• Isabell und Carsten
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May – Sep 2025

Great Divide - USA & Kanada

Wir erfüllen uns einen großen Traum und radeln 4.500 km die Great Divide Mountain Bike Route. Read more
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    Area E (Cowichan Station / Sahtlam /…

    Home from home ❤️

    August 19 in Canada ⋅ ⛅ 23 °C

    Erinnert ihr euch noch an unseren ersten Footprint Anfang Oktober letztes Jahr, als wir uns fragten, wo nun eigentlich unser "Zuhause" ist? Damals einigten wir uns darauf, dass Zuhause dort ist, wo wir beisammen sind. Zusätzlich gab uns während der Reise auch unser Zelt und unsere Schlafsäcke ein Gefühl von Zuhause. Seit letzter Woche können wir nun auch noch einen weiteren Ort unser Zuhause nennen: Jacks & Maureens Heim.

    Bereits in Montana machte sich in uns ein Gefühl der Vorfreude breit, endlich wieder Jack zu treffen, den wir leider in New Mexico nur viel zu kurz kennenlernen konnten. Nach seiner äußerst spektakulären Rettung durch uns - wir riefen einen Krankenwagen - versprach er, uns in Calgary aufzunehmen und wie "Könige" zu verwöhnen. Das klang verlockend. Von Maureen hatten wir bis dato zwar schon viel gehört, aber wussten noch nicht, ob die Chemie dann auch in echt stimmen würde. Doch bereits bei unserem Kennenlernen am Lake Louise war klar: das wird eine ganz wundervolle Zeit mit den beiden und wir freuten uns noch mehr!

    Nach unserer Ankunft in Rocky Mountain House, holte uns Jack morgens ab und brachte uns ins 2.5h entfernte Calgary. Was für ein Luxus! Jack hatte bereits viele gute Ideen auf Lager, wie wir die gemeinsame Zeit verbringen konnten. Doch wir merkten auch, wie müde wir von den letzten Wochen waren und wie sehr wir es genossen, uns einfach mal auszuruhen, auszuschlafen, in der Badewanne zu chillen, zu kochen, zu backen und uns mit den beiden bis spät abends zu unterhalten. Langweilig wurde es zwar nicht, aber unser tägliches Pensum auf dem Rad wurde drastisch reduziert.

    Gemeinsam unternahmen wir eine Kanutour auf dem Bow River, genossen die Aussicht auf die Rockies bei einer Wanderung, radelten gemeinsam in und um Calgary und bewunderten bei einem internationalen Event ein wunderschönes Feuerwerk. An einem Tag kamen alle Kinder & Enkelkinder zu uns und wir hatten einen wunderschönen Familiennachmittag mit vielen weiteren lieben Menschen.

    Ein besonderes Highlight für uns war eine jährlich stattfindente Gartenparty mit einem Privatkonzert bei Freunden von Jack & Maureen. Bei einer kleinen Eröffnungsrede der Gastgeberin wurden zwei "Special Guests" angekündigt und wir waren gespannt, wer das sein könnte. Als es dann "a couple from Germany" war, das gerade die Great Divide erfolgreich beendet hatte, waren wir doch sehr überrascht. Maureen fand unsere Ankunft in Banff, bei der wir keinerlei Anerkennung oder gar Applaus für unsere Leistung einheimsen konnten, derart traurig, dass sie uns einmal einen großen Applaus von ca. 30 Leuten plus einen riesigen Kuchen organisierte. Was für eine Überraschung!

    Nach über einer Woche, verließen wir unser "home from home" wieder und ja, es fühlte sich so an, wie sein zu Hause zu verlassen! Zum Glück wartet erst noch ein dreitägiger Roadtrip nach Vancouver mit den beiden auf uns.
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  • Alles hat ein Ende

    August 9 in Canada ⋅ ☁️ 17 °C

    Banff. Das Ziel. Sehnsuchtsort. Und von der Art Touristen komplett überlaufen, mit denen wir uns am wenigsten identifizieren können. Die Selfie-Stick umherschwenkende, peinlich vor einem Klamottenladen für das Handy posende Art. Die Art, die auch dafür sorgt, dass ein Hostelbett 80 € und ein eigenes Zimmer 650 € kostet. Aber es gab auch hier wieder schöne Trailmagic Momente. Wie z. B. mit Ryan, einem anderen Bikepacker, der uns schon vom Rande des Campingplatzes zurief, dass wir gerne bei ihm auf dem Platz bleiben könnten und er uns damit von unseren Übernachtungsnöten erlöste. Ryan ist auf dem ersten Teil seiner geplanten Weltumrundung und hat es schon von seiner Heimat an der Ostküste Kanadas bis hierher geschafft. Das ist fast doppelt so lang wie wir unterwegs sind und entsprechend spannende Geschichten hatte er zu erzählen.

    Da sitzen wir nun. Unsere Reise entlang der Great Divide ist vorbei, die Strecke ist geschafft nach gut zwei Monaten beinahe täglichen Pedalierens. Wie beginnt man den nächsten Tag nach so einer Mammutaufgabe? Ganz einfach. Man steht auf, packt seine Sachen zusammen, isst ein gutes Frühstück und dann setzt man sich wieder aufs Fahrrad und fährt noch ein Stück weiter. Ein bisschen so wie Forrest Gump, als er zum ersten Mal am Ozean ankam. Wir sind ja nicht in eine der schönsten Gegenden Kanadas gefahren, um dann nach Hause zu fliegen!

    Der Weg führte uns weiter gen Norden zum Icefields Pathway, einem Highway, an dem sich ein Gletscher an den anderen reiht. Wie sich herausstellte, wollte Ryan in die gleiche Richtung fahren und so machten wir uns zu Dritt auf den Weg. Komplett auf Asphalt zu fahren, tat unseren Körpern und Ryan als Gesprächspartner unserem Geiste gut. Am verregneten Nachmittag kamen wir in Lake Louise an, einem kleinen Ort nahe einem gleichnamigen sehr schönen See, den wir uns am nächsten Tag anschauen wollten. Doch erstmal galt es einen Schlafplatz im für Monate ausgebuchten Campingplatz zu finden. Separate Campspots nur für Radfahrer? Leider Fehlanzeige! Doch freundliche Camper waren schnell gefunden, um einen Platz zu teilen. Einer jungen Parkangestellten schienen wir jedoch ein Dorn im Auge zu sein. Nach vielen Diskussionen, viel Augenrollen und ein paar bissigen Kommentaren, konnten wir dann doch noch bleiben.

    Am nächsten Morgen machten wir uns sehr früh auf zum See, bevor die Touristenwalze zu sehr ins Rollen kam. Unser erstes Ziel war der Lake Moraine, der nur mit einem Shuttle oder dem Fahrrad zu erreichen war. Zwölf bitterkalte Kilometer später, konnten wir die noch einigermaßen ruhige mystische Atmosphäre auf uns wirken lassen. Der sogar noch schönere, aber wesentlich stärker bebaute, Lake Louise wurde im Anschluss besucht.

    Zurück im Ort, dann endlich ein anderer lang ersehnter Moment. Zuletzt sahen wir ihn in einem Krankenwagen in New Mexiko mit gebrochener Hüfte, Rippen und einer ordentlichen Gehirnerschütterung. Jetzt kam uns Jack laufend mit einem breiten Lächeln entgegen und wir waren so froh, ihn endlich wiederzusehen. Zusammen mit seiner Perle von Frau Maureen, genossen wir unser zweites Frühstück, bevor wir uns alle zusammen daran machten, den ersten Pass entlang der Eisfelder zu erklimmen. Da beide in Calgary wohnen, kennen sie das Gebiet wie ihre Westentaschen und somit erfuhren wir bei jedem der wunderschönen Haltepunkte viele Hintergrundinformationen. Gletscher, Wasserfälle, blaue Seen. Banff lässt sich nicht lumpen, bis wir uns oben auf dem Pass vorerst von den beiden verabschiedeten und zum nächsten Schlafplatz rollten.

    Der nächste Tag brachte uns dann zum nördlichsten Punkt unserer gesamten Tour und das soll bei unserer generellen Richtung schon was heißen. Das von der Straße sichtbare Columbia Icefield ist sprichwörtlich nur die Spitze des Eisfeldes, erstreckt es sich doch viele Kilometer über den Berg. Das Wasser hier fließt sogar in die arktische See, was ziemlich cool ist, wenn man auf der Höhe Floridas gestartet ist. Am Abend stand uns die allabendliche Übung "Schlafplatz auf überfüllten Zeltplätzen finden" bevor, doch gleich der erste Platz war ein Treffer dank Marion und François aus Frankreich.

