• Von Trondheim nach Åndalsnes

    12 Eylül 2022, Norveç ⋅ 🌧 8 °C

    Durch meine ungeplanten Frühstücksbekanntschaften, hat sich mein Plan etwas nach hinten verschoben. Um 11.40 Uhr ziehe ich dennoch mit Clara, der deutschen Philosophie Studentin, los richtung Innenstadt. Heute ist tatsächlich etwas mehr los, sowohl auf den Straßen, als auch auf den Bürgersteigen. Es sind nicht mehr nur die Herrschaften, die ihre Hunde um die Häuser führen oder die Touristen, die sonntags in Trondheim gestrandet sind und versuchen, das Beste daraus zu machen, nein heute gibt es hier wahrhaftige Lebenszeichen einer Studentenstadt. 25% der Bewohner sollen hier studentischen Ursprungs sein. Zwar pulsiert das Leben nicht, aber es ist unbestreitbar da.
    Da Clara sich mit den anderen am Nidarosdom verabredet hat, trennen sich unsere Wege in der Innenstadt.

    Nun merke ich erst, was für eine merkwürdige Idee das war, noch einmal loszuziehen. Was, außer einem bunten Treiben, gibt es hier mehr zu sehen als gestern? Angesehen hatte ich ja eigentlich alles schon am Vortag. Und die Shops von innen anschauen? Das ist unter zweierlei Gesichtspunkten unnötig: Zum einen müsste ich alles was ich kaufe mitschleppen und zum anderen würden mich die Preise, wenn nicht in die Privatinsolvenz, dann in tiefste Depressionen stürzen.

    Ich kann nicht anders....was sollte ich auch sonnst 1,5h machen? Da ich keinen Baumarkt finde und mir Buchläden aufgrund fehlender Sprachkenntnisse sinnlos erscheinen, fällt die Wahl auf Outdoor-Läden. Von denen gibt es hier in Norwegen reichlich. Sie sind auch mindestens genauso interessant wie Bau- oder Elektronikmärkte. Viel Zeug, bei dem ich noch nicht einmal die Verwendung kenne. Das macht doch Freude! Ich probiere ein paar Werner Carbon Paddel aus, frage mich ob sie wohl irgendwann ein noch leichteres Material erfinden und erkenne begeistert den bisherigen Fortschritt an. So ganz klar wird mir der Zusammenhang zwischen den ausliegenden Paddeln und den Booten allerdings nicht. Der Kontrast ist mindestens genauso signifikant, wie bei einer Stradivari, die mit einem 5 Euro Bogen gespielt wird.

    Müsste ich jedoch einem Tipp abgeben, warum man eine kajakförmige Regentonne auf Goldpreisniveau, neben diesen Highend Paddeln verkauft, wäre es Folgender. Man geht davon aus, dass jemand der dort auftaucht, sich entweder Paddel oder Boot leisten kann. Nicht aber beides zusammen. Es wäre nur zu lustig, wenn jemand mit einem derartigen Paddel, so ein Boot fahren würde; Denn was man mit der Leichtigkeit des Paddels rausholt, macht das Boot mit Gewicht und Widerstand wieder wett.

    Nach einigen Shops, einigen Anproben und der Einsicht, Shopen tut der Geldbörse zuhause etwas besser als hier, geht es Richtung Hostel. Ich packe auch noch den restlichen Kram, vorallem das gekühlte Essen, ein und ziehe meines Weges. Auf diesem Weg liegt auch die Bäckerei. Ich kann nicht anders...ich verfalle einem der Brote. Am Bahnhof dann noch ein Eis und schnell rein in den schon am Gleis 3 wartenden Zug nach Oslo.

    Uff....grad noch so erwischt. Aber was ist denn dass? Ist das eine Film-Crew? Na toll, und ich sehe bepackt aus wie der letzte Depp. Stellt sich raus, die Film-Crew ist aus England und sie drehen...tja, das habe ich auch noch nicht so ganz raus. Jedenfalls ist es sehr amüsant, wie die Redakteurin rumspringt, Anweisungen verteilt und jeden der nicht bei 3 in der Gepäckablage ist, mit einbezieht. Auch der Schaffner wird Teim des Spektakels. Er soll hier das und da jenes...sein Stolz steht ihm ins Gesicht geschrieben. Gür eine Schauspiel Karriere wird es nicht reichen, aber er macht den Job trotzdem gut. Genauso gut wie seinen jetzigen. Bei der Ticketkontrolle versichert er, dass der Anschluss, für den nur 9 Minuten Umstigszeit bleiben, immer wartet. Auch wenn es Verspätungen gibt. Das beruhigt mich natürlich.

    Was am Fenster vorbei zieht, kommt einer Modellandachaft gleich. Zunächst sind es die Vororte von Trondheim, die sich immer weiter vereinzahlen und sich endgültig in einer hügelligen Landschaft voller Kornfelder verlieren. Fasst einer malerischen Bildkomposition gleichkommend, sitzen auf seichten Hügeln mitten im Kornfeld, rot-weiße Bauernhöfe. Kontrastiert wird die Szenerie durch den dunklen Himmel.

    Auch diese ländliche Idylle verliert sich jedoch irgendwann in der norwegischen Wildnis. Anstelle der Höfe treten Schluchten, Flussläufe, Wälder, aber auch Kuhweiden und abgeschiedene Anwesen. Ab und zu geht es durch Tunnel, dann wieder entlang von Tälern, in denen kleine Dörfer schlummern.

    Bei der Film-Crew hat inzwischen ein 11-jähriger Hund den Auftritt seines Lebens erkämpft. Es verwundert mich zunehmend, was für ein Beitrag das wird. Wir haben bisher einen Hund, einen Schaffner, 2 Hauptpersonen, eine Außenansicht durch einen anderen Kameramann (ich glaube er hat seinen Auftritt verbockt, denn das als wir ihn passierten kämpfte er noch panisch mit dem Stativ), 2 Frauen die Norwegisch mit einander sprechen sollten und irgendeine Brittische Spezialität, die erst ausgepackt und dann in Alufolie wieder eingepackt wurde.

    Nächster Zwischenstop ist dann Dombås, wo ich in den Zug mach Åndalsnes umsteige.
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