Leke Leke und Affenwald
July 6 in Indonesia ⋅ ⛅ 27 °C
Heute klingt es eindeutig- Evi ist erkältet. Schon gestern war sie ja so schlapp, heute sind wir immernoch quasi mittendrin. Nach kurzem abwägen steht fest, dass sie heute einen Pausetag einlegen will zuhause hier in der Unterkunft. Auch wenn sie anfangs sehr hin und hergerissen ist, weil sie ja Dinge verpassen wird- andererseits weiß sie auch um den Wert, wenn es ihr nach einem Pausetag schneller besser gehen wird anstatt heute pfeifend auf dem letzten Loch mitzukommen. Noch dazu war sie sowieso darauf eingestellt heute allein zu sein. Schließlich wollten wir -Benny, Marlo und ich- doch eigentlich heute nach Denpasar fahren ins Kantor Immigrasi, um nun endlich unser Visum zu verlängern. Allerdings überkamen mich gestern noch vor dem Einschlafen die Internetrecherchen dazu - und zum Glück entschied ich, dass wir nicht fahren werden. Denn a) zu früh im Datum dran, eine Verlängerung ginge wohl erst ab Mittwoch und damit 14 Tage vor Ablauf des aktuellen Visums und b) wir müssen ALLE hin, auch Evi! So ein glücklicher "Zufall", dass ich selbst noch dazu recherchiert habe - wenn auch tatsächlich sehr spät- und feststellen musste, dass das Wort des Beamten vom Flughafen nicht richtig war - so u.a. dass Evi mit unter 14 Jahren nicht mit müsse. Jaaa.. diese Entscheidung war eine überraschende Wendung der Tagesplanung mitten in der Nacht.
Nun hatten wir für die Fahrt nach Denpasar extra sogar einen größeren, bequemeren Roller organisieren lassen. Den wollen wir nun natürlich auch entsprechend nutzen und wir planen uns ein etwas entfernteres Ziel mit knapp 2h Fahrtzeit insgesamt. Evi lassen wir Geld zuhause für ein Mittag im Restaurant gegenüber.
Benny und ich packen unsere Tasche für den Tagesausflug. Mutig, übermütig.. werden wir heute zu 3. Auf unserem gemieten Roller losdüsen, quer durch diesen verrückten Verkehr, mit 3 möglichen Stops. Benny ist noch immer nicht fit. Ich hab das Gefühl er akzeptiert sein kränkelndes Schicksal hier im Urlaub und er wurschelt sich einfach täglich durch. Nachts steht er noch immer mehrfach auf, um der Toilette seinen Hintern zu zeigen. Nachts bin ich auch oft wach, wegen Benny, wegen Marlo, der nachts viel trinkt -nachholt vom letzten Tag und auftankt für den nächsten Tag,.. wach wegen der Klima, wegen geckenden Geckos..
Tagsüber ist für Benny Wasser mit Kohletablette angesagt und Buttertost mit Banane belegt ist das was er sich traut zu essen, wenn überhaupt, und vor allem in der Hoffnung, dass es stopft. Kränkeln tut er auch noch dazu, zumindest morgens, woher auch immer das jetzt noch kommt. Denn mit der Klima sind wir eh seeehr vorsichtig. Trotzdem plagt ihn immer einmal mehr die Reiselust, anstatt groß rasten zu wollen und so starten wir auch heute voll durch.
Meine Anspannung liegt bei 360, als wir tatsächlich zu 3. Mit Marlo in der Mitte losdüsen.. es sind ja "nur" 38mim laut google maps bis zum Affenwald. Und ich schwöre - noch nie sind für mich Minuten und Kilometer so langsam vergangen wie in diesem ersten Ritt. Meine Angst in diesem Verkehr, nur auf einem Roller sitzend, mit Benny, der diesen balinesischen Verkehr auch weiterhin studiert .. und ich dachte mir "dass alles nur um nen paar Affen zu sehen?!" ..und hab mich selbst angeflucht. Die Routenführung war auch interessant, wenn auch sicherlich typisch balinesisch. Nicht umsonst gibt es hier bei maps extra eine Anzeige für "solange brauchst du mit Auto" und "so viel schneller bist du mit dem Roller" 😄🤌
Und.. Gott war ich (kurz) froh, endlich vom großen Verkehr der Hauptstraße wegzusein, weil wir in rollergeeignete Nebenstraßen eingebogen sind. Im Nachgang ließ meine Anspannung hier auch nicht deutlich nach - so querfeld ein überaus Reisfelder und einen 50cm breiten weg, teils steilkurvig steil bergauf und links und rechts von uns gibt's tiiiiiefe Wasserrinnnen für die Bewässerung.
