• 1. Weltkrieg - Stellungskrieg am Lingekopf

    May 29 in France ⋅ ☀️ 25 °C

    Ich sammle meine beiden Wanderfreunde wieder ein und nach gemütlichen Weindörfern und herrlicher Natur ist jetzt noch etwas harte Kost angesagt.
    Der Linge oder Lingekopf ist eine hart umkämpfte Stellung im Elsass aus dem 1. Weltkrieg. Die Frontlinie in den Hochvogesen entwickelte sich 1915 zum Schauplatz erbitterter Grabenkämpfe zwischen deutschen und französischen Truppen. In dem unwegsamen Berggebiet standen sich die Soldaten oft nur wenige Meter voneinander entfernt gegenüber. Die Kämpfe erforderten zw. 17.000 und 20.000 französische und deutsche Tote, Verwundete und Vermisste.
    Bereits auf dem Weg dorthin entdecken wir entlang der Straße viele alte Bunker. Im kleinen Museum werden die Alltagsgegenstände, Waffen und Uniformen der Soldaten ausgestellt. Es ist sehr schön gestaltet und der Aufenthalt ist kurzweilig und informativ. Im Außengelände kann man innerhalb und entlang der Schützengräben laufen. Ein sehr eindrücklicher Ort. Überall liegen noch Stacheldrahtfallen. An einigen Stellen haben sich die französischen Soldaten von unten in die Gräben der Deutschen gegraben. Die Deutschen hatten die besserer Position, da sie ihre Gräben oben am Hang gelegen hatten, während die Franzosen von unten kommend angegriffen haben.
    Noch heute stehen Warnschilder im französischen Kampfgebiet, da es nicht minenfrei ist. Unterstände, Stellungen, Bunker, aber auch deutliche Einschusslöcher sind überall sichtbar. Ich mag mir nicht vorstellen, wie sich die Soldaten damals in voller Montur mit Pickelhaube und Rucksack, bewaffnet bei Hitze, Schnee und Regen im Schlamm durch diese schmalen Gänge bewegt haben. Teilweise passe ich gerade mal so hindurch.
    Der Hauptweg für die Besucher teilt das Gebiet der deutschen und der französischen Stellungen. Man weiß also immer auf welcher Seite man sich befindet. Der Blick der deutschen Stellungsgräben reicht über das gesamte Tal. Die Franzosen konnten gut beobachtet werden. Heute ist es ein traumhafter Aussichtspunkt und ein so friedlicher, freundlicher Ort. Das Leben hat sich diese Todeszone zurückgeholt. Die Mauern sind über und über mit Heidelbeeren bewachsen.
    In der näheren Umgebung gibt es noch den deutschen und französischen Friedhof zum Gedenken der Gefallenen. Faszinierend, dass nicht nur Name und Dienstgrad bekannt waren, sondern offenbar auch, wer an welchem Tag gestorben ist.
    Man kennt diese Bilder alle aus Spielfilmen zum ersten Weltkrieg. Hier zu stehen und durchzulaufen ist ein sehr eindrückliches Erlebnis, das nachdenklich macht. Gerade in der heutigen Zeit.

    Ein letztes Mal fahren wir durch die Vogesen in die Ebene zu den Weinreben und lassen unseren Elsass Kurztrip bei leckeren Flammkuchen ausklingen. Sind wir wirklich erst gestern angekommen? Es kommt mir schon viel länger vor. Wunderschön war es jedenfalls - auch allein.
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