Krabi
25. januar, Thailand ⋅ ☁️ 26 °C
In sechstündiger Fahrt haben wir die 450 Kilometer von Ban Krut nach Krabi hinter uns gebracht. Bis jetzt hatten wir bei der Wahl unserer Hotels auf dieser Reise stets Glück, doch mit dem Emerald-Resort in der Muang Klong Bucht direkt am Krabistrand haben wir offenbar die erste komplette Niete gezogen. Dieser Eindruck stellt sich fast sofort ein, als wir das weitläufige von einem Chinesen betriebene Anwesen betreten, und verdichtet sich rasch. Eine weitläufige Parklandschaft mit wunderbaren alten Bäumen, ein paar intakten Holzpavillons und vielen bunten Lampions täuscht Eleganz, Gediegenheit, Komfort vor, leider alles im Inperfekt: Es war einmal. Überall auf dem Gelände stößt man auf unbewohnbar gewordene Bungalowleichen, Bruchbuden, deren Terrassen überquellen von Müll und Schrott aller Art. Klimaanlagen, alte Waschbecken, Korbstuhlskelette, Wannen, kaputtes Holzmobiliar, all das gammelt still seufzend vor sich hin und lässt sich auch bei größtem Wohlwollen keinerlei Charme abgewinnen.
Nach dem Willen des Staff sollen wir zunächst in eine Kabine im unansehnlichsten hinterletzten Winkel der Anlage verbannt werden. Nachdem wir uns erfolgreich zur Wehr gesetzt haben, werden wir rehabilitiert und kriegen was Funktionstüchtiges weiter vorne. Auch dort bleibt der Eindruck von Minimalismus pur. Keine Badehandtücher, kein Kaffeeset mit Wasserkocher, kein Kühlschrank und - als besonderes Kipferl - kein Internet. Es ist nicht zu fassen! Auf Nachfrage blafft uns der Verwalter, der sich später als der Eigner des Objekts outet, an, wir hätten wohl das Kleingedruckte in seiner Mail überlesen. Stimmt. Wie dieses Resort zu den guten Bewertungen bei Booking gekommen ist, bleibt uns schleierhaft. Mein Fluchtreflex bäumt sich auf und endet vorerst im Dorf Baan Klong Muang, das wir vom vergangenen Jahr als Restaurantoase kennen. Bei stimmungsvollem Sonnenuntergang, Reggaemusik, Tom Kha und Sweet sour Krisensitzung und kontroverse Diskussion mit R. Ich kann mir nicht vorstellen, im Emerald zu bleiben. R ist für Drüberschlafen, worauf es mangels Alternative auch hinausläuft. Leider haben wir ausgerechnet hier fünf Tage gebucht und auch schon bezahlt - keineswegs billig.
Am nächsten Morgen ist am Strand das Meer weg. Den bei Ebbe bloßliegenden geriffelten Meeresboden kennen wir schon vom letzten Jahr am angrenzenden Tubkaek-Beach. Aber im dortigen Sunset-Nobelhotel war der Rückzug des Wassers besser zu ertragen als hier, wo er sich mit all den anderen Minuspunkten summiert zu einem Ergebnis weniger gleich Null.
Nach dem Frühstück hat sich immerhin die Sonne durchgesetzt und verspricht wider alles Erwarten einen Traumtag. Also installieren wir uns auf den Strandliegen an der Beach. Wenn man das abgehalfterte Resort hinter sich lässt, nach vorne auf den Felsenzirkus schaut und dann mit viel Glück irgendwann auch noch die Flut einsetzt und das Meer mitbringt, ist man fast versöhnt. Das Bad in den sanften Wellen und der Fund einiger erstaunlicher Fassmuscheln tun ein Übriges.
Dennoch lässt mich die zwiespältige Erscheinung unserer Bleibe nicht los. Welche Geschichte erzählt ihr verblichener Glanz? Ein Streifzug durch das Gelände an den maroden Hütten vorbei bringt mich plötzlich zu einer Eingebung. Zeugt der überall lagernde Schrott und Schutt etwa noch von der großen Flutwelle 2004? Sind wir in einem Resort gelandet, das vor 20 Jahren der Tsunami verwüstet und die Existenz der thailändischen Betreiber ruiniert hat? Dann hätte das Gelände jahrzentelang brachgelegen, ehe es von dem Chinesischen Investor gekauft und in Teilen notdürftig renoviert wurde. Ganz stolz bin ich auf meine scharfsinnige Idee, die vielleicht eine Erleuchtung sein könnte. Und die sich später bei einem Strandspaziergang im Gespräch mit einer netten Thailänderin als Trugschluss entlarvt. Die Naturkatastrophe, die den früheren Hotelbetreibern das Genick brach, bestand nicht im Tsunami, der hat Krabi nämlich gar nicht erreicht. Auslöser war vielmehr die Coronapandemie. Nicht ganz so spektakulär wie meine Monsterwellentheorie, aber Hauptsache ein schuldiges Schicksal, das einen bei der Beurteilung eines Sachverhalts gnädiger stimmt und ihn besser ertragen lässt.
Am Ende des ersten Strandtages war dieser so rundum schön und erholsam, dass wir einmütig beschließen, zu bleiben. Die feinsandige Beach, die die Bay mit ihrem unglaublich blaugrünen Wasser wie ein weißer Arm umfasst, gibt den Ausschlag. Sie ist, beschaulicher als der Nachbarstrand Tubkaek, einfach nicht zu toppen. Doch auch unser Blickwinkel auf das Resort hat sich im Lauf des Tages verändert. Wir entdecken jetzt immer mehr all die schönen Stellen und Details auf dem Gelände, bei gleichzeitiger Minimierung unserer Verdrossenheit über die Schmuddelecken, in denen es aussieht wie bei Hempels unterm Sofa.
Ja, so kann's gehen. Zum Abendessen installieren wir uns im Nachbarresort, das nicht nur schmackhaftes Thaifood sondern auch kostenloses WLan im Angebot hat.Læs mere




























