• Die letzten 7.490 Meter

    May 11 in Spain ⋅ ⛅ 14 °C

    Wir haben es tatsächlich geschafft: 260 km des Fussweges von Porto nach Santiago de Compostela, wie die Urkunden es festgehalten haben. In unserer Planung waren wir noch von 20 Teilabschnitten ausgegangen, wir haben nur 17 benötigt. Nach einem ausgiebigen Frühstück, das wir um 07.00 Uhr zu uns genommen haben, haben uns mit leichterem Gepäck (was, wie sich später noch herausstellen sollte, dennoch zu groß war) auf die kürzeste und gleichzeitig letzte Route zu unserem 1. Ziel, St. Jacob auf dem Sternenfeld, zu begeben. Wir waren an noch keinem Tag so wenigen Pilgern begegnet, wie heute. Das lag zum einen sicherlich daran, dass heute Montag ist, zum anderen aber auch daran, dass die meisten pilgernden sich in den Kopf gesetzt hatten, gestern in Santiago ankommen zu wollen. Das Wetter hat uns heute einmal mehr positiv überrascht. Es tröpfelte zwar ab und zu, aber so wenig, dass wir weder den Rucksack noch uns wasserdicht verpacken mussten. Die Wettervorhersage war sehr viel pessimistischer gewesen. Bis auf die letzten etwa 2 km durch die Rand- gebiete Santiagos war auch dieser kurze Trip ein Erlebnis. Die Strecke war ausgesprochen hügelig und führte uns zunächst von Milladoiro Novo, wie wir zwischenzeitlich gelernt haben, hinunter nach O Porto de Conxo und dann ein Stück entlang des Flüsschen Sar. Unterwegs hatten freundliche Spanier Stände aufgebaut oder boten aus ihren Häusern heraus zu essen und zu trinken an, aber auch die Möglichkeit, seine Stempelsammlung zu vervollständigen. Der Weg durch die kleinen Bauernschaften schenkte uns auch wieder den Anblick vollkommen unterschiedlicher Horreos oder kleinen Katen, wie es sie bei uns in Deutschland wohl nicht mehr gibt, die jedenfalls bei uns nicht mehr als Wohnungen genutzt würden. In Santiago wartete vor der Kathedrale Ekkehard auf uns. Weil wir den Eingang in die Kirche am Hauptportal vermuteten, haben wir uns zunächst verpasst. Angeblich aus Sicherheitsgründen ist der Eingang jedoch vor 7 Jahren in einen der rückwärtigen Türme verlegt worden. Wenn ich den Reiseführer richtig studiert hätte, wäre mir das bekannt gewesen. Da ich Ekkehard zunächst telefonisch nicht erreichen konnte, haben wir beschlossen, unser Glück beim Pilgerbüro zu versuchen. Wir wollten unsere Urkunden ausstellen lassen und abholen. Wir hatten von Wartezeiten von bis zu 5 Stunden gehört. Wir brauchten uns in keiner Schlange eizureihen. Wir mussten an einem Computer unsere Daten eingeben, bekamen einen QR Code ausgedruckt, wurden an Schalter 8 verwiesen, wo uns eine nette Dame aus Taipeh half, falsche Angaben zu berichtigen und uns dann die Urkunden auszustellen und zu überreichen. Wir waren keine 5 Minuten im Pilgerbüro. Danach haben wir doch noch den richtigen Eingang zur Kathedrale und davor auf einer Mauer sitzend auch Ekkehard gefunden. Weil der Rucksack, den Phami mitgenommen hatte, zu groß war, durften wir zunächst nicht in die Kirche. Erst nachdem Ekkehard sich angeboten hatte, auf unser Gepäck aufzupassen, sind wir für heute nur im Schnelldurchgang durch die Kirche gefegt, da wir Mittwoch und Donnerstag noch einmal in Santiago sein werden. Dann haben kein sperriges Gepäck, dafür genügend Zeit mit uns, um uns in aller Ruhe vor den großen Pilgeranstürmen in der Kirche umsehen können. Bei dem Gang von Milladoiro nach Santiago überkam mich dann doch die Wehmut, dass dieses tolle Erlebnis sich dem Ende zuneigt. Natürlich werden wir noch weitere Sachen entdecken und auch darüber berichten. Aber diese ganze Erfahrung, auf dem Weg sich selbst zu finden, hat die letzten 2 Wochen schon geprägt. Wir sind dankbar, dass wir diese Erfahrungen gemeinsam erleben durften.Read more