• Vancouver Tag 2

    September 14, 2024 in Canada ⋅ ☁️ 14 °C

    Den ersten Blas gab es 18 Minuten nach dem Auslaufen aus Vancouver Richtung Victoria auf der Insel. Backbord achteraus stieg das weiße Wölkchen aus dem Wasser, zu weit allerdings, die Spezies zu bestimmen. Einige Japaner auf meinem Deck wurden so aufgeregt, als würde gleich das Mittagessen serviert. Nach dem dritten Blas war Schluss mit der Darbietung. Die Fähre windet sich zwischen den kleineren Inseln durch, das Wasser ist ruhig, das Wetter sosolala. Ich bin noch so müde, dass ich immer wieder wegnicke.

    Vancouver Island ist zwar, wie der Name sagt, eine Insel, aber eine sehr große Insel. Sie ist nur etwas kleiner als Brandenburg, fast so groß wie Baden-Württemberg, und hat dabei gerade soviele Einwohner wie Frankfurt am Main. Der Hauptort Victoria ist Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia, die immerhin 2,5mal so groß wie die Bundesrepublik ist, allerdings nur etwas mehr als 5 Millionen Einwohner hat. Mildfeuchtes Klima fördert die Vegetation, Palmen sind in den Tälern und an der Küste nicht selten. Das Ehepaar Butchart, in der Zementindustrie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert reich geworden, schuf in der Nähe von Victoria ein Gartenreich mit vielen Themen, das auch im Frühherbst in seiner noch üppigen Blütenpracht erahnen lässt, wie atemberaubend es in seiner Hochzeit sein muss. Atemberaubend müssen dann auch die Zuschauermassen sein, denn noch Mitte September geht es streckenweise nur im Gänsemarsch voran.

    Victoria selbst erfreut mit einer sehr überschaubaren Anzahl hoher Häuser und schmiegt sich vor den Hügeln im Hinterland an den Pazifik. Auch hier sind Touristen in der Überzahl. Viele kommen nur für einen Tag mit Bussen und anderen Autos vom Festland. Der Fährbetrieb ist regelmäßig und zuverlässig. Gelassenheit, heißt die Parole allenthalben, auch bei der Tea Time im imposanten Empress-Hotel, bei der die Etagieren auf drei Ebenen mit typisch britischen Köstlichkeiten randvoll gefüllt sind. Das einzig aufregende an einer Rundfahrt mit dem Doppeldecker-Sightseeingbus ist die Angst, es nicht rechtzeitig zurück zum Treffpunkt zu schaffen, weil am Stadtrand eine Weißwedel-Hirschkuh samt Kalb den Straßenverkehr zur Rücksicht zwingt.

    Zuverlässig bringt uns das 19-Uhr-Boot wieder nach Vancouver, zum Kofferpacken und Abschied nehmen. Alle sind für die Rückflüge am Sonntag bei den verschiedenen Airlines online eingecheckt. Hoffentlich beginnt der drohende Streik bei Air Canada erst am Montag.
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