April 2016 - Oktober 2020
  • Sep17

    Istanbul V- Zwischen den Kontinenten

    September 17 in Turkey ⋅ ☀️ 25 °C

    Wir verlassen das französische Viertel und durchqueren auf unserem Weg zur Hauptstraße am Bosporus die alte und gebrauchte Welt auf der Antiquitätenmeile. Im Stadtteil Tophane angekommen passieren wir die ehemalige Kanonengießerei des Sultans, die heute Ausstellungen der Istanbuler Kunstakademie beherbergt. Ohne Zwischenstop ziehen wir aber weiter in Richtung des Istanbul Modern, dem Museum mit der größten Sammlung türkischer Malerei. Uns Banausen lockt jedoch weniger die Kunst, sondern vielmehr das im Reiseführer beschriebene Café auf der Terrasse des Museums mit einem der angeblich schönsten Blicke auf den Bosporus und die Silhouette der Stadt. Leider müssen wir feststellen, dass das Museum an dieser Stelle nicht mehr existiert und uns entsprechend auch der Terrassenbesuch verwehrt bleibt. Der Ausblick wäre aber ohnehin durch die vielen umliegenden Baustellen getrübt worden. Entlang des Uferstreifens entsteht das sogenannte Galataport-Projekt, das dem historischen Hafengebiet neuen Glanz verleihen und ein neues Kreuzfahrtterminal umfassen soll. In dennoch freudiger Erwartung anderer Ausblicke aus ganz neuer Perspektive steuern wir also nun direkt unser nächstes Ziel an. Quer durch die staubige Baustellenlandschaft bahnen wir uns den Weg zum Schiffsanleger, um eine bereits am gestrigen Tag gebuchte Bosporusfahrt zwischen den Kontinenten Europa und Asien auf einer Yacht anzutreten. Nach der primären Annahme, dass wir früh dran sind und noch einen Kaffee trinken können, merken wir Trottel aber bald, dass wir dummerweise am falschen Anleger stehen...! Die zwei Kilometer zum korrekten Treffpunkt müssen wir nun ziemlich flott marschieren, um rechtzeitig vor Ort zu sein. Gemeinsam mit den weiteren Gästen gehen wir schließlich um 17 Uhr an Bord der Yacht, die uns zunächst entlang des europäischen Ufers von Istanbul in Richtung Schwarzes Meer schippert. Wir sitzen in einer gepolsterten Sitzgruppe der Yacht, der Kellner uns bei seiner ersten Runde mit Knabbereien in Form von Nüssen versorgt. Im Verlauf der Fahrt folgen Baklava, Limonade, Obst, Tee..., etwas dekadent, was wir uns hier und heute gönnen, vor allem aber auch sehr schön! Es geht vorbei an diversen Luxus-Hotels sowie dem Stadtteil Beşiktaş mit seinem bekannten Fußballstadion und dann dauert es auch nicht mehr lange bis wir die Erste Bosporusbrücke (Boğazıçi Köprüsü) erreichen. Während der ganzen Fahrt bekommen wir in äußerst angenehmer und fachkundiger Art und Weise gezeigt und erläutert, was es am vorbeigleitenden Ufer zu sehen und bestaunen gibt. Kurz vor der Zweiten Bosporus-Brücke (Fatih Sultan Mehmet Köprüsü) bietet sich ein toller Blick auf die Mauern und Türme der "Europäischen Burg" (Rumeli Hisarı), der noch eindrucksvoll verstärkt wird durch einen großen, um die Burg kreisenden Vogelschwarm. Wir lassen die Brücke noch hinter uns, kehren aber bald darauf um und fahren nun im Abendlicht entlang des asiatischen Ufers zurück in Richtung Süden. Es geht vorbei an sündhaft teuren Residenzen und Palästen, während wir in entgegengesetzter Richtung unter den Bosporusbrücken entlanggleiten. In der Ferne thront gut sichtbar auf einer Hügelkuppe die 2019 eröffnete gigantische Çamlıca-Moschee, die mit einer Kapazität für 63000 Gläubige als die größte Moschee des Landes und zudem als Prestigeprojekt des Präsidenten Erdogan gilt. Zum Abschluss der Tour wird es dann schließlich noch wunderschön kitschig: In Fahrtrichtung haben wir einen herrlichen Blick auf die Silhouette der Stadt im Sonnenuntergang, das perfekte Motiv für eine Fototapete...! Der Kapitän fährt noch ein gutes Stück stadteinwärts mit uns, so dass wir noch einige bereits landseitig besuchte Sehenswürdigkeiten von der Wasserperspektive aus entdecken können. Es ist bereits dunkel, als wir den Anleger erreichen und sehr zufrieden und mit vielen neuen Eindrücken in Kopf und Kamera "unsere" Yacht verlassen. In einem Fischrestaurant unterhalb der Galata-Brücke am Goldene Horn lassen wir den Abend lecker (und teuer...) ausklingen.Read more

