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Indien 2026

A 25-day adventure by Janik & Rüdiger Read more
  • Trip start
    January 23, 2026

    Von Delhi nach Agra

    Jan 24–25 in India ⋅ ⛅ 17 °C

    ​Nach einer – dank Lufthansa – etwas anstrengenden und fast 12 Stunden verspäteten Ankunft in Delhi ging es heute direkt weiter nach Agra.

    ​Schon die Fahrt mit dem Auto hat auf eindrucksvolle Weise die großen Unterschiede zu unserer Heimat deutlich gemacht.

    ​Angefangen bei Rollerfahrern, die auf lebensgefährliche Art und Weise ihren Spurwechsel, wenn überhaupt, mit der Hupe ankündigen und für die Gehwege nur eine Erweiterung der Straße darstellen, bis zu selbigen und sogar PKW, die auf dem Standstreifen einer Schnellstraße einfach mal in die entgegengesetzte Richtung fahren oder Ausfahrten als Einfahrten nutzen. Erstaunlich, dass uns bei fünf Stunden Fahrt nur ein einziger Unfall aufgefallen ist.
    ​Autos, die so voll beladen sind, dass sich Türen kaum noch schließen lassen, und Sitze, die ausschließlich doppelt belegt werden. Roller, die bei uns in der Heimat schon mit zwei Personen überladen wirken und hier fünfköpfige Familien inklusive Reisetasche an ihr Ziel bringen. Die vielen Hunde, Affen und Kühe auf der Straße werden da schon fast übersehen.

    ​Extreme Armut, sich stapelnder Müll neben den Straßen und so schlechte Luft, dass man kaum 200 m weit klar sehen kann.
    ​Zumindest Letzteres erwartet man wohl, wenn man sich für eine Reise nach Indien entscheidet, die in einer Metropole wie Delhi beginnt.

    ​Trotz allem sind alle Menschen, mit denen wir bisher in Kontakt gekommen sind, unfassbar freundlich, hilfsbereit und gut gelaunt. Indien ist wahrlich ein Land der Extreme, und vermutlich wird der erste Tag hier nicht der letzte gewesen sein, an dem wir das feststellen.

    Wer jetzt denkt, dass solche Eindrücke eher die Reisefreude mindern, der sollte versuchen, das alles als das zu betrachten, was es ist: das bevölkerungsreichste Land der Welt auf dem Weg in eine neue Zeit. All das Chaos hat nicht nur einen gewissen Charme, sondern zeigt, wie ein Land, das hungrig auf mehr ist, manchmal bestimmte Dinge hintenanstellen muss, um Großes zu erreichen.

    ​Nach Ankunft in Agra haben wir es entgegen der Erwartungen (an dieser Stelle noch einmal einen großen Dank an Lufthansa 🖕😉) zumindest noch geschafft, uns das Rote Fort anzusehen. Eine beeindruckende Festung aus dem Mogulreich des 16. Jahrhunderts. Die rote Sandsteinmauer ist unglaubliche 2,4 Kilometer lang und 21 Meter hoch. Innen befinden sich kunstvoll verzierte Gebäude aus Marmor, die einst als Residenz des Herrschers dienten. Heute nur noch von Affen und grünen Papageien bewohnt, wird der restliche, nicht zugängliche Teil der Anlage immer noch vom Militär genutzt.

    ​Danach ging es zurück ins Hotel, in dem wir jetzt todmüde ins Bett fallen, um morgen früh zum Sonnenaufgang das Taj Mahal zu besuchen.
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  • Taj Mahal und Weg zum Kuno National Park

    January 25 in India ⋅ ☀️ 20 °C

    Nach einer dringend benötigten erholsamen Nacht hat heute um 06:00 Uhr der Wecker geklingelt. Noch im Dunkeln haben wir uns auf Agras Straßen begeben, um das Taj Mahal zum Sonnenaufgang zu erreichen.

    ​Ich denke, Jeder und Jede wird das 1653 fertiggestellte Grabmal für Shah Jahans Lieblingsfrau Mumtaz Mahal zumindest einmal auf Bildern gesehen haben. Das prachtvolle, 73 m hohe Gebäude aus weißem Marmor ist so atemberaubend schön wie beeindruckend. Kein Wunder, dass es pro Tag 50.000 bis 60.000 Besucher anzieht.