    Und dann wurde es nochmal Zeit Abschied zu nehmen. Ryan wird es zurück Richtung Süden ziehen, während wir östlich die Rocky Mountains verlassen. Der Abschied fiel uns allen schwer, haben wir uns doch in den letzten drei Tagen lieb gewonnen. Die schönsten Aussichten der letzten Tage und die Fahrt an einem krass blauen und krass großen See spendeten zum Glück ein wenig Trost.

    Und dann kam er tatsächlich, der Moment an dem die Fahrräder erstmal ihre letzte Umdrehungen drehten und wir uns aus unseren stinkenden durchgeschwitzten Radklamotten schälten. Wir waren im Ort namens Rocky Mountain House angekommen, an dem wir von Jack abgeholt wurden. Die nächsten Tage werden wir bei ihm und Maureen in Calgary verbringen, uns ausruhen und die Gegend kennenlernen. Und vielleicht auch ein wenig radeln.
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  • Truman Show - Canadian Rockies Edition

    August 5 in Canada ⋅ ☁️ 19 °C

    Die USA waren durchquert, die 4.000 Kilometermarke geknackt und die Luft irgendwie raus. Glücklicherweise nur im übertragenen Sinne. Unsere Reifen und Luftmatratzen halten perfekt. Ein Ruhetag in Fernie sollte diesem Zustand Abhilfe schaffen. Doch zuerst folgte Isabell noch einer Tradition, nach der einer von uns am ersten Tag in einem neuen Land erst mal vom Fahrrad stürzen muss. Der Sturz erfolgte in Zeitlupe auf einem steilen Abschnitt mit losen Steinen und Isabell kam mit einem blauen Auge bzw. Oberschenkel davon.

    Frisch erholt machten wir uns auf den dreitägigen Weg nach Banff. DER Start- oder Endpunkt der Great Divide, obwohl dieser 2018 offiziell nach Jasper verlegt wurde. Dennoch starten oder enden hier ca. 90% der Great Divider. So auch wir! Die ersten zwei Tage fühlten sich an wie Kilometer 32-38 bei einem Marathon. Netterweise hatte die Great Divide vorgesorgt und den Weg mit großen Leinwänden bestückt, auf denen die schönsten Bilder der kanadischen Rockies gezeigt wurden. Nein, wir übertreiben nicht! Obwohl wir seit Neuseeland und Nepal evtl. ein wenig abgestumpft waren, was schöne Aussichten angeht, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Es sah unwirklich schön aus, als wären wir mitten in der Truman Show gelandet.

    Und da war er plötzlich da: der letzte Tag auf der offiziellen Great Divide! Wir wussten am Morgen, dass wir an diesem Tag Banff erreichen würden. Was für ein Gefühl! Der Tag war anspruchsvoller als gedacht, aber wir waren gut drauf, die Motivation hoch, die Stimmung euphorisch. Wir ließen die Reise gedanklich nochmal Revue passieren, erinnerten uns an die Wüstenlandschaften New Mexicos, die unendlich langen Pässe und Abfahren Colorados, die atemberaubend schönen Nationalparks Wyomings und die steilen Anstiege Montanas. Was für eine Tour! Und dann verließen wir die Schotterstraße, kamen auf Asphalt und standen in Banff, dem Ziel unserer Route! Freudentränen schossen Isabell in die Augen, begleitet mit dem Ausruf "Endlich sind wir da, es war so anstrengend!". Und ja, das war es. Verdammt anstrengend! Und verdammt schön! Das schönste und anstrengendste Abenteuer unseres Lebens (bis jetzt)!

    Während wir uns wie die größten Helden fühlten, bemerkten die Touristenmassen gar nicht, dass wir hier gerade Geschichte geschrieben hatten - Geschichte für uns. Nach dem Motto: Ein großer Schritt für einen Menschen, aber (ein) k(l)einer für die Menschheit. Trotz unserer Ankunft drehte sich die Welt einfach weiter, als wäre nichts passiert. Alles war wie zuvor. Und deshalb gönnten wir uns auch ganz bescheiden nur ein Finisher-McFlurry zur Feier des Tages.
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  • Vier gewinnt

    July 31 in Canada ⋅ 🌩️ 30 °C

    Die Vier ist eine besondere Zahl. Sie kann genauso gut ein "Gerade so geschafft", wie auch ein "Spiel gewonnen" bedeuten. Für uns ist sie so besonders, weil das Erreichen der 4000 km gleichzeitig bedeutet, dass wir die USA verlassen haben. Was für ein Land, was für eine Reise es uns in den letzten gut zwei Monaten geschenkt hat.

    Die Gespräche mit den entgegenkommenenden SoBos (Southbounders), die erst letzte Woche anfingen, versetzten uns zurück in unsere Anfangszeit. Jeder Tag war härter als der letzte und man hatte noch so viel vor sich. Inzwischen sind wir gelassener und erfahrener geworden, lassen die Dinge auf und zukommen und sind auch nicht mehr jeden Tag hart im Sack.

    Die Zeiten, in denen es ausnahmslos cool war Amerikaner zu sein, sind auch unserer Meinung nach vorbei, aber die Menschen waren bis auf ganz vereinzelte Fälle sehr offen und nett, mit Sicherheit mehr als das in so manch deutschem Dorf der Fall gewesen wäre. Und was die Landschaft angeht, sprechen unsere Fotos ganz für sich. Deshalb: Vielen Dank liebe Amerikaner, vielen Dank USA!

    Und nun wird das letzte Kapitel aufgeschlagen, bei den noch netteren Kanadiern und ihren nordischen Bergen. Wir sind sehr froh, dass wir uns das bis zum Schluss aufgehoben haben. Wird es der krönende Abschluss? Finden wir es gemeinsam heraus!
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  • Ein seltenes Fundstück in dieser Gegend: ein Fahrrad ohne e-Motor
    Ein weiteres seltenes Fundstück: ein Selfie mit CarstenUnsere Theorie: das Schild stammte vom Nachmittag des Vortages und wurde vergessen wegzuräumenKein schlechter Einstieg für unseren Wandertag: eine schöne bunte BlumenwieseDie ersten Hügel zeigen sichDer sogenannte Hidden Lake war gar nicht so hidden, zumindest fanden ihn die TouristenmassenNicht auf der offiziellen Rad-Route, aber dafür näher an der Continental Divide: der Logan PassEin schönes Bergpanorama begleitete uns den ganzen TagSpäter gesellten sich dann auch Bäume hinzuDieser Gletschersee war definitiv mehr hidden und schwieriger zu erreichenEin letzter Blick in die schöne Berglandschaft bevor es wieder runter gingAuf dem Rückweg treffen wir Bambi höchstpersönlichDer Tag nach der Wanderung: Perfekte Wege für unsere zwei DrahteselAuch am zweiten Tag gab es wieder schöne Seen und viele kleine Bäche zu bestaunenEin Hostel mitten im Nirgendwo - von hier aus kann man das Ende der Welt sehen!

    Glacier

    July 28 in the United States ⋅ ☁️ 24 °C

    Der Glacier Nationalpark: the Grand Final - der letzte unserer US-Nationalparks. Angepriesen und hochgelobt von anderen Reisenden. Würde er mit all den anderen Mitstreitern aus Utah & Co mithalten können? Oder würden wir enttäuscht unseren letzten US-Nationalpark verlassen? Wir werden sehen!

    Ähnlich wie Yellowstone, liegt auch Glacier so nah an der offiziellen Great Divide Route, dass man ihn als Tourist nicht einfach so links bzw. in diesem Fall rechts liegen lassen kann. Der Weg zum Eingang war bereits sehr vielversprechend, da ein geteerter Fahrradweg durch schöne Wälder und Seen vorbei in den Park führte. Schnell umfuhren wir die Schlange an wartenden Autos und schon befanden wir uns auf einem Hiker/Biker-Campspot an einem Campingplatz direkt am See!

    Leider weniger fahrrad-freundlich ging es danach weiter, denn die Route in den Park hinein ist stundenweise sogar für Radfahrer gesperrt. Zu eng sind die Straßen, zu wenig Platz zum Abgrund. Hoch motiviert stellten wir uns deshalb am Morgen um 6 Uhr in die Schlange für den ersten Shuttle Bus um 7 Uhr. Doch da war gar keine Schlange und laut Aushang auch kein Shuttle Service an diesem Tag. In alter Neuseeland-Manier streckten wir unsere Daumen nach oben und keine 5 Minuten später saßen wir in netter Gesellschaft in einem Auto und fuhren die ca. 50 km den Pass hinauf.

    Dort oben wurde uns schnell klar: der letzte Nationalpark der USA auf dieser Tour wird keine Enttäuschung sein! Wunderschöne Bergpanoramen, Wälder, Seen und Tiere versüßten uns die 26 km lange Wanderung. Ein Highlight des Tages war der Abstecher zu einem Gletscher-Aussichtspunkt, der auch ordentlich Laktat in die Beine pumpte. Glücklich und zufrieden fuhren wir abends zurück mit dem Park-Shuttle, der es in puncto Zuverlässigkeit problemlos mit der Deutschen Bahn aufnehmen könnte. Am nächsten Tag folgten wir dem Tipp eines einheimischen Radfahrers und radelten auf perfekten autofreien Schotterwegen am Rande des Parkes gen Norden.