  • Sep17

    Istanbul IV- Galata Turm

    September 17 in Turkey ⋅ ☀️ 24 °C

    Auch am heutigen Tag begeben wir uns nach dem Frühstück auf einen vorgeschlagenen Spaziergang aus dem Reiseführer namentlich "Kunst und Kultur im Herzen der Stadt", der durch den Stadtteil Beyoğlu nördlich des Goldenen Horns führt. Zum Ausgangspunkt fahren wir mit der Tramvay, erstes Ziel für heute ist der Galata-Turm auf dem gleichnamigen Hügel. Im Jahr 1348 als Wachturm erbaut diente er in osmanischer Zeit u.a. als Feuerwehrturm und als Gefängnis. Heute freuen wir uns darüber, dass der Turm eine weitere Umnutzung erfahren hat: Wir kaufen ein Ticket und fahren mit dem Fahrstuhl auf den Aussichtsumgang des 62m hohen Turms, der einen phänomenalen Panoramablick eröffnet. Während Claudia auf dem schmalen Balkon etwas mulmig zumute ist und sich eher wandnah um den Turm bewegt, kann Heiko vor lauter Faszination kaum den Finger vom Auslöser der Kamera fernhalten. Wieder unten führt unsere Route bergab durch das ehemalige Bankenviertel bis zum Eingang einer historischen unterirdischen Standseilbahn. Mit dieser im Jahr 1875 in Betrieb genommenen "Tünel"-Bahn, die zu den weltweit ältesten ihrer Art gehört, fahren wir wieder hinauf und schlendern weiter unseres Weges durch die Straßen und Gassen. Wir passieren verschiedene Museen und Kunstgalerien, während unsere Augen jedoch vorrangig Ausschau nach einem netten Café oder Restaurant zur Pauseneinkehr halten. Fündig werden wir im sogenannten französischen Viertel, wo sich in der steilen Cesayir-Gasse in schrillen Farben ein Lokal an bzw. über das nächste reiht. In sehr angenehmer Atmosphäre und mal wieder in Gesellschaft diverser Katzen lassen wir uns Tee und Kuchen schmecken, bevor das nächste Highlight des Tages auf uns wartet.Read more

