• Erste Eindrücke von Abisko

    August 29, 2022 in Sweden ⋅ ☁️ 8 °C

    Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, bei der Tagesplanung. Nun ja ich wäre nicht ich, wenn ich nicht meine Pläne auch in die Tat umsetzen würde. Auch wenn das Wetter alles andere als dem Regenfreisten Gebiet Schwedens ähnlich sieht, ziehe ich los. Bepackt mit Ulfis leichtem wasserdichtem Tages-Rucksack (danke dafür an dieser Stelle😊) mache ich mich auf den Weg in den 2,3km entfernten Abisko Nationalpark. Dieser beherbergt unteranderem die Abisko Turiststation, die zwar über den schwedischen Jugendherbergsverband SFT läuft, für die ich als armer Medizinstudent dann jedoch trotzdem etwas zu arm bin. Von hier ziehen die meisten Wanderwege gen Nationalpark los und auch der Kunsleden endet/beginnt hier für den Abisko Anteil. Bereits vom Wanderweg bietet sich ein wunderbarer Blick über den Torneträsk, einem großen, glanggestreckten See. An ihn zieht ebenfalls die Straße von Kiruna nach Narvik sowie die Eisenbahntrasse "Arctic Railways" entlang, die für den Abtransport des in Kiruna gewonnen Eisenerzes dient.

    Schon auf meiner Durchreise durch Kiruna wird das Ausmaß des Bergbaus sichtbar; eine Grube mit Schienen, Straßen, Abbruchstellen, schweren Maschinen und Baustellenkontainern soweit das Auge reicht. Zur anderen Seite die überschaubare Stadt, die in einer großangelegten Aktion, bis 2040 gänzlich verlegt und neu aufgebaut werden soll, um an reichhaltige Eisenerzvorkommen zu gelangen.

    Ich folge also dem Pfad und bereits jetzt ist die Aussicht fantastisch; um mich herum Berge, von denen Wasserfälle weit in die Tiefe stürzen und mit ihrem Dunst Regenbögen erzeugen. Rechts die beginnende charakteristische Fauna dieses Landstriches. Kleine Birken zwischen den sich Moose, Gräser, Beerengewächse und Pilze einen Platz an der arktischen Sonne erkämpfen.

    Kurz vor der Station ein angelagerter Campingplatz, der es ermöglicht in dieser beschriebenen Landschaft zu nächtigen und den Nationalpark in seiner Schönheit zu genießen.

    Die Station selber ist von innen wunderschön gestaltet. Kleine Sitzecken mit Blick über den Nationalpark bis zum See, einem Restaurant mit eben diesem Ausblick und eine sehr einladende Lobby mit schönen Fotografien. An der Rezeption sitzt eine sehr nette junge Frau, die mein Anliegen direkt versteht und nach besten Kräften versucht zu helfen. Aus Datenschutzgründen darf sie natürlich nix herausgeben, aber ich hinterlege eine Notiz mit meinen Daten, was sie wiederum bei sich im System vermerkt, sodass es alle Rezeptionisten wissen. Außerdem schickt sie eine Email an Olof, damit er evtl. schneller zu dem Zettel kommt.

    Auch hier treffe ich wieder auf die Niederländerin, die hier in der Lobby wartet. Nun gib es 2 Möglichkeiten; entweder ich gehe Heim, kaufe ein und mache mir einen Entspannten oder ich nehme einfach mal auf gut Glück einen der Pfade. Angesichts der Zeit, es ist gerade einmal kurz nach 14 Uhr, entscheide ich mich für letztere Option. "Strandan" das klingt doch gut denke ich mir. Also los! Das nächste Schild verrät schon, dass es sich nur noch um 1 km handelt. Soweit komme ich aber garnicht. Bevor ich dem Schild folgen kann erblicke ich einen Seitenweg der zur einer Brücke und einer Aussichtsplatform führt. Das Rauschen war mir bereits die ganze Zeit schon aufgefallen, nun konnte ich also der Herkunft endlich auf die Schliche kommen.

    Auf der Plattform stand bereits jemand. Das Spiel lief wie so oft ab; die ersten 3 Sätze auf Englisch, dann auf Deutsch. Ich war auf Marta gestoßen. Sie studiert in Münster Biologie und ist aufgrund eines ERASMUS-Programs in: "einer Stadt die ich bestimmt falsch ausspreche, von der ich aber schon mal gehört habe wie sie so ausgesprochen wurde, 600km südlich von hier." Wie Sie aus Gewohnheit immer zu sagen pflegte, wenn man auf besagte Stadt zu sprechen kam. Nun hat es sie im Rahmen eines Projektes für 2 Monate nach Abisko verschlagen, wobei es ebenfalls ihr erster Tag war.

    Nach einigen Beobachtungen und etwas Smalltalk war man sich einig; keiner von uns hatte einen Plan oder Ziel und gemeinsam ist man weniger allein. Wir zogen los. Gemeinschaftlich hatte es uns der Abiskojåkka angetan, welcher einen Canyon darstellt, durch den sich ein reißender Fluss dem See zuwindet. Dabei ist das Wasser so klar, dass man an fast allen Stellen bis auf den Grund sehen kann. Das kristallklare und himmelblaue Wasser fasziniert bei jedem neuen Blick und wirkt fast unwirklich.