    Die letzte Nacht in den USA verbrachten wir am Rande des Parkes in einem wunderschönen Hostel aus Holz mit ganz viel Charme und einem schweizer Auswanderer im überschaulichen Polebridge. Ein Spruch an der Wand beschrieb diesen Ort sehr treffend: It's not the end of the earth, but you can see it from here.
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  • Montana geht steil

    July 28 in the United States

    Knapp 40 Tage sitzen wir jetzt im Sattel. Die morgendliche und abendliche Routine ist in Fleisch und Blut übergegangen. Das Zelt, samt Inhalt, könnten wir wahrscheinlich auch im Delirium aufbauen. Auch dieses aufgeregte Gefühl des Abenteuers hat ein wenig nachgelassen und die vorherigen zwei Wochen haben sich verhältnismäßig leicht angefühlt. Kurz: wir sind ein wenig zu (?) selbstsicher geworden. Zeit also für Montana, um uns auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

    Im Gegensatz zu Colorado, ist Montana nicht besonders hoch über normal Null, ergo musste es sich etwas anderes einfallen lassen. Also ging Montana steil...
    Die Höhenprofile der meisten Berge glichen einer vertikal gespiegelten Exponentialfunktion. Das trieb den Puls "endlich" wieder in den roten Bereich und ließ uns das Fahrrad das ein oder andere Mal per pedes auf den Gipfel bewegen. Neben dieser Peitsche bekamen wir aber auch wundervolle Bergpanoramen und sehr malerische Wege als Zuckerbrot.

    Gleich am ersten Tag überfiel uns am Abend, leicht unerwartet, der sogenannte Lava-Mountain. Wir wissen nichts über die Namensherkunft, aber schwarzes Gestein haben wir nicht gesehen. Dafür einen Pfad der von seiner Eignung für Fahrräder weiter entfernt ist, als die USA von der Klimaneutralität. Zusammen mit dem einsetzenden Regenschauer, war es harte Arbeit die Fahrräder samt Gepäck auf den Berg zu bekommen. Und auch der Weg runter bestand eher aus langsam rollendem Herabtasten, als echtem Fahrradfahren. Zum Glück entschädigte uns ein schöner Campingplatz am See und das Wissen, dass wir bis zum Ende der Reise nicht nochmal so einen Streckenabschnitt erdulden müssen.

    Der nächste Abend beinhaltete zum Glück gleich mehrere positive Highlights. Wir verbrachten die Nacht auf der legendären Llama Ranch, auf der Biker kostenlos übernachten dürfen und sogar etwas Essen und Trinken umsonst bekommen. Ein echtes Kleinod mit vielen liebevoll garnierten Hüttchen und einem süßen Wagon aus alten Tagen, in dem wir übernachteten. Gleichzeitig trafen wir Leslie und Lee wieder, die wir zuerst in New Mexiko und dann nochmal vor kurzem in Montana getroffen hatten. Wie immer eine Freude für das Herz und die Seele. Und was trifft man noch auf einer Llama Ranch? Süße Alpakas natürlich! Die ließen sich zwar nicht gerne streicheln, waren aber sehr putzig anzuschauen.

    Die folgenden Tage glichen mehr oder weniger dem gleichen Muster in unterschiedlicher Reihenfolge: einen krass steilen Berg erklimmen, an einem schönen See pausieren, durch viel Wald fahren und dabei laut singen und abends in einem kleinen Dorf ankommen. Es könnte wahrscheinlich schlimmer sein.

    Dann erreichten wir eine Landmarke, die schon auf dem Kartenmaterial Eindruck gemacht hat: der Flathead Lake. Größter Süßwassersee im Westen der USA und besonders für seine gute Wasserqualität bekannt. Das schreit doch nach einem Tag Pause! Gesagt, getan. Und weil Herumsitzen und Eis essen ja nicht glücklich machen (glatte Lüge!), mieteten wir uns ein Kajak und paddelten drauf los. Eine schöne Abwechslung mit erfreulich wenig Beineinsatz. Auch auf dem Campingplatz hatten wir viel Spaß und lustige Gespräche mit anderen Pedalierern.

    Einen Besuch bei einem freundlichen Fahrradmechaniker später mit nagelneuen Ketten für den Bling Bling Effekt machten wir uns wieder auf den Weg. Die kanadische Grenze ist zum Greifen nahe. Doch vorher wird es noch Zeit für eine letzte Abweichung von der Route, zum Glacier Nationalpark.
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  • Der wilde Wilde Westen

    July 20 in the United States ⋅ ☀️ 21 °C

    Nachdem wir die überfüllten Nationalparks hinter uns gelassen hatten, waren wir sehr froh, endlich wieder auf der offiziellen Route zu sein. Nach einem kurzen Ausflug ins schöne Idaho, verabschiedete sich der Staat schon wieder von uns mit einem imposanten National Forest Schild. Gleichzeitig hieß uns der letzte (!) US-Staat auf der Great Divide willkommen: Montana!

    Obwohl wir uns bereits seit Beginn offiziell im "Wilden Westen" aufhalten, schien uns die Cowboy, Cowboy-Hut- und Saloon-Dichte hier besonders hoch zu sein. Die Ladies tragen häufig große Gürtel-Schnallen, die sie beim Rodeo gewonnen haben, im Saloon treffen sich abends die Locals zu Live-Musik, an den Wänden und Decken hängen unzählige Jagd-Trophäen während im Hintergrund im Fernsehen der Cowboy-Channel läuft (ja, den gibt es wirklich!).

    Um noch mehr in den Wilden Westen einzutauchen, machten wir eine kleine Zeitreise in eine durch den Goldrausch entstande Ghost Town namens Bannack. Diese katapultierte uns in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts und gab spannende Einblicke in die damalige Zeit. Innerhalb von nur einem Jahr wuchs die Stadt auf 3.000 Einwohner an. Es gab ein Hotel, eine Kirche, Schule und selbstverständlich einen Saloon, in dem nicht nur getrunken, sondern auch der Bart der Herren geschnitten wurde.

    Heute bietet Bannack ein interessantes Ausflugsziel für Durchreisende. Ansonsten gab es in der Umgebung nicht viel zu sehen. Wider unserer Erwartungen waren wir von Wüsten-Buschland umgeben. Wo waren die erhofften Wälder, Seen und Berge? Waren wir etwa falsch abgebogen und wieder in New Mexico? Glücklicherweise nicht!

    Locals versprachen uns, die von uns erhoffte Landschaft bald zu erreichen! Der auf uns wartende Abschnitt sollte außerdem einer der schönsten auf der Great Divide sein. Interessanterweise wurde uns das schon seit New Mexico immer wieder versprochen und somit radeln wir quasi jede Woche den vermeintlich schönsten Teil der Route.

    Kurz nach Bannack folgten wir dann den Spuren der damaligen Siedler, Pionieren sowie Bergarbeitern über den Pioneer Mountains Scenic Highway. Und da war es dann endlich: das Montana, wie wir es uns vorgestellt hatten!
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  • Yellowstone

    July 15 in the United States ⋅ ☀️ 21 °C

    Irgendwer muss ja der Erste sein. Nicht nur in den USA sondern sogar weltweit. Gestatten: der Yellowstone Nationalpark. 1872 wurde er "geboren" und damit zum Vorreiter für ganz viel Naturschutz. Wie schön wäre es, wenn die damaligen Gedanken auch in der aktuellen Regierung mehr Anklang finden würden.

    Was ist also so besonders an diesem Gebiet? Es ist einer DER Punkte für thermische Aktivitäten auf diesem Planeten. Ungefähr die Hälfte (!) aller Geysire weltweit befinden sich hier. Unter dem zentralen See liegt ein schlafender Vulkan der beim Ausbruch das Krakatoa-Ereignis wie ein Kindergeburtstag aussehen lassen würde. Zumindest würde die ausgespeite Asche effizient dem Klimawandel entgegenwirken.

    Doch genug Brimborium. Der Park bietet ganz viel heißes Geblubber aus Löchern mit fidschiblauem Wasser und durch Mikroorganismen rot gefärbte Ränder. Wir fühlten uns durch die Farbvielfalt an das Thermal Wonderland in Neuseeland erinnert. Und dann gibt es natürlich noch die angesprochenen Geysire, allen voran der berühmte "Old Faithful". Ca. alle 70 Minuten spuckt er eine beeindruckende 30 Meter hohe Fontäne. Andere sprühen im Minutentakt, dafür aber nicht ganz so hoch. Trotzdem sind sie schön anzuschauen.

