• Lena Künzig
  • Lena Künzig

4 Cats in Istanbul

Zum 30. Geburtstag von Lisa schenken Anna, Isi und ich ihr einen Städtetrip. 2 Jahre und einige organisatorische Videocalls später landen wir für 3 Tage in Istanbul. Read more
  • Trip start
    January 29, 2026

    Galata

    January 29 in Turkey ⋅ 🌧 14 °C

    Früh morgens beginnt die Reise für Lisa und mich in Leipheim. Wir fahren an den Flughafen nach Stuttgart und landen wenige Stunden später in Istanbul. Dort werden wir vom Flughafen-Shuttle des Hotels abgeholt und sind schonmal beeindruckt von dessen Sternenhimmel-Interieur. Der Name Istanbul bedeutet so viel wie "in die Stadt" und kommt aus der Zeit, in der es noch Konstantinopel hieß und selbstverständlich die einzig wahre Stadt überhaupt war! Von der Autobahn abgefahren windet sich unser Taxi schon bald durch die engen belebten Straßen Istanbuls, grob bepflastert und steil. Wir checken ein und streunern kurz darauf neugierig los, der Galataturm ist ganz nah.
    Das erste Abendessen gibt es in einem Roof-Top-Restaurant mit faszinierender Aussicht auf die blinkende Stadt und den nachtschwarzen Bosporus. Die Krönung gleich zu Beginn ist der Iskender Kebap, den Lisa und ich uns teilen. Danach beginnt es heftig zu stürmen und zu regnen - zum Glück nur über den Dächern. Als wir uns zurück in die vor Selfie-Touris wimmelnden Gassen aufmachen, auf der Suche nach einem Dessert, spürt man Regen und Sturm kaum.
    Es scheint eine Art Cheesecake mit Schokosauce zu sein, der hier das Rennen macht und jeden Augenblick auf allen Tischen auf der Straße serviert wird. Wir stehen schnell fest: erstens sitzen die Türk:innen auch zu dieser Jahreszeit gut eingepackt draußen, zweitens weil sie viel rauchen, und drittens müssen wir diesen Cheesecake unbedingt selbst alles genießbar verifizieren 😉
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  • Stadt der Gesänge

    January 30 in Turkey ⋅ 🌧 11 °C

    Nachdem das Einschlafen am Abend vorher verzögert wurde durch den klickernden Kühlschrank der Unterkunft und dadurch, dass Lisa und ich uns zunächst nur eine Bettdecke teilen müssen, werde ich am nächsten Morgen geweckt durch die wunderbaren Möwenschreie, die ich in Städten am Wasser sehr liebe. Der erste Gesang der Muezzine untermalt die Motorengeräusche in der Gasse unter uns, als es noch dunkel ist.
    Es ist Annas Geburtstag und der beginnt mit einem Brunch im Limon Kahvalti aus typisch türkischen Mezze:
    Gesalzene und geräucherte Butter, die eher nach Schmalz schmeckt, hart gekochte und gebratene Eier in einem noch heißen Pfännchen, gesüßtes Tahin, Lemon Curd mit Frischkäse, eine Käseplatte mit den vielen nach Ziege und Schaf schmeckenden Sorten, Muhammara und scharfe Pasten, Oliven und salzige Donuts und French Toast. Mein Körper empfindet das alles andere als nahrhaft, mir fehlen Gemüse, Ballaststoffe und Vitamine. Mein Herz dagegen geht auf vor Neugier, exotischen Geschmäckern und Düften und der Lust am Schlemmen. Unsere kleinen lustigen bauchigen Gläschen werden mit schwarzem Tee aus der Thermoskanne ungefragt aufgefüllt und wir erfreuen uns am kulinarischen Entdecken.

    Danach geht es los: zu Fuss über die Galata-Brücke mit ihren Anglern zur Hagia Sofia. Auf dem Platz davor angekommen erinnere ich mich sofort an diese besondere Atmosphäre, die ich hier schon vor 11 Jahren bei meinem letzten Besuch im Studium wahrgenommen habe. Wir werden still und schauen. Betrachten die Schlangen aus Touristen und Betenden (seit 2020 ist die Ayasofya nicht mehr Museum, sondern wieder Moschee). Möwen, Tauben, Palmen und der Blick auf die Blaue Moschee in Sichtweite gegenüber. Wir verzichten auf einen Eintritt und ich erinnere mich an ihre Schätze im Innern. Meine Augen hängen an ihren unaufgeregten, historischen Details aus rotem Stein. Und sie steht nach wie vor erhaben seit über 1500 Jahren, während die ganze Stadt mehrmals in Schutt und Asche um sie herum darniederlag! Dieses Bauwerk ist eines der großen Wunder der Architekturgeschichte für mich und strahlt etwas unglaublich Kraftvolles, Unerschütterliches aus. Endlich Gänsehaut und Vibration am ganzen Körper, als die Muezzine wieder anstimmen.

