• Auf dem Holzweg…

    May 15 in Botswana ☀️ 26 °C

    Hallo Ihr Fährtenleser und Naturliebhaber,
    Hier haut Charlotte wieder auf die Tastatur.
    Beängstigend still war es, als wir vor Zehne durch die kalte Abendluft Richtung unserer Behausung stiefelten. Wieder begleitet, damit uns keiner wegfängt. Diesmal vom Barkeeper, wer weiß, womit er uns rausgehauen hätte 🤔? Es fehlte jegliches afrikanisches Grundrauschen, was man so kennt, egal ob vom Hippopool oder Savanne. Aber wir sind ja auch in der Wüste, sagt man. Sieht nicht so aus, doch am Fahrweg sieht und spürt man, dass überall weicher Sand ist. Die Bandscheiben bedanken sich und auch sonst liefert das sandkastengeeignete Silikat eine dämpfende Unterlage.
    Zum Sternenhimmel gibt’s nicht viel zu sagen, außer MEGA! Keine Lichtquelle verdirbt dir den staunenden Blick nach oben und eröffnet nie vorher gesehene Bilder aus Millionen strahlenden Punkten.
    Ohne Gesäusel aus den Baumwipfeln und das Zikadenzirpen vermissend, warfen wir uns in unruhigen Schlaf. Derweil sank das Quecksilber in den einstelligen Bereich und wollte sich da lange nicht wegbewegen.
    Wie die Menschen immer sind, zottelten sie sechs Uhr wortlos über die wegführenden Holzplanken zum Morgenkaffee. Und da waren sie! Deutliche Abdrücke von Leopards Samtpfötchen, die durch seinen Querfeldeinmarsch zu Sandpfötchen geworden waren. Gleich hinter unserer Behausung hat er zwei Mal den Weg gekreuzt und inspirierte mich zum Titel unseres Tages. Der Mond zeigte die schmalste aller Sicheln und so wäre uns ohne den Guide, der uns heute morgen abholte, der Barkeeper schlief sicher noch, diese Fährte gar nicht aufgefallen.
    Die beiden Menschen waren noch zu reaktionslos und unterkoffeiniert, dass sie weitab einer Idee zur Tatortsicherung waren. Schade, die Schlafmützen.

    Wenn ein großer Community - Tisch am Abend sehr illuster sein kann, hat man wenig Bock um sechs Uhr morgens in fremde zerknitterte Gesichter zu blicken oder gar Konversation zu üben. Nicht mal ein Stachelschwein war zu sehen, von dem man sich hätte ablenken lassen können. Verdammt.
    Die Frühstücksmamsell oder wie die freundlichen Dinger hier heißen, hat Kerstin auf den Kaffee gleich noch zwei Espresso draufgepumpt, um wenigstens die Basisfunktionen des Körpers abzusichern und schon zeichnete sich der Sonnenaufgang mit orangenen Streifen am Horizont ab.
    Dann kam ein tauglicher Spot für die versteckte Kamera zum ersten Ausflug, denn uns wurden - wir sollten sie ganz schnell liebgewinnen - gefütterte Ponchos übergestülpt, als hätten wir einen Ausflug in die Arktis geplant. Doch die Jungs hier wissen schon, was sie tun und sollten mit ihren Vorkehrungen Recht behalten. Außerirdische hätten uns wahrscheinlich als Deserteure eines Bio - Krieges beschrieben (schaut selbst!) , aber gefroren hat schon mal keiner. Das haben wir den Täubchen überlassen, die frostriert in den Büschen hingen und auf etwas Wärme warteten. Die Frankoline hatten auch über Nacht nicht gelernt, dass sie fliegen können und lieferten sich mit den Perlhühnern Wettrennen vor unserem Wagen.
    Anderes Land, andere Sitten: außer dem Fahrer, einem witzigen Guide mit Biolehrer-Hang, thronte über der Kühlerhaube der „Spotter“, den wir auf See auch Ausguck nennen würden. Ohne Helm und ohne Gurt aber mit spürbarem Eingeboreneninstinkt lavierte er den Fahrer mit kurzen Handzeichen durchs Gelände. Trotzdem haben wir den Löwen zuerst gesehen, denn der Schauinslandmann war wohl von einem Adler abgelenkt. Holzweg eben. Ätsch, gewonnen. Dann schenkte uns der Safarigott am Freitagmorgen vor Achte ein siebenköpfiges Löwenrudel auf jenem Airstrip, der uns gestern aufgenommen hatte. In besten Lichtverhältnissen, sich geschmeidig bewegend und hungrigen Auges witterten und beobachteten sie die direkt auf sie zustaksende Antilopen. Ein unglaubliches Schauspiel, wie sie sich flach auf den Boden drückten und nur abwarten mussten, dass das Unvermeidliche geschieht. Eine Löwin brach zur Ringfahndung auf, um von hinten etwas Fluchtdruck aufzubauen. Die Spannung war greifbar und nur die Biogasponchos raschelten beim Griffwechsel zwischen Kameras und Feldstecher. Obwohl wir gar keine Guckgläser gebraucht hätten, denn es waren keine zwanzig Meter zwischen uns. Der Späher war inzwischen ins Wageninnere geschlüpft und das war nicht verkehrt, denn als die Miezen ziemlich schnell ihren Plan aufgaben, uns ein blutiges Schauspiel zu liefern, schabten sie entlang der Landroverkarosse ins Gebüsch.
    Pferd meinte, dass sie uns nur nicht den Urlaub verderben wollten. Denn was kommt danach, wenn sieben Löwen auf freier Fläche ein Impala reißen?? So was darf erst am letzten Tag eingespielt werden, müssen wir der Frau Penzel noch sagen. Die BBC hätte uns Höchstpreise gezahlt.