    Ebenfalls beeindruckend sind die Massen an Autos gewesen, die sich durch den Park schoben. Viele gaben uns genug Platz, einige eher weniger. Und somit waren wir am Ende des Ausflugs froh, der Blechlawine zu entkommen.

    Auf der letzten Meile wartete dann doch noch eine Überraschung auf uns. Die Autos vor uns wurden langsamer und quetschten sich bedächtig an einem Tier vorbei: einem Bison, mitten auf der Straße. Normalerweise sollte man mindestens zwei Buslängen Abstand halten, wir hatten eine PKW-Länge. Von einem Smart. Wir sind uns beide einig: noch nie haben wir ein so furchteinflößendes Tier aus der Nähe gesehen. Die pure Masse (mehr als ein Smart) und die Bewegungen (kann 50 km/h im Sprint) zeigten, wie viel Kraft das Tier besitzt. Auch die Gesichtsform assoziiert eher ein: "Leg dich nicht mit mir an" als ein "Knuddel mich". Im bestmöglichen Schutz der Autos schlängelten wir uns vorbei und wurden netterweise in Ruhe gelassen. Puh, und jetzt schnell die Hosen wechseln...
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  • Grand Teton

    July 12 in the United States ⋅ ☀️ 24 °C

    Die Namensherkunft des Grand Teton Nationalparks haben wir ja bereits im letzten Footprint geklärt. Doch die eigentliche Besonderheit dieses Nationalparks ist, dass ein kleiner Zipfel von ihm auf der offiziellen Route der Great Divide liegt. Das hat sich kein anderer Park getraut! Für uns war das jedoch zu wenig, weshalb wir ihn vom Süden aus einmal komplett durchradelten. Dadurch konnten wir ein wenig unser Heimweh stillen, denn wir wurden fast zwei Tage lang von einem tollen Alpenpanorama begleitet.

    Neben der atemberaubend schönen Aussicht auf die großen Tetas, den malerisch gelegenen Seen und der Verfügbarkeit von Essen & Trinken, war vor allem eine Sache ein großes Highlight für uns: ein asphaltierter Fahrradweg! Und das nicht nur 10 Meter, sondern so richtig lang! Wow! Was für ein Fahrgefühl. Die nervigen Autos auf der Straße nebenan, taten unserer Freude keinen Abbruch.

    Am zweiten Tag durch die Tetons, machten wir einen sogenannten "Nero". Eine Mischung aus den Wörtern "near" und "zero". Denn wir radelten nur gemütlich ca. 45 km zum nächsten Campingplatz, auf dem George bereits aufgeregt wie ein Kind darauf wartete mit uns in See zu stechen. Der Verleih von Booten stellte sich leichter als gedacht heraus und so erkundeten wir die Grand Tetons gemeinsam vom Wasser aus.

    Leichter als gedacht war übrigens auch das Ergattern eines Campingspots auf den Campingplätzen. In der Regel muss man hier bereits Monate im Voraus einen Platz reservieren. Es sei denn man ist zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs, denn für uns gibt es separate Hike & Bike Spots, die die PS-verliebten Amerikaner notgedrungen frei lassen müssen.

    Und nun lehnt euch zurück, schnappt euch eine Tasse Kaffee und genießt virtuell die Aussicht auf die schönen Berge!
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  • Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

    July 10 in the United States ⋅ ☀️ 26 °C

    Nach einer zugegebenermaßen beeindruckenden Walddichte in Colorado, wollte uns Wyoming gleich mal zeigen, dass es anders war und zeigte uns Nichts. Dieses Nichts war ebenfalls zugegebenermaßen ziemlich beeindruckend und auch schön anzuschauen. Kein Baum soweit das Auge reicht, nur niedrigste Büsche und Hügel. Das lässt einen schon erstmal staunen, wird aber auch nach einer Weile eintönig.
    Gut also, dass wir uns in Rawlins zum Independence Day ein 30! minütiges Feuerwerk geben konnten, um noch etwas mehr Farben zu sehen. Sachen in die Luft jagen können die Amis.

    Denn am nächsten Tag ging es in das berühmt berüchtigte Great Divide Basin, eine 200 km umfassende Einöde, die kein Wassertropfen verlässt und arme Radfahrer mit starkem Wind zur Verzweiflung treibt. Unsere Recherchen vorab ließen uns ein wenig die Knie schlottern, da wohl mehr als ein aus dem Norden kommender Fahrer hier mental die Löffel ab und aufgab. Würde uns das gleiche Schicksal ereilen?

    Nach den ersten 40 km stellten wir fest: auch nicht anders als New Mexiko, nur noch ein wenig trostloser und windiger. Letzterer hatte leichtes Spiel ohne Widerstand in floraler Form und pünktlich zur Mittagszeit jedes Tages blies er uns respektabel und respektlos zugleich ins Gesicht. Besonders für Isabell eine wahre Freude. Wenn schnell nicht mehr geht, dann muss es halt lange gehen.

    Und so krochen wir nach zwei Tagen mühsamen Strampelns, zusammen mit unserem Mitstreiter George, auf der anderen Seite wieder aus dem Basin hervor und erfreuten uns in Atlantic City (ein Kaff mit 100 Einwohnern) an einer ordentlichen Mahlzeit und einer Dusche.

    Es war natürlich auch ein wenig Wunschdenken bei dem Gedanken, dass sich hinter der Stadt auf magische Weise die Landschaft schlagartig verändert. Tat sie dann auch nicht. Dafür gab es zumindest rechts und links schöne Berge und ein paar Bäume zu sehen. Quasi als Erinnerung, dass es sie gibt. Und was änderte sich ebenfalls nicht? Richtig! Der Wind kam immer noch von vorne. Zwei weitere Tage später begrüßte uns dann endlich die Kleinstadt Pinedale mit dem Spruch "All the civilization you need". Dort verbrachten wir zwei Nächte als Couchsurfer bei Kristy, Clay und ihrer Familie. Besonders der extrem knuddlige Hund Murphy eroberte unsere Herzen mit seiner Begeisterung, auch nach dem 256ten Wurf seines Lieblingstennisballs.

    Auch wenn manche LeserInnen (Claudia) uns für ein wenig verrückt halten, sind wir eigentlich sehr vernünftig. Deshalb wichen wir nach Pinedale erstmals so richtig von der Route ab, um den berühmt berüchtigten Union-Pass zu umgehen. Dieses Fahrrad- und Rückgrat zerstörende 60 km Segment ist von Zitat "babykopfgroßen" Steinen gespickt und hat schon so manches mechanisches Opfer gefordert.

    Stattdessen geht es schnurstracks nach Jackson in den Grand Teton Nationalpark. Wer jetzt in jugendlicher Manier kichert, liegt übrigens richtig. Die Berge wurden wirklich von Franzosen nach Brüsten benannt. Und hier kam nach einem halben Tag endlich der magische Moment: die Bäume kamen zurück und es sah endlich wieder so aus, wie man sich die nördlichen USA auf Postkarten vorstellt.
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  • Lekker Radeln

    July 4 in the United States ⋅ 🌬 22 °C

    Die Leserinnen und Leser unseres Schwestermagazins "Lekker Wandern" kennen das abenteuerlustige Outdoor-Paar Carsten und Isabell eventuell bereits von ihren vergangenen Reisen durch Neuseeland und Nepal.

    Die Wanderschuhe und Stöcke haben die beiden durch Fahrräder ersetzt, die Basecaps durch Helme und die Whitaker Schokolade durch Cliff Bars. Wir haben die beiden bei ihrem aktuellsten Abenteuer - dem Durchradeln der USA und Teilen Kanadas entlang der Great Divide - besucht und interviewt.

    LR: Hallo ihr beiden! Schön, dass ihr euch bei all dem Radel-Stress Zeit für uns nehmt. Wo befindet ihr euch gerade?

    Carsten: Danke für die Einladung! Aktuell befinden wir uns in Wyoming genau in der Mitte der USA. Gut die Hälfte ist also schon geschafft. Oder für die ZDF-Fraktion*: ca. 2.100 km, und ca. 29.000 Höhenmeter liegen hinter uns.

    Isabell: Genau. Die zweite Hälfte Colorados haben wir überraschenderweise in rekordverdächtiger Zeit durchquert. Und dann stand da auf einmal dieses Schild "Welcome in Wyoming".

    LR: Gilt Colorado mit all seinen Bergen nicht als besonders anspruchsvoll?

    Isabell: Ja und nein! Die vielen Pässe ließen uns teilweise stundenlang den Berg hoch strampeln und mich auch oft gehen. Der Lynx Pass beispielsweise ist einer der steilsten Pässe der gesamten Route, sodass ich mein Rad einmal zwei Stunden schieben musste.

