• Guntrun Müller-Enßlin
Nuværende
  • Guntrun Müller-Enßlin

Tempel, Tiere, Thailand

Wieder reisen wir nach Thailand. Weil's letztes Jahr so schön war, wir zwar vieles gesehen, aber noch mehr nicht gesehen haben. In 5 Wochen fahren wir von Chiang mai im Norden bis nach Ko Lanta ganz im Süden. Læs mere
  • I øjeblikket i
    🇹🇭 พระแอะ, Thailand

    Phuket Town

    31. januar, Thailand ⋅ ⛅ 30 °C

    Die kleine Inselhauptstadt soll einen Besuch wert sein, behauptet der Reiseführer.  Am Samstagnachmittag machen wir uns auf den Weg, obgleich wir schon wissen, dass wir uns auf ein abenteuerliches Manöver einlassen und abends froh sein werden, dass wir heile zurück sind. FALLS wir heile zurück sind. Was keineswegs sicher ist.
    Für 19 Kilometer zeigt das Navi eine Fahrzeit von 43 Minuten an, von denen wir zwei Drittel stehend verbringen, weil die Rotphasen an den Ampeln lang wie Bandwürmer sind und oft mehr als zwei Minuten dauern. Wer mag sich dieses idiotische System ausgedacht haben? Irgendwie kommen wir dann vor Sonnenuntergang doch noch an, finden - oh Wunder - tatsächlich noch einen altstadtnahen Parkplatz für unser Gefährt und besuchen als erstes den Wat Klang, der seinem Namen - wenigstens nach deutschem Verständnis - alle Ehre macht. Ein Mönch in einem Türmchen betätigt eine Klangschale - Zeit zur Meditation!Der reichlich golden verzierte Niharn und die glockenförmigen Chedis funkeln im Abendlicht. Wie wir später feststellen, ist der Wat so ziemlich das einzige thailändische Element in ganz Phuket Stadt, in der man sich ansonsten wie in Chinatown fühlt. Tatsächlich ist der Ort stark chinesisch geprägt, da im 19. Jahrhundert viele Einwanderer wegen des Zinnbergbaus kamen. Ihr Einfluss zeigt sich im sino-portugiesischen Baustil, zahlreichen chinesischen Tempeln wie dem Kwanim Teng (dem ältesten der Insel), den wir allerdings nicht gesehen haben. Die Thalang-Road, Hauptschlagader von Alt-Phuket, ist gesäumt von hübschen bunten Häusern, von denen jedes einen Andenkenladen beherbergt. Es gibt Fächer, handgefertigte Taschen, Tees, Düfte in Stäbchen-, Tiegel- oder Flakonform und jede Menge Krimskrams. Auf der Suche nach Mitbringseln werfe ich mich ins Samstagabendgewühl und erstehe in die Reisetasche passendes Nettes und Nützliches zu wahrscheinlich überhöhten Preisen. R, der den Rummel verabscheut, hat sich auf einer Getränke-Terrasse zwischengeparkt und liest Luhmann.
    Tatsächlich ist der Touristenandrang in Alt-Phuket unbeschreiblich, die Stadt quasi von Fremden übernommen und in deren Hand, so dass man sie schnell satt hat. Thaifood kostet in Phuket Stadt mehr als doppelt soviel als bei uns im Resort, weshalb es keinen Grund gibt, nach meinen Einkäufen länger zu verweilen.
    Sagte ich schon, dass der Verkehr auf Phuket eine ganz besondere Nummer ist? Und dass diese Nummer in Phuket Stadt auf die Spitze getrieben wird? Der Nachhauseweg entwickelt sich rasch zur Höllenfahrt. Am Samstagabend sitzt ganz Phuket auf dem Weg von irgendwo nach nirgendwo im SUV, im Landrover oder auf dem Zweirad, auf letzterem häufig zu zweit, zu dritt oder gar zu vieren. In halsbrecherischer Manier wird überholt, geschnitten, von rechts, von links, ohne alles, ohne Blinker, ohne Sturzhelm, ohne Licht. Zeitweise haben wir zwanzig Mopeds vor uns, die auf allen Spuren fahren wie eine Eskorte, die aus- und einscheren, wie es ihnen passt, zuweilen wenden und uns am Fahrbahnrand wieder entgegenkommen - nichts ist unmöglich. Schlimmer war es letztes Jahr in Bangkok zur Rush hour auch nicht. In Nai Harn Beach läuft das Nachtleben gerade zu seiner Höchstform auf, was bedeutet, dass zu allen möglichen und unmöglichen Fortbewegungsmitteln dieser Erde auch noch zweibeinige Nachtschwärmer kommen, die mangels Gehsteig mitten auf der Fahrbahn gehen - mit einer Sorglosigkeit, als hätten sie zu ihrem Phuket-by-night-Bummel den Einsatz ihres persönlichen Schutzengels gleich mitgebucht.
    Als wir nach unzähligen Stoßgebeten ohne Karosserieschäden, sonstigen Blessuren und ohne einen Haftbefehl wegen fahrlässiger Passantentötung das Hotelareal erreichen und uns der alte Portier zahnlos lächelnd durch die Schranke winkt, sind wir kurz davor, den Boden zu küssen. Wir schwören, uns für den Rest unseres Phuket-Aufenthalts nicht mehr von der Stelle zu bewegen.
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  • Bei Vollmond auf Phuket

    29. januar, Thailand ⋅ ☁️ 29 °C

    Und schon sind wir on the road again, diesmal nach Westen, reif für die Insel. Auf den Weg nach Phuket machen wir uns mit Wehmut im Herzen, wie jedes Mal, wenn wir aufbrechen.
    Überall lassen wir liebenswerte Menschen zurück, zu denen in kürzester Zeit eine Nähe entstand, wie sie sonst kaum möglich wäre. Zu Nok, zur Therapeutin, die sich unseren verspannten Muskeln widmet, zu den netten Kellnerinnen und Kellnern in unserem Stammlokal am Strand von Baan Klong Muang. Alle sagen "Come again tomorrow", und wenn wir erwidern "Tomorrow we go to Krabi, to Phuket", sagen sie "See you next year", und wir nicken und wiederholen "See you next year" und glauben daran, dass wir uns nächstes Jahr wiedersehen, es kann gar nicht anders sein. Wir umarmen Menschen, streicheln Tiere, die wir vor ein paar Tagen noch nicht gekannt haben, und finden es schade, uns aus ihrer warmen Zugewandtheit lösen zu müssen. Im Wildlife Center bei Phetchaburi habe ich allen Ernstes gegoogelt, unter welchen Voraussetzungen es möglich ist, die junge schwarzweiße Katze, die sich uns als Eltern ausgesucht hat, zu adoptieren und mit nach Deutschland zu nehmen. Bis in unser Bett hat es der knuffige Haustiger geschafft, in unser Herz schon lange vorher.

    Die Fahrt von Krabi an die Südspitze der Insel Phuket dauert drei Stunden.
    Vorbei die Zeiten, in denen an jeder Ecke ein Wat stand und man nur den Blick heben musste, um etwas Goldenes glänzen zu sehen. Im thailändischen Süden muss man die Tempel mit der Lupe oder dem Fernglas suchen, hier teilt sich der Buddhismus die Gläubigen mit dem Islam.
    Unser erster Eindruck von Phuket ist, dass es hier mehr Autos als Menschen gibt. Inmitten einer wüsten Blechlawine hoppeln wir von Ampel zu Ampel. Der Fahrstil der Rollerlenker und PKW-Fahrer ist von einer Agressivität und Rücksichtslosigkeit, die ihresgleichen sucht. Wenn das Phuket sein soll, möchte ich möglichst wenig davon abkriegen.
    Das Baankrating Resort, unser Hotel am indischen Ozean, bietet dann aber doch alles, was das Herz begehrt, und noch mehr. Es gibt Badehandtücher, Kühlschrank, Wasserkocher, sündigen Kapselkaffee auf dem Zimmer und ein unverschämt vielseitiges Frühstücksbuffet. Nach der Schmalkost im Emerald (oder "Grimaldi", wie R, der sich keine Namen merken kann, sagt) genießen wir den Luxus von Herzen. Die abendliche Thaiküche ist vorzüglich und bezahlbar, und auf allen Tischen steht Mückenspray bereit. Vor dem Schlafengehen wird einem die Bettdecke aufgeschlagen, und auf der aufgeschlagenen Ecke finde ich zwei gelbe Blüten nebst einem Buchzeichen mit einem Spruch  von Rebecca Wells. Dass der Spruch an drei Tagen hintereinander der Gleiche ist, tut der freundlichen Absicht keinen Abbruch. Der helle Fliesenboden im Zimmer ist so spiegelblank, dass man sich extra die Füße wäscht, um ihn nicht schmutzig zu machen.
    Das Meer - naja. Immerhin ist eins da. Wem der Ministrand vor dem Resort nicht genügt, der weicht auf den türkis gefliesten Swimmingpool mit Aussicht und Überlaufbecken inmitten tropischer Vegetation aus. Dort tummelt sich auch schonmal ein überzüchtetes Urlaubsehepaar aus Japan, das in voller Montur badet, ausgerüstet mit Schwimmweste und wasserdicht verpacktem Handy. So richtig was fürs Auge! Ebenso wie der riesige Yangbaum, der direkt vor dem Balkon unseres Zimmers in den Himmel wächst.
    Das Krating ist unsere vorletzte Unterkunft. Vier Wochen sind wir jetzt unterwegs. Chiang mai, Sukhothai - das ist schon soooo lang her. Wann hatte ich zuletzt meinen lila Anorak an und war dankbar für ihn? Und seit wann trage ich eigentlich keine Strümpfe mehr? Kein Wunder, wir sind nun 2000 Kilometer weiter südlich als Anfang Januar. Tagsüber sucht man jetzt nicht mehr die Sonne, sondern den Schatten. Abends liegen wir auf aufgeheizten Steinen am Strand. Der Mond erscheint und ist heute ein Vollmond; er kraxelt am Himmel empor, er steigt und steigt wie ein Heißluftballon und steht irgendwann gegen Mitternacht fast im Zenit. Darf er das überhaupt?, fragt R. Draußen ist es noch so warm, dass man nicht einmal ein Jäckchen braucht. In Deutschland hat es seit Wochen Minusgrade. Wie sollen wir uns jemals wieder umgewöhnen?
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  • Bisschen Malle in Krabi

