Paul und die Leoparden
30. September 2023 in Kenia ⋅ ⛅ 26 °C
…der angekündigte Angelavogel muss warten…. (Anm.d.Red.)
Plopp.
Rechtes Auge auf.
Plopp.
Linkes Auge auf.
Blick auf die Uhr.
Die erste Ziffer ist eine 5.
Klick Klack.
Beide Augen wieder zu.
Als ich sie wieder öffnete, war es Neune. Wie eben so am Wochenende. Pferd neben mir. Alles in Ordnung. Die Menschen? Weg.
Die sind vor Sechse ausm Zelt gekrochen, um der Hitze zu entgehen. Na ja, sieben Stunden später waren sie doch wieder vollgeschwitzt aufgeschlagen.
Wir hatten eine Mordsnacht! Der Ochsenfrosch, also nicht Holger sondern ein echter, hat uns durch die Stöpsel in allen acht Ohren so genervt, dass nicht mal der zweite Gin Tonic helfen konnte, darüber hinwegzuhören. Ein Sturzregen gegen Mitternacht heizte die Froschdynastie noch zum Wettstreit an. Was ne Gülle und keine Zwille….
Jedenfalls waren alle vier, gleich zu welcher Zeit, beim Erwachen in der Grütze.
Dann musste ich mir alles berichten lassen, ich war ja daheim geblieben.
Und das, obwohl es am Hippo Pool das Buschfrühstück gab!! Hoch über den Wackelohren auf solider Empore wurde frischer Kaffee geschlürft und Eier gepellt. Wie‘s eben so ist an einem Samstagmorgen.
Der Reiseführer für Kenia verheisst ein Wallhalla im Meru, aber ich hab gegoogelt, so richtige Parallelen finde ich nicht von der Götterdämmerung zu dem tollen Abenteuer heute.
Nachdem die Somalis in den Sechzigern fast alle Tiere im Meru ausgerottet und auch den Adamsson umgelegt hatten, kam keiner mehr in den Elsa - Park. Inzwischen haben sich alle wieder angesiedelt, aber die Touris haben sich eben auf Mara, Amboseli und Tsavo eingeschossen, da ist für hier oben keine Zeit mehr im Kalender. Und so kam es, dass meine Menschen sechs Stunden allein mit Paul durch die Gegend streiften, an großen Büffelherden vorbei, einen Big Tusker namens Kindani entlarvend ( was das ist, hab ich Euch letzte Reise beschrieben), viele Kuhreiher und endlich auch einen Hammerkopp. ( mit Köppe kommt’s heut dicke)
Der hat einen eckigen Schopf und das größte Nest aller Federtiere. Verhältnismäßig zur Größe eine Vierraumwohnung um die 30 kg und wenn er Bock hat, klaute er irgendwo Socken oder Buxen, die stopft er da auch rein. Klar, wer will schon Stube ohne Teppich?
Dann wanden wir uns um „Elsa‘s Koppje“, ein bewachsener Felshaufen, der einmal das Territorium der tierischen Protagonistin aus „ Frei geboren - Königin der Wildnis“ Elsa war. Schließlich ist das ja auch das Thema unserer Tour!
Von diesem cineastisch bedeutsamen Ort angetan verholten sich die Menschen Richtung Camp und Mittagessen und dann standen da doch drei Autos. Es sollten die einzigen bleiben und uns doch Glück bringen. Eine Leopardin lag unweit im Baum und verputzte eine Antilope. Das Glück auf Holger’s Seite, mit den „Big Five“ im Gepäck weiterzureisen und Paul, der trotz zweier Jahre Arbeit im Park nur Sekundenbegegnungen im Katalog hatte.
Die Guides allesamt von Elsa Koppje und ihren amerikanischen Gästen und wir. Stille Euphorie!
Es war ein langer Vormittag und die Mittagsruhe und das Wiedersehen mit den Menschen all zu festlich. Den Staub unter der spärlich tröpfelnden Dusche abgespült ( der Pool war dann doch nicht so chlorreich vielversprechend) ging es am trockenheissen Nachmittag zum Leopards Rock. Es war der Platz, an dem Pauls erster Arbeitsplatz im Meru war. Wir hatten auf seine zweijährige Erfahrung hier gebaut bei der Wahl der Route und es nicht bereut. Was er uns nicht verraten hatte, war, dass es das Camp nicht mehr gibt. Schritt für Schritt holt sich die Natur die Gebäude zurück und der Anblick war hoffnungslos und traurig. Alles hat seine Zeit. Jene für Leopards Camp ist abgelaufen.
Die abendliche Sonne tauchte das Gras in warmes Gold, eine prächtige Matriarchin führte ihre Elefantenfamilie zum Abendessen an den Fluss, Kudus querten scheu die Straße und kleine Mangusten hockten stolz auf ihrem Termitenhügel.
Es wurde Zeit, dem Elsa - Land für heute den Rücken zu kehren und ein letzter Leuchtpunkt identifizierte sich als Palmgeier. Wenigstens einer dieser Aasfresser, der sauber ausschaut. Unter ihm in einer Wasserlache trieb ein aufgedunsener Büffelkadaver und man konnte die Zahl der daran rupfenden Krokodile und Welse nur anhand des brausenden Wassers erahnen. Und dann bewegte sich etwas in unseren Augenwinkeln. Nichts erwartend und dann fasziniert erblickten wir den zweiten Leoparden des Tages. Schon abgehakt, dass er sich nur kurz blicken ließ, widmeten wir uns den Aasfressern und konnten unseren Augen kaum trauen. Der Leopard spazierte bei schwindendem Licht am Ufer um das stinkende Schwimmgut und beförderte Paul in den Safarieguide - Himmel genau wie uns.
Mehr geht nicht und besser kann’s nicht werden. Beseelt geht es im Sprint zurück aus dem Park, das verkaterte Camp wartet mit dem Abendessen. Wir sind nicht traurig, die domestizierten Miezen morgen zu verlassen. Es bleiben noch drei Tage für den Versuch, eine Angel auszuwerfen.
Und wenn nicht, dann war die Angel wenigstens mal in Afrika….
Also liebe Leo - Fans,
Ich mach mich vom Acker, suche die Ochsenfroschohrstöpsel und dann gehts ab in die heia.
Viel Spaß bei „Wetten das“ oder so,
Wir machen Musik, da geht uns der Pelz hoch, la la la la la
Eure CharlotteWeiterlesen










ReisenderSuper Bericht wie immer.,Mit den Leopardeb muß ja toll gewesen sein.Besser gehts nimmer Viele Erkebnisse weiterhin wùnscht Beselin🤣😅😎👍