    Carsten: Dafür war das Terrain in Colorado meistens sehr gut. Außerdem gibt es viel mehr Wasserquellen und eine höhere Dichte an Restaurants als in New Mexico. Die Zeit dort hat uns wirklich gut abgehärtet. Wenn wir wissen, dass es abends was Richtiges zu Essen gibt, sind wir natürlich doppelt so fix unterwegs.

    LR: Restaurants ist ein gutes Stichwort. Wie sieht eure Verpflegungsatrategie auf der Great Divide aus?

    Carsten: Wann immer möglich, essen wir in einem Restaurant. Meistens gibt es dann aber 2-3 Tage zwischen den Städten, in denen wir uns von Haferflocken, Müsliriegeln, Wraps und Instantfood ernähren müssen. Außerdem versuchen wir von Zeit zu Zeit ein McFlurry zu essen. Das ist unser Geheimtipp und wichtiger Teil unserer Strategie. Anders bekommst du die verbrannten Kalorien nicht wieder rein.

    Isabell: Ich packe uns auch immer etwas zum Naschen ein wie Studentenfutter, Gummitierchen oder M&Ms. Zudem brauchen wir viel Elektrolyte, um die beim Schwitzen verbrauchten Mineralien einigermaßen zu kompensieren.

    LR: Bei euren Wanderungen hattet ihr ja immer schöne Begegnungen mit anderen Wanderern. Wie ist das hier?

    Isabell: Wir treffen auch hier auf viele nette Radler. Allerdings enstand bisher kein Community Gefühl wie auf dem TA in Neuseeland, weil zum einen viele Radler Richtung Süden fahren und jeder dann doch einen anderen Rhythmus hat.

    Carsten: Besonders sind hier allerdings die Begegnungen mit den Einheimischen. Immer wieder treffen wir auf Trail Angels wie bspw. Kirsten aus der Brush Mountain Lodge, die sich auf Radfahrer spezialisiert und uns eine tolle Zeit beschert hat. Und immer wieder finden wir Wasser am Wegesrand von Trail Angeln oder bekommen Bier aus dem Auto gereicht.

    Isabell: Ich würde auch noch gerne die tollen tierischen Begegnungen erwähnen. Wir haben bereits mit unzähligen Kühen "Angsthase" gespielt (und immer gewonnen), viele Rehe davonlaufen sehen und in der Mittagspause kurz vor dem Lynx Pass wollte sich auch ein knuddliger Schwarzbär zu uns gesellen und hat es sich zum Glück dann doch anders überlegt!

    LR: Wow, spannend! Nun zum Schluss noch die Einstiegsfrage schlechthin: wie ist das Wetter?

    Carsten: Meistens tatsächlich sonnig und sehr heiß. Wir sind bisher von Unwettern verschont geblieben. Nur an unserem ersten Tag in Wyoming waren wir nicht schnell genug, um vor einer Regenwolke zu fliehen und wurden nass.

    Isabell: Dafür hatten wir an diesem Tag auch Rückenwind und wurden sozusagen nach Rawlins gepustet. Das war ein Spaß mit über 60 km/h durch den Regen, mit Wind im Rücken, den Berg hinunter zu schießen.

    LR: Vielen Dank für die tollen Einblicke in euer Radlerleben! Wir würden uns über ein abschließendes Interview aus Kanada in ein paar Wochen freuen!

    *Zahlen, Daten, Fakten

    Liebe Leserinnen, liebe Leser,

    wenn ihr noch direkt Fragen an die beiden habt, dürft ihr diese gerne in den Kommentaren stellen! Wir freuen uns über euer Feedback!

    Euer Lekker Radeln Magazin
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  • Black Canyon of the Gunnison

    June 26 in the United States ⋅ ☀️ 25 °C

    Wenn wir wetten müssten, von welchem Nationalpark die wenigsten von euch je gehört haben, wäre unsere Wahl klar gewesen. Zeit also, um eure Wissenslücken zu schließen und zu erklären, was ein Gunnison ist und ob man das essen kann.

    Der Gunnison-River ist ein Zufluss zum Colorado-River. Canyons zu bauen liegt ihm also quasi schon im Wasser. Und mit dem Black Canyon ist ihm ein ziemliches Prachtexemplar gelungen. Da er im Gegensatz zum Grand Canyon keine Seitenbäche besitzt, hat sich das Wasser nur nach unten aber nicht in die Breite in den Stein gefräst. Entstanden ist eine eindrucksvoll tiefe Schlucht, die vor allem Liebhaber des einsamen Naturschauspiels und Kletterer anlockt.

    Dank seiner abgelegenen Lage fanden wir auch noch sehr spontan einen freien Campingplatz direkt im Park und hatten die Aussichten ganz für uns alleine. Und der kleine Lauf am nächsten Morgen stellte einen schönen Abschluss der Nationalpark-Tour dar, bevor es wieder zurück nach Salida ging.
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  • Canyonlands

    June 24 in the United States ⋅ 🌬 31 °C

    Ein Park. Vier Bezirke. Unendlich viele Möglichkeiten.

    Mit diesem Slogan lockte uns der Canyonlands Nationalpark, der uns bis dato unbekannt war. Da er aber zufällig direkt ums Eck zum Arches Nationalpark lag, war der Weg nicht weit und die versprochenen unendlich vielen Möglichkeiten klangen vielversprechend.

    Und wir wurden nicht enttäuscht: der erste Bezirk - "The Needles" - lockte mit einer wunderschönen Wanderung durch bizarre, raue Natur, die wie von einem anderen Planeten schien. Das Besondere an Needles war außerdem, dass man dort nicht, wie in den meisten anderen Parks, von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt fuhr, sondern man nur durch entsprechende Wanderungen zu den schönen Aussichten gelangt. Entsprechend wenig war dort los.

    Anders gestaltete sich unser Besuch im Bezirk "Islands of the Sky". In gewohnter Nationalpark-Manier fuhren wir hier von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt, liefen hier und da ein paar Meter und trafen auf viele Touristen. Trotz des höheren Aufkommens, waren die Aussichten auch hier wunderschön!
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  • Arches

    June 22 in the United States ⋅ 🌬 28 °C

    Sowohl unsere Popos als auch unsere Hände hatten dringend eine Pause nötig. Die perfekte Gelegenheit für unseren zweiten Roadtrip! Natürlich gab es in Salida keinen Autoverleih, das wäre auch zu einfach gewesen! Unser zweiter Versuch den Bus zu nehmen glückte dieses Mal. Außerdem nahmen uns sowohl der Chef unseres Bike-Shops als auch der Busfahrer in seinem Privatauto ein Stückchen für die bekannte "last mile" mit. Sehr freundlich!

    Mit einem SUV, namens Raphi, machten wir uns auf den Weg nach Moab, DER Outdoor-Stadt in den USA. Und das muss was heißen. Moab liegt wunderschön arrangiert in einem roten Canyon am Colorado River, umgeben von mehreren Nationalparks. Der bekannteste ist ohne Zweifel der Arches (dt. Bogen) Nationalpark, zu dem wir uns noch am gleichen Abend aufmachten. Da bleibt dir die Spucke weg, da hauts dir den Vogel raus oder da kippst du aus den Latschen. Sucht euch was aus. Die Weite und die Felsformationen waren der Hammer!

    Am nächsten Morgen machten wir uns voller Wiedersehensvorfreude in aller Frühe auf den Weg zu einer Wanderung, die uns zu neun verschiedenen Bögen führen sollte. Trotz der Popularität schienen sowohl die Uhrzeit als auch die Länge der Wanderung abschreckend genug für die meisten Touristen zu sein.

    Die Wanderung führte uns in ein Wunderland der Gesteine und Sedimente. Es ist immer wieder verblüffend, welch Formen Wind, Wasser und Zeit hervorbringen können. Im Arches Nationalpark haben sie alle zusammen definitiv ein Meisterwerk abgeliefert.
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  • Howdy Colorado!

    June 17 in the United States ⋅ 🌬 25 °C

    Outdoor-Paradies, Staat der Berge und am wichtigsten: Namensgeber einer Haribo-Packung. Vorbei sollte es nun sein mit den tristen und wasserlosen Wüstenlandschaften New Mexikos. Ein Schlaraffenland also? Wir werden sehen.

    Zumindest der Grenzübergang unterbot alle Erwartungen: wir bogen um eine Kurve und sahen ... nichts. Anscheinend haben sogar die USA mit ihrem Lokalpatriotismus nicht das Geld, um an jeden Seitenweg ein "Welcome to"-Schild aufzustellen. Aber die Landschaft lieferte ab. Viel Grün, Flüsse, Bäche, kleine Seen, so darf es weitergehen!