    26. januar, Thailand ⋅ ☁️ 28 °C

    Vier der fünf Tage in Krabi sind dahingeflogen und dabei tatsächlich Urlaubstage geworden. Man wartet auf das Meer am weltbesten Strand, auf das Frühstück, auf die Sonnenuntergänge in Bonbonfarben, die so prompt und sicher kommen wie die Mücken, die nach Einbruch der Dunkelheit über einen herfallen, manchmal auch mitten am Tag. Man liest Bücher und zuweilen eins zu Ende, an dem man schon sehr lange gelesen hat. Man erntet Einfälle für den eigenen neuen Roman und notiert sie. Man schreibt. Man genießt die Massage unter freiem Himmel und unter den Händen kompetenter Therapeutinnen und philosophiert über die Unmengen verspannter Muskeln im eigenen Körper. Man geht ein- oder zweimal täglich ins Nachbarresort, um sich per WhatsApp zu versichern, dass zuhause alle noch leben und gesund sind (nach dem Tod meiner Mutter während unserer Kolumbienreise vor zwei Jahren leider keine Selbstverständlichkeit mehr.) Nebenbei informiert man sich gleich noch über Dengue-Fieber und Malaria und die entsprechenden Risikogebiete. Krabi gehört momentan nicht dazu. Man ärgert sich über die Ameisenprozession, die am Strand durch den eigenen Rucksack marschiert und dabei eine nicht ausreichend gesicherte Kekspackung invasiv bevölkert.
    Um nicht nur am Strand, im Meer und auf Massagematten rumzuliegen, unternimmt man einen Halbtagesausflug oder, genauer gesagt, eine Spritztour zur als DAS Highlight der Region gepriesenen Railai-West-Beach und trifft auf eine Kopie von Malle. Man fragt sich am völlig überlaufenen Strand, was man eigentlich hier wollte, und vor allem, was die paar Tausend Artgenossen hier wollen, die dicht an dicht mit der Nase im Sand liegen, obwohl es dort nichts zu besichtigen gibt. Der monumentalen Felshöcker wegen, die Railai umgeben, hätten wir jedenfalls kein Longtailboot chartern müssen, die sehen wir auch vom Hausstrand des Emerald aus. Eine Stunde später sind wir schon wieder an Land. Das Herz von Ao Nang pulsiert hier schnell und laut. Ich glaube ja, dass dieser Partyflecken und Hexenkessel, der erst abends zum Leben erwacht, gar kein Herz hat. Auf dem Landmark Nightmarket gibt es immerhin was für die Augen - und schließlich auch für den Magen. Als wir gegen 23 Uhr wieder in unserer Bleibe anlanden, preise ich die Stille, den Mond und die Gespensterrufe der Nachtvögel in den großen Bäumen des Parks. Das hätte ich mir am Samstag nicht träumen lassen, dass ich am Ende mal mit Freude ins Emerald-Resort zurückkehren würde. Morgen geht es schon weiter nach Phuket - schade eigentlich!
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  • Krabi

    25. januar, Thailand ⋅ ☁️ 26 °C

    In sechstündiger Fahrt haben wir die 450 Kilometer von Ban Krut nach Krabi hinter uns gebracht. Bis jetzt hatten wir bei der Wahl unserer Hotels auf dieser Reise stets Glück, doch mit dem Emerald-Resort in der Muang Klong Bucht direkt am Krabistrand haben wir offenbar die erste komplette Niete gezogen. Dieser Eindruck stellt sich fast sofort ein, als wir das weitläufige von einem Chinesen betriebene Anwesen betreten, und verdichtet sich rasch. Eine weitläufige Parklandschaft mit wunderbaren alten Bäumen, ein paar intakten Holzpavillons und vielen bunten Lampions täuscht Eleganz, Gediegenheit, Komfort vor, leider alles im Inperfekt: Es war einmal. Überall auf dem Gelände stößt man auf unbewohnbar gewordene  Bungalowleichen, Bruchbuden, deren Terrassen überquellen von Müll und Schrott aller Art. Klimaanlagen, alte Waschbecken, Korbstuhlskelette, Wannen, kaputtes Holzmobiliar, all das gammelt still seufzend vor sich hin und lässt sich auch bei größtem Wohlwollen keinerlei Charme abgewinnen.
    Nach dem Willen des Staff sollen wir zunächst in eine Kabine im unansehnlichsten hinterletzten Winkel der Anlage verbannt werden. Nachdem wir uns erfolgreich zur Wehr gesetzt haben, werden wir rehabilitiert und kriegen was Funktionstüchtiges weiter vorne. Auch dort bleibt der Eindruck von Minimalismus pur. Keine Badehandtücher, kein Kaffeeset mit Wasserkocher, kein Kühlschrank und - als besonderes Kipferl - kein Internet. Es ist nicht zu fassen! Auf Nachfrage blafft uns der Verwalter, der sich später als der Eigner des Objekts outet, an, wir hätten wohl das Kleingedruckte in seiner Mail überlesen. Stimmt. Wie dieses Resort zu den guten Bewertungen bei Booking gekommen ist, bleibt uns schleierhaft. Mein Fluchtreflex bäumt sich auf und endet vorerst im Dorf Baan Klong Muang, das wir vom vergangenen Jahr als Restaurantoase kennen. Bei stimmungsvollem Sonnenuntergang, Reggaemusik, Tom Kha und Sweet sour Krisensitzung und kontroverse Diskussion mit R. Ich kann mir nicht vorstellen, im Emerald zu bleiben. R ist für Drüberschlafen, worauf es mangels Alternative auch hinausläuft. Leider haben wir ausgerechnet hier fünf Tage gebucht und auch schon bezahlt - keineswegs billig.
    Am nächsten Morgen ist am Strand das Meer weg. Den bei Ebbe bloßliegenden geriffelten Meeresboden kennen wir schon vom letzten Jahr am angrenzenden Tubkaek-Beach. Aber im dortigen Sunset-Nobelhotel war der Rückzug des Wassers besser zu ertragen als hier, wo er sich mit all den anderen Minuspunkten summiert zu einem Ergebnis weniger gleich Null.
    Nach dem Frühstück hat sich immerhin die Sonne durchgesetzt und verspricht wider alles Erwarten einen Traumtag. Also installieren wir uns auf den Strandliegen an der Beach. Wenn man das abgehalfterte Resort hinter sich lässt, nach vorne auf den Felsenzirkus schaut und dann mit viel Glück irgendwann auch noch die Flut einsetzt und das Meer mitbringt, ist man fast versöhnt. Das Bad in den sanften Wellen und der Fund einiger erstaunlicher Fassmuscheln tun ein Übriges.
    Dennoch lässt mich die zwiespältige Erscheinung unserer Bleibe nicht los. Welche Geschichte erzählt ihr verblichener Glanz? Ein Streifzug durch das Gelände an den maroden Hütten vorbei bringt mich plötzlich zu einer Eingebung. Zeugt der überall lagernde Schrott und Schutt etwa noch von der großen Flutwelle 2004? Sind wir in einem Resort gelandet, das vor 20 Jahren der Tsunami verwüstet und die Existenz der thailändischen Betreiber ruiniert hat? Dann hätte das Gelände jahrzentelang brachgelegen, ehe es von dem Chinesischen Investor gekauft und in Teilen notdürftig renoviert wurde. Ganz stolz bin ich auf meine scharfsinnige Idee, die vielleicht eine Erleuchtung sein könnte. Und die sich später bei einem Strandspaziergang im Gespräch mit einer netten Thailänderin als Trugschluss entlarvt. Die Naturkatastrophe, die den früheren Hotelbetreibern das Genick brach, bestand nicht im Tsunami, der hat Krabi nämlich gar nicht erreicht. Auslöser war vielmehr die Coronapandemie. Nicht ganz so spektakulär wie meine Monsterwellentheorie, aber Hauptsache ein schuldiges Schicksal, das einen bei der Beurteilung eines Sachverhalts gnädiger stimmt und ihn besser ertragen lässt.
    Am Ende des ersten Strandtages war dieser so rundum schön und erholsam, dass wir einmütig beschließen, zu bleiben. Die feinsandige Beach, die die Bay mit ihrem unglaublich blaugrünen Wasser wie ein weißer Arm umfasst, gibt den Ausschlag. Sie ist, beschaulicher als der Nachbarstrand Tubkaek, einfach nicht zu toppen. Doch auch unser Blickwinkel auf das Resort hat sich im Lauf des Tages verändert. Wir entdecken jetzt immer mehr all die schönen Stellen und Details auf dem Gelände, bei gleichzeitiger Minimierung unserer Verdrossenheit über die Schmuddelecken, in denen es aussieht wie bei Hempels unterm Sofa.
    Ja, so kann's gehen. Zum Abendessen installieren wir uns im Nachbarresort, das nicht nur schmackhaftes Thaifood sondern auch kostenloses WLan im Angebot hat.
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  • Einfach mal was Buntes ...