    Wir schlängeln uns ebenfalls durch die Landschaft, immer entlang des Flusses. Marta befindet das Wasser für sehr einladend zum Baden, jedoch genügt ein kurzer Blick auf die Strömung und die nächste Stromschnellen sowie ein kurzer Temperaturcheck, um den Gedanken zu verwerfen. An einem beruhigteren Bereich versuchen wir irgendetwas Lebendes zu entdecken, wie es einige Infotafeln anteasern, gedoch nichts, rein garnichts. Nun gut, dann eben nicht. Es geht weiter auf durch Marta nach gefallen gewählten Faden, immer Kreuz und quer durch den Park. Zwischendurch erreichen wie einen Steinstrand und lassen einpaar Steine flitchen....mäßiger Erfolg...bezüglich eines besonders wirkenden Steins gibt die Biologen ihre Expertiese ab: "Stein".

    Es geht entlang der Küste bis zu einem kleinen Häuschen. Von dort führt kein Weg mehr weiter, also ist Umkehr angesagt. Aber nicht für lange. Gebüsch wird ein weiterer Trampelpfad ausfindig gemacht. Dieser führt auch erst wieder durch die charakteristische Flora, die fast mystisch bzw. wie ein Filmset für den nächsten Fantasy- oder Schlumpf-Film wirkt, bevor es steil empor geht und man eine kleine Aussichtsstelle erreicht, die einen wunderbaren Blick über den See mit seinen wolkenverhangenen Bergen dahinter bietet. Marta entdeckt dabei am anderen Ufer sogar einen doppelten Regenbogen der fotografiert wird. Ein paar Schritte weiter steht man wieder am rauschenden Fluss. Wir ziehen noch einmal los, diesmal weg von der Mündung, hinauf zum Strom. Ein Schild verweist hier auf eine Sami Siedlung, die sich in nur 500m Entfernung befinden soll. Dem gibt auch das nächste Schild recht, dass 100m ebenfalls 500m bis zur Siedlung angibt. Irgendwann erreichen wir doch die Lichtung, auf der ein Paar Bauwerke der Sami mit kleinen Infotafeln aufgestellt sind. Wenig spektakulär, jedoch auch mal interessant das so zu sehen. Von hier aus geht es dann nach Abisko östra, der Hauptsiedlung, zurück. Marta ist in einem Forschungszentrum auf ca.2/3. Der Strecke untergebracht und so trennen sich hier unsere Wege.

    Auf zum Supermarkt, der Junge hat Hunger. Zur Feier des Tages gönnt er sich das erste mal eine richtige Mahlzeit, die nicht aus Mpsliriegeln, Kitkat oder Würstchen in Vollkornbrot besteht. Heute gibt es Kötbullar. Dazu etwas Erbsen oder Spinat und das Weltbeste Kartoffelpüh. 😋 Naja, so die Theorie. Ich bin etwas erstaunt als ich die Mengen sehe in denen hier hantiert wird. Nein ich will kein Kilo Schnittgouda und auch keine 500g Butter für 4,5€ kaufen. Aber wo sind den die kleinen Pakete? Gibt es nicht, na super. Mit 500g Kötbullar kann ich ja leben, aber wie um alles in der Welt soll ich bitte 500g Butter in 3 Tagen klar machen? Also keine Butter und kein Käse. Dafür Äpfel! Endlich etwas Frisches. 🥳 Ich gebe zu, das Brot zum belegen hätte sich auch erst noch auftun müssen und so spielt der Belag eh keine Rolle.

    Vor dem Gemüse- und Obstregal nun eine lustige Geschichte: 3 Mädchen mit jeweils Alpro Milch, Rapsöl und einpaar anderen Sehr verdächtig deutsch wirkenden Produkten im Einkaufskorb, schauen ungläubig auf die geringe Auswahl an Obst, der vielen Verpackung und der schlechten Qualität bei derbe hohen Preisen. Immer wieder entscheidet sich eine für etwas und legt es dann doch zurück. Dieses Spiel geht eine ganze Weile so. Irgendwann gehe ich und treffe erneut auf meine Niederländerin. Sie ist sehr erfreut und erkundigt sich, woher ich den Spinat hätte. Für sie geht es morgen auf eine Etappe des Kungsleden mit einer Übernachtung, bevor sie dann Übermorgen zurück nach Abisko kehrt.

    Die Besorgungen erledigt, geht es zurück ins Hostel. Vorbei an der Gleisarbeitersiedlung und hinein ins Hostel. Ich verstaue die Einkäufe und treffe im Zimmer auf eine neue Mitbewohnerin; Julia. Julia studiert Bio-Informatik und kommt aus umgekehrter Richtung. Sie hat in ihren bisher 3 Wochen bereits die Norwegischen Städte hinter sich, ebenso wir 5 Tage Lofoten. Ich weiß nicht wie, aber sie hat tatsächlich auch ein 3kg Zelt mit, sowie Gaskocher und etwaiges anderes Gedöns. Nur im Wasserfilter finden wir einen gemeinsamen Nenner, der allerdings meine unnötigste Begleitung auf dieser Reise darstellt, denn man kann hier eigentlich alles trinken.

    Ich hoffe mal ihr seit jetzt wieder bestens informiert und oder unterhalten, denn ich muss mir jetzt mal einen Platz in der Sauna sichern....wie war das nochmal in nordischen Ländern; Ohne was an?🤔

    P.S. Lieber Ulfi, der Torneträsk ist gegrüßt! Liebe Grüße zurück und gute Genesung soll ich bestellen.🤗
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