• Jetlag rückwärts

    February 11 in Germany ⋅ 🌧 10 °C

    Und dann sind wir wieder daheim. Nach über dreißig Stunden Reisemarathon, in dessen Verlauf wir hauptsächlich gesessen haben. In Autos, auf Fähren, auf Flughäfen, in Flugzeugsitzen. Beim Warten aufs Gepäck, aufs Abendessen in Bangkok, aufs Boarding, auf den Ausstieg, auf den Shuttle am Flughafen in Frankfurt, der uns zu unserem geparkten Fahrzeug bringt. Dass man bei all dem Warten in kurzer Zeit dennoch so weite Wege hinter sich bringt! Im Sitzen! Welten hinter sich lässt und andere betritt und erkundet! Thailand! Das Land, in dem man den Kaffee heißer trinkt und die Speisen schärfer isst als bei uns. Das Land, in dem Religion duftet, die Farben ein bisschen brillanter, die Menschen ein bisschen genügsamer, das Leben ein bisschen einfacher ist als anderswo. Das Land mit seiner freundlichen Sprache, die weder Vergangenheits- noch Zukunftsformen kennt, deren Wörter aus nur einer Silbe bestehen und die alles andere als einsilbig ist. In der das Wort „Kha“ eine Art Höflichkeitsformel bildet, das „Bitte“ oder „Danke“ bedeutet und (bei Frauen) in fast jedem Satz vorkommt. 

    Am Morgen nach unserer Heimkehr erwache ich sehr früh. Kein Wunder, in Thailand ist es jetzt bereits Mittagszeit. Jetlag rückwärts. 
    Als wir von Deutschland aufgebrochen sind, war noch Weihnachten, zurückgekommen sind wir mitten im Fasching. Heute ist „schmutziger Donnerstag", Weiberfastnacht. In fünf Wochen und zwei Tagen sind wir fast 25000 Kilometer gereist, über viertausend davon zu Land und zu Wasser. Während in Stuttgart die Sonne aufgeht, erfüllt mich ein großes Staunen - über das Erlebte und darüber, wieder hier zu sein. Staunen über die Pionierleistungen der Technik, der Elektronik, des Digitalen, und über ihre Errungenschaften in Sachen Beschleunigung und Gleichzeitigkeit, die mir solche Reisen möglich machen. Für einmal möchte ich im Höher, Schneller, Weiter unseres Zeitalters nur das Gute sehen. Dankbar sein, dass ich, in dieser Zeit lebend und fähig, mich darin zu bewegen, daran teilhaben darf.
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