles. Ich blicke direkt in die sonnengegerbten Gesichter, die Haut von unzähligen Falten durchfurcht. Ausdrucksstarke Charakterzüge. Ruhige, dunkle Augen blicken mir entgegen. Umgeben wird dieser schmale Weg von wunderschönen Häusern. Weiße dicke Mauern am Boden, die nach oben immer schmaler (erdbebensicher) und auch bunter werden. Aus großen, weißen Öfen qualmt Rauch vom Verbrennen des Wacholders,. Der spezielle Geruch verbreitet sich in den schmalen, winkligen Gassen um den Tempel. Die Häuser aus dicken, weiß getünchten Steinmauern mit traditionellen Flachdächern aus Arga-Lehm stehen hoch gebaut und eng beieinander, sodass die Gassen angenehm schattig sind. Der Geruch von Yak-Butterkerzen und Räucherstäbchen mischt sich mit dem Wacholdergeruch. Was für eine Mischung. Betörend?
    So bewegen wir uns mit und gegen den Pilgerstrom bis zum Eingang des Jokhang Tempels. Allein schon der Anblick des Tempels verschlägt uns den Atem. Solch etwas Schönes habe ich selten gesehen. Die Menschen werfen sich auch hier auf den Boden zum Beten. Andere polieren Kupferschalen und werfen Körner darauf. Die Bedeutung dieses Rituals verstehe ich noch nicht. Überall das Gemurmel der Betenden, das Klatschen der Holzschoner der Betenden auf den Boden. Wir sind in einer anderen Welt. Dieser völlig andere Architekturstil ist unglaublich schön und macht die Altstadt Lhasas zu einer der schönsten Städte weltweit.

    Die Läden am Weg haben sich mit ihrem Angebot auf die Bedürfnisse der Pilger und auch der Touristen eingestellt. Die Auswahl an tibetischen Souvenirs wie Klangschalen, Buddhafiguren, Gebetsmühlen, typischer Kleidung und Stoffen ist riesig.
    Während wir den Barkhor entlanglaufen, fühle ich mich wie beim ersten Landgang nach einem Segeltörn. Der Boden schwankt und in den Geschäften halte ich es nicht aus, weil die Wände ebenfalls zu schwanken scheinen. Mein Gang ist unsicher, wie auf einem schaumigen Teppich und unberechenbare Schwindelattacken lassen mich aus meiner Balance driften. Ein Druckgefühl breitet sich im Körper aus und die Konzentrationsfähigkeit schwindet in Intervallen. Außerdem ist mir schlecht. Dies liegt wohl daran, dass wir nicht ausreichend gegessen haben. Das lässt sich schnell ändern und wir essen zu Abend. Doch es wird nicht besser. Im Gegenteil. Nachdem wir das Restaurant verlassen haben, muss ich mich das erste Mal übergeben. Ich ahne es schon: höhenkrank. Eine Frau, die erst etwas verkaufen wollte, erkennt meine Not und hilft mir. Das ist sehr nett von ihr. Ich muss ins Hotel und schaffe es kaum. Ich bin froh, diese Einkaufstüte zu haben und nicht alles auf der Straße zu verteilen. Kurz vor dem Hotel beginnt der Schüttelfrost. Der gesamte Körper zittert wie bei einem Drogenabhängigen bei kaltem Entzug. Ich habe mir leider nicht den Magen verdorben und es ist auch kein Infekt. Ich bin massiv höhenkrank. Im Hotel wird sofort unser Guide angerufen. Ich bekomme Tee. Dann muss ich mich nochmals übergeben. Alles dreht sich. Es ist so kalt. Ich kann den Tee nicht trinken, weil er durch mein Gezittere ständig aus dem Becher schwappt. Die Frau von der Rezeption hält schließlich meinen Arm fest, damit ich trinken kann. Unser Guide kommt und fragt, was genau los ist. Ich kann es ihm nicht sagen, weil mir die englischen Vokabeln nicht mehr einfallen. Ich erinnere mich an gar nichts. Moritz regelt alles. Er hat glücklicherweise keinerlei Symptome. Unser Zimmer wird geheizt und ich an die Sauerstoffflasche gehängt. In der Nacht übergebe ich mich nochmal und dann reicht es auch. Ich schlafe ansonsten ziemlich gut durch. Am nächsten Morgen trenne ich mich schweren Herzens von der Sauerstoffflasche. Aber es geht. Ich bewege mich wie eine ultralangsame Schnecke vorwärts. Aber es ist geschafft.
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  • Drepung Kloster 3900m

    April 3 in China ⋅ ☁️ 10 °C

    Es geht mir viel besser als gestern Abend. Ich bin aber wackelig auf den Beinen und alles ist extrem anstrengend. Zum Frühstück gibt es für uns zum ersten Mal seit Nepal wieder Yakbuttertee. Er tut unheimlich gut. Ansonsten schmeckt mir gar nichts. Aber ein bisschen was muss gegessen werden.