    Werner Billmayer

    Auf dem waren wir auch vor etlichen Jahren

     
  • Sep16

    Istanbul III - Süleymaniye Moschee

    September 16 in Turkey ⋅ ⛅ 23 °C

    Die Hoffnung auf ein wirklich ruhiges Plätzchen geben wir aber noch nicht auf, vielversprechend klingt die Ankündigung von gemütlichen Teegärten, die sich laut Reiseführer direkt nach Durchschreiten unseres nächsten angepeilten Ziels, dem Serasker-Tor zur Universität, im Schatten einiger Bäume befinden sollen. Im Reiseführer wurde allerdings nicht berücksichtigt, dass nur Studierende Zugang zum Gelände haben, wir hingegen müssen am imposanten Tor unverrichteter Dinge wieder umkehren. Außerhalb der Mauern zur Universität, auf denen sich mal wieder viele Katzen tummeln, spazieren wir weiter. Und tatsächlich ergibt sich nun doch noch die Möglichkeit einer schönen Rast. Im nicht stark frequentierten Lokal "Tiffany's Burger" sitzen wir im Schatten, schreiben Postkarten und genießen Getränke sowie einen exzellent schmeckenden San Sebastian Cheesecake. Gestärkt und etwas ausgeruht wartet der nächste Punkt auf unserer Runde, der sich unerwartet, aber eindeutig und einstimmig als Höhepunkt herausstellen wird. Die Rede ist von der Süleymaniye Moschee, dem "Gesellenstück" des berühmten Architekten Mimar Sinan. Sultan Süleyman I. hatte ihn Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Bau einer Moschee beauftragt, die "so lange aufrecht stehen bleibt wie die Welt besteht". Wir gehen zwar nicht in die Moschee hinein, sondern beschränken uns auf die Außenansicht dieses prächtigen Gebäudes und der umgebenen Anlagen, das tut unserer Begeisterung aber keinen Abbruch. Uns imponiert beiden gleichermaßen dieses bauliche Meisterwerk sowie die einzigartige Lage. Majestätisch thront die Moschee auf einem Hügel der Istanbuler Altstadt inmitten eines riesigen Gartens und umgeben von mehreren Säulengängen. Beim Rundgang eröffnet sich hinter der Moschee ein traumhafter Ausblick auf das Goldene Horn (Haliç), den elf Kilometer langen Seitenarm des Bosporus, der die historische Altstadt Istanbuls in einen nördlichen und einen südlichen Teil trennt. Eine ganze Weile halten wir uns hier auf und machen Bilder, bevor wir abschließend den Friedhof entlang der Säulengänge auf uns wirken lassen. Auf diesem befindet sich neben den Mausoleen des Sultans und seiner Familie auch die unscheinbare Grabstätte (Türbe) des Baumeisters Sinan selbst. In dem festen Vorhaben, noch einmal an diesen Ort zurückzukehren, setzen wir schließlich unseren Spaziergang fort. Es geht abwärts in Richtung des quirligen Stadtteils Eminönü, wo dann auch die "Reiseführer-Route" endet. Unabhängig vom Sightseeing haben wir in diesem Bezirk aber noch ein Ziel von für uns persönlich wichtigem Interesse ausgemacht: Mehrere Fahrradgeschäfte sind hier ansässig, die wir in der Hoffnung ansteuern, zwei große Kartons zum Verpacken unserer Räder für den Rückflug ergattern zu können. Die Läden sind schnell gefunden und tatsächlich sind wir auch schnell erfolgreich. Händler Ali sagt uns zwei Kartons zu, wir verabreden eine Abholung am Samstag. Guter Dinge spazieren wir durch die Altstadt zurück zu unserem Hotel, wo wir zum Ausklang des Tages eine große Portion Obst mit Joghurt auf der Terrasse genießen.Read more

  • Sep16

    Istanbul II - Rund um das Hippodrom

    September 16 in Turkey ⋅ ⛅ 25 °C

    Während des Frühstücks im Hotel schmieden wir Pläne für den heutigen Tag, die Wahl fällt auf eine im Reiseführer vorgeschlagene Spaziertour namens "Kult(o)ur und Shopping", die wir uns in umgekehrter Richtung vornehmen. Das erste Ziel ist die Zisterne Yerebatan Sarayı, die zu den am besten erhaltenen "versunkenen Palästen" von Istanbul zählt. Leider bleibt uns die mystische Atmosphäre der Unterwelt verwehrt, da die Zisterne aktuell restauriert wird und entsprechend für Besucher geschlossen hat. Also ziehen wir weiter zum historischen Hippodrom, wo in byzantinischer Zeit Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe abgehalten wurden. Wir erkunden den großzügigen Platz sowie einige Zeugnisse der Vergangenheit wie z.B. den 32m hohen ägyptischen Obelisken aus Kalkquadern, die kläglichen Reste der ursprünglich in Delphi beheimateten Schlangensäule und den von Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1898 gestifteten Deutschen Brunnen. Unsere Route führt uns auf dem weiteren Weg in den Kapalı Çarçı, den Bedeckten oder Großen Basar. Dieser erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 200 000qm, in mehr als 60 überdachten Gassen herrscht buntes Treiben vor und in den rund 4500 Verkaufsstellen. In diesem Trubel und Gewirr stellt bei uns nach nicht allzu langer Zeit so etwas wie Reizüberflutung ein und es zieht uns an einen ruhigeren Ort. Ein richtig ruhiges Fleckchen sucht man in dieser quirligen Umgebung vergeblich und so machen wir es uns mit einem Sesamkringel vom Straßenstand auf der nächstbesten freien Bank in einer Seitengasse bequem. Pause!Read more

