• Truman Show - Canadian Rockies Edition

    August 5 in Canada ⋅ ☁️ 19 °C

    Die USA waren durchquert, die 4.000 Kilometermarke geknackt und die Luft irgendwie raus. Glücklicherweise nur im übertragenen Sinne. Unsere Reifen und Luftmatratzen halten perfekt. Ein Ruhetag in Fernie sollte diesem Zustand Abhilfe schaffen. Doch zuerst folgte Isabell noch einer Tradition, nach der einer von uns am ersten Tag in einem neuen Land erst mal vom Fahrrad stürzen muss. Der Sturz erfolgte in Zeitlupe auf einem steilen Abschnitt mit losen Steinen und Isabell kam mit einem blauen Auge bzw. Oberschenkel davon.

    Frisch erholt machten wir uns auf den dreitägigen Weg nach Banff. DER Start- oder Endpunkt der Great Divide, obwohl dieser 2018 offiziell nach Jasper verlegt wurde. Dennoch starten oder enden hier ca. 90% der Great Divider. So auch wir! Die ersten zwei Tage fühlten sich an wie Kilometer 32-38 bei einem Marathon. Netterweise hatte die Great Divide vorgesorgt und den Weg mit großen Leinwänden bestückt, auf denen die schönsten Bilder der kanadischen Rockies gezeigt wurden. Nein, wir übertreiben nicht! Obwohl wir seit Neuseeland und Nepal evtl. ein wenig abgestumpft waren, was schöne Aussichten angeht, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Es sah unwirklich schön aus, als wären wir mitten in der Truman Show gelandet.

    Und da war er plötzlich da: der letzte Tag auf der offiziellen Great Divide! Wir wussten am Morgen, dass wir an diesem Tag Banff erreichen würden. Was für ein Gefühl! Der Tag war anspruchsvoller als gedacht, aber wir waren gut drauf, die Motivation hoch, die Stimmung euphorisch. Wir ließen die Reise gedanklich nochmal Revue passieren, erinnerten uns an die Wüstenlandschaften New Mexicos, die unendlich langen Pässe und Abfahren Colorados, die atemberaubend schönen Nationalparks Wyomings und die steilen Anstiege Montanas. Was für eine Tour! Und dann verließen wir die Schotterstraße, kamen auf Asphalt und standen in Banff, dem Ziel unserer Route! Freudentränen schossen Isabell in die Augen, begleitet mit dem Ausruf "Endlich sind wir da, es war so anstrengend!". Und ja, das war es. Verdammt anstrengend! Und verdammt schön! Das schönste und anstrengendste Abenteuer unseres Lebens (bis jetzt)!

    Während wir uns wie die größten Helden fühlten, bemerkten die Touristenmassen gar nicht, dass wir hier gerade Geschichte geschrieben hatten - Geschichte für uns. Nach dem Motto: Ein großer Schritt für einen Menschen, aber (ein) k(l)einer für die Menschheit. Trotz unserer Ankunft drehte sich die Welt einfach weiter, als wäre nichts passiert. Alles war wie zuvor. Und deshalb gönnten wir uns auch ganz bescheiden nur ein Finisher-McFlurry zur Feier des Tages.
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