• Von Kuno nach Orchha

    January 27 in India ⋅ ☁️ 23 °C

    Als wir heute am Eingang des Parks ankommen, ist es noch komplett dunkel. Die Suche nach den Lippenbären kann beginnen. Nach einer halben Stunde wird es langsam ein klein bisschen heller. Überall hängt dichter Nebel und sorgt für eine mystische Stimmung. Die wie ein feuriger Ball rot glühende Sonne ist schon langsam hinter den Bäumen zu sehen.

    ​Wir fahren kreuz und quer durch den Park, sehen ein paar Pfauen und jede Menge andere Vögel. Auch ein paar große Sambar-Hirsche laufen uns über den Weg und beäugen uns neugierig. Der Lippenbär hat überall Spuren hinterlassen: tiefe Kratzspuren an Bäumen, Löcher in der Erde, in denen er nach Wurzeln gesucht hat, und aufgebrochene Termitenhügel.

    Blicken lässt er sich nicht, aber das ist kein Problem – so ist das halt auf Safari, und Glück hatten wir ja gestern schon mehr als genug.​Genauso wenig blicken lässt sich die Sonne.

    Als wir uns langsam auf den Rückweg machen, fängt es dann noch an zu regnen. Das passt uns gut, da wir heute sowieso nur noch im Auto sitzen werden und die Straße dann ein bisschen weniger staubig ist.

    Nach dem Checkout geht es los Richtung Orchha. Vor uns liegen 170 km und 4,5 Stunden Fahrt.

    ​Auf dem Weg kommen wir unter anderem durch Jhansi – eine der vielen großen Städte Indiens, von denen bei uns noch nie jemand etwas gehört hat. Die Verhältnisse hier zu beschreiben, werde ich gar nicht erst versuchen. Das Gesehene in Worte zu fassen, ist einfach unmöglich. Ein solches Chaos, so viel Armut, so viele Menschen ... unbeschreiblich.

    ​Ein Motorroller, mit zwei Menschen und zwei Schafen beladen, ein etwa fünfjähriges Kind, das mitten auf einer völlig überfüllten, chaotischen Straße mit dem Fahrrad in die falsche Richtung fährt – das sind nur zwei der vielen Bilder, an die ich mich erinnern werde. Über allem liegt der graue Schleier von Abgasen. Die vereinzelt zu sehenden Verkehrspolizisten mit ihren Trillerpfeifen, die im Hupen der vielen Fahrzeuge untergehen, werden komplett ignoriert und wirken wie Karikaturen.

    ​In Orchha angekommen, beziehen wir unser Hotel am Fluss Betwa, direkt an den Palästen und Tempeln von Orchha, die wir morgen besuchen werden. So nah, dass ein kleineres der vielen Gebäude sogar auf dem Gelände unseres Hotels steht.
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