    Wären die Löwinnen mit ihren jungen Burschen nicht im Dickicht verschwunden, es hätte noch Stunden dauern dürfen. So aber rollten wir vom Feld, nur um hinter einer Biegung, der Blickrichtung des inzwischen wieder aufgebockten Spähers folgend, einen Riesenhaufen Mist zu entdecken. Also echten Mist.
    Deren Erzeuger schmatzten sich in unsere Richtung und ließen ihre massigen Körper zwischen den Büschen große Schatten werfen. Zwei Breitmaulnashörnern bahnten sich den Weg auf uns zu und wurden nicht argwöhnisch, weil der Guide den Motor laufen ließ und sich somit keine Veränderung für ihre Puschelohren ergab. Phenomenal für den ersten Morningdrive, dem noch einige folgen werden.

    Über einer weiten Ebene der Kalahari sammelten sich an die zwanzig Blackwing Kites und suchten sich das kreuchende Frühstück zusammen. Ein Bataleur, was ein schicker Adler ist, zog hoch oben seine Kreise und Erdhörnchen und Erdmännchen spielten mit Schabrackenschakalen Fangen.
    Alles grünt und es gibt noch einige Wasserlöcher, die bald zu Schlammsuhlen und später zu trockenen zerfurchten Senken degenerieren werden. Geier nutzen die nun dann doch wärmende Sonne als Federtrockner nach einem reinigenden Bad und breiten ihre Schwingen aus. Enten schnattern übern Teich und ein Graureiher wartet auf schuppige Beute. Afrika at its best 👌🏻.
    Im Zwiebelschälmodus passten sich die Menschen den steigenden Temperaturen an und wie es uns beiden Pelzchen geht, interessiert keinen.
    Jetzt nach dem frühen Lunch bin ich wieder gut genug. Sitz mit Kerstin draußen im Schatten und außer einem Drongo hören wir wieder….nichts. Die Kerle pennen, Haben ja auch schon ein Bier gezischt. Diese Stunden zwischen den Ausfahrten sind Erholung für Körper und Seele. Jeder nach seiner Façon.
    Orangebraune Monarchfalter wirbeln durch die Luft und wo gestern Abend sich die gepriesenen Kapohreulen die weißen Schwingen abklatschten, äsen jetzt lautlos die Impalas. Mannomann, wenn das so weitergeht….
    In zwei Stunden ist Teatime wie bei Königs und dann geht’s wieder aufs Gefährt. Wenn mir was vor die Linse kommt, melde ich mich wieder.
    Bis dahin, nicht drängeln beim Wochenendeinkauf!
    Eure Charlotte
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