Über jede Minute die uns weniger angezeigt wurde - auch wenn sie definitiv langsamer verging als echte Minuten, war ich heilfroh. Um mich selbst du regulieren kraule ich während der Fahrt immer wieder Bennys Rücken- mal stärker und mal schwächer, je nachdem wie spannend die verkehrs-und straßensituation gerade ist 😄
Man ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, als wir endlich einbiegen und abparken am Affenwald.
Benny hatte uns etwas früh abgelassen und fuhr noch knappe 500m bis zum Parkplatz für die Roller weiter. Ich lief mit Marlo hinterher, der pünktlich nach Abstieg und etwa 45min Fahrt wieder wach wurde. Rollerfahren macht müde. Und wir takten das genau so, dass er in 2h wieder seine etwa 30min Schläfchenzeit haben wird :) Auf dem Weg zu Benny laufe ich auch an mehreren Straßenhunden vorbei. Die gibt es hier so en masse, das ich nahezu keine Angst vor denen habe- da ist jeder Verkehr hier 1000x schlimmer.
Nachdem bezahlen von 1€ p.P. für den Eintritt stille ich Marlo erstmal. Viel nimmt er mir tagsüber nicht ab, aber Milch anbieten hat trotzdem Priorität.
Und jetzt? Sitzen wir hier im Affenwald und meine Anspannung findet einen neuen Grund wieder hoch zu gehen - Affen. Wir sind schon extra in einen Park gefahren, in welchem die Affen durch den Tourismus noch nicht so aggressiv unterwegs sind wie die im Affenwald direkt in Ubud, wo wir ursprünglich unbedingt hin wollten. Aber all die negativen Rezessionen über die nunmal dennoch wilden Affen sind grad ganz laut in meinem Kopf, sodass ich 10m Mindestabstand mit meinem Babylein im Arm halte, obwohl wir von den Mitarbeitern immer wieder gefragt werden, ob uns ein Äffchen auf die Schulter springen soll, die seien ja so lieb, die ganz kleinen tun erstrecht nichts... man hat am Eingang extra eine Futtertüte bekommen mit Nüssen und Bananenstücken. Aber mit mir Muttertier führt da heute definitiv kein Weg rein. Hier und da sieht man durch den eigentlich schönen Wald mit echt hohen Bäumen ein paar Eichhörnchen, und ich versuche es mir schöner zu Reden und nenne es Eichhörnchenwald und Affen gibt's auch 😅 Unterm Strich war ich froh, als wir den Affenwald verlassen und ein neues Ziel ansteuern, auch wenn das wieder heißt: Rollerfahren in diesem Verkehr. Naja.. und dann erklärt es sich einfach, warum Reisen so anstrengend sein kann - wenn die ganzen Eindrücke in einem irgendwie auch Angst und Respekt einflößen. Auch die nächste Etappe meistert Benny mit Bravour. Wir münden ein in dschungelartige Natur und parken bei einem Restaurant ab, welches gleichzeitig der Start der Wanderung zum Wasserfall darstellt. Da es mittlerweile nachmittags ist, hungert es Benny und mich und ja, selbst Benny bestellt sich hier was direkt schön deftiges: Burger 🍔 Abwechselnd essen wir später, während der jeweils andere mit Marlo etwas weiter unten im grünen Gras wartet und wir den kleinen Burschen so gemütlich mal strampeln lassen.
Gestärkt für die 400 Stufen zum Abstieg gehts auch schon los. Ein wirklich schöner Weg zum Wasserfall - Marlo ist in der Trage mit Blick nach vorn gerichtet.
Unten angekommen genießen wir direkt die kühlere Luft vom Wasser und den Sprühnebel, der in der Luft liegt. Da das für mich der erste Wasserfall hier auf Bali ist, finde ich ihn wirklich besonders schön: mit blauem Wasser, Sonne, eingehüllt in Dschungeloptik. Kurzerhand entscheide ich mich einfach in Unterwäsche hier direkt unterm Strahl des Wasserfalls zu baden. Der Adrenalinpegel ist dabei wiedermal total hoch, weil der Gedanke irgendwie da ist, dass ich nicht weiß welches Getier über oder unter mir rumpirscht.
Zurück oben angekommen war die Abkühlung vollends vergessen und durch neuen Schwitzen ersetzt worden. Benny pfeift nun auch auf dem letzten Loch, freut sich über eine richtige Toilette und ihn lüstet es nach einer frischen Kokosnuss- ein paar Elektrolyte tanken.
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Zuhause angekommen tauschen wir uns noch mit Evi aus, mit der wir auch tagsüber immer mal gechattet und sogar videotelefoniert hatten. Sie macht einen total glücklich zufriedenen Eindruck und sie hat ihren Tag zuhause vollends mit Selfcare gefüllt und war damit sehr happy. Gemeinsam gingen wir alle noch zusammen in den Pool und machten noch Abendbrot.Read more