    Um dem Regen zu entfliehen, kommt uns der nächste geplante Programmpunkt sehr entgegen - der Große Bazaar (Kapali Çarsi), wo uns die Verkäufer schon empfangen mit ihren lustigen Sprüchen wie "let us help you spend your money on things you don't need!" 😄😄
    Grundsätzlich bekomme ich ein freundliches, entspanntes und offenes Bild von den immer männlichen Standbesitzern, Bedienungen und Bartendern, mit denen wir ins Gespräch kommen und die uns ständig Geschenke machen - gratis Kaffees, Shots und Trockenfrüchte.

    Dann gibt es endlich einen frisch gepressten Granatapfelsaft, der meinen Körper jauchzen lässt vor Nährstoffzufuhr während meiner Periode! 🥳 damit treten wir den Rückweg nach Beyoglu an, wo Lisa und ich uns abkapseln und auf Empfehlung das super feine Baklava-Café Karaköy Güllüoglu Nadir Güllü aufsuchen, finden und eine richtig gute Zeit haben ♥️

    Die anderen beiden treffen wie wieder zum Znacht im Kuffettepera zum Manti essen - exquisit! Und zum Abschluss wird angestoßen auf Anna, Lisa, uns und das Leben in der Freds Bar, wo wir besagte Shots geschenkt bekommen (danke Ruzgar!) und uns wiederholt die großzüge Gastfreundlichkeit und Offenheit / Gelassenheit der Türken auffällt.
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  • Der Bosporus

    January 31 in Turkey ⋅ 🌧 8 °C

    An diesem Tag scheint morgens die Sonne und eine Katze von uns Vieren geht erstmal joggen 😉

    Wir anderen drei suchen das vegane Wohnzimmer-Café Vacilando auf, das uns zuerst mal mit zwei hauseigenen Katzen begrüsst. Um 09 Uhr sind wir die ersten Kundinnen, Istanbul macht morgens erstmal langsam, stellen wir auch allgemein auf den Straßen fest. Und auch dieser Ort besticht mit wahnsinnig guter Musik im Hintergrund, die Bedienung ist extrem zuvorkommend und wir fühlen uns mehr als rundum versorgt (nur der Kaffee ist wiedermal stärker als gewohnt und wir teilen uns die eine Tasse Cappuccino lieber). Quiche, Galette, Granola und einen unvergesslichen Saft aus schwarzen Maulbeeren zu Schoki- und Blutorangenkuchen mit Mandelmus später, hat sich leider auch die Sonne verzogen. Mit Regenjacke, Mützen und Schirmen trotzden wir dem aufkommenden Regen und ich entführe die anderen drei ungünstigerweise in die falsche Richtung, zur vermeintlichen Ablegestelle der Schiffe für die Bosporusrundfahrt, die wir gebucht haben.
    Also ab in den nächsten Bus, überfüllt und im dichten Autoverkehr feststeckend, kommen wir trotzdem noch rechtzeitig am Bootsableger Kabatas an. Da gibt's endlich den langersehnten typischen Sesamring - den Simit - für alle mit Frischkäse. An Board das Wasser aus der Plastikverpackung mit Aludeckel und deutschem Audioguide über eine App bestaune ich die langen schwebenden schwarzen Ketten aus Kormoranen, die dicht über die Wellen wabern. Die Geschichtsträchtigkeit der uralten osmanischen Tradition trieft aus der Rumeli-Festung und anderen Villen und Burgen am Ufer und ich bin voll in meinem Element - dem Betrachten und Wahrnehmen. Es ist eine Art Zwischenenergie aus den beiden Meeren, die hier zusammentreffen, die mich ehrfürchtig macht. Ihr Wasser dringt durch alle Ritzen des Touristenbootes, dessen Teppich sich vollsaugt - und bald auch mein Stoffrucksack. Alles wird klamm und kalt. Und als sich zurück am Ufer herausstellt, dass das ersehnte Kebaprestaurant nicht EINE vegetarische Option im Menu bieten kann, streunen wir ein letztes Mal durch die mit nass glänzenden Pflastersteinen gedeckten Gassen, immer steil, auf Futtersuche. Wir werden fündig und glücklich, endlich mit Pide und anderen Köstlichkeiten sowie wiederholt mit einer Unzahl an Bedienenden und Granatapfelsaft versorgt. Wir ziehen dafür in den Innenraum um, weil im Wintergarten ähnlichen Außenraum mal wieder hemmungslos geraucht wird. Drinnen spielen wir ein cooles Kartenspiel mit tiefgreifenden Fragen und ich falle spät abends mit einem Kopf voller neuer Eindrücke und einem Herz voller Verbundenheit ins Bett.
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    Trip end
    February 1, 2026