Grisolles
May 9–10 in France ⋅ ☁️ 19 °C
Heute Morgen bin ich aufgewacht und stellte direkt fest, dass wir keinen Strom mehr an Bord hatten. Natürlich habe ich als Erstes nach den Sicherungen geschaut, aber die waren alle völlig in Ordnung. Dann fiel mir auf, dass unser Stromumwandler überhaupt kein Licht mehr anzeigte. Ab da wusste ich ehrlich gesagt erst einmal nicht weiter.
Also weckte ich Timo, der sich sofort ebenfalls auf Fehlersuche machte. Währenddessen ging ich erst einmal mit Fiete eine Runde spazieren und holte frische Croissants und Baguette. Als ich zurückkam, telefonierte Timo bereits mit Kurt – und kurz darauf funktionierte tatsächlich wieder alles. Wir waren wohl versehentlich gegen einen Schalter gekommen, der die komplette Stromzufuhr kappt. Quasi ein versteckter Notschalter. Zum Glück also nichts Ernstes.
Danach konnten wir ganz entspannt frühstücken.
Kurz darauf kam allerdings schon die nächste Nachricht von VNF: Der Kanal bleibt heute bis 13 Uhr gesperrt, da offenbar ein Auto in den Kanal gefallen war. Also beschlossen wir, uns einfach Zeit zu lassen.
Ich ging noch einmal einkaufen – diesmal in einen richtig tollen Obst- und Gemüseladen. Frisches Gemüse durfte natürlich mit, und der fantastische Kuchen, der mich schon seit Tagen aus dem Schaufenster anlachte, schließlich auch.
Zurück an Bord wurde noch geduscht, abgewaschen und der Wassertank aufgefüllt. Danach konnten wir endlich ablegen.
Wir steckten den Schlüssel in die Schlüsselbox und fuhren los – die letzten Kilometer auf dem Canal du Midi. Irgendwie ein komisches Gefühl.
Vor den Schleusen hängt hier inzwischen eine Stange über dem Kanal, die man drehen muss. Dadurch wird die Schleuse vorbereitet, und die Tore öffnen sich automatisch. Das funktionierte heute alles erstaunlich gut.
Allerdings verändert sich die Umgebung hier deutlich. Der Kanal wirkt nicht mehr ganz so idyllisch wie zuvor. Unter vielen Brücken stehen Zelte oder improvisierte Hütten. An einer Brücke sahen wir mehrere obdachlose Drogensüchtige, die sich sehr auffällig verhielten und fast apathisch wirkten. Das war schon ein etwas beklemmender Anblick und fühlte sich ehrlich gesagt ziemlich unangenehm an.
Nach den letzten drei Schleusen erreichten wir schließlich das große Bassin, an dem der Canal du Midi in den Canal de la Garonne übergeht. Diesem folgten wir anschließend weiter. Im Moment wirkt dieser Abschnitt allerdings noch nicht ganz so schön – auf der einen Seite die Bahnstrecke, auf der anderen die Autobahn.
Dafür machten wir heute ordentlich Strecke: ungefähr 37 Kilometer und insgesamt 13 Schleusen. Gegen 19 Uhr erreichten wir schließlich ziemlich erschöpft unseren heutigen Liegeplatz.
Natürlich gingen wir zuerst noch eine Runde mit Fiete. Dabei kam dann ein Mann vorbei, dessen Boot ein Stück vor uns lag. Sein Motor war kaputt, und er fragte ganz vorsichtig, ob wir ihn morgen bis ins nächste Dorf abschleppen könnten. Natürlich sagten wir sofort zu. Zwischen neun und zehn Uhr wollen wir morgen gemeinsam los.
Zum Abendessen gab es dann noch einmal das herrliche Baguette vom Morgen, bevor wir ziemlich müde früh ins Bett gefallen sind.Read more