    Wir waren nun mitten in den San Juan Mountains, einer Bergkette mit achtzehn 4000ern. Entsprechend reihte sich Pass an Pass an Pass, jeder mit seinem eigenen Charme und Herausforderungen. So erfreute uns der komplett asphaltierte Manga-Pass mit einer der schnellsten Abfahrten unseres Lebens, nur gebremst durch die Autos, die sich im Gegensatz zu uns an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hielten. Unten angekommen erwartete uns sogar ein Restaurant mit kühlen Getränken und gutem Essen. So lässt sich das Radlerleben doch viel besser aushalten als mit körperflüssigkeitswarmen Wasser aus der Plastikflasche!
    (Anzahl Ersatzschläuche: 1).

    Einen sehr entspannten Morgen im abgelegenen, aber sehr schönen, Bergdorf Platoro später lag ein weiteres wörtliches Highlight vor uns: der Indiana-Pass. Mit 3.600m der höchste zu erstrampelnde Punkt der Tour. Mit dem Gedanken, oben auf dem Plateau zu übernachten, machten wir uns ganz gemütlich erst gegen Mittag auf und erklommen eine Serpentine nach der anderen. Oben angekommen dann die beidseitige Überraschung: Wir waren deutlich weniger fertig als gedacht. Anscheinend ist etwas dran an sämtlichen sportwissenschaftlichen Studien und regelmäßiges Training verbessert tatsächlich die Leistungsfähigkeit. Und somit stand der Entschluss, doch bis in die nächste Stadt zu fahren. Wenige Stunden später kamen wir am höchsten Punkt an und sahen mal wieder...nichts. Kein Schild für Ruhm und Ehre. Aber zumindest ein entgegenkommenender Radfahrer, der ein Foto von uns knipsen konnte. 40km bergab erwartete uns dann das kleine beschauliche Del Norte.

    Del Norte bescherte uns einige Glücksmomente. Es gab ein Wiedersehen mit Mike und Greg, zwei Radfahrern, die wir zuletzt fünf Tage weiter südlich getroffen hatten. Ihr anerkennendes Nicken, es in der Zeit geschafft zu haben, ging runter wie Kettenöl. Aber auch die Unterkunft, der "Mystic Pedaler", hatte viel Charme. Wie schon das Toaster-House, basiert es nur auf freiwilligen Spenden und gegenseitiger Hilfe der Radler untereinander. Solche Orte erzeugen das wohlige Gefühl des Zusammenhalts besser, als alles andere. Zu guter Letzt hatte Del Norte auch einen kleinen Fahrradladen, den ersten seit Silver City vor 13 Tagen im Sattel. Zeit also, um Tiberius' Speichen aufzufüllen und einen Ersatzschlauch zu kaufen. Hoffentlich sind zwei genug um es bis ins drei Tage entfernte Salida zu schaffen.
    (Anzahl Ersatzschläuche: 2).

    Eventuell waren wir zu optimistisch. Nach nur 6 km am nächsten Morgen, während einer Trinkpause, hörten wir das markerschütternde Pffffff-Geräusch aus Carstens Hinterrad. Der Schlauch war wieder unflickbar am Ventil gerissen. Nun gut, einer bleibt ja noch. Gleichzeitig umgab uns trotz Colorado wieder eine Wüstenlandschaft, ein weiterer Umstand der nicht zur besten Laune führte. Doch wie so oft wandelte sich das Bild und wir verbrachten den Abend vergnügt zwischen Baum und Bach.
    (Anzahl Ersatzschläuche: 1).

    Die erste Abfahrt des nächsten Tages bescherte uns ein weiteres Pfffff im genau einen Tag alten Schlauch. (Ja, wir wissen wie man die montiert, es sind nur wirklich viele Steine auf dem Weg.) Eine auf mehr Straßenkilometer abgeänderte Route brachte uns zumindest für den restlichen Tag bis kurz vor Salida.
    (Anzahl Ersatzschläuche: 0,0000)

    Somit lag nur noch der Marshall-Pass zwischen uns und Salida, einer schmucken Kleinstadt mit gutem Essen, vielen Unterkünften und hervorragenden Mechanikern. Und Speiche sei Dank, es lief alles gut. Wir konnten sogar die wundervolle Aussicht auf die umliegenden Berge ausgiebig genießen!

    Ein weiterer aufregender Abschnitt liegt nun hinter uns. Während wir uns zum zweiten Mal mit dem Auto in Richtung Nationalparks aufmachen, übergeben wir unsere Gefährten in Aarons fähige Hände für eine dringend notwendige Generalüberholung und den ersehnten Wechsel auf schlauchlose Reifen.
    (Anzahl Ersatzschläuche: Egal!)
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  • Bye bye New Mexico

    Jun 10–16 in the United States ⋅ ☀️ 12 °C

    Ja, ihr lest richtig: wir haben unseren ersten Bundesstaat - New Mexico - hinter uns gelassen und damit den Staub, die Trockenheit, die Hitze sowie die stetige Suche nach Trinkwasser.

    Für die Durchquerung des längsten Bundesstaates auf der Great Divide wollen wir euch die Statistiken nicht vorenthalten (die Zahlen sind exklusive des Roadtrips):

    - Fahrtage: 14,5 Tage
    - Ruhetage: 2 (Grants & Abiquiu)
    - Gefahrene Kilometer: ca. 1.200 km
    - Höhenmeter: ca. 15.800 m
    - Pannen: 3x Platten, 1x gebrochene Speiche

    So viel zu den harten Fakten. Doch wie ist es uns seit dem Ende unseres Roadtrips ergangen?

    Zuallererst waren wir sehr glücklich die Autositze wieder durch unsere Sättel zu ersetzen und radelten voller Motivation in Grants los. Auf dem Weg zu dem Städtchen Cuba zeigte sich New Mexico nochmals in seinem gewohnten Gewand: es war heiß, staubig, trocken und die Trinkwasserquellen waren äußert spärlich gesäht. So spärlich, dass wir sogar an einer Kuhtränke sicherheitshalber Wasser auffüllten, nur für den Fall, dass die erhoffte Wasserquelle am Abend doch kein Wasser enthielt. Der große Unterschied zu vorher war jedoch, dass wir hier und da Schatten fanden und somit die Mittagspausen dank den Bäumen entspannter ausfielen als zuvor.

    Nach Cuba änderte sich dann "plötzlich" - nach über 700 Höhenmetern - die Landschaft. Es wurde grün, es gab Bäume, sogar Wiesen und Wasser! Was für eine willkommene Veränderung!

    Willkommen war auch unser Ruhetag in dem kleine Örtchen Abiquiu, das wir nach der schlimmsten Abfahrt unseres Lebens (bis jetzt!) erreichten. Schlimm, weil das Terrain überhaupt nicht Fahrrad-tauglich war, schon gar nicht mit einer gebrochenen Speiche, die sich Tiberius am Morgen zugezogen hatte.

    Und so genossen wir einen Ruhetag in einer schönen Radfahrer-Unterkunft am Fluss, reparierten Tiberius so gut es ging und verwöhnten uns mit leckerem Eis.

    Von Abiquiu bis zur Grenze war die Strecke vor allem durch eine Richtung geprägt: hoch, hoch, hoch! Meistens auf weniger guten Wegen, sodass wir (vor allem Isabell), das Rad zeitweise nicht nur den Berg hoch, sondern sogar den Berg hinunterschieben mussten.

    Neben all den schlechten Wegen und den vielen Bergen, trafen wir jedoch wieder auf einige Trail Angels. Eine kalte Cola versüßte uns den Abend in Abiquiu, ein alkoholfreies Bier erfrischte unsere Mittagspause nach einem langen Anstieg und an einem Abend standen zwei nette Herren aus Colorado mit einem 5 Liter Wasserkanister vor unserem Zelt, gaben uns Wasser und luden uns sogar zum Cocktail trinken an ihrem Platz ein.
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  • On the road...

    June 9 in the United States ⋅ ☀️ 33 °C

    Seit Dienstag sind wir nun "on the road again" mit unseren zwei Drahteseln. Dieser kurze Footprint widmet sich jedoch dem "Unterwegs sein" mit dem Auto während der letzten Woche.

    Dass die Nationalparks an sich von atemberaubender Schönheit sind, sollten unsere Fotos eindrücklich gezeigt haben. Aber die ganzen Strecken dazwischen, die wir mit dem Auto zurückgelegt haben, waren auch wunderschön. Hätte man an jedem Aussichtspunkt oder an jeder schönen Stelle gehalten, wären wir jetzt noch irgendwo zwischen Grand Canyon und Bryce Canyon.

