Was braucht der Mensch?
May 6 in Spain ⋅ ☀️ 9 °C
Gestern Abend in einem Schlafsaal mit mehr als 20 Doppelstockbetten, getrennt durch Vorhänge lag ich in der unteren Etage unseres Bettes und sinnierte so vor mich hin, was ein Mensch so alles brauche. Es ist wohl nicht viel, was man benötigt, um zufrieden oder auch glücklich zu sein. Es genügt eine Gelegenheit, sich ausruhen zu können, eine einigermaßen hygienische Wasserstelle zum Waschen und Zähneputzen, eine Möglichkeit, sich zu setzen, um in Ruhe essen und trinken zu können, Menschen zum Austausch von Gedanken, Planungen und Meinungen. Es ist also nicht so viel. Wichtig sind vor allem die klassischen fünf Sinne: Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken. Für mich persönlich wichtig ist seit einigen Tagen Krücky, der mir auch heute wieder wertvolle Dienste leisten sollte. Nun gut, die Nacht war heute morgen gegen 06.45 h, also zu gewohnter Zeit beendet. Für heute hatten wir uns nur eine kurze Strecke von ca 7 km bis nach Arcade/Ponte Sampaio vorgenommen. Dass es dann doch etwa 10 km geworden sind, ist dem Umstand geschuldet, dass wir uns in Rondela noch den Fischereihafen angesehen haben. Wir hatten gar nicht auf dem Schirm, dass Redondela noch am Atlantik liegt. Die Strecke von diesem Hafen bis nach Cesantes war angenehm zu laufen. Kurz vor Cesantes erreichten wir sodann den klassischen Jakobsweg wieder, der es in sich hatte. Ich hatte gestern über den steilen Abstieg nach Redondela berichtet und uns glücklich geschätzt, dass wir die Strecke nicht zurückwandern müssen. Der Aufstieg von Cesantes zur Ruine der Herberge von Malaposta hat uns gefordert. Auf einer Strecke von 1. 000 m waren Steigungen von bis zu 15% zu überwinden, was uns ganz schön ausser Atem oder auch ins Schwitzen gebracht hat. An der Ruine erwartete uns ein eine Harfe spielendes Mädchen nahe einer alten Wasserstelle. Wir hatten die höchste Stelle unseres heutigen Teilstücks aber noch nicht erreicht. Beim weiteren Anstieg bemerkten wir an einer unscheinbaren Stelle andere "Pelegrinos", die auf irgend etwas zu warten schienen. Die Anzahl der Pilger hat seit Tui offensichtlich merklich zugenommen. Jedenfalls sahen wir dann ein Hinweisschild "stamp" in Richtung eines Gartens. Mindestens15 Pelegrinos warteten geduldig darauf, den bis dahin wohl wertvollsten Stempel in den Pilgerpass zu bekommen: ein junger schrieb mit einem echten Federhalter das heutige Datum in den Pass und versah ihn darauf hin mit einem Wachsstempel. Ein echter Hingucker, sowohl der Stempler als auch der Stempel. Wenige 100 m weiter hatten wir die höchste Stelle unseres heutigen Weges erreicht und konnten bergab nach Arcade gehen, einem Ort, der ebenfalls noch am Atlantik gelegen ist. Die freundliche Hosteliera aus der Herberge in Redondela hatte uns dabei geholfen, in der Herberge O Lar de Pepa in Arcade zwei Betten zu reservieren. Bei Margerita (nicht Pizza, wie sie selbst betonte) haben wir für 30 € ein Doppelzimmer mit breitem Bett und eigener Dusche und WC bekommen. Besser konnte es uns nicht ergehen. Margerita stammt übrigens aus Polen und spricht besser deutsch als spanisch. Wir sind echte Glückspilze.
Die auf dem Titelbild zu sehenden Gebäude begegnen uns hier in Galizien allenthalben. Es handelt sich mitnichten um kleine Kapellen, sondern um sogenannte Horreos, alte Heu- und Getreidespeicher, die aus Stein oder Holz auf Stelzen gestellt worden waren, umfasst Lagergut vor Feuchtigkeit und Ungeziefer zu schützen.Read more



