    ​Da wir so früh angekommen sind, konnten wir uns langes Anstehen und das Wühlen durch Menschenmassen zum Glück ersparen. Außerdem ist das Licht so früh morgens laut unserem Guide wohl am schönsten. Der Wandel der Farben des von der Morgensonne angestrahlten Gebäudes hat uns jedenfalls sehr gut gefallen und macht mit Sicherheit einen Teil der Magie dieses Ortes aus. Auch die riesige Gartenanlage um das Gebäude ist sehr schön und lässt einen mit seinen vielen unterschiedlichen heimischen Pflanzen gleich ein bisschen mehr über die Natur Indiens erfahren.

    ​Am beeindruckendsten ist die kunstvoll verzierte Grabkammer im Innern des Taj Mahal. Alle Verzierungen sind nicht etwa aufgemalt, sondern mit Halbedelsteinen in den Marmor eingelassen. Darunter Lapislazuli (blau), Türkis, Karneol (rot/orange), Achat, Amethyst, Jade und Onyx. Kein Wunder, dass etwa 20.000 Arbeiter über 20 Jahre gebraucht haben, um das Gebäude fertigzustellen. Da man in der Grabkammer leider keine Fotos machen darf, müsst ihr euch bei Interesse Bilder zum Beispiel auf Wikipedia anschauen. Zumindest eines habe ich euch heruntergeladen und beigefügt.

    ​Nach dem Besuch des Taj Mahal geht es weiter nach Kuno zum ersten Nationalpark auf unserer Reise. Für 280 km haben wir aufgrund der Straßenverhältnisse und des Verkehrs sechs Stunden gebraucht. Dabei waren wieder alle Extreme vertreten: von sehr gut gebauten Schnellstraßen bis zu 1,5 Stunden für 40 km Sand- und Schotterstraße durch winzige Dörfer.

    Aud dem Weg wie immer Mopeds, die mit allem beladen sind, was wir nicht mal im Auto transportieren würden, und Tuk-Tuks mit drei Sitzen, in denen unglaubliche zehn Personen Platz finden. Wie, ist uns ein Rätsel, aber hier geht irgendwie alles.

    ​Die Ruhe und Professionalität unseres Fahrers ist mindestens genauso beeindruckend wie die vielen Eindrücke außerhalb des Autos. Ich glaube, jeder deutsche Autofahrer hätte nach spätestens zehn Kilometern einen Nervenzusammenbruch bekommen.

    ​Morgen früh geht es dann das erste Mal auf Safari. Wir sind schon gespannt und werden morgen Abend hoffentlich die ersten Bilder der faszinierenden Tierwelt Indiens liefern können. 😉
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  • Ein Tag im Kuno Nationalpark

    January 26 in India ⋅ ☁️ 24 °C

    Unser erster Tag im Kuno-Nationalpark beginnt um 06:00 Uhr mit dem Klingeln unseres Weckers. Noch im Dunkeln begeben wir uns zur Lobby, um von dort von unserem Guide abgeholt zu werden. Dieser sollte eigentlich um 06:30 Uhr da sein, aber er verspätet sich um ein paar Minuten. Kein Problem, wir sind ja im Urlaub und haben Zeit. 😄

    ​Nach 15 Minuten Fahrt und kurzen Straßensperren durch zwei kleine Rinderherden kommen wir pünktlich zum Sonnenaufgang am Eingangstor des Parks an. Kuno ist ein relativ junger Nationalpark. Berühmt ist er vor allem für den seit 2022 laufenden ersten Versuch, Geparden wieder in Indien anzusiedeln. Diese wurden vor langer Zeit in Indien komplett ausgerottet und sollen nun wieder Teil der indischen Tierwelt werden. Außerdem gibt es hier Lippenbären, Leoparden, aktuell einen Tiger (dazu gleich mehr), jede Menge Antilopen und Rehe sowie etwa 200 Vogelarten.

    ​Indiens Nationalparks sind generell nicht eingezäunt (anders als zum Beispiel in Südafrika). Die Tiere können sich frei bewegen, und man versucht zunehmend, sogenannte Wildtier-Korridore zu schaffen, die die Parks untereinander verbinden. So passiert es also manchmal, dass ältere Tiger aus dem nahegelegenen Ranthambore-Nationalpark hier in „Rente“ gehen, weil sie von jüngeren Artgenossen aus ihrem Revier vertrieben wurden.

