• Vier Männer und ein Glace 🍦

    Jun 11–13 in Denmark ⋅ ☀️ 16 °C

    Der Tag begann ziemlich grau. Unser erstes Ziel war Esbjerg, denn ich wollte unbedingt die berühmten vier weissen Männer von Mennesket ved Havet sehen. Also stapfte ich bei Nieselregen zu den riesigen Figuren hinaus, während Roger vermutlich kurz über meinen Geisteszustand nachdachte (wir hatten ja die Figuren schon im 2017 gesehen). 😄 Die vier neun Meter hohen Betonskulpturen sitzen seit 1995 am Meer und blicken stoisch Richtung Horizont. Sie symbolisieren die Begegnung des Menschen mit der Natur und sind inzwischen das Wahrzeichen von Esbjerg. Bei schönem Wetter sollen sie sogar von Schiffen auf See aus sichtbar sein.

    Lange blieben wir allerdings nicht. Der Stellplatz konnte uns nicht überzeugen, also rollte ObeliX weiter südwärts. Unterwegs zeigte sich Dänemark von seiner sanfteren Seite: weniger Wind und tatsächlich wurde das Wetter mit jedem Kilometer freundlicher.

    Unser nächstes Ziel war Ribe – und das entpuppte sich als Volltreffer. Die kleine Stadt gilt als die älteste Stadt Dänemarks und blickt auf eine Geschichte von über 1'300 Jahren zurück. Bereits im 8. Jahrhundert war sie ein bedeutender Handelsplatz der Wikinger. Heute locken kopfsteingepflasterte Gassen, schiefe Fachwerkhäuser und eine Altstadt, die aussieht, als hätte jemand das Mittelalter liebevoll konserviert.

    Also machten wir uns am Nachmittag auf zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die malerischen Strassen. Hinter jeder Ecke wartete ein neues Fotomotiv, und die Sonne gab inzwischen sogar ihr Bestes.

    Über allem wacht der Dom von Ribe, die älteste Kathedrale Dänemarks. Der Dom steht an jener Stelle, an der bereits um das Jahr 860 die erste christliche Kirche des Landes errichtet wurde. Der heutige Bau aus hellem Tuffstein und roten Backsteinen wirkt von aussen fast wie eine kleine Festung und erzählt mit seinen verschiedenen Baustilen von fast tausend Jahren Geschichte. Im Innern überrascht der Dom mit seiner schlichten Weite – und natürlich hängt auch hier das in dänischen Kirchen fast schon obligatorische Schiff von der Decke. ⛵

    Auf dem Domplatz begegneten wir ausserdem Ansgar. Zum Glück nicht persönlich – das wäre nach über 1'100 Jahren doch etwas überraschend gewesen. 😄 Die moderne Bronzestatue erinnert an den Missionar und späteren Erzbischof Ansgar, der als «Apostel des Nordens» gilt und in Ribe die erste Kirche Dänemarks gründete. Die Skulptur wurde erst 2015 aufgestellt und schlägt damit eine elegante Brücke zwischen der Wikingerzeit und der Gegenwart.

    Auch begegneten wir dem rauchenden Hans Adolf Brorson. Der Mann war von 1741 bis 1764 Bischof von Ribe und gehört bis heute zu den bekanntesten dänischen Kirchenlieddichtern. Über 100 seiner Lieder schafften es ins dänische Gesangbuch. Seine Weihnachtshymne «Den yndigste rose er funden» ist so beliebt, dass ihre Melodie noch heute täglich um 8 Uhr und 18 Uhr vom Glockenspiel des Doms über die Dächer von Ribe erklingt. 🎶

    Und dann der krönende Abschluss: ein Glace in der Sonne. Nach einem verregneten Start in den Tag schmeckte das ungefähr doppelt so gut. 🍦☀️

    Fazit des Tages: Vier Männer im Regen, eine uralte Stadt im Sonnenschein und zwei zufriedene Reisende im ObeliX. Viel mehr braucht es manchmal gar nicht für einen gelungenen Reisetag.
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