• Der Bosporus

    January 31 in Turkey ⋅ 🌧 8 °C

    An diesem Tag scheint morgens die Sonne und eine Katze von uns Vieren geht erstmal joggen 😉

    Wir anderen drei suchen das vegane Wohnzimmer-Café Vacilando auf, das uns zuerst mal mit zwei hauseigenen Katzen begrüsst. Um 09 Uhr sind wir die ersten Kundinnen, Istanbul macht morgens erstmal langsam, stellen wir auch allgemein auf den Straßen fest. Und auch dieser Ort besticht mit wahnsinnig guter Musik im Hintergrund, die Bedienung ist extrem zuvorkommend und wir fühlen uns mehr als rundum versorgt (nur der Kaffee ist wiedermal stärker als gewohnt und wir teilen uns die eine Tasse Cappuccino lieber). Quiche, Galette, Granola und einen unvergesslichen Saft aus schwarzen Maulbeeren zu Schoki- und Blutorangenkuchen mit Mandelmus später, hat sich leider auch die Sonne verzogen. Mit Regenjacke, Mützen und Schirmen trotzden wir dem aufkommenden Regen und ich entführe die anderen drei ungünstigerweise in die falsche Richtung, zur vermeintlichen Ablegestelle der Schiffe für die Bosporusrundfahrt, die wir gebucht haben.
    Also ab in den nächsten Bus, überfüllt und im dichten Autoverkehr feststeckend, kommen wir trotzdem noch rechtzeitig am Bootsableger Kabatas an. Da gibt's endlich den langersehnten typischen Sesamring - den Simit - für alle mit Frischkäse. An Board das Wasser aus der Plastikverpackung mit Aludeckel und deutschem Audioguide über eine App bestaune ich die langen schwebenden schwarzen Ketten aus Kormoranen, die dicht über die Wellen wabern. Die Geschichtsträchtigkeit der uralten osmanischen Tradition trieft aus der Rumeli-Festung und anderen Villen und Burgen am Ufer und ich bin voll in meinem Element - dem Betrachten und Wahrnehmen. Es ist eine Art Zwischenenergie aus den beiden Meeren, die hier zusammentreffen, die mich ehrfürchtig macht. Ihr Wasser dringt durch alle Ritzen des Touristenbootes, dessen Teppich sich vollsaugt - und bald auch mein Stoffrucksack. Alles wird klamm und kalt. Und als sich zurück am Ufer herausstellt, dass das ersehnte Kebaprestaurant nicht EINE vegetarische Option im Menu bieten kann, streunen wir ein letztes Mal durch die mit nass glänzenden Pflastersteinen gedeckten Gassen, immer steil, auf Futtersuche. Wir werden fündig und glücklich, endlich mit Pide und anderen Köstlichkeiten sowie wiederholt mit einer Unzahl an Bedienenden und Granatapfelsaft versorgt. Wir ziehen dafür in den Innenraum um, weil im Wintergarten ähnlichen Außenraum mal wieder hemmungslos geraucht wird. Drinnen spielen wir ein cooles Kartenspiel mit tiefgreifenden Fragen und ich falle spät abends mit einem Kopf voller neuer Eindrücke und einem Herz voller Verbundenheit ins Bett.
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