  • Sep15

    Istanbul I - Erster Eindruck

    September 15 in Turkey ⋅ ☁️ 23 °C

    Ohne Ziel machen wir uns auf den Weg, wollen uns einfach von den ersten Eindrücken treiben lassen. Es zieht uns zunächst ans Wasser, wo wir an der Uferpromenade entlangschlendern, die Aussicht im Abendlicht genießen und den zahlreichen Anglern und mindestens genauso zahlreichen Katzen bei ihrem Treiben zuschauen - ein erstes Eintauchen in das Lebensgefühl am Bosporus. Es wird bereits dunkel, als wir vom Wasser aus in Richtung Altstadt weiterziehen, das schmälert aber die Begeisterung des ersten Rundumblicks im Sultanahmet Parkı in keiner Weise. Schwer beeindruckt sind wir beim Anblick des Wahrzeichens der Stadt, der Ayasofya Camii oder auch Hagia Sophia. Bei abendlich milden Temperaturen saugen wir die Atmosphäre auf, während wir auf einer Bank an dem in wechselnden Farben beleuchten Brunnen zwischen einem mit der Hagia Sophia wichtigsten Kulturdenkmäler der Welt der mit der Blauen Moschee (Sultan Ahmet Camii), der größten und bekanntesten Sultansmoschee, sitzen. Auf unserem weiteren Streifzug durch die Straßen und Gassen stellen wir fest, dass wir im Schlaraffenland angekommen sind. Speziell die Auslagen der vielen Läden mit türkischen Süßwaren lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen, dazu die unterschiedlichen Gerüche von gegrillten Maronen, Dönerspießen, Tee etc., die einem aus allen Richtungen in die Nase strömen. Um auch einen geschmacklichen Eindruck zu bekommen, kehren wir in bzw. vor einem Restaurant ein und schlagen und den Bauch mit Iskender Kebab, Künüfe, Baklava und natürlich türkischem Tee voll. Parallel läuft passend der Fernseher und es wird das Champions League Spiel zwischen Beşiktaş JK und Borussia Dortmund gezeigt. Es ist schon spät, als wir irgendwann zurück ins Hotel gehen und uns schon jetzt auf die kommenden Tage freuen.Read more

  • Sep15

    Havalimanı

    September 15 in Turkey ⋅ ☁️ 24 °C

    Nach dem Frühstück flanieren wir noch etwas über das Gelände der Club-Anlage, um uns auch bei Tageslicht einen Eindruck von unserem Aufenthaltsort zu verschaffen. Es handelt sich um ein sehr großes auf einem Hügel gelegenes Anwesen mit Blick auf den Durusu-See mitten im Grünen trotz der Nähe zu Istanbul. Nachdem wir ein weiteres Mal all unser Hab und Gut in den Packtaschen verstaut haben, checken wir gegen 11 Uhr aus.
    Zu radeln haben wir heute lediglich eine kurze unspektakuläre Etappe. Entlang der Hauptstraße geht es in Richtung Havalamanı, dem Flughafen von Istanbul, den wir nach 18km erreichen. In drei Tagen, also am kommenden Samstag, haben wir hier in einem Hotel ein Zimmer für die Nacht vor unserem Heimflug reserviert. Die Idee, unsere Fahrräder und einen Großteil des Gepäcks schon an Ort und Stelle zu lassen, um mit leichtem Gepäck per Bus zu unserem abschließend geplanten Städte-Trip nach Istanbul zu starten, müssen wir leider verwerfen. Eine Gepäckaufbewahrung ist nicht möglich, nun muss ein Plan B her...
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  • Sep14

