• Yogyakarta: Gastfreundschaft & XXL-Bier

    22–26 de jun. 2024, Indonésia ⋅ ⛅ 29 °C

    Wohlgesättigt von der Fahrt in unserem Premiumzug kamen wir 8h später in Yogyakarta an.
    Eine Stadt, die uns vermutlich noch ziemlich lange in Erinnerung bleiben wird. Nicht nur wegen einer wichtigen Lesson, die wir hier gelernt haben oder der überaus überüberübermäßigen Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die wir hier empfangen haben, sondern auch noch wegen einem ganz besonderen Ereignis, das man so nicht mal in dem besten Reiseführer dieser Welt wiederfinden könnte.

    Als wir bei unserer Unterkunft, die diesmal sogar „nur“ ein Hostel war (aber mit eigenem Zimmer und Gemeinschaftsbad), wurden mir mit so viel Liebe & Herzlichkeit empfangen, wie wir es im aller besten Hotel noch nicht erlebt haben.
    Uns wurden detailliert die Räumlichkeiten, die Stadt und viel viel mehr vorgestellt, es gab ein Begrüßungsgetränk und die Mitarbeiter waren allesamt derart freundlich und hilfsbereit, dass es richtig Spaß gemacht hat sich mit denen zu unterhalten. Dass Einheimische ein so gutes Englisch sprechen, sodass man richtige Konversationen führen kann, ist schließlich auch keine Selbstverständlichkeit hier.
    Das Hostel war außerdem unglaublich gemütlich mit vielen liebevoll gestalteten Gemeinschaftsräumen, die vorallem auch dazu noch wahnsinnig sauber waren und einer richtig schön grünen Gartenanlage. Und man konnte sogar XXL-Bier getarnt als „Apple Juice“ bestellen - für alle die es nicht wissen, Indonesien ist ein stark muslimisch geprägtes Land, in dem Alkoholkonsum nicht gerne gesehen ist.

    Yogyakarta schenkte uns sofort ein so viel besseres Gefühl als Jakarta, eine so viel schönere und sauberere Stadt. Aber eines ist gleich geblieben oder sogar noch viel mehr geworden: unser Promistatus, an jeder Ecke wollte man Fotos mit uns machen. Ja, auch die Paparazzi, die meinten uns „unauffällig“ fotografieren zu müssen (wir haben es trotzdem gemerkt) gab es.

    In Yogyakarta besichtigen wir u.a. diverse Ecken der Stadt, den Sultanspalast und das Wasserschloss als typische Tourihighlights sowie das krasse Gegenteil eines Tourihotspots: einen einheimischen Tiermarkt. Letzteres schockte uns so sehr, dass wir hier nur wenige Minuten bleiben konnten. In kleinen Gitterkäfigen sahen wir alles an Tieren, die überall hingehören nur nicht in solche Käfige: von Affen über Katzenbabys über diverse Vögel, Eulen (!), Luwak-Katzen, unzählige Echsen in allen Farben, bunt angemalte Küken und noch viiiiiiiiel mehr. Und allesamt in einem grausigen Zustand. In Deutschland würde solch ein Markt keine 2 Minuten existieren. Und das ist auch gut so.

    Von den unerfreulicheren Sachen wieder zu den erfreulicheren. Wobei,… naja, einen unerfreulichen Aspekt gab es noch bzw. besser gesagt die anfangs angekündigte Lesson. Yogyakarta ist eine historisch geprägte und geschichtsträchtige Stadt. Um die Stadt herum gibt es unzählige Tempelanlagen. Unter anderem auch die berühmtesten hinduistischen und buddhistischen Tempel: Pranbanan und Borobodur. Der letztere ist so stark besucht, dass die Besucher über Tickets limitiert werden. Und ja… die Schattenseite an unserem stets spontanen Gemütern: wir bekamen keine Tickets mehr. Aber an jeder schlechten Sache eine Lehre die man daraus ziehen kann: künftig planen wir nun doch ein weeeenig besser im Voraus. Aber nur ein wenig.
    Dafür besuchten wir den Pranbanantempel, der wirklich sehr sehr eindrucksvoll war. Für manch einen Asiaten waren wir jedoch eine größere Attraktion als die Tempelanlage, denn an jeder Ecke wollte man wieder einmal Fotos mit uns machen, sodass wir kaum vorwärts kamen. Nach dem Tempel fuhren wir in ein Restaurant, wenn nicht sogar in das bisher aller schönste Restaurant, in dem wir je diniert haben. Das Restaurant ist auf einem Berg gelegen mit Blick auf den Tempel und bei guter Sicht auch auf den Vulkan Merapi. Spoiler vorweg: die Sicht war nicht gut genug. Dennoch hatten wir einen so grandiosen Ausblick. Leider haben wir von dem Abend kaum Fotos, da wir komplett den Abend und die Momente (und das einheimische All-you-can-eat-Buffet) genossen haben. Ein wirklich sehr gelungener Abend. Das Essen war auch ziemlich grandios, vorallem schön auch mal sämtliche einheimische Speisen probieren zu können. Beinah hätte Sören sich getraut die gebratene Kuhhaut zu probieren, aber am Ende ist es leider erstmal nur bei der Soße geblieben - man muss sich schließlich immer noch etwas offenhalten.

    Unser Aufenthalt in Yogyakarta wurde dann noch von einem Erlebnis der Extraklasse gekrönt. An unserem letzten vollen Tag schlenderten wir völlig ohne Erwartungen durch die Altstadt. Als wir am sogenannten traditionellen Haus vorbeikamen, waren einige Einheimische gerade dabei eine Zeremonie abzuhalten und zu beten. Als wir vorbeigingen hielten sie kurz inne, man lächelte und freundlich an und wedelte wild mit den Armen, dass wir uns doch zu ihnen gesellen sollten. Wie zögerten ein wenig, schließlich ist uns deren Religion völlig unbekannt und wir wollten ihre Rituale nicht stören. Sie hörten aber nicht aus uns herzurufen bis wir uns zu ihnen auf die Teppiche im Traditionellen Haus setzten. Das Traditionelle Haus war eine Art offenes Gebäude neben einem Haus voller traditioneller alter Musikinstrumente. Man erklärte uns, dass sie gerade eine Zeremonie abhielten und uns gerne einladen würden dabei zu sein, wir sollten uns vorstellen und alle waren sehr sehr interessiert. Auf sehr gebrochenem Englisch erklärte man uns einiges über die Zeremonie, wir glauben, dass eine Renovierung dieses traditionellen Hauses gefeiert wurde, sind uns aber bis heute nicht sicher, ob wir das richtig verstanden haben. Sie sprachen Gebete und anschließend aßen wir gemeinsam. Der Witz an der Sache: wir hatten gerade total Hunger und wollten uns ohnehin auf die Suche nach Essen machen. Das aber nur am Rande bemerkt, denn wir waren völlig sprachlos mit welch einer Herzlichkeit und Gastfreundschaft wir an dieser Stelle schon wieder beschenkt wurden. Und als wär das schon nicht genug gewesen, gaben sie uns jedem noch ein Doggybag mit einer Mahlzeit, Snacks und einem Getränk mit. Natürlich durften wir wieder als Fotomodels herhalten und sogar gemeinsam mit einigen auf den besagten traditionellen Instrumenten spielen.

    Mit diesen unglaublichen Erlebnissen verabschiedeten wir uns von Yogyakarta und stiegen am nächsten Tag in den Zug. Eine 7-stündige Fahrt wartete auf uns - diesmal aber „nur“ die Mittelklasse, die im Vergleich zur deutschen Bahn immer noch Dekadent ist was Komfort angeht.
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