• Runter vom Vulkan, rauf auf den Vulkan.

    Jun 29–Jul 2, 2024 in Indonesia ⋅ ⛅ 24 °C

    Adios Malang! Zugegeben, wir hatten uns den Weg von Malang nach Banyuwangi leichter und angenehmer vorgestellt. Banyuwangi ist die kleine Küstenstadt vor Bali. Von hier aus kann man bequem mit der Fähre hinüberschippern und sich auf die wohl touristischste Insel in ganz Indonesien gefasst machen, vielleicht sogar der Welt. Eins ist sicher, unbekannt ist Bali definitiv nicht mehr, und manche vermuten wahrscheinlich sogar, dass die Insel ein eigener Staat ist, aber der Reihe nach! Banyuwangi ist ebenfalls ein sehr guter Ausgangsort für eine Tour zum Kawah Ijen.

    Der ursprüngliche Plan war, den Bus aus Malang in Richtung Banyuwangi um 15 Uhr zu nehmen. Gerne wären wir auch früher gefahren, nur war die Auswahl doch sehr beschränkt. Dazu war der Buchungsprozess auch etwas verwirrend. Der Bus startete in einem Dorf hier auf Java, dessen Namen wir nicht kennen. Wir sollten dann einen Zusteigeort wählen. Hier war die Auswahl schon größer als die Auswahl an unterschiedlichen Busunternehmen und Fahrzeiten. Cool! Das hieß also recherchieren, von wo wir aus am sinnvollsten zusteigen. Um ca. 13:40 Uhr vergewisserten wir uns noch einmal zusätzlich bei der Busgesellschaft, ob der Bus denn auch wie geplant um 15 Uhr ankommt. Hier fing der Spaß dann auch an. Selbstverständlich kam der Bus nicht pünktlich an. Voraussichtlich würde er erst um 18 Uhr eintreffen. Na gut, dachten wir uns, dann nutzen wir die Zeit eben sinnvoll und arbeiten noch etwas. Also Kaffee geholt, Notebook raus und losgelegt (Als ob wir hier hart arbeiten würden…Pfff. Ein bisschen haben wir aber echt was getan). Wir machten uns rechtzeitig auf den Weg zum Zustiegsort. Als Dank dafür dann direkt die nächste Klatsche: Noch mehr Verspätung. Juhu! Spätestens jetzt wurde uns klar, das wird eine kurze und nervige Nacht. Letztendlich sind wir um 19:20 Uhr gestartet. Immerhin gab es Snacks und eine Flasche Wasser gratis im Bus, was uns doch etwas glücklich machte. Um ca. 23:30 Uhr dann die nächste Überraschung: Wir halten, um Essen zu fassen. Kein Scherz, der Bus hielt echt an einem Warung (kleines Restaurant), an dem wir gratis essen durften. Ach nein, wir wollen eigentlich nur weiter. So richtig appetitlich sah es auch nicht aus. Ende vom Lied, um 4 Uhr erreichten wir unser Hostel in Banyuwangi. Leicht bedient, müde und genervt ging es dann nur noch ins Bett. Ausschlafen war nur noch bedingt möglich, da wir morgens noch etwas Wäsche zu waschen hatten und diese nicht zu spät in die Wäscherei bringen konnten.

    Der Weg hierher war also schon abenteuerlich, doch das wird noch besser (Spoiler-Alert). Jedoch abenteuerlich im guten Sinne. Wir erkundeten tagsüber etwas die Stadt, die im Vergleich zu Malang doch schon deutlich ruhiger ist und einem schnell klar wird, dass dies nur ein Ort für eine Tour ist und man dann auch wieder weiterzieht.

    Um 00:30 Uhr war es endlich wieder soweit: Wir starten zum nächsten Vulkan! Der Kawah Ijen hat es auch in sich. Habt ihr euch schon einmal Gedanken gemacht, wo eigentlich Schwefel abgebaut wird? Im Krater eines aktiven Vulkans zum Beispiel. Der giftigste Arbeitsplatz der Welt und genau da fahren wir hin. Natürlich wollen wir hier niemanden bei der Arbeit stören. Nein, wir kommen, um uns das blaue Feuer oder auch die blaue Lava anzuschauen. Weltweit gibt es nur zwei Orte, an denen man die blaue Lava sehen kann. Entsprechend voll und touristisch ist die Tour.

    Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, wow! Diese Tour ist krass! Vom Parkplatz aus geht man eine Stunde den Vulkan hinauf. Ein gut befestigter und passierbarer Weg, erleuchtet durch dutzende Stirn- und Taschenlampen (Es ist schließlich nachts und dunkel). Oben angekommen, erwartet dich bereits der erste Vorgeschmack des lieblichen Geruchs von Schwefel. China-Böller sind ein Witz dagegen, nachdem der Geruch durch die Explosion freigesetzt wurde. Glücklicherweise hat jeder zum Start eine Atemschutzmaske bekommen. Ohne diese wäre das Brennen in der Lunge nach kurzer Zeit stark spürbar und kann bei übermäßigem „Konsum“ zu Schäden in der Lunge führen. Zum Glück haben wir aber erst nach der Tour bemerkt, wie super hygienisch die Masken ausgegeben werden. Die werden nämlich einfach wieder zurück in Tüten gesteckt und quasi als neu ausgegeben. Lecker :) Naja, vom Kraterrand ging es aber auch wieder ein ganzes Stück runter zum Krater, wo man die blaue Lava sehen kann und sich das größte Säurefass der Welt befindet. Der See im Kawah Ijen hat einen extrem niedrigen pH-Wert von etwa 0,5 und ist damit saurer als Batteriesäure. Da werd' ich sauer, höhö. Der Abstieg war nochmal ein Abenteuer für sich. Es gab keinen richtigen Weg, es war teilweise rutschig und man kraxelt mit tausenden anderen Leuten die Steine runter. Ein falscher Schritt kann schwerwiegende Folgen haben. Dazu kommen einem hin und wieder noch die Minenarbeiter mit 60-70 kg schweren Körben voll mit Schwefel entgegen. Jene Arbeiter, deren Lebenserwartung bei 45 Jahren liegt und die hier tagtäglich rauf und runter laufen, ihr Leben riskieren, nur damit ihre Familie ein gutes Leben hat. Schaut euch hierzu gerne Videos auf Youtube an. Man mag sich im Nachhinein auch etwas schlecht fühlen, hier als Tourist fröhlich umherzulaufen. Der gleiche Weg führte einen natürlich auch wieder zurück, sodass wir bei Sonnenaufgang wieder am Kraterrand waren und diesen schönen Anblick genießen konnten. Das frühe Aufstehen hat sich absolut gelohnt.

    Völlig gerädert und kaputt in der Unterkunft angekommen, kam die Frage auf, ob wir uns ausruhen oder lieber doch etwas anderes machen. Die Entscheidung fiel auf duschen und ab zum Sport. Das ist irgendwie ziemlich verrückt. Wenig Schlaf, Berg rauf und runter laufen und dann noch Sport? Normal ist es irgendwie nicht, aber es tat uns gut und so fühlten wir uns auch danach. Ein sehr erfolgreicher, aufregender und aktiver Tag.
    Read more