    Durusu-Club-Hotel

    September 14 in Turkey ⋅ 🌙 20 °C

    Nach einem guten Frühstück lassen wir es heute ruhig angehen, erst um halb elf schieben wir unsere Fahrräder aus dem Hotel, bekommen vom freundlichen Herrn an der Rezeption noch einen Apfel mit auf den Weg. Nach den Erfahrungen der letzten Tage hat Heiko das W-LAN des Hotels genutzt, um eine feste Unterkunft als heutiges Ziel ausfindig zu machen. Auch an diesem Tag beginnt unsere Etappe an der ungeliebten Hauptstraße, heute verlassen wir diese aber immerhin nach etwa 10 Kilometern. Wir zweigen in einen Ort ab, wo wir direkt etwas Verpflegung in Form von reichlich Obst und Joghurt in einem Supermarkt und an einem Stand an der Straße erwerben. Auf einer deutlich ruhigeren Straße geht es weiter, laut ist nun nur noch der Gegenwind. An einem Waldweg lassen wir uns schließlich unser Proviant schmecken, während ein Hirte mit seiner Kuhherde und seinen Hunden vorbeizieht. Weiter geht es durch eine waldige Region, die zum Teil auch Militärgebiet zu sein scheint. Wir sind bereits wieder gute 20km geradelt, als wir am Straßenrand auf einen sehr herzlichen Melonenverkäufer treffen. Heikos Türkischkenntnisse ermöglichen so etwas wie eine kleine Unterhaltung und reichen vor allem aus, um den Verkäufer davon zu überzeugen, dass wir wirklich nur eine und nicht fünf Melonen haben möchten. Lange fährt die gelbe Frucht nicht im Gepäck mit, bei nächstbester Gelegenheit lassen wir uns etwas abseits der Straße nieder und genießen den seeehr köstlichen Pausen-Snack. Unser angepeiltes Ziel erreichen wir schließlich nach 65 Kilometern gegen 18 Uhr, leider bietet sich uns ein trauriger Anblick. Nur das teilweise zerstörte Schild mit der Aufschrift "Kleopatra" und eine Ruine erinnern daran dass hier mal ein Hotel gestanden haben könnte. "Hotel finished" ruft uns ein Anwohner zu und gibt uns zudem gestikulierend zu verstehen, dass in diesem Ort auch keine alternative Option existiert. Die folgende Recherche ergibt, dass nach weiteren 19km auf unserer eigentlich für morgen geplanten Route ein Hotel sein soll, was Heiko durch einen Anruf sicherheitshalber verifiziert. Kurz vor Anbruch der Dunkelheit erreichen wir nach 85 Kilometern und immerhin knapp 900 Höhenmetern unsere Zielgebiet, durften aber immerhin während des letztem fiesen Anstieges in der Ferne die Skyline von Istanbul, einen traumhaften Sonnenuntergang sowie den ersten Blick auf das Sc1hwarze Meer am Horizont bestaunen. Erst vor ein paar Tagen haben wir uns an den Moment erinnert, als wir in Bosnien-Herzegowina auf dem Gipfel des letzten Passes kurz vor der kroatischen Grenze angekommen sind und zum ersten Mal das Mittelmeer vor Augen hatten. Zu wissen, dass man tatsächlich von der Ostsee bis ans Mittelmeer geradelt ist, das war schon ein tolles Gefühl. Und hier und heute schauen wir nun auf das Schwarze Meer - verrückt!
    Schon beim Einbiegen in die Straße zu unserem Hotel müssen wir eine Schranke zum sogenannten "Durusu-Park" passieren und dem Pförtner erklären, wo wir hin wollen. Wir fragen uns, wo wir hier gelandet sind, während wir über weitere knapp 2 Kilometer diverse ziemlich nobel aussehende Privatanwesen passieren. Schließlich erreichen wir die Hotelanlage und werden auch gleich von einem sehr freundlichen, aber auch wahrlich skurrilen Rezeptionisten empfangen. Der Prozess des Eincheckens hat Comedy-Charakter, man hätte fast auf die Idee kommen können, Opfer einer Sendung mit versteckter Kamera zu sein. Dies ist glücklicherweise nicht der Fall und wir beziehen unser riesiges Zimmer mit Terasse in Sichtweite zum beleuchteten Pool. Manchmal wundern wir uns selbst drüber, an was für Orte es uns so verschlägt. Vergleichsweise "underdressed", aber wenigstens frisch geduscht, suchen wir noch das Restaurant des Anwesens auf und gönnen uns ein sehr üppiges und leckeres Abendessen inklusive Baklava zum Nachtisch.
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  • Sep13