    ​Unsere morgendliche Safari führt uns entlang des Shahabad Kuno River, der den Park in zwei Hälften teilt. Gleich zu Beginn läuft uns eine Gruppe der sogenannten Blue Bulls über den Weg – die größte Antilopenart Indiens. Nach einem Kaffeestopp am Fluss haben wir das unglaubliche Glück, einen braunen Fischuhu zu entdecken. Außerdem sehen wir jede Menge andere Vogelarten und auf dem Rückweg noch einen Goldschakal, der sich überhaupt nicht stören lässt und seelenruhig an der Straße entlangläuft.

    ​Danach geht es zurück ins Hotel: ausruhen, Mittag essen und um 14:30 Uhr wieder los Richtung Nationalpark für die Nachmittagssafari.

    Uns laufen jede Menge Axishirsche über den Weg und eine große Gruppe Goldlanguren. Deren Fell macht ihrem Namen im Sonnenlicht tatsächlich alle Ehre. Als es schon ein bisschen später ist, können wir unser Glück kaum fassen: Mitten auf dem Weg liegt ein großes Leoparden-Männchen. Als wir näher kommen, springt es plötzlich auf einen Baum und wir hören lautes Gebrüll. Oben im Baum sitzt ein zweites, jüngeres Männchen, und das größere versucht offenbar, es zu vertreiben. Nach einem kurzen Kampf springt das große Männchen wieder runter vom Baum und verzieht sich ins Gebüsch. Der arme jüngere Leopard steht sichtlich unter Schock und ist völlig außer Atem. Er bleibt noch etwa zehn Minuten oben im Baum sitzen, bis er schließlich auch abzieht.

    ​Was für ein erster Tag im ersten Nationalpark in Indien! Unsere Guides sind mindestens so begeistert wie wir und erzählen allen ihren Kollegen, an denen wir auf dem Rückweg vorbeikommen, was wir gesehen haben. Weil die meisten es nicht glauben können, müssen wir es jedes Mal bestätigen und unsere Bilder zeigen. Offenbar nicht nur für uns ein besonderes Erlebnis.

    ​Nach mehreren Stunden nicht funktionierendem Internet habe ich es jetzt doch noch geschafft und euch hoffentlich auch ein wenig begeistern können. Jetzt geht es schnell ins Bett, da unsere Guides nach dem Erfolg heute beflügelt sind und uns morgen unbedingt die nachtaktiven Lippenbären zeigen wollen. Das bedeutet dann allerdings, dass der Wecker noch eine halbe Stunde früher klingelt als heute.
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  • Von Kuno nach Orchha

    January 27 in India ⋅ ☁️ 23 °C

    Als wir heute am Eingang des Parks ankommen, ist es noch komplett dunkel. Die Suche nach den Lippenbären kann beginnen. Nach einer halben Stunde wird es langsam ein klein bisschen heller. Überall hängt dichter Nebel und sorgt für eine mystische Stimmung. Die wie ein feuriger Ball rot glühende Sonne ist schon langsam hinter den Bäumen zu sehen.

    ​Wir fahren kreuz und quer durch den Park, sehen ein paar Pfauen und jede Menge andere Vögel. Auch ein paar große Sambar-Hirsche laufen uns über den Weg und beäugen uns neugierig. Der Lippenbär hat überall Spuren hinterlassen: tiefe Kratzspuren an Bäumen, Löcher in der Erde, in denen er nach Wurzeln gesucht hat, und aufgebrochene Termitenhügel.

    Blicken lässt er sich nicht, aber das ist kein Problem – so ist das halt auf Safari, und Glück hatten wir ja gestern schon mehr als genug.​Genauso wenig blicken lässt sich die Sonne.

    Als wir uns langsam auf den Rückweg machen, fängt es dann noch an zu regnen. Das passt uns gut, da wir heute sowieso nur noch im Auto sitzen werden und die Straße dann ein bisschen weniger staubig ist.

    Nach dem Checkout geht es los Richtung Orchha. Vor uns liegen 170 km und 4,5 Stunden Fahrt.

    ​Auf dem Weg kommen wir unter anderem durch Jhansi – eine der vielen großen Städte Indiens, von denen bei uns noch nie jemand etwas gehört hat. Die Verhältnisse hier zu beschreiