Naturanleger bei der Schleuse la Planque
May 1–3 in France ⋅ 🌬 17 °C
Heute haben wir uns nur ein ganz kleines Stück verlegt – gerade einmal drei Kilometer bis zum Anleger vor der ersten Schleuse. Da heute in Frankreich der 1. Mai und damit Feiertag ist, bleiben alle Schleusen geschlossen. Für uns war das aber überhaupt kein Problem. Unser Ziel war ohnehin nur, aus der Stadt herauszukommen und wieder etwas mehr Ruhe und Natur um uns zu haben.
Hier liegen wir nun wunderbar entspannt, auch wenn es heute ordentlich windig ist. Das Boot schaukelt immer mal wieder leicht in den Böen, aber genau solche Tage eignen sich perfekt, um ein paar Dinge zu erledigen, die sonst gerne liegen bleiben.
Timo hat sich direkt an die Arbeit gemacht und schon einmal fleißig Belege für unsere Steuererklärung 2025 eingescannt. Ich habe die Zeit ebenfalls sinnvoll genutzt und hier bei Pinguin unsere Reisetexte nachgeholt, Einträge überarbeitet und unsere Route aktualisiert. Das hatte ich in der letzten Woche doch ein wenig vernachlässigt.
So wurde aus einem kurzen Fahrtag ein richtig produktiver Hafentag – und gleichzeitig genießen wir es sehr, wieder mitten in der Natur zu sein.
Am nächsten Morgen wachten wir bereits mit ordentlich Wind auf. Die Böen erreichten zeitweise bis zu 80 km/h, und schon beim ersten Blick nach draußen war klar: Heute wird es ungemütlich und wir bleiben noch hier.
Wir lagen immer noch am Holzsteg vor der Schleuse. Bereits am Vortag hatte uns ein Radfahrer darauf hingewiesen, dass man dort eigentlich nicht liegen dürfe. Ich konnte das noch mit guten Gewissens rechtfertigen, dass die Schleusen aufgrund des Feiertags ohnehin außer Betrieb waren. Heute Morgen meldete sich dann aber doch mein schlechtes Gewissen.
Timo lief deshalb extra zu einem Mitarbeiter von VNF, um nachzufragen, ob wir wegen des starken Windes dort noch bleiben dürften. Seine Antwort war eindeutig: Kein Problem, wir könnten ruhig liegen bleiben.
Gerade als wir gemütlich beim Frühstück saßen, hörten wir plötzlich ein Boot mit Vollgas heranfahren. Zwei Franzosen auf einem privaten Boot kamen direkt auf uns zu und begannen sofort, uns lautstark anzupöbeln, dass man hier nicht liegen dürfe. Warum sie dabei auch noch eine Vollbremsung direkt vor uns hinlegen mussten, bleibt wohl ihr Geheimnis – schließlich konnte man uns schon lange vor der Kurve sehen. Bei diesem Wind überhaupt unterwegs zu sein, erschien uns ohnehin mehr als fragwürdig.
Timo reagierte trotzdem ganz gelassen, lief sogar noch schnell zur Schleuse und öffnete sie für die beiden. Freundlicher wurden sie dadurch allerdings nicht.
Um weiteren Ärger aus dem Weg zu gehen, verlegten wir die Tinka anschließend ein kleines Stück nach hinten an die Böschung. Nicht ganz so
bequem wie zuvor, aber genauso sicher – und deutlich stressfreier.
Kurz darauf kamen die sympathischen Australier vorbei, die wir bereits in Castelnaudary kennengelernt hatten. Wir halfen ihnen an der Schleuse, und es war wirklich schön, sie wiederzutreffen. Solche Begegnungen machen das Reisen auf dem Wasser einfach besonders.
Später drehten wir noch eine große Runde mit Fiete. Auf dem Rückweg beschlossen wir dann ganz spontan, einfach loszujoggen – direkt bis zurück zum Boot. Unglaublich, aber damit ist wohl offiziell der Startschuss für unsere neue Jogging-Karriere gefallen.
Am Nachmittag wurde es dann noch einmal spannend. Ein Mietboot mit drei Damen an Bord kämpfte sichtlich mit dem starken Wind. Wir rannten sofort zur Schleuse, halfen beim Festmachen und gaben ihnen den Rat, lieber direkt hinter der Schleuse für die Nacht anzulegen.
Leider war das bei diesen Bedingungen leichter gesagt als getan. Der Wind machte ihnen das Manövrieren nahezu unmöglich. Also sprang Timo kurzerhand an Bord und brachte das Mietboot sicher an den Steg. Die drei waren unglaublich erleichtert und sehr dankbar.
Danach kehrte wieder Ruhe ein. Wir genossen den restlichen Abend an Bord und waren einmal mehr froh, an diesem stürmischen Tag sicher und gemütlich festgemacht zu haben.Read more









