• Stadt der Gesänge

    January 30 in Turkey ⋅ 🌧 11 °C

    Nachdem das Einschlafen am Abend vorher verzögert wurde durch den klickernden Kühlschrank der Unterkunft und dadurch, dass Lisa und ich uns zunächst nur eine Bettdecke teilen müssen, werde ich am nächsten Morgen geweckt durch die wunderbaren Möwenschreie, die ich in Städten am Wasser sehr liebe. Der erste Gesang der Muezzine untermalt die Motorengeräusche in der Gasse unter uns, als es noch dunkel ist.
    Es ist Annas Geburtstag und der beginnt mit einem Brunch im Limon Kahvalti aus typisch türkischen Mezze:
    Gesalzene und geräucherte Butter, die eher nach Schmalz schmeckt, hart gekochte und gebratene Eier in einem noch heißen Pfännchen, gesüßtes Tahin, Lemon Curd mit Frischkäse, eine Käseplatte mit den vielen nach Ziege und Schaf schmeckenden Sorten, Muhammara und scharfe Pasten, Oliven und salzige Donuts und French Toast. Mein Körper empfindet das alles andere als nahrhaft, mir fehlen Gemüse, Ballaststoffe und Vitamine. Mein Herz dagegen geht auf vor Neugier, exotischen Geschmäckern und Düften und der Lust am Schlemmen. Unsere kleinen lustigen bauchigen Gläschen werden mit schwarzem Tee aus der Thermoskanne ungefragt aufgefüllt und wir erfreuen uns am kulinarischen Entdecken.

    Danach geht es los: zu Fuss über die Galata-Brücke mit ihren Anglern zur Hagia Sofia. Auf dem Platz davor angekommen erinnere ich mich sofort an diese besondere Atmosphäre, die ich hier schon vor 11 Jahren bei meinem letzten Besuch im Studium wahrgenommen habe. Wir werden still und schauen. Betrachten die Schlangen aus Touristen und Betenden (seit 2020 ist die Ayasofya nicht mehr Museum, sondern wieder Moschee). Möwen, Tauben, Palmen und der Blick auf die Blaue Moschee in Sichtweite gegenüber. Wir verzichten auf einen Eintritt und ich erinnere mich an ihre Schätze im Innern. Meine Augen hängen an ihren unaufgeregten, historischen Details aus rotem Stein. Und sie steht nach wie vor erhaben seit über 1500 Jahren, während die ganze Stadt mehrmals in Schutt und Asche um sie herum darniederlag! Dieses Bauwerk ist eines der großen Wunder der Architekturgeschichte für mich und strahlt etwas unglaublich Kraftvolles, Unerschütterliches aus. Endlich Gänsehaut und Vibration am ganzen Körper, als die Muezzine wieder anstimmen.

    Um dem Regen zu entfliehen, kommt uns der nächste geplante Programmpunkt sehr entgegen - der Große Bazaar (Kapali Çarsi), wo uns die Verkäufer schon empfangen mit ihren lustigen Sprüchen wie "let us help you spend your money on things you don't need!" 😄😄
    Grundsätzlich bekomme ich ein freundliches, entspanntes und offenes Bild von den immer männlichen Standbesitzern, Bedienungen und Bartendern, mit denen wir ins Gespräch kommen und die uns ständig Geschenke machen - gratis Kaffees, Shots und Trockenfrüchte.

    Dann gibt es endlich einen frisch gepressten Granatapfelsaft, der meinen Körper jauchzen lässt vor Nährstoffzufuhr während meiner Periode! 🥳 damit treten wir den Rückweg nach Beyoglu an, wo Lisa und ich uns abkapseln und auf Empfehlung das super feine Baklava-Café Karaköy Güllüoglu Nadir Güllü aufsuchen, finden und eine richtig gute Zeit haben ♥️

    Die anderen beiden treffen wie wieder zum Znacht im Kuffettepera zum Manti essen - exquisit! Und zum Abschluss wird angestoßen auf Anna, Lisa, uns und das Leben in der Freds Bar, wo wir besagte Shots geschenkt bekommen (danke Ruzgar!) und uns wiederholt die großzüge Gastfreundlichkeit und Offenheit / Gelassenheit der Türken auffällt.
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