    Unserer Fahrer und Guide holen uns nach dem Frühstück ab. Im Autonomen Gebiet Tibet kann man sich nicht alleine bewegen, sondern hat immer einen Fahrer und einen Guide an seiner Seite. Darüber bin ich heute sehr froh, weil ich gut versorgt bin.

    Drepung ist eines der bedeutendsten Klöster der Gelug-Schule und ist eines der "Großen Drei Gelug Klöster" des früheren Tibet. Es galt einst als das größte Kloster, nicht nur in Tibet, sondern auch im Rest der Welt. Die beiden anderen Klöster der Gelug-Schule sind das Sera und Ganden Kloster.
    Die Gelug-Tradition, bekannt als „Schule der Tugendhaften“ oder „Gelbmützen-Schule“, ist die jüngste der vier Hauptschulen des tibetischen Buddhismus, gegründet von Tsongkhapa (1357–1419). Sie betont strenge monastische Disziplin, Zölibat, logische Analyse und den stufenweisen Pfad zur Erleuchtung. Der Dl ist der einflussreichste Vertreter dieser Tradition.
    Drepung wurde 1416 von Jamyang Chöje Trashi Pelden, einem Schüler des Begründers, gegründet. Als ehemalige Residenz der Dalai Lamas hatten die Äbte von Drepung stets eine bedeutende Rolle in der Politik Tibets inne und bekleideten oft wichtige Posten.

    Vor 1959 lebten in Drepung über 10.000 Mönche. Es war das größte Kloster Tibets, besaß 186 Landgüter, verfügte über rund 20.000 Leibeigene, 300 Weidegebiete und 16.000 Hirten. Im Oktober 1975 lebten hier nur noch 300 Mönche.
    Während der Kulturrevolution wurde Drepung vor der Zerstörung durch die Roten Garden bewahrt. Daher sind die zentrale Versammlungshalle und der ehemalige Regierungspalast erhalten geblieben. Im Jahr 2005 gab es wieder 640 Mönche. Dieses Kloster ist heute ein Lernzentrum und eine der wichtigsten Universitäten für buddhistische Mönche.

    Langsam, ganz langsam schiebe ich mich den Berg und die vielen Treppenstufen nach oben. Das Wetter ist herrlich und die Sonne wärmt. Ich atme wie eine Dampflok. Aber es geht. Drepung liegt im Berg und man überblickt das Lhasa Tal bis zu den gegenüberliegenden 5000ern mit ihren Schneegipfeln. Dieser Anblick ist unglaublich. Das Kloster mit seinen eindrucksvollen Farben und der typischen Architektur zieht mich in seinen Bann. Das dunkle leuchtende Rot und das Weiß, die sich vor dem blauen Himmel abheben. Die bunt bemalten Türen und verwinkelten Gassen, die den Berg hinaufführen. Leider darf man in den Räumen überhaupt nicht fotografieren. Von den Decken hängen bunte Tücher, die Buddhastatuen sind sehr bunt. Überall brennen Yakbutterkerzen und verströmen ihren speziellen Geruch. Wir steigen langsam höher und besichtigen die verschiedenen Schulen der Mönche. Obwohl sie alle ähnlich sind, begeistert uns die Architektur jedes Mal neu. Einige Mönche sind unterwegs. Ansonsten ist es ein wundervoller, stiller Ort. Ein Ort, wie wir ihn noch nie erlebt haben.
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  • Norbulinka 3650m

    April 3 in China ⋅ ☁️ 16 °C

    Norbulinka ist ein Palast mit dazugehörendem Park in Lhasa, der als Sommerresidenz des Dalai Lamas diente. An der Stelle der Anlage befand sich ursprünglich ein Weidenhain. Über rund 250 Jahre wurde der Sommerpalast von Lhasa von den verschiedenen Dalai Lamas immer wieder erweitert und umgebaut. 1755 wurden weitere Gebäude vom 5. Dalai Lama errichtet. Der Palast erhielt den Namen Norbulingka - Juwelengarten und diente seit etwa 1780 dem Dalai Lama als Sommerresidenz. Zum UNSECO Welterbe gehört Norbulinka seit 2001.
    Jeder Dalai Lama hat im Prinzip seine eigene Sommerresidenz errichtet. Einige sind kleiner, andere größer und prunkvoller. Ein wunderschöner Park umgibt sie alle. Wir durchqueren ihn mal bei Sonne und dann auch mit etwas Regen, der sich zum Glück schnell wieder verzieht. Mir geht es soweit gut und ich bin gesprächiger und auch zügiger unterwegs. Es geht in die richtige Richtung.
    Jede Residenz hat den gleichen Baustil und ähneln den Klöstern und der Altstadt Lhasas. Ein schöner Spaziergang, bei dem wir uns weiter an die Höhe gewöhnen.
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