    23. januar, Thailand ⋅ ☀️ 28 °C

    Heute noch ein zweiter Footprint - ausnahmsweise. Gegen Abend wird der Strandtag an der Beachfront von Bankrut fortgesetzt. Dort dominieren die Farben - im alten Ortskern, im Kleiderladen, in der Konditorei westlichen Standards, im farbenprächtigsten Hafen, den ich jemals gesehen habe. Schaut selbst!Læs mere

  • Strandtage

    23. januar, Thailand ⋅ ☀️ 29 °C

    Sie beginnen frühmorgens.
    Von Natur aus Nachteule werde ich hier zum Morgenmensch. Nur die Sonne steht noch früher auf als ich. Als ich um sieben Uhr zum Strand gehe, ist sie gerade über den Horizont geklettert, und es sieht aus, als habe sie vor, heute den ganzen Tag zu scheinen.
    Strandtage sind Frei-Tage wie dieser, sie sind frei aber nicht leer.
    Strandtage haben Zweitnamen, heißen Kann, Darf oder Mussnicht. Sie heißen so sehr Mussnicht, dass ich bei meinem Strandspaziergang mein Handy vergesse, weshalb es keine Fotos geben wird von den Mönchszellen und den zwischen den Hütten an Wäscheleinen wehenden orangenen Gewändern am Fuß des Tempelbergs Phraput Kiti Sirichai. Diesmal geht meine Wanderung nach Süden Richtung Wat Thang Sai. Mönche tun einem nichts.
    Die Flut lässt mir nur einen schmalen Streifen ockerfarbenen Sand zum Gehen. Auf dem Weg gibt es Hunde, die bellen, aber nicht beißen. Es gibt Muschelkeramik in allen Größen, Formen und Farben. Ich komme an abgehalfterten Resorts vorbei, die leer zu stehen scheinen. Einmal sehe ich auf einer Terrasse einen Mann in einen Laptop starren. Männer, die an Laptops arbeiten, tun einem nichts.
    Zu erwähnen wäre noch der starke Wind von Norden auf dem Rückweg, der mir auch nichts tut. Der Mühe macht, aber nicht krank. Die Erkältung, die noch eine Weile undercover mit mir gereist ist, hat mich längst verlassen, ganz von sich aus, ohne dass ich sie vertreiben musste.
    Später, auf der Strandliege im Hotel, bin ich körperlich ertüchtigt, jetzt warten die Wörter und die Bücher.
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  • Endlich Meer - Am thailändischen Golf

    20. januar, Thailand ⋅ ☁️ 28 °C

    Im Bayview Beach Resort ist alles einfach. Komfortable Hütten mit guten Betten, heißes Duschwasser, eine Räucherschnecke auf der Veranda, um die Mücken fernzuhalten, schmackhaftes Essen, das alles zu moderaten Preisen, und das Meer gratis. Das war mein Eindruck vor einem Jahr. Wir kamen von Koh Samui, und die Heimreise stand bevor. Nach dem Paradies mit Einschränkungen war Baan Krut die vollkommene Oase. Damals habe ich mir vorgenommen wiederzukommen, und nun sind wir hier, am thailändischen Golf, 350 Kilometer südlich von Bangkok.
    Diesmal gibt es keinen Anlass, die Heimreise schön zu reden, denn noch liegen drei Wochen Tourtrip vor uns, die nun auch immer mehr Urlaub werden sollen. Unser Bungalow mit einem Boden aus glänzenden dunklen Teakholzdielen und ebensolchen schweren Möbeln wirkt etwas düster, liegt aber nur knapp 30 Meter vom Strand entfernt. R ist den ganzen ersten Abend mit dem Thema Tsunami beschäftigt. Schon am Nachmittag bei unserem Zwischenstopp am Ao Noi Tempel und der Reclining Buddha Cave südlich von Hua Hin, unserem ersten Berührungspunkt mit dem Meer, haben wir Testanrufe von Thailands Tsunami-Frühwarnsystem "THAI DISASTER ALERT" bekommen, das die Bevölkerung auf Ernstfälle vorbereiten will. Wie lange hätten wir Zeit, um uns dann in Sicherheit zu bringen, und - viel wichtigere Frage - wie und wo könnte man überhaupt einen sicheren Platz erreichen? Die Palmenplantagen landeinwärts sind topfeben und der Wat Sirichai auf dem Berg im Süden zu weit weg, um ihn fußläufig zu erreichen.
    Die Nacht vergeht abseits aller Tsunami-Szenarien ungestört im Tiefschlaf und macht gegen 7 Uhr einem etwas verhangenen Morgen Platz. Frieren war vorgestern. Noch im Nachthemd gehe ich mit dem ersten Kaffee zum Strand auf der Suche nach Muschelglück. Sammeln nur das, was in eine Hand geht, während die andere die Tasse hält. Die steigende Flut kommt mit Wellenrüschen daher und hat auf dem Rückweg schon eine weitere Borte von Strandgut gelegt, das sie bald wieder verschlucken und landwärts weitertreiben wird. Den Plastikmüll serviert sie ganz zuletzt, mit den letzten Brechern, ehe die Wellen sich beruhigen, und das Meerungeheuer, dem Diktat des Mondes gemäß, sich zurückzieht. Sechs Stunden kommt es weit draußen, dort wo es Ozean heißt, zur Ruhe, ehe es sich von Neuem mit Bescherungen aller Art auf den Weg macht.
    In den folgenden Tagen unternehme ich ausgedehnte Spaziergänge, laufe viele Kilometer am Strand entlang, finde auf den Muschelbänken wunderschöne Schmuckstücke. Manchmal sind es nur Scherben, die fragmentarisch vom vergangenen Leben ihrer Bewohner auf dem Meeresgrund erzählen. Ist das Geborstene, das Stückwerk weniger schön als das Perfekte? 
    An manchen Tagen lässt die Flut mehr Müll als Muscheln da. Zweifelhaftes Strand"gut", vornehmlich Plastikflaschen, aber auch Wollhandschuhe (!) , Schlappen, Schwämme, Tetrapacks, Trinkhalme, Plastikbesteck ...
    So auch an dem Nachmittag, als ich zu einer Landzunge nördlich des Hotels losziehe, das ich tags zuvor entdeckt habe. Auf der Hälfte des einsamen Wegs uriniert ein junger Mann in Arbeitskleidung im Wald. Ich mache einen Bogen um ihn, beachte ihn nicht weiter, bleibe dann aber stehen, weil ich sicher sein möchte, dass er mir nicht folgt. Er geht an mir vorbei, bleibt dann aber wieder stehen. Etwa hundert Meter entfernt im Wald sehe ich einen Handkarren, der wohl zu ihm gehört. Warum bleibt der Mann stehen, anstatt zu seinem Gefährt zurückzugehen? Und was soll ich machen? Weitergehen oder umkehren? Der Mann trägt ein Tuch über dem Gesicht mit Löchern für die Augen, wie es hier die Arbeiter, die den ganzen Tag draußen sind, alle tun, um sich vor der Sonne zu schützen.
    Mir ist mulmig, nicht geheuer. Wenn mir hier draußen jemand etwas antun will, hört mich keine Menschenseele. Wie ist das mit Vergewaltigung in Thailand? Wie alt muss Frau sein, um keine Angst mehr vor einem sexuellen Übergriff zu haben? Ich wünsche mir wieder mal, den Karatekurs absolviert zu haben, zu dem ich mich seit Jahren anmelden möchte.
    Da der Mann sich nicht von der Stelle rührt, gebe ich schließlich meinen Plan auf und kehre zurück zur Lodge. Schade - an der Landzunge habe ich gestern die schönsten Muscheln gefunden. Stattdessen sammle ich nun den Müll am Strand neben dem Hotel auf, einen ganzen Sack auf 50 Metern.
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  • Brillenlanguren im Kaeng Krachan