    Shilla-Hotel Çorlu

    September 13 in Turkey ⋅ ☁️ 19 °C

    Vergleichsweise früh sind wir wach, frühstücken etwas Obst mit Müsli und fangen dann auch recht bald an, unsere sieben Sachen zu packen und den Feldrand zu räumen. Uns erwartet in Ermangelung von Alternativen ein Tag an der Hauptstraße, positiv abgewinnen kann man dem Umstand einzig die Tatsache, dass der vorhandene breite Seitenstreifen zumindest ungefährliches Radeln ermöglicht. Dennoch macht uns der Verkehrslärm mit der Zeit ziemlich mürbe. Nach etwa 30km ist es Zeit für eine Mittagspause, für die wir kurzfristig in ein kleines Dorf abschwenken. Wir stellen unsere kleinen Campingstühle auf, die in diesem Jahr als neuer Luxus erstmals im Gepäck sind, und stärken uns mit Obstsalat und Joghurt sowie einem Milchreis-Dessert. Um uns herum herrscht reges Hühner- und Gänsetreiben. Den Ort Lüleburgaz, dessen Name uns spontan an Lüneburg erinnert, nutzen wir später wie gestern schon Havsa für eine weitere temporäre Flucht von der Hauptstraße. Andere Eindrücke, andere Geräusche, andere Reize - wenigstens für ein paar Kilometer. Als wir bereits wieder im Begriff sind, aus der Stadt herauszurollen, drosselt neben uns ein Auto das Tempo und der Fahrer spricht uns durch die offene Scheibe an. Wo wir herkommen fragt er, und ob er uns zu sich einladen darf, er würde so gerne englisch mit uns sprechen. Nach einigen Versuchen des höflichen Ablehnens ergeben wir uns seiner Hartnäckigkeit, kehren um und folgen ihm ca. 2km die Straße zurück zu seinem kleinen Imbiss. Da unsere Mittagspause noch nicht lange her ist, verzichten wir auf die Einladung zum Essen, nehmen aber gerne den Tee, der uns serviert wird. Bilal heißt unser Gastgeber, der sich seit einiger Zeit von einem Freund die englische Sprache beibringen lässt. Der Erfolg ist noch recht dürftig und die Konversation entsprechend erschwert. Auf jeden Fall ist Bilal aber ein sehr netter Zeitgenosse. Irgendwann signalisiert Heiko, dass wir uns angesichts der fortgeschritten Zeit und des noch vor uns liegenden Weges langsam verabschieden müssen. Noch schnell ein Abschiedsfoto geknipst, dann starten wir den nächsten Versuch, den Ort zu verlassen. Laut Karte soll auch bald unsere Fahrt auf der Hauptstraße enden, diesen Moment sehnen wir sehr herbei. Leider wird unsere Hoffnung auf auf ruhigeres Fahren durch idyllische Landschaft jäh zerstört. Mit dem Ende der Hauptstraße endet auch der für uns gut befahrbare Seitenstreifen, gleichzeitig nimmt der Verkehr jedoch noch zu. Fast Stoßstange an Stoßstange fahren vor allem unzählige weiße Lieferwagen an uns vorbei. Heikos Vermutung liegt nahe, dass die Angestellten der riesigen Industrieanlagen und Fabriken in der Umgebung an ihre Wohnorte gebracht werden. Die Tageszeit würde zum Feierabendverkehr passen und Heiko war zuvor bereits aufgefallen, dass trotz der vielen großen Gebäude keine Parkplätze zu sehen sind. Reichlich genervt von dieser Straße müssen wir auch erneut zur Kenntnis nehmen, dass die Chance auf einen geeigneten Platz zum Wildzelten äußerst gering ist. Als wir durch einen kleinen Ort kommen und Wasser kaufen, nutzen wir ein offenes W-LAN, um zu recherchieren, ob es als Plan B auch Zimmer in der Umgebung gibt. Dies ist in etwa 10km Entfernung der Fall und scheint uns recht bald die beste Lösung zu sein. Ohne Probleme finden wir das Shila-Hotel und freuen uns sehr, diese Entscheidung getroffen zu haben. Die Fahrräder dürfen wir direkt im Eingangsbereich parken, dann beziehen wir unser extrem großzügiges Zimmer mit Balkon und Blick ins Grüne, für welches wir inklusive Frühstück gerade einmal 25 Euro bezahlen sollen. Heiko brutzelt noch das Gemüse aus unseren Packtaschen und nach Verzehr desselben beschließen wir den heutigen Tag.Read more