    Viele Fotos davon haben wir nicht gemacht, meistens genossen wir einfach so die schöne Aussicht aus dem Auto. Ein paar nette Aussichten wollen wir dennoch mit euch teilen.
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  • Escalante - The Grand Staircase

    June 8 in the United States ⋅ ☀️ 31 °C

    Stellt euch eine riesige Treppe aus Stein vor, jede Stufe 400 Meter hoch, 300 Kilometer lang und 50 Kilometer tief. Und damit sie besonders schön aussieht, ist jede Stufe aus einem anderen Material. Klingt verrückt? Gibt es aber wirklich! Das Escalante National Monument ist auch bekannt als The Grand Staircase. Bryce und Zion sind nur ein Teil dieses gigantischen Gebildes, in dem wir die letzten Tagen wie (autofahrende) Ameisen umhergewuselt sind. Zum großen Abschluss wurde es nun an der Zeit nicht nur an den ewig langen Felswänden entlangzufahren sondern sozusagen ins Herz vorzustoßen.

    Da unsere Knie vom andauernden aus dem Auto aus und einsteigen ganz wackelig geworden sind, musste ein Kräftigungsprogramm her: Wandern was das Zeug hält. Zum Auftakt suchten wir uns eine zweistündige Wanderung zu einem 38 Meter hohen Wasserfall aus. Dank dem nahegelegenen Campingplatz konnten wir morgens direkt aus dem Zelt auf den Wanderweg fallen. Die schöne und schön einfache Wanderung an einem Bach entlang zeigte uns wunderbare Farbspiele aus rotem Fels und grüner Vegetation. Und auch der Wasserfall selbst wusste zu überzeugen!

    Eine teilweise nervenaufreibende 50 minütige Autofahrt mit unserem Chevy Malibu (Spitzname: Bubu) später kamen wir an einem Ort der Wahrheit an. Am Eingang der Wanderung zum Spooky und Peekaboo Slot Canyon standen zwei Metallsteelen. Nur wer zwischen diese passt, würde es auch durch die engsten Stellen dieser Canyons schaffen ohne festzustecken. Glück gehabt, trotz amerikanischem Essen haben wir durchgepasst. Auf geht's!

    Am Eingang des ersten Canyons angekommen wartete die erste Herausforderung: eine knapp über drei Meter hohe ungesicherte Wand, die es zu erklimmen galt. Erwähnten wir, dass wir nur Wandersandaletten trugen? Es gibt definitiv Schuhwerk mit besserem Grip, aber schon kurze Zeit später sollte sich die Wahl als goldrichtig herausstellen. Mehrere Passagen waren knöcheltief unter Wasser. So überholten wir andere Wanderer, die ihre Schuhe trockneten, genossen die Farbspiele und die vereinzelten leichten Klettereien. Wieder im Freien wähnten wir uns in Sicherheit.

    Da hatten wir die Rechnung ohne den Spooky Canyon gemacht, der seinen Namen zu Recht trägt. Schon die anfänglichen Klettereinlagen entlang mehrerer im Canyon liegenden Felsbrocken in Findlingsgröße hatten es in sich. Unten angekommen, quetschten wir uns mühsam in Kaminklettermanier durch körperenge Spalten bis wir nach 20 Minuten das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels erblickten. Für beide kratzte die Wanderung definitiv am Rand der Komfortzone und fühlte sich sehr abenteuerlich an. Welch besseres Gefühl kann man haben, um sich im Anschluss eine wohlverdiente Pizza und einen fetten Milchshake zu gönnen?
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  • Bryce Canyon

    June 7 in the United States ⋅ ☁️ 22 °C

    Seit Mama Claudia zu Hause vom Bryce Canyon geschwärmt hat und sogar der Meinung ist, dass er schöner als der legendäre Grand Canyon ist, stand er bei Isabell auf der Travel-Bucket-List ganz oben. Carsten hat ihn 2013 mit Torbi zwar schon gesehen, war aber nicht abgeneigt, ihn ein zweites Mal zu besichtigen.

    Auf der Fahrt Richtung Bryce Canyon wurden wir bereits vom Red Canyon auf den kommenden Tag eingestimmt. Und abends auf dem Campingplatz gab es schon ein erstes Highlight - ihr werdet in den Fotos sehen, um was es sich dabei handelt.

    Am nächsten Morgen fuhren wir dann in den Nationalpark, frühstückten mit einer atemberaubenden Aussicht und machten dieses mal bei ausnahmsweise besten Wetterbedingungen eine etwas längere Wanderung. Insgesamt 10 Kilometer wanderten wir durch den Canyon und verloren dabei mehrere hundert Höhenmeter, die wir am Ende wieder hochlaufen mussten.

    Das Hochlaufen entpuppte sich jedoch als besonders kurzweilig, da wir uns mit einem texanischen Republikaner unterhielten, der aber überraschenderweise total nett war und auch unsere Meinung akzeptierte.
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  • Fotos bringen das Gefühl an solch einer massiven Felswand zu stehen nicht so richtig rüber
    Die 1,6 km lange Wanderung zum Aussichtspunkt hat sich gelohntDank blauem T-Shirt gut zu erkennen: Tourist wider Willen Isabell M.Wie sich so viele Bäume im nackten Fels halten, ist immer wieder erstaunlichIm Kolob-Canyon ticken die Uhren etwas langsamerDer Blick in das Hinterland, unendliche WeitenDer rote Fels kann mit dem Rest Zions durchaus mithaltenUnd auch die nicht immer kooperative Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite

    Zion Nationalpark

    June 6 in the United States ⋅ ☀️ 25 °C

    Carstens Erinnerungen an den Zion Nationalpark waren sehr positiv geprägt. Toll anzusehende Felswände bis in den Himmel, schöne Wanderungen...nur die damals übergangsweise getragene Prinz-Eisenherz-Frisur würde er gerne vergessen. Grund genug zur Vorfreude auf den nächsten Besuch.

    Wie sehr sich die Zeiten jedoch geändert haben. Recherchen zu den Besucherzahlen und Warnungen von Bekannten, zwangen uns zur mentalen Vorbereitung auf Menschen und zwar jede Menge davon. In der Natur. Mit Spiegelreflexkameras größer und schwerer als ein Neugeborenes.

    Es sollte sogar noch besser kommen: die damals noch problemlos mögliche Durchfahrt mit dem eigenen Auto ist gar nicht mehr erlaubt. Stattdessen quetscht man sich in Shuttlebusse und fährt damit in den Canyon. Der Zugang zur beliebtesten Wanderung ist nur noch über eine am Vortag stattfindende kostenpflichtige Lotterie möglich. 2013 lief man noch einfach los.

    Schweren Herzens folgten wir also unserem Instinkt und machten nur eine kleine Wanderung am Rande des Parks, die frei zugänglich war. Den Rest der Zeit verbrachten wir an einem anderen Tag im nahegelegenen Kolob-Canyon der auch zu Zion gehört. Das war vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber dafür auch wesentlich ruhiger. Genauso wie wir es mögen.
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  • Las Vegas

    June 5 in the United States ⋅ ☀️ 29 °C

    Fun Fact: der diesjährige Juni ist jetzt schon der 9. verregnetste in Arizona seit Wetteraufzeichnung. Somit hingen Regenschauer und Gewitter wie ein Damoklesschwert über unserem Roadtrip.

    So richtig lustig fanden wir das nicht, da wir doch in den schönen Nationalparks wandern wollten. Umso lustiger fanden wir dann die Vorstellung, ganz spontan die Natur Natur sein zu lassen und nach Las Vegas zu fahren. Waren wir doch nur etwas weniger als 2h davon entfernt.

    Und Las Vegas hat uns nicht enttäuscht. Es war genau so furchtbar und schrecklich, wie wir es erwartet hatten. Konsum, Konsum, Konsum und immer alles im Überfluss. Mit unseren Wandersandaletten und dem Jutebeutel von Globetrotter fühlten wir uns auch irgendwie fehl am Platz.

    Dennoch liefen wir den Strip hoch und runter, amüsierten uns über die Verrücktheit der Stadt und deren Besucher, aßen leckeres, aber viel zu überteuertes Essen, schauten uns die Casinos an, die man aus Film und Fernsehen kennt und am Abend besuchten wir eine sehr lohnenswerte Varieté-Show mit internationalen Künstler*innen.

    Haben wir bereut, nach Vegas gefahren zu sein? Nein!
    Würden wir es wieder tun? Auf keinen Fall!
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  • Grand Canyon

    June 4 in the United States ⋅ ⛅ 22 °C

    Der Grand Canyon - die Mutter aller Canyons! Schon zum zweiten Mal besuchten wir beide dieses Naturwunder. Isabell war 2009 mit ihrer Freundin Andi und Carsten 2013 mit Bruder Torbi bereits am South Rim. Nach einer kurzen Recherche war für uns jedoch schnell klar, dass wir uns diesmal zum ruhigeren und weniger besuchten North Rim begeben werden.

    Die Ranger rieten uns wegen Gewittern davon ab, direkt im Park zu übernachten. Somit schliefen wir etwas weiter unten, aber nicht weniger gemütlich, im Wald und lauschten dem Regen auf dem Zeltdach. Ausgeruht und fit machten wir uns am nächsten Morgen um fünf Uhr auf und hatten somit alle Aussichtspunkte fast für uns alleine.