    19. januar, Thailand ⋅ ☀️ 31 °C

    Der Kaeng Krachan ist Thailands größter Nationalpark - und der am wenigsten Erforschte. Asiatische Elefanten, Bären und Tapire sollen dort ebenso ihr Zuhause haben wie Languren, Gibbons und sogar Tiger und Leoparden. Natürlich ist uns klar, dass unsere Chance, auch nur ein Fitzelchen der proklamierten Artenvielfalt  zu Gesicht zu bekommen, äußerst gering ist, zumal ohne Guide. Aber erstens täuschen sich Menschen gern, zweitens ist allein die Möglichkeit verlockend, und drittens ist der Kaeng Krachan nur einen Katzensprung von unserem derzeitigen Domizil entfernt. Und so verbringen wir während unseres Aufenthalts im Wildlife Rescue Center einen halben Tag auf dem Campground des Nationalparks - und haben Glück. Mit einigen wenigen anderen Besuchern freuen wir uns lange am Treiben einer Großfamilie von Brillenlanguren, die rund um das Camp von Baum zu Baum zieht und dabei unfassbare Kletter- und Sprungkünste zum Besten gibt. Brillenlanguren sind scheu und legen Wert auf ihre Privatsphäre. Sie haben die Angewohnheit, sich sofort umzuwenden und einem die kalte Schulter zu zeigen, wenn Mensch sie fixiert. So bedarf es einiger Ausdauer und Geduld, ihre Gesichter mit den riesigen von einem weißen Ring umgebenen Pupillen bei Gegenlicht vor die Linse zu bekommen. Zwei Mütter tragen Babys mit sich herum, die mit ihrem leuchtend orangefarbenen Flaum aus der Sippe herausstechen und von weitem den Eindruck hervorrufen, die Äffinnen hätten Spielzeugpuppen aus Gummi unter den Arm geklemmt.
    Der Campverwalter meldet eine Attraktion, und alles rennt hin. In seinem Garten tut sich ein malaiischer Schwarzbär an Melonen aus eine Tonne gütlich.
    Auf der Rückfahrt kreuzt ein schwerfälliger halbmeterlanger Waran unseren Weg. Und zu guter Letzt treffen wir am Straßenrand noch einen interessanten Zweibeiner. Ranchan, der indische Fotograf, arbeitet für die BBC  und hat das auf volle Länge ausgefahrene 1200-Millimeter-Objektiv seiner Kamera auf einen riesigen sehr fernen Yangbaum ausgerichtet, in dessen Stamm sich ein ovales Loch befindet. In der Nisthöhle brütet ein Hornbill- Weibchen, und Ranchan wartet seit drei Stunden auf das Männchen.
    Da stelle ich mich doch glatt dazu.
    Dass ich zur Tagesausbeute des heutigen Animalwatchings mit etwas Langmut noch einen Nashornvogel addieren könnte, habe ich ja nicht zu hoffen gewagt. Auch wenn mein 50-Millimeter-Apparat nicht mit Ranchans Kameramonster mithalten kann, und die geschossenen Vogelfotos nur ein schaler Abglanz seiner makellosen gestochen scharfen Aufnahmen sind. Der dem brütenden Weibchen zugehörige  Kindsvater hat sich am Ende nicht blicken lassen. Aber die paar Schnappschüsse von einem kleinen Hornbill-Pärchen waren das halbstündige Warten in angenehmer Gesellschaft wert.
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  • Singende Affen, Tiger und ein Elefant

    18. januar, Thailand ⋅ ☁️ 33 °C

    Den zweiten Anlauf, um mit der Tierwelt Thailands in Berührung zu kommen, unternehmen wir mit unserem Besuch eines Rescue-Centers  im Kanton Phetchaburi. WFFT heißt Wildlife Friends Foundation Thailand und ist eine thailändische Tierschutzorganisation (NGO), die gerettete Wildtiere aufnimmt und rehabilitiert, gegründet 2001 von Edwin Wiek.
    Wir haben in der zugehörigen Lodge ein Zimmer gebucht und werden auch diesmal wieder ausquartiert in die Dependance, was sich jedoch im Nachhinein zum Glücksfall mausert. Denn auf diese Weise stellt sich Urwaldfeeling ein, wie es authentischer kaum sein könnte. Vermutlich gibt es keinen Ort in ganz Thailand, an dem wir die vielfältige Fauna dieses wunderbaren Landes besser hätten kennen lernen können. Das Gebäude mit den modern ausgestatteten Forestrooms lässt sich bequem mit dem Auto anfahren und befindet sich, wie sich das gehört, am Waldrand mit Blick, diesmal nicht auf einen Tempel sondern einen Tümpel.
    Am ersten Morgen weckt mich R mit der Botschaft: "Ein Elefant bewacht unser Auto." Als ich nachsehen gehe, steht da
    tatsächlich eine Elefantendame,
    eine Einzelgängerin, in sich versunken in der Landschaft. Erst die Fütterung durch zwei Tierpfleger bringt ein bisschen Leben in sie. Während der Morgentoilette in der Außendusche verdichten sich draußen Laute, als stimme sich ein Chor auf eine komische Oper ein. Ein Solosänger scheint sich gar an einer Persiflage der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte zu versuchen. Immer penetranter wird der Kantus, wobei sich die Sänger mitnichten auf eine gemeinsame Melodie einigen können. Immer wieder schert einer aus und macht sein eigenes Ding.
    Das können doch keine Vögel sein, oder ... ? Ein Gang in den Wald bringt Klarheit. Dort wohnen Affen aller möglichen Gattungen in geräumigen Gehegen, und sie - singen! Wer hätte gedacht, dass unsere nächsten Verwandten Klangkünstler sind, von denen sich so manches Nachwuchstalent unter den Menschen eine Scheibe abschneiden könnte!
    Die nachmittägliche Rundfahrt mit einem Touristenbähnchen über das Gelände bringt uns der Geschichte des Rescue Centers und den Geschichten ihrer Bewohner näher. Jedes Tier hat seinen Namen, und zu vielen weiß der Guide witzige Anekdoten. Zum Beispiel zur Gibbondame Mami, die einst mit ihrem Besitzer in trauter Zweisamkeit lebte, was so lange gut ging, bis sich der Mann eine Freundin zulegte. Mami attackierte die Konkurrentin und erteilte einem Familienleben zu dritt eine Absage, worauf ihr Herrchen sie an die frische Luft setzte und sie schließlich im Rescue Center Asyl fand.
    Viele Tiere sind körperbehindert, es fehlen Gliedmaßen, der Teil eines Arms, ein Bein oder ein Flügel. Keines könnte in der freien Wildbahn überleben.
    Wir hören von schlimmen Schicksalen, die aus den Tieren Sonderlinge mit Marotten und Ticks  gemacht haben. Eine Schimpansin, die jahrzehntelang von einem Uni-Professor in einem engen Käfig gehalten wurde, lebt allein auf einer Insel in einem Teich und lässt nicht zu, dass sich ihr jemand nähert.
    Zu den Traumatisierten gehört auch unsere Hauselefantin, die stundenlang grüblerisch an der gleichen Stelle verharrt.
    Der Höhepunkt der Safari ist zweifellos der Besuch bei den Tigern. Zum ersten Mal sehe ich so ein Tier aus der Nähe. Kein Tier, kein Es, eine Persönlichkeit ist ein Tiger. Fazinierend der Blick, mit dem er mir in die Augen schaut. Sein würdevoller bedächtiger Gang, der keinen Zweifel an seiner Vitalität lässt. Nur noch 4000 freilebende Tiger existieren weltweit und eine weit höhere Zahl solcher, die in Gefangenschaft leben. Ich kann kaum glauben, dass es in Deutschland kein grundsätzliches Verbot gibt, einen Tiger als Haustier zu halten.
    Zurück in unserer Urwaldklause machen wir es uns in den Sesseln der Lounge gemütlich, die traumatisierte Elefantendame in Sichtweite, nur ein paar Meter entfernt von uns. Zur privaten Hauselefantin gesellt sich bald eine junge neugierige Katze und erklärt sich zu unserem privaten Haustiger. Einem äußerst knuddeligen anhänglichen Tiger, der vom Kuscheln gar nicht genug bekommen kann. Er schläft einen friedlichen Schlummer auf meinen Knien, während R an seinem Text arbeitet und ich am Reisetagebuch.
    Mit der lila Dämmerung werden wir Teil der Abendstimmung im Urwald. Der ganze Wald vibriert, gerät in Schwingung und hallt wieder vom dissonanten Gutenachtlied aus Affenkehlen. Manche Töne klingen in der Dunkelheit gespenstisch. Die hörbaren Schreie der Fledermäuse mischen sich mit Hundegebell und den Tönen von Nachtvögeln. Es ist zum Staunen. Never listened to something like that. What a wonderful world!
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  • Im Bann von Drache und Tiger

    17. januar, Thailand ⋅ ☀️ 32 °C

    Wieder ist ein Samstag unser nächster Reisetag. Und wie meistens setzen wir unsere Fahrt zum nächsten Ziel mit etwas Heimweh nach dem hinter uns liegenden Urlaubabschnittsdomizil fort. Schön und erholsam waren die Tage im Rimwang-Hotel mit den Morgenstimmungen und dem träge dahin fließenden Fluss. Und bereichernd war auch die Bekanntschaft mit Nok, die nicht nur mit viel Engagement und Herzenswärme das Familienunternehmen managte, sondern vermutlich auch als einzige Menschenseele in ganz Kanchanaburi über Englischkenntnisse verfügte, ohne die wir aufgeschmissen gewesen wären.