  • Sep12

    Erste Zeltnacht in der Türkei

    September 12 in Turkey ⋅ ⛅ 25 °C

    Zeitig stehen wir heute auf und packen unsere Taschen, es soll schließlich weitergehen gen Südosten. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von den Gastgebern unseres netten Hotels und von dem Ort Edirne. Nach einem letzten Blick zurück auf die Stadt lotst unsere Wegführung uns recht bald auf eine sandige Schotterpiste. Da diese wegen einer großen Baustelle nicht wie auf der Karte angegeben nach einigen Kilometern auf die Straße trifft, müssen wir einen eher beschwerlichen Umweg über unbefestigtes Terrain in Kauf nehmen. Als wir dann doch noch die Straße erreichen, wird es auf andere Art ungemütlich. Auf der Hauptstraße herrscht sehr reger Verkehr, besonders die vielen LKW empfinden wir als sehr lästig und anstrengend. Wir fahren durch bis zum Ort Havsa, wo wir uns eine Verschnaufpause von Autolärm und Abgasen gönnen und Proviant einkaufen wollen. Einen ersten Einkauf erledigen wir in einem Supermarkt, später verleitet uns noch die Auslage einer Bäckerei zum Anhalten. Wir blicken noch durch das Schaufenster, als der Inhaber hinauskommt und quasi darauf besteht, dass wir auf einen Kaffee hineinkommen. Er serviert uns mit Käse bzw. Oliven gefüllte Brötchen, Baklava und Kaffee, erzählt von seinen Reisen durch Europa, seinen beiden Töchtern und von seiner etwas wirren Überzeugung zu Corona. Geld möchte er vehement keines von uns, Reisende ließe man nicht ohne gastfreundlich Bewirtung vorbeiziehen, so sage es der Prophet. Nun gut, wir bedanken uns herzlich für die Einladung und radeln weiter, und zwar leider zurück an die lästige Hauptstraße. Stumpf spulen wir unsere Kilometer ab, sind dabei zusehends genervt von dem dauerhaft an uns vorbeirauschenden Verkehr. An einer Tankstelle füllen wir unsere Wasservorräte auf, als es irgendwann langsam Zeit wird, Ausschau nach einem Schlafplatz zu halten. Die Suche gestaltet sich schwieriger als erwartet, rechts und links der Straße sind entweder Gebäude oder aber weite Felder und Äcker ohne auch nur einen einzigen Baum. Die Bedingungen, um sich mit einem kleinen Zelt "unsichtbar" zu machen, sind entsprechend denkbar schlecht. Wir biegen schlussendlich in einen Schotterweg ein und schwenken nach wenigen Metern auf ein Feld, an dessen Rand wir uns postieren. Da selbst auf dem Schotterweg noch regelmäßig Autos und LKW verkehren, widmen wir und erst dem Abendessen und stellen unser Zelt erst bei Anbruch der Dunkelheit auf. Um halb neun ist draußen bereits zappenduster und wir liegen in unseren Schlafsäcken.Read more

  • Sep11

    Historischer Bahnhof

    September 11 in Turkey ⋅ ⛅ 27 °C

    Auf unserem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit steuern wir die bereits gestern schon besuchte Tunca-Brücke an. Heute wissen wir, dass kurz nach dieser Brücke eine weitere folgt, die noch etwas größer ist und den Namen Meriç-Brücke trägt. Nach Überquerung der Flüsse Tunca und Meriç spazieren wir entlang einer breiten Allee ins die ca. 3km entfernte Ortschaft Karaağaç, kommen u.a. vorbei an einem Denkmal zum Andenken an Şükrü Paşa und die Gefallenen des Balkankrieges. Schließlich erreichen wir den historischen Bahnhof, in dem heute das Rektorat der Trakya-Universität untergebracht ist. Wir besichtigen die sehr schöne Anlage einschließlich der alten Lokomotive nebst Eisenbahnwaggon, die vor vor den Gebäuden auf einem Stück Schienen stehend präsentiert wird. Nur wenige Schritte weiter ragt das Lausanne-Denkmal in den Himmel, welches ein Symbol des Weltfriedens darstellt. Der im Jahr 1923 in Lausanne unterzeichnete Friedensvertrag gilt als Anerkennung des unter der Führung von Atatürk durchgeführten Unabhängigkeitskampfes und belegt die damit errungene Unabhängigkeit des türkischen Volkes. Im Abendlicht spazieren wir zurück, vorbei an verschiedenen großen und festlich vorbereiteten Hochzeitslokalitäten. Samstags scheint in der Türkei geheiratet zu werden... ! Zurück im Zentrum der Stadt wiederholen wir das Procedere vom Nachmittag: Leckeres Essen im bzw. vor einem Restaurant mit Live-Musik und zum Abschluss Tee und Baklava an inzwischen bekannter Stelle - selbst die Kellner kennen uns schon. Schon deutlich übersättigt wartet dann im Hotelzimmer noch eine halbe Melone auf uns, wir können sie ja morgen schlecht auf dem Fahrrad transportieren...Read more

    Susanne Kobel

    schön das ihr endlich einmal Zeit für euch habt+jetzt relaxed alle Eindrücke in Ruhe geniessen könnt. Vielen lieben Dank für eure tollen Berichte +Fotos, immer super spannend.

    9/13/21Reply