• Vom Zimmer ins Zelt

    15. april 2024, Tyrkiet ⋅ 🌙 13 °C

    Der heutige Morgen beginnt gegen halb acht am reichhaltigen Frühstücksbuffet im Hotel. Im Anschluss daran wird zunächst im Zimmer unser Gepäck in die (vermeintlich) richtigen Taschen sortiert - wir wollen ja stets alles jederzeit und mit nur einem gezielten Griff zur Hand haben (...so die Theorie...). Schließlich werden auch die Fahhräder aus ihrem Nachtlager, dem Konferenzraum des Hotels, befreit und dürfen sich einigen finalen Einstellungen unterziehen. Halb elf ist es, als wir uns bepackt auf die Reise begeben. Der Weg führt uns zunächst in einem großen Bogen um das Flughafengelände herum. Im Ort Esenboğa, wo unsere Reise im letzten Jahr endete, knüpfen wir an unsere im Oktober 2023 geradelte Route an (eine lückenlose Linie auf der Landkarte ist nicht zu unterschätzen...). Es ist schön, wieder auf dem Rad zu sitzen. Die Sonne scheint, es weht ein leichter Frühlingswind, Störche stolzieren am Wegesrand vorbei, wir begegnen den ersten Schaf- und Ziegenhirten, herrlich!!! Nicht ganz so herrlich ist die Tatsache, dass wir in Esenboğa nicht für einen Einkauf angehalten haben. Wir haben nur wenig Wasser und nichts zu essen, wann sich die nächste Einkaufsmöglichkeit bieten wird: Keine Ahnung! Es geht aber durchaus noch dümmer: Bei strahlendem Sonnenschein radeln wir unseres Weges, während die Sonnencreme unbenutzt in der Packtasche liegt. Zwei echte Experten sind folglich schon recht bald hungrig und mit dezent verbrannten Armen unterwegs, schön blöd! Einen kleinen Laden finden wir schließlich noch, so dass wir den Hungertod verhindern können, die roten Arme werden uns aber wohl ein paar Tage begleiten. Ansonsten freuen wir uns über die vielen Zeichen des Frühlings, die zwitschernden Vögel, die blühenden Bäume, das sprießende zarte Grün um uns herum. Auch ist es noch nicht so heiß um diese Jahreszeit, was besonders das Bergaufradeln angenehmer macht. Und erneut begeistert uns die Freundlichkeit der Menschen. Nachdem uns bereits während des Zusammenbaus der Fahhräder am Flughafen ein Taxifahrer auf zum Tee einladen wollte, kommt auf unserer heutigen Fahrt ein LKW-Fahrer neben uns zum Stehen und schenkt uns eine Ladung Walnüsse. Oft wird uns freundlich zugehupt oder -gewunken, einmal sogar eine Mitfahrt im Transporter angeboten. Letzteres lehnen wir natürlich dankend ab, wollen wir doch mit eigener Muskelkraft den Weg zurücklegen. Wir erklimmen unseren ersten Gipfel auf ca. 1350m, oben angekommen gönnen wir uns eine Pause sowie eine Tüte Chips. Im Laufe der Jahre und Reisen haben unsere Pausen stets an Luxus gewonnen und auch in diesem Jahr haben wir ein Plus an Komfort dabei. Unser Pausen-Mobiliar, welches anfangs aus einer kleinen Picknickdecke und seit zwei Jahren aus bequemen Stühlen bestand, ist nun um einen Tisch erweitert. Wir werden eben alle nicht jünger...! Etwas über 900 Höhenmeter haben wir erstrampelt, als wir am frühen Abend einen geeigneten Zeltplatz belagern. Bei der Suche nach diesem Platz wird uns ein weiterer Unterschied im Vergleich zum Reisen im Herbst bewusst: Wir können nicht auf die von uns so gern als Nachtlager genutzten Stoppelfelder zurückgreifen. Erschwerend kommt hinzu, dass die gesamte Gegend kaum Sichtschutz bietet. Für diese Umstände haben wir aber dennoch einen herrlichen Patz etwas oberhalb der Straße gefunden. Wir lassen uns nieder und freuen uns angesichts der eintretenden abendendlichen Kälte über heißen Tee und einen warmen Gemüsetopf mit leckerem Brot. Eine Schafherde zieht noch vorbei, der Hirte gesellt sich auf ein paar Worte zu uns. Mit Einbruch der Dunkelheit und zunehmender Kälte bauen wir unser Zelt auf und statt der Decken im Hotelbett wärmen uns heute erstmals gemütliche Schlafsäcke. Gute Nacht!Læs mere