• Der letzte Wat vor Bangkok

    February 8 in Thailand ⋅ ⛅ 29 °C

    Der Osten von Koh Lanta gefällt uns fast noch besser als die Westseite mit ihren Sandstränden. Weil er ursprünglicher ist und auch, weil sich dort der einzige Wat auf der Insel befindet. Ein kleines Kloster mit Gebrauchsspuren in der buddhistischen Diaspora, in dem zwei Mönche nicht Hof halten wie in Doi Suthep, sondern mit gebräunten Alltagskörpern Höfe fegen, Hühner füttern und dabei von mehr Sichtbarkeit ihrer Religion auf Koh Lanta träumen. Für eine monumentale Buddhastatue, die es bisher nur bis in den Rohbau geschafft hat, sammeln sie Geld. Wir finden, der halbe Buddha muss unbedingt einen Kopf kriegen, sonst wird das mit der Erleuchtung nichts. Etwas mehr buddhistisches Gefunkel in Rotgold täte der Insel auch gut, weshalb wir reichlich für die Vollendung des Bauwerks spenden.
    Im Tempelbereich zieht ein wunderschöner Ganeesh in warmem Türkis unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein etwas ramponierter Glücksgott mit nackten Füßen und zerschlissener Hose, dem man ansieht, dass er nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit seinen vier Armen viel zu tun hat und sich keine Ruhe gönnt! Unterstützung kriegt er von den Mönchen, die uns rotweiße Bändchen ums Handgelenk binden. Aus zwei oder drei Fäden geflochten stehen sie für Reinheit und spenden Schutz und Energie. Mehr Segen am Ende unserer Reise geht fast nicht! Übrigens darf man die Bändchen nicht abnehmen, sie fallen von selbst ab, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben. Hätte ich diese Lesart schon vor einem Jahr gekannt, hätte ich mich wahrscheinlich weniger gegrämt, dass mir das sehr bunte Bändchen aus dem Chinesischen Tempel auf Koh Samui irgendwann bald nach der Heimreise abhanden kam. Ein weiteres fadendünnes Bändchen aus dem Wat Pho in Bangkok trage ich bis heute. Lässt sich die Interpretation, dass sich Dinge selbstständig machen, wenn sie überflüssig geworden sind, auch auf anderes Verlorenes beziehen? Leider stimmt auch das Gegenteil: Manches, das man nicht mehr braucht, klebt an einem wie Vogelkot auf der Windschutzscheibe, und leistet Widerstand, wenn man es loswerden will.
    Nach ausgiebiger Fotosession mit den Mönchen fahren wir nochmals nach Old Lanta. Der Landungssteg, der hinaus zum Pier führt, ist sicher einen halben Kilometer lang. Über dem Meer türmen sich Wolkengebirge und verkünden Gewitter.
    Die Dieselmotoren der landenden und startenden Longtailboote am Pier klingen dreckig und sind es auch. Wie alle anderen Motoren. Warum fängt ein Land wie Thailand nicht seine Sonne ein und etwas damit an? Produziert Elektrizität am laufenden Meter? Das fragen wir uns zum x-ten Mal. Auf einem einzigen Dach in Koh Lanta haben wir bislang Solarmodule gesehen.
    Im Fresh Restaurant beginnt es zu winden, eine warme steife Brise von Süden, die das Besteck von den Tischen und Polster von den Stühlen fegt und zu uns sagt: Zeit für die Heimreise. Auch der Himmel über dem Festland gibt Zeichen und wetterleuchtet ununterbrochen. Einmal fällt eine große Sternschnuppe aus den Wolken und verglüht auf ihrem Weg ins Meer. Das Essen schmeckt nach Abschied. Am Dienstag werden wir unseren Nissan 1420 am Flughafen in Krabi abgeben, von dort aus nach Bangkok und in der Nacht zurück nach Frankfurt fliegen.
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