    Auf der Fahrt nach Phetchaburi passieren wir zwei spektakuläre Tempel.
    Beim Besuch der Heavenly Dragon Cave müht man sich bei Hitzetemperaturen über einen scharlachroten Treppenkanal aufwärts, nur um sich dann von einem Drachenschlund verschlucken zu lassen. Der Korpus des Drachens erstreckt sich bis tief ins Berginnere und ist ausgefüllt mit Religion. Höhlentempel nennt sich das und ist bestückt mit viel Buddha-Gold und ein paar Stalaktiten. Es folgt ein schweißtreibendes Gekraxel über Treppen zurück ans Tageslicht und zuletzt über unwegsame Felsstufen bis zum Chedi auf dem Hügel. Von hier oben ist Thailand ein Flickenteppich aus Seen, Feldern und Weilern mit bunten Dächern. Mittendrin der chinesische Tigercave Tempel, mit seinen für Thailand ungewöhnlichen mächtig aufragenden Prangs, die im Dunst anmuten wie eine Vision. Diese wird bei der Anfahrt zwar wirklicher, behält aber den futuristischen Touch einer Alien-Stadt. Sehr von dieser Welt ist dagegen der touristische Umtrieb der Spezies Mensch in der weitläufigen Tempelanlage, der jedoch unsere Bewunderung über dieses Meisterwerk religiöser Architektur und den darin verbauten Ideenreichtum nicht schmälern kann. In mit Fenstern gespickten Kegeln und Quadern, unter malerisch aufgefächerten Dächern wohnt eine luftige freundliche Spiritualität, die nach Sandelholz duftet und in der man auch drinnen draußen ist. Der in einer Muschelhälfte  thronende goldene Buddha macht mit beiden Händen die gleiche besondere Geste: Daumen und Zeigefinger berühren sich, bilden einen Kreis, das Rad der Lehre, und beschwören die Endlosigkeit der Energie. Die Tigerhöhle, welcher der Tempel seinen Namen verdankt, haben wir nirgendwo entdeckt.
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  • Ein Fluss, ein Markt und Sprachprobleme

    15. januar, Thailand ⋅ ☀️ 31 °C

    Am River Kwai ist tote Hose. Das ist unser erster Eindruck nach unserer Ankunft im Kanton Kanchanaburi, der sich in den beiden Tagen unseres Aufenthalts bestätigt. Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass die Berglandschaft nordwestlich von Bangkok mit Glanzlichtern punkten kann, die ihre düstere Vergangenheit im Indochinakrieg ein bisschen aufwiegen kann.
    Die "Brücke am Kwai", bekannt geworden durch den gleichnamigen Film, war 1943 Teil eines gigantischen Verkehrsprojekts der Japaner, die hier unter Inkaufnahme enormer menschlicher Verluste die 415 Kilometer lange Eisenbahn des Todes bauen ließen; am Fluss entlang und dann über den Three Pagoda Pass führte sie bis nach Birma.
    Von Sukhothai sind wir in knapp sieben  Stunden über Land 580 Kilometer nach Süden gefahren. In den Zuckerrohranbaugebieten südlich von Uthai Thani war die Ernte in vollem Gang und wurde mit überladenen Lastwagen in die Verarbeitungszentren und Raffinerien transportiert. Die trockene warme Luft schwirrte von Spelsenstaub, und von Frieren konnte keine Rede mehr sein.
    In Kanchanaburi haben wir um die Soldatenfriedhöfe, die an die fast 100000 ums Leben gekommenen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter erinnern, einen Bogen gemacht. Unsere Lodge liegt abseits des blutgetränkten Gebiets hoch über dem Flussbett, das sich der fluchbeladene River gegraben hat. Von der Aussichtsterrasse unseres Hotels "Rimwang the river life" eröffnen sich spektakuläre Flussblicke. Die Umgebung erinnert mich sofort an Leticia am Amazonas vor zwei Jahren mit Julian. Auch wenn das Gewässer nicht annähernd an die Ausmaße des Flussgiganten in Kolumbien herankommt. Das gegenüberliegende Ufer sieht aus wie eine Spielzeuglandschaft, in der sich ein Konstrukteur an verschiedensten Arten von Feriendomizilen verlustiert hat - Domizilen, die allesamt verwaist sind. Wir sind in der Nebensaison gelandet, wobei wir daran zweifeln, ob es in diesem verschlafenen Landstrich überhaupt so etwas wie eine Hauptsaison gibt. In unserer Lodge sind wir, ebenso wie im Restaurant, die einzigen Gäste. Das 39 Grad warme Wasserbecken der Hot Springs weiter landauswärts teilen wir uns mit Einheimischen. Auch auf dem kleinen Gemüsemarkt entlang der großen Überlandstraße ist die Bevölkerung, mit Ausnahme von uns Reingeschmeckten, unter sich.
    Man kann hier gut Menschen beobachten, eingesponnen in ihre alltäglichen Beschäftigungen, die genügsamen sich jeden Tag wiederholenden Arbeiten. Die Einwohner verkaufen ihr selbstgezogenes Gemüse, beackern einen kleinen Flecken dieser Erde, fegen, schneiden Bäume, wässern Felder und Gärten. Ob sie damit zufrieden sind? Oder sich diese Frage gar nicht stellen? Bei einem Erkundungsgang um die Lodge stoße ich auf geschlossene Tempeltüren, auf Schulkinder hinter Gittern in einem Hof, während die Hunde frei herumlaufen. Es gibt sie hier im Dorf und auch sonstwo in Thailand wie Sand am Meer. Sie sehen alle gleich aus und sind weder niedlich noch nett, sondern machen auf "ganz gefährlicher Hund", fletschen die Zähne und veranstalten ein absonderliches Gekläff, wenn man sich dazu versteigt, an ihnen vorbei zu gehen.
    Abends gibt es Zikaden, die genauso tönen wie ihre Cousinen in der Toskana. Auch das morgendliche Krähen der Hähne und das Taubengegurr ist Esperanto, das man überall auf der Welt versteht. Ganz anders unter den Menschen -  hier bildet die Sprache eine Grenze, die trennt, insbesondere wenn Deutsche kein Thai und Thais kein oder kaum Englisch sprechen. In einem Kramladen kaufen wir Apfelsaft, der sich später als Palmöl enttarnt. Im Restaurant genügen drei um unseren Tisch herumstehende Kellner nicht, um in  Schwerstarbeit unsere Bestellung aufzunehmen. Die Kommunikation scheitert schon bei den Getränken. Saft? Gibt es nicht. Shakes, Wein? Kopfschütteln und "mai, mai". Deutsche haben Biertrinker zu sein, haben allenfalls auf Fanta, Cola, oder Cola light auszuweichen, die in Flaschen auf dem Tisch landen, ohne Glas, aber mit dem unvermeidlichen Trinkhalm, selbstverständlich aus Plastik. Wie schafft es diese Restaurant-Belegschaft, mit ihren nicht vorhandenen Sprachkenntnissen in ihren Räumlichkeiten eine Busladung von Touristen zu verköstigen, womöglich noch in einem angemessenen geologischen Zeitfenster?
    Auf dem Gemüsemarkt verlegen wir uns von Anfang an auf Zeichen- und Körpersprache. Die Sushis, die zwei junge Leute verkaufen, munden ausgezeichnet, ebenso wie frischer Mandarinenjus und süße Gebäckteilchen. Beladen mit Mandarinen, Bananen und Trauben kehren wir zum Auto zurück.
    Zuckerrohrsaft, den eine Bäuerin aus Stangen in einer Maschine presst, werden wir bestimmt auch noch probieren.
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  • Wenn es Abend wird in Sukhothai ...