    Würde man jemanden aus Buxtehude mit eingeschränktem Weltbild Fotos vom Grand Canyon zeigen mit dem Hinweis "Ist computergeniert für Star Wars", würde die Person wahrscheinlich beeindruckt nicken. Uns wundert es nicht, dass die indigenen Völker hier eine starke Magie verspürt haben. Man kann die Schönheit, die Formen und Farben genauso wenig begreifen, wie die enormen Zeiträume, die die Natur brauchte, um dieses Meisterwerk zu erschaffen.

    Wir waren also auch bei unserem zweiten Besuch begeistert, beeindruckt und sprachlos. Die Bilder können dies nur ansatzweise zeigen, aber wir wollen sie euch natürlich trotzdem nicht vorenthalten.
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  • Antelope Canyon

    June 3 in the United States ⋅ ☁️ 20 °C

    Unser zweiter Stopp führte uns am nächsten Tag schon in die Nähe des Colorado Rivers, zum Antelope Canyon. Der liegt in der sogenannten Navajo-Nation, ein von den Navajos (oder in ihrer Sprache Dine) mit etwas mehr eigener Autonomie verwaltetes Gebiet. Dazu gehört u.a. auch, ob es Sommerzeit gibt oder nicht und führt zum interessanten Umstand, dass der besagte Teil Arizonas eine andere Zeitzone hat, als der Rest. Und mit interessant meinen wir eigentlich nervig.

    Doch zurück zum Canyon: dieser ist ein Slot oder Tunnel-Canyon, heißt das Wasser hat sich hier einen relativ engen Weg durch das Gestein gegraben. Vielleicht wird ja in ein paar Millionen Jahren ein zweiter Grand Canyon draus. In diesem Canyon wird man in Gruppen á 15 Personen von einem Guide durchgeschleust. Das klang schrecklicher als es war, tatsächlich hatten wir genug Zeit, das Ganze ausgiebig zu genießen. Auch das Horrorszenario einen etwas zu voluminösen Amerikaner aus einer Spalte retten zu müssen, wurde uns erspart: es waren fast nur Ausländer dabei.

    Während der Tour gab es nur vereinzelte Details zur Geologie und Entstehung, aber dafür die schönsten Motive und Steinskulpturen. So erfuhren wir, dass sowohl Apple als auch Microsoft einen ihrer Bildschirmschoner in diesem Canyon aufgenommen haben. Ihr erkennt sie bestimmt.
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  • Petrified Forest

    June 2 in the United States ⋅ 🌙 15 °C

    Nach den ersten paar hundert Kilometern im Sattel, baten unsere Popos und Handgelenke um ein Päuschen! Da wir uns zufälligerweise auf der Höhe all der atemberaubend schönen Nationalparks befanden, tauschten wir Sättel mit Autositzen und los ging der Roadtrip in Richtung Westen. Yee-haw!

    Weniger bekannt, aber nicht weniger spektakulär lag der Petrified Forest Nationalpark direkt auf dem Weg und bot einen fantastischen Auftakt in unsere Nationalpark-Sightseeing-Tour.

    "Petrified" heißt übersetzt "versteinert" und so ließ der Forest seine Bäume ganz schön alt aussehen. Hier sind die Bäume nämlich seit rund 200 Millionen Jahren im Ruhestand. Versteinert, bunt gefleckt und härter als jeder Kaktus – diese Holz-Giganten haben ihren Zenit lange hinter sich und sehen trotzdem spektakulär aus.

    Aber der Park kann mehr als nur Baum-Fossilien: bizarre Felsformationen, endlose Wüste, versteckte Petroglyphen (Wandmalereien) und eine ordentliche Portion "Wow, das ist wirklich alles echt?"-Gefühl warteten hier auf uns.

    Und so fuhren wir in amerikanischer Manier mit unserem Mietwagen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. In weniger amerikanischer Manier machten wir dann noch eine kleine Wanderung in die steinerne Landschaft hinunter und besuchten ein ehemaliges historisches Hotel, in dem wir das (bis jetzt) teuerste Eis unseres Lebens aßen. Guten Appetit!
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  • Auf der Suche nach Wasser

    May 31 in the United States ⋅ 🌙 20 °C

    Es war der eine Satz Jeffs von der Hachita Bike Ranch der uns noch wie ein Echo in den Ohren nachhallte: "Die echte Great Divide beginnt erst nach Silver City!". Ein Blick auf die Karte zeigte uns, dass wir ca. 5-6 Tage bis zum nächsten Etappenziel brauchen würden und Essens-Nachschub frühestens am vorletzten Tag verfügbar sein würde.

    Dank unserer Wanderungen in Neuseeland war das für uns mental zwar kein Problem, nur die Anzahl und Beschreibung der kleinen Wassertropfen auf unserer Karte bereiteten uns Sorgen: "Possible water" oder "Seasonal water" hörte sich nicht allzu vertrauensvoll an. Bis zu 19 Liter könnten wir zusammen theoretisch unterbringen. Aber wer will das schon einen Berg hochschleppen? So schmiedeten wir also einen Plan, der uns mindestens einmal am Tag an einer möglichst sicheren Wasserstelle vorbeibringen sollte. Auf geht's!

    Nach Besorgungen am Vormittag, machten wir uns mittags auf den Weg raus aus Silver City in Richtung Lake Roberts. Wer hier Wasser vermutet, hat richtig geraten! Und sogar die Straßen waren durchweg asphaltiert. Soweit so gut!

    Doch schon am nächsten Morgen verließen wir dieses asphaltierte Gefühl der Zivilisation und sollten es für die nächsten vier Tage nicht wiederbekommen. Die Gila Wilderness Mountains lagen vor uns. Aber was wild ist, ist bekanntlich auch oft schön: vorbei war das Gefühl in der Wüste zu fahren. Stattdessen umgaben uns trockene Nadelwälder, während wir einen Pass nach dem anderen hochstrampelten. Das Gefühl von unendlicher Weite und Unberührtheit umgab uns. Es gab uns Kraft und Unbeschwertheit!

    Zumindest so lange bis gegen Ende des zweiten Tages ein großer Metallsplitter beschloss, nähere Bekanntschaft mit Isabells Vorderrad zu schließen. Pffff! Ein Geräusch, das kein Radfahrer gerne hört. Aber kein Problem, Ersatzschlauch ausgepackt und weiter geht's! Oder auch nicht. Der Mantel schien nicht mehr richtig zu sitzen, das Rad hatte eine Acht und quietschte dazu noch nervtötend. Sollten wir die falschen Schläuche eingepackt haben? Der Tag neigte sich dem Ende zu, deshalb beschlossen wir vorsichtig zur nächsten Wasserstelle zu eiern. Dort war es Zeit für den ersten magischen Moment - Trailmagic wie Sven sagen würde. Eine Ranch hatte frisches Wasser, eisgekühlte Getränke und Snacks am Wegesrand bereitgestellt. Was für eine Wohltat! Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass uns ein kaltes Wasser z.B. aus einem Beifahrerfenster gereicht wurde.

    In den nächsten Tagen wechselten sich wunderschöne Weitblicke mit typisch amerikanischen Canyons und mental extrem zusetzenden Einöden ab. Leider blieb auch der quietschende Reifen ein ständiger Begleiter, der Isabell oftmals an den Rand des Wahnsinns - aber nie darüber hinaus - trieb. Dank diesen Umstands ist sie aber nun wieder bei all ihren Podcasts auf dem neusten Stand. Wasser fanden wir zum Glück oft genug, wenn auch viele Quellen ausgetrocknet waren und uns zur Weiterfahrt zwangen.

    Am Ende des vierten Tages wartete dann endlich ein Highlight der Great Divide auf uns: Pie Town. Nicht nur ein richtiger Ort, sondern sogar so berühmt für die dort verkauften Kuchen, dass er danach benannt wurde. Außerdem trafen wir dort erstmals auf die richtig krassen Leute, die die gleiche Strecke wandern! Respekt! Zu guter letzt fand sich dort auch eine stationäre Pumpe mit genügend Power, um den Mantel mit einem sehr befriedigenden Plopp in die richtige Position zu drücken. Diese Stille!

    Der nächste, letzte und nochmal sehr lange Tag brachte uns dann endlich wieder auf Asphalt, ein Umstand den unsere geschundenen Handgelenke und Popos sehr zu schätzen wussten. Wir waren beide in unterschiedlicher Weise sehr geschafft von den vielen Stunden in der Hitze auf dem Sattel und freuten uns darauf in Grants die Räder für ein paar Tage zur Seite zu stellen. Trotz der Strapazen waren wir glücklich über die tollen Eindrücke und das Gefühl des Abenteuers.
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