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- Day 82
- Saturday, August 9, 2025 at 8:58 PM
- ☁️ 17 °C
- Altitude: 998 m
CanadaRocky Mountain House52°22’39” N 114°54’54” W
Alles hat ein Ende

Banff. Das Ziel. Sehnsuchtsort. Und von der Art Touristen komplett überlaufen, mit denen wir uns am wenigsten identifizieren können. Die Selfie-Stick umherschwenkende, peinlich vor einem Klamottenladen für das Handy posende Art. Die Art, die auch dafür sorgt, dass ein Hostelbett 80 € und ein eigenes Zimmer 650 € kostet. Aber es gab auch hier wieder schöne Trailmagic Momente. Wie z. B. mit Ryan, einem anderen Bikepacker, der uns schon vom Rande des Campingplatzes zurief, dass wir gerne bei ihm auf dem Platz bleiben könnten und er uns damit von unseren Übernachtungsnöten erlöste. Ryan ist auf dem ersten Teil seiner geplanten Weltumrundung und hat es schon von seiner Heimat an der Ostküste Kanadas bis hierher geschafft. Das ist fast doppelt so lang wie wir unterwegs sind und entsprechend spannende Geschichten hatte er zu erzählen.
Da sitzen wir nun. Unsere Reise entlang der Great Divide ist vorbei, die Strecke ist geschafft nach gut zwei Monaten beinahe täglichen Pedalierens. Wie beginnt man den nächsten Tag nach so einer Mammutaufgabe? Ganz einfach. Man steht auf, packt seine Sachen zusammen, isst ein gutes Frühstück und dann setzt man sich wieder aufs Fahrrad und fährt noch ein Stück weiter. Ein bisschen so wie Forrest Gump, als er zum ersten Mal am Ozean ankam. Wir sind ja nicht in eine der schönsten Gegenden Kanadas gefahren, um dann nach Hause zu fliegen!
Der Weg führte uns weiter gen Norden zum Icefields Pathway, einem Highway, an dem sich ein Gletscher an den anderen reiht. Wie sich herausstellte, wollte Ryan in die gleiche Richtung fahren und so machten wir uns zu Dritt auf den Weg. Komplett auf Asphalt zu fahren, tat unseren Körpern und Ryan als Gesprächspartner unserem Geiste gut. Am verregneten Nachmittag kamen wir in Lake Louise an, einem kleinen Ort nahe einem gleichnamigen sehr schönen See, den wir uns am nächsten Tag anschauen wollten. Doch erstmal galt es einen Schlafplatz im für Monate ausgebuchten Campingplatz zu finden. Separate Campspots nur für Radfahrer? Leider Fehlanzeige! Doch freundliche Camper waren schnell gefunden, um einen Platz zu teilen. Einer jungen Parkangestellten schienen wir jedoch ein Dorn im Auge zu sein. Nach vielen Diskussionen, viel Augenrollen und ein paar bissigen Kommentaren, konnten wir dann doch noch bleiben.
Am nächsten Morgen machten wir uns sehr früh auf zum See, bevor die Touristenwalze zu sehr ins Rollen kam. Unser erstes Ziel war der Lake Moraine, der nur mit einem Shuttle oder dem Fahrrad zu erreichen war. Zwölf bitterkalte Kilometer später, konnten wir die noch einigermaßen ruhige mystische Atmosphäre auf uns wirken lassen. Der sogar noch schönere, aber wesentlich stärker bebaute, Lake Louise wurde im Anschluss besucht.
Zurück im Ort, dann endlich ein anderer lang ersehnter Moment. Zuletzt sahen wir ihn in einem Krankenwagen in New Mexiko mit gebrochener Hüfte, Rippen und einer ordentlichen Gehirnerschütterung. Jetzt kam uns Jack laufend mit einem breiten Lächeln entgegen und wir waren so froh, ihn endlich wiederzusehen. Zusammen mit seiner Perle von Frau Maureen, genossen wir unser zweites Frühstück, bevor wir uns alle zusammen daran machten, den ersten Pass entlang der Eisfelder zu erklimmen. Da beide in Calgary wohnen, kennen sie das Gebiet wie ihre Westentaschen und somit erfuhren wir bei jedem der wunderschönen Haltepunkte viele Hintergrundinformationen. Gletscher, Wasserfälle, blaue Seen. Banff lässt sich nicht lumpen, bis wir uns oben auf dem Pass vorerst von den beiden verabschiedeten und zum nächsten Schlafplatz rollten.
Der nächste Tag brachte uns dann zum nördlichsten Punkt unserer gesamten Tour und das soll bei unserer generellen Richtung schon was heißen. Das von der Straße sichtbare Columbia Icefield ist sprichwörtlich nur die Spitze des Eisfeldes, erstreckt es sich doch viele Kilometer über den Berg. Das Wasser hier fließt sogar in die arktische See, was ziemlich cool ist, wenn man auf der Höhe Floridas gestartet ist. Am Abend stand uns die allabendliche Übung "Schlafplatz auf überfüllten Zeltplätzen finden" bevor, doch gleich der erste Platz war ein Treffer dank Marion und François aus Frankreich.
Und dann wurde es nochmal Zeit Abschied zu nehmen. Ryan wird es zurück Richtung Süden ziehen, während wir östlich die Rocky Mountains verlassen. Der Abschied fiel uns allen schwer, haben wir uns doch in den letzten drei Tagen lieb gewonnen. Die schönsten Aussichten der letzten Tage und die Fahrt an einem krass blauen und krass großen See spendeten zum Glück ein wenig Trost.
Und dann kam er tatsächlich, der Moment an dem die Fahrräder erstmal ihre letzte Umdrehungen drehten und wir uns aus unseren stinkenden durchgeschwitzten Radklamotten schälten. Wir waren im Ort namens Rocky Mountain House angekommen, an dem wir von Jack abgeholt wurden. Die nächsten Tage werden wir bei ihm und Maureen in Calgary verbringen, uns ausruhen und die Gegend kennenlernen. Und vielleicht auch ein wenig radeln.Read more
Traveler
Ihr seid ganz schön raffiniert!
Traveler
Da könnten auch Orks unterwegs sein.
Traveler
Ihr habt aber auch immer Wahnsinns-Kulissen zu bieten.