    13. januar, Thailand ⋅ ☀️ 29 °C

    Im archaischen Wat Si Chum nordöstlich von Sukhothai soll seit 700 Jahren ein großer Buddha in Meditation versunken sitzen, ganz allein in einem würfelähnlichen Gemach, das eigentlich zu klein für ihn ist.
    Bei unserem Besuch in der Abenddämmerung ist seine Wohnstatt eigentlich seit 17 Uhr geschlossen, aber netterweise nicht VERschlossen. Unbehelligt schlendern wir am verwaisten Tickethäuschen vorbei und haben kurz darauf unser Rendezvous mit dem Buddha-Giganten, der auf uns gewartet hat. Seine Monumentalität würde einen erschlagen, wäre sein Gesicht mit den halb geschlossenen Lidern und den geschwungenen Lippen nicht von einer anrührenden Menschlichkeit. So stelle ich mir eher den Siddharta vor, als er noch auf der Suche und längst nicht Buddha war. Dieser "Erleuchtete" hat zweifellos Gefühle, er kennt das Leiden, ebenso wie grenzenloses Glück.
    Dass wir zu dieser Abendzeit allein mit ihm sind oder auch er mit uns, ist fast das Beste an unserer Begegnung, ein Kontrapunkt zu unseren Erfahrungen in Doi Suthep und anderswo. Hier traut sich ein Buddha seit Jahrhunderten, einsam zu sein, ohne Schmuck und Klunker, ohne Blumen und Anbetung, bewacht und begleitet nur von seinem Freund, dem Baum, der gemeinsam mit ihm der Vollendung entgegenwächst.
    Wir wissen es längst: Überall wo in Thailand ein alter weiser Baum steht, ist ein Tempel und darin ein Buddha nicht weit. Im Fall des Wat Si Chum ist es ein 200 Jahre alter, 20 Meter hoher Mangobaum mit einem mehrere Meter dicken Stamm und einem dichten Blätterdach.
    Wir verweilen lange, können uns kaum losreißen. Erst als man fast nichts mehr sieht, lassen wir den Buddha mit seinem grünblättrigen Gefährten, der Stille und der Dunkelheit allein. Morgen früh wird es sein gen Osten gewandtes Gesicht sein, auf das die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne fallen.

    Unser Erlebnis mit dem Buddha von Si Chum war ein Ereignis, besser als das ganze Wat Mahathat  im Historical Park. Was kann nach so einer Sternstunde noch kommen?
    Wir sind zurückgekehrt nach Alt- Sukhothai. An der Hauptstraße blüht ein lebhafter Nachtessensmarkt. Wir kaufen ein paar Leckereien als Reiseproviant für die lange Fahrt nach Süden morgen und beschließen unseren letzten Abend in Nordthailand mit einem feinen und unschlagbar günstigen Mahl im gemütlichen Restaurant Chana. Unser Fazit: Sukhothai ist super, allemal eine Reise wert.
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  • Sukhothai heißt Wiege Thailands

    12. januar, Thailand ⋅ ☀️ 28 °C

    Eine Iglunacht in Thailand ist genug. Früher als beabsichtigt haben wir uns vom Elephants Sanctuary verabschiedet und die erste Etappe unserer langen Reise nach Süden unter die Räder genommen. Auf schläfrigen Straßen, an herbstlich vertrockneten Wälder und ausgedehnten frühlingsgrünen Reisfeldern vorbei sind wir durch den Sonntag gefahren und nach fünf Stunden Fahrt in Sukhothai gelandet. Auch hier wird es abends kühl, doch unser Hotel "Le Charme" ganz in der Nähe des Historical Parks lässt keine Wünsche offen. Auch diese Anlage ist von Teichen durchzogen, in denen Fische wohnen und der Lotus gerade seine Blüten entfaltet.
    Um Sukhothai zu erkunden, kann man im Hotel einen klapprigen Drahtesel leihen und sich mit dem Golfwägelchen bequem durch das riesige Gelände des Historischen Parks chauffieren lassen. Die darin verstreuten 700 Jahre alten Überbleibsel von Tempeln und Palästen sind, beschienen von der Morgen- oder Abendsonne, am schönsten. Im 13. Jahrhundert brachte der erste König der Tai, Ramkhamhaeng, weite Landstriche des heutigen nördlichen Thailands unter seinen Einfluss und ließ hier seine Residenz errichten. Zentrum war der Wat Mahathat, heute UNESCO Weltkulturerbe. Das letzte Abendsonnenlicht bringt die aus schwarzem Vulkangestein, Mörtel und roten Ziegelsteinen konstruierten Chedis, Prangs und Säulenrelikte zum Leuchten und lässt, was einst als Behausung zum Leben, Arbeiten und Beten gedacht war, aussehen wie Kunst. Am Wat Si Sawai schläft ein verwunschener Teich unter einem Algenteppich seinen Dornröschenschlaf. Kann etwas Schlafendes Stimmung verbreiten? Am schönsten aber sind die Momente, in denen man zwischen den Ruinen auf einen hockenden oder stehenden Buddha trifft, der das Ensemble der toten Steine zum Leben erweckt. Auf einmal wird mir klar, warum ich mit den menschenlosen Ruinen der westlichen Kultur nie so recht etwas anzufangen wusste.
    Das Vintage im Park wird komplettiert von  Baumriesen mit mächtigen Stämmen und voluminösem Laubwerk, in dem Eichhörnchen herumhuschen. Anders als die Steine haben die Bäume im Park nicht aufgehören zu wachsen, sind zusammen mit ihnen alt geworden und doch am Leben geblieben.
    Selten erlebt man Orte, an denen Geschichte, die nicht nur die der Menschen ist, so viel von sich erzählt oder preisgibt wie hier. Eine offene Tür in die Vergangenheit, back to the roots - der Park mit der Ruinenstadt von Alt-Sukhothai ist eine.
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  • Elefanten im Outback

    10. januar, Thailand ⋅ ☀️ 24 °C

    Nichts gegen ein bisschen Abenteuer, aber so viel hätte es nicht sein müssen.
    Ja, wir hätten früher losfahren müssen, aber R konnte sich nur schwer trennen von unserem vernachlässigten Paradies mit dem Seerosenteich. Ich mochte am liebsten die von den ersten Sonnenstrahlen angewärmten Treppenstufen vor dem Bungalow, auf denen ich noch im Nachthemd Kaffee trank und mich nach der kalten Nacht auf den Tag freute.
    Die Kälte wird Thema bleiben und noch eins draufsetzen, aber das wissen wir noch nicht, als wir am Samstag, 10.01., weit nach 13 Uhr endlich in Doisaket abfahren. Das erste Etappenziel ist der Wat Phra That Doi Suthep, ein im gleichnamigen Nationalpark in 1674 Metern Höhe gelegener buddhistischer Tempel, von dessen Aussichtsterrasse man einen grandiosen Blick auf Chiang Mai hat. Du meine Güte, wieviel Gold, wie viele Menschen sind das hier oben! Alles glitzert, flimmert, explodiert in Farben, überfordert die Sinne, die nach innerer Einkehr lechzende Seele sowieso. Im Buddhismus ist das Nirwana der Raum, der für das Göttliche freibleibt. Hier an diesem Ort aber ist alles vom Irdischen verstopft, kein Fitzelchen Platz bleibt in der fast kitschigen Spielzeugwelt aus Blumen und Plastik für Spirituelles. Ein Metallschrank entpuppt sich als riesige Opferbüchse mit lauter briefkastengleichen Fächern, in deren Schlitz man für jeweils bestimmte gute Zwecke Bares einlegen kann. Ich muss an den Ablasshandel des Mittelalters denken. Ist Religion auch hier in Thailand gefährdet, zu einem Geschäft zu werden, aus dem irgend jemand Kapital schlägt? Oder ist sie es längst geworden?

    Vom Tempel Doi Suthep bis zum Chailai Orchid Elefant Sanctuary sind es eine Stunde und 37 Minuten Fahrzeit. Laut Navi müssten wir die Auffangstation für Elefanten in den Bergen, in der wir unsere nächste Unterkunft gebucht haben, also noch im Hellen erreichen. Doch das Navi irrt, führt uns mehrfach an der Nase herum und lässt uns schließlich ganz im Stich. Im Stockdunkeln, in dem die funzeligen Autoscheinwerfer absolut keine Hilfe sind, suchen wir mit dem Mietwagen über eine Stunde vergeblich die Zufahrt zur Lodge. Erst das Telefonat einer netten Cafébesitzerin mit der Rezeption des Chailai Orchid macht dem Alptraum schließlich ein Ende, nicht aber der Odyssee. Nach dem Einchecken müssen wir, um zum gebuchten Riverfrontbungalow zu gelangen, das Auto stehen lassen und in einen Geländewagen umsteigen, der uns irgendwo im Nirgendwo an einem tosenden Fluss ausspuckt. Es folgt ein viertelstündiger Geländemarsch durch die Pampa ans Ende der Welt. Im verwaisten Restaurant neben den vier Chalets sind wir die einzigen Gäste. Nach dem Motto "Der Letzte macht das Licht aus" verabschieden sich die beiden Serviererinnen, sobald wir unser Red und Green Curry bekommen haben, und überlassen uns unserem Schicksal. In unserem Bambusbungalow ist alles minimalistisch, das Mobiliar, die gefühlt einstelligen Temperaturen. Robert pfeffert vor Wut seinen Stock durch die nicht vorhandene Einrichtung, was auf die Situation keinen nachhaltigen Eindruck macht. Zähneklappernd müssen wir uns eingestehen, dass wir in der Falle sitzen und uns für eine Nacht im Iglu installieren müssen. Da hätten wir auch gleich nach Island fahren können. Vollständig angezogen kriechen wir unter die Bettdecken, und ich blicke tief in eine Flasche Rotwein, die ich mir geistesgegenwärtig vor unserer Verbannung ins Outback noch geschnappt habe.

    Irgendwie kriegen wir dann - oh Wunder und trotz tobendem Flussnachbarn - doch ein paar Mützen Schlaf, und rückblickend muss ich sagen, dass ich in meinem Leben schon garstigere Nächte erlebt habe. Stunden später grinst die Sonne durchs beschlagene Fenster und sagt Guten Morgen. Als ich nach Katzenwäsche die Bungalowtür öffne, steht draußen ein Elefant. Um 8 Uhr früh hat sich das im Dunkeln vollkommen abweisende Urlaubsambiente zu einer freundlichen Oase gemausert. In den angrenzenden Chalets gibt es Nachbarn, die den Dickhäuter mit Zuckerrohr füttern, ehe er zu uns kommt, damit wir das Selbe tun.  Was für ein unglaublich großes Tier, und was für ein Glück, ihm ohne Furcht so nahe kommen zu dürfen! Sein Rüssel, der Greifarm, mit dem er von uns die Zuckerrohrstangen in Empfang nimmt, um sie in seinen Schlund zu befördern, fühlt sich warm und runzelig an.
    In Nordthailand gibt es keine frei lebenden Elefanten mehr,  und Dickhäuter, die ein Leben als Reittier im Dienst der Menschen verbracht haben, dürfen nicht mehr ausgewildert werden. Ob das auch für Elefantenbabys gilt, wie wir später noch eines zu Gesicht bekommen, wissen wir nicht.
    Nach dem Elefantenfrühstück folgt die Fütterung der Zweibeiner. Vor unserem Iglu sitzend verspeisen wir Früchte, Kokoscreme und Rührei in Täschchen aus Bambusblättern. Die Sonne lässt den Frost in unseren Gliedern schmelzen und hat noch genügend Wärme für die Hunde übrig, die uns Gesellschaft leisten.
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  • Mit dem Tiktok durch Chiang Mai

    9. januar, Thailand ⋅ ⛅ 16 °C

    Frühmorgens sackt das Thermometer in unserer Bleibe auf 10 Grad und man friert im Daunenschlafsack wie ein Schneider.
    Als in die Nacht gefrorenes Reptil hockt man mit dem ersten Kaffee auf den Stufen vor dem Chalet und wartet darauf, dass die Sonne einen erlöst und wieder zum Menschen macht. Der Nachbar mit dem Pferdeschwanz schlappt in Flipflops, Shorts und T-Shirt vorbei, und wir fragen uns, wie hat der die Nacht überlebt? In der Hand trägt er eine Plastiktüte mit einem XXL-Nutella-Glas, das er mit zum Frühstück nimmt. Die Verpflegung im Baan Chai Thung ist überschaubar und ausreichend, der Kaffee allerdings lauwarm und so dünn, dass man die Zeitung hindurch lesen könnte. Liegt es daran, dass der Kreislauf morgens nicht in Schwung kommt, oder immer noch am Jetlag? Wir beschließen, uns bei unserem Wiederholungsbesuch in Chiang Mai mit grünem Tee einzudecken, vielleicht erweist er sich als Gamechanger.
    Die Parkhäuser, die wir in Chiang Mai anfahren, machen allesamt schon um 18 Uhr zu, also suchen und finden wir schließlich mit viel Glück einen regulären Parkplatz beim Tha pae Gate östlich der Altstadt. Von hier aus geht es mit dem Tuktuk, nein Tiktok (Robert) weiter, das für diesen Tag unser Fortbewegungsmittel wird. Zwischen 100 und 150 Baht zahlen wir für eine Fahrt, die meist nur 1 oder 2 Kilometer beträgt, die sich aber summieren, wenn man in kurzer Zeit ein halbes Dutzend über das Zentrum verstreute buddhistische Tempel besichtigen will. Und das wollen wir, vielmehr will ich. Unter den archaischen Heiligtümern ist besonders der in königlichem Rotgold gehaltene Wat Chang Man eine Perle, deren Schönheit im meinen Augen noch übertroffen wird vom Wat Lok Molee im burmesischen Stil. Von meditativer Stille kann in Letzterem allerdings keine Rede sein. Das Treiben erinnert an Kirmes; SUVs, einer größer und protziger als der andere, fahren bis in den Hof und parken dort dicht an dicht. An Verkaufsständen wird ungeniert alles, was irgendwie der Religionsausübung dient, zu Geld gemacht, und ich muss an die Geschichte von der Tempelreinigung in den Evangelien denken. Hier auf diesem buddhistischen Gottesgelände bildet der überall wabernde Räucherduft aus Sandelholz, Kräutern und Harz eine verwirrende spirituelle Brücke, die die Gegensätze zwischen dem Profanen und dem Sakralen abschwächt. Der Buddhismus zelebriert sich hier ganz unverhohlen, vielleicht sogar willentlich, als diesseitige Religion mit einem unverkrampften Verhältnis zum Materiellen. Der Widerspruch zwischen Entsagung und Völlerei (Stichwort dicker Buddha), zwischen innerer Einkehr und farbenprächtiger sinnlicher Weltoffenheit fasziniert mich einmal mehr. Der burmesische Buddhismus hat sich bei der Ausgestaltung seiner Tempel einer ausgeprägten Ornamentik, oft ganz in Weiß, verschrieben. Im Viharn, mit Wänden und Säulen ganz aus schokoladenbraunem Holz, fühlt man sich wie im Inneren einer Pralinenschachtel. Vorne trohnt etwas erhöht die Statue des Erleuchteten, neben dem andere bedeutsame Lehrer ihren immerwährenden Platz haben.
    Im Wat Phra Sing Tempel, den wir als nächstes und letztes besuchen, sind diese Gelehrten in der Ahnenreihe seit Buddha in Ton und Farbe so echt dargestellt, dass ich beim Eintritt in den Viharn überzeugt bin, es handele sich um Menschen aus Fleisch und Blut, wie sie da nebeneinandersitzen in ihren orange leuchtenden Gewändern mit Brille und Haarstoppeln, mit Narben, herunterhängender Unterlippe und unverwechselbarem Mienenspiel. Vermutlich war bei der Entstehung der Plastiken und der Vortäuschung ihrer Echtheit genau das beabsichtigt: die Suggestion der Allgegenwärtigkeit der Ahnen, die gemeinsam mit den jetzt lebenden Mönchen hier im Gebetsraum versammelt sind und mit ihnen eine Community bilden.
    Das Kalm Village, das wir als danach besuchen wollen, ist entgegen der Ankündigung leider geschlossen. Schade - das Zentrum von Gegenwartsarchitektur hätte uns als Kontrastprogramm zu den Jahrhunderte alten Zeugnissen religiöser Kultur, die Chiang Mai dominieren, sehr interessiert.
    Kurzentschlossen lassen wir uns vom Tiktok-Fahrer zu den Märkten Lam und Warorot östlich des Zentrums chauffieren, doch die Händler in der voluminösen Markthalle sind bereits am Zusammenpacken.
    Am Ufer des Mae Nam Ping Flusses finden wir ein ruhiges Esslokal. Vor der Heimfahrt stöbern wir im Seven eleven und bei Lotus noch vergeblich nach Grünem Tee. Rotwein gibt es, wenn auch zu Mondpreisen.
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  • Ein kranker Buddha an der Himmelsleiter

    7. januar, Thailand ⋅ 🌙 17 °C

    Wer sagt denn, dass es nur in Chiang Mai schöne Tempel gibt?  Der Chedi des Tempels von Doisaket auf der Anhöhe lockt mich und ist von der Lodge aus fußläufig zu erreichen. Ich muss mich bewegen und das tue ich. Zunächst an der Straße entlang und dann über einen von ärmlichen Häusern gesäumten Steig nach oben. Es riecht nach Hühnern und anderem Getier, nach Müll, nach Suppenküche, nach süßen Blüten, die sich erst bei Sonnenuntergang an ihren Duft erinnern. Eine Frau mit sehr wenigen Zähnen sitzt auf der Schwelle ihrer Haustür und lacht mich an.

    Am Fuß der Freitreppe, die zur Tempelanlage führt, liegt ein riesiger gesichtskranker Buddha. Sein gesunder Bruder thront oben auf der Anhöhe, die über unzählige Treppenstufen des „Skyways“ erklommen werden muss. Eine Erziehungsmethode, die daran erinnern soll, dass das Leben Leiden ist, wie es der erste Leitsatz des Buddhismus behauptet? Wäre sie eine, fände ich sie nicht besonders drastisch. Zumal man oben nicht nur mit dem Anblick der cremefarbenen Chedi, sondern auch mit schönstem Abendrot und Rundum-Panorama in die Ebene belohnt . Wenn man den Gebetsraum des Klosters betritt, scheint sich gar nach oben der Himmel zu öffnen, ehe einem klar wird, dass die blaue Kuppel in einem genialen Kunstgriff gemalt ist.

    Alles hat eine Kehrseite. So sakral der Hinweg, so weltlich der Rückweg. Beim Drunterweglaufen unter dem Skyway ist dieser eine höchst profane unansehnliche lange Betonplatte. Danach gestaltet sich der Heimweg an der dunklen, unbelebten aber stark befahrenen Straße auch nicht so lustig. Viele Töffs und manche Autos sind genauso unbeleuchtet wie ich. Schön wars trotzdem, und am sicheren Ende wartet die „Oase“.
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  • Tempeleuphorie in Chiang Mai

    6. januar, Thailand ⋅ 🌙 18 °C

    Fünf Wochen Zeit haben wir, um Thailand einmal von Norden nach Süden zu durchqueren oder vielmehr zu durch“längsen“. Wie kriegen wir es hin, dass diese Reise zugleich auch Urlaub ist? Nach unserer Ankunft in Bangkok haben wir uns nach und nach aus unserer Winterkleidung geschält und sind am gleichen Morgen weiter nach Chiang Mai geflogen, Kultur- und Tempelmetropole des Thailändischen Nordens. Vielleicht nicht der beste Ort, um nach den Strapazen der Anreise erstmal zur Ruhe zu kommen. Das Baan Chai Thung Resort in Doisaket, unsere erste Unterkunft, liegt etwa 30 Kilometer westlich von Chiang Mai und entpuppt sich als charmante Oase mit Patina. Die weitläufige Anlage mit mehreren kleinen Seen, Pool und Restaurant ist ein bisschen in die Jahre gekommen, aber doch so gepflegt, dass man sich wohlfühlen kann. Unser Bungalow hat bunte Glasfenster und schaut auf einen Seerosenteich mit vielen verdorrten Blättern, die jemand vergessen hat, abzuschneiden.
    Wir sind in eine andere Jahreszeit geflogen - und sehr erstaunt, dass sie auch hier Winter heißt. Anfühlen tut sie sich ein bisschen wie vertrockneter Spätsommer, in dem die Natur durstig nach Wasser lechzt, und es wohl auch bald bekommen wird. Die Regenzeit steht - naja, nicht vor der Tür, aber am Gartentörchen von Nordthailand. Tagsüber hat es hier im Norden angenehme 25 Grad. Zwischen unserer Ankunft und der ersten Stippvisite nach Chiang Mai liegt allerdings eine sehr kühle Nacht, in der ich am Ende alle verfügbaren warmen Klamotten übereinander anhabe. In Michelinmännchenmontur, bestehend aus Pullover, Strumpfhose, Überstrümpfen und Daunenjacke liege ich in meinem neuen Daunenschlafsack, den ich mir gekauft habe, um in thailändischen Doppelbetten nicht auf kommunistische Zudecken angewiesen zu sein. Ich friere. Offenbar schwappt gerade wieder ein Kältehoch zu uns her, das, wie fast alles in der Welt, aus China kommt.
    Nachmittags in Chiang Mai herrscht dagegen die erwartete tropische Hitze. 200000 Einwohner hat die Stadt - und in ihrer Mitte ein pochendes Herz, einen Altstadtkern, der gerade mal 1,5 mal 1,5 Kilometer misst und von Wasser und Resten einer Stadtmauer umgeben ist. Die Parkplatzsuche mit dem Mietwagen ist eine kleine Tortur. Glücklicherweise kann man sich in der Altstadt, in der es fast so viele Wats wie Restaurants gibt, per Tuktuk oder TikTok (Robert) von A nach B chauffieren lassen. So gelangen wir in der Dämmerung zum Wat Chedi Luang, einem ersten Superlativ auf dieser Reise. Der Torso des alten Chedi erinnert noch an die Bauzeit im 15. Jahrhundert und korrespondiert mit den neuen Gebäuden, in denen einem Buddha in den verschiedensten Körperhaltungen begegnet. Schlief der Erleuchtete mit offenen Augen? Und war sein Bauch, den er sich beim Lachen oft hält, tatsächlich dick? Jasminduft betört die Nase, Mönchsgesang das Ohr, der Reigen der im Abendwind tanzenden farbigen Lampions ist ein Fest für die Augen. Wie sind die Elefanten, die auf der Brüstung der alten Chedi trohnen, dort hinauf gekommen? Und werden die drei archaischen Yangbäume mit gigantischem Stamm-Durchmesser, die die Tempelanlage überragen, am Ende in den Himmel wachsen?
    Ich bin angekommen, antwortet es in mir.
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  • Katastrophen und die Welt von oben

    5. januar, Thailand ⋅ ☀️ 32 °C

    Der erste Reisetag ist weiß. Wie ein unbeschriebenes Blatt, das Thailand diesmal nicht mehr ist.
    Am Anfang steht der Flug. In den Tagen nach Silvester der Vorbereitungsstress, der in einen ersten dramatischen Höhepunkt gipfelt, als sich das Erstellen des Online-Visums, das Thailand neuerdings fordert, wie befürchtet als schier unüberwindliche Hürde gebärdet. Vielleicht mit ein Grund, warum sich mein Körper auf den letzten Metern den Viren und Bakterien ergibt, denen er, umzingelt von lauter Infektiösen, bis dahin standgehalten hat. Zwei Tage vor Abreise erwischt mich eine schmerzhafte Halsentzündung, immerhin so rechtzeitig, dass ich mir am einzigen Werktag innerhalb einer Inflation von Sonn- und Feiertagen bei der Ärztin ein Antibiotikum verschreiben lassen und dieses besorgen kann. Es wirkt sehr prompt, und so verläuft die Fahrt nach Frankfurt am Sonntagmorgen wider alles Erwarten schmerzfrei. Am Gate Schrecksekunde, als ich feststelle, dass mir bei der Sicherheitskontrolle mein Handy abhanden gekommen ist. Spurt zurück zu den Durchleuchtern, die schon mit dem Teil winken, als ich angehetzt komme. Ich muss es aus Versehen in einer der hundert Wannen liegenlassen haben, in die meine Habseligkeiten beim Sicherheitscheck sortiert worden sind.
    Nach überwundenen Katastrophen sitzen wir zur Mittagszeit endlich im Flieger. Für die nächsten 10 Stunden heißt es aushalten als Sardine zwischen Sardinen in einer fliegenden Büchse, komprimiert auf 30 Zentimeter Sitzfläche, vollgestopft mit Gliedmaßen, Kissen, Decken, Fläschchen und Technik. Bewegen ist quasi unmöglich, das Aufsuchen der Toilette Schwerstarbeit in zahlreichen Akten, die man sich mehrfach gut überlegt, ehe man sie bleiben lässt. Auch die Bordmahlzeit eine artistische Herausforderung. Am geschicktesten wäre es, mit bei den Sitznachbarn untergehakten Armen zu essen, um den nicht vorhandenen Platz besser auszunutzen.
    Weit ist nur der Blick nach draußen, ins Blaue nach oben, ins Weiße nach unten. Frau Holle hat sich was Schönes für uns ausgedacht. Ein Flickenteppich aus grauen und weißen Vierecken, kubistische Schneelandschaft, wie sie Paul Klee oder Picasso malen würden, wenn sie noch lebten. Allzu rasch verschwindet die Bildkunst unter Wolken, übrig bleibt langweilige gebleichte Schäfchenwolle.
    "Deutschland von oben", sagt R. Und Deutschland ist dann bald Geschichte, die Eiseskälte auch.
    Was in 10 Kilometern Flughöhe nur dünne Luft ist, heißt unten Prag, Budapest, Brasov und Bukarest. Über dem Schwarzmeer ist es gleich weit bis zu meinem Sohn und seiner Freundin in ihrem Urlaub in Antalya und bis nach Donetsk im Krieg in der Ukraine. Wie weit ist es bis zum Frieden?
    Hinter Tiflis hören die bekannten Namen auf, und aus der Heimat wird die große weite Welt, die Herzklopfen macht auch hier oben. Längst ist es dunkel, die Wolkendecke hat mutiert zu einem schwarzen Schaf. Inmitten des großen Schattens, in den wir hineinfliegen, begleitet uns das Positionslicht des Flugzeugflügels wie eine Wegleuchte. Das Kaspische Meer sieht auf Google maps aus wie ein aufrecht stehender Frauentorso, an dessen Rücken sich Aserbeidschan schmiegt. Baku liegt im Hohlkreuz.
    Auf der anderen Seite folgt Turkmenistan mit Asgabad. In Afghanistan will R. nicht notlanden müssen, ich auch nicht. Auch nicht in den jungfräulichen Gebirgen, die keine Grenzen kennen und bis nach Pakistan reichen. Danach kommt Indien, dann etwas Meer und schließlich ein Zipfel Myanmar.
    11 Staaten haben wir überflogen und dabei 2 Dutzend Metropolen auf- und wieder untergehen sehen, namhafte und namenlose samt dem Netz der Milchstraßen, die das Universum am Boden miteinander verbinden. Diese Reise nach Osten ist soviel spannender als der Flug über einen einzigen blöden Atlantik mit ein bisschen New York oder Toronto zur Belohnung hintendran!
    Um 6 Uhr früh erreicht die Thai Air Maschine Bangkok und setzt zur Landung an. Die Immigration vollzieht sich, genau wie im Jahr zuvor, mit Lichtgeschwindigkeit, das idiotische Visum, das mich zuhause zur Verzweiflung gebracht und Weinkrämpfe gekostet hat, will niemand sehen. Thailand, wir kommen!
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    Start på rejsen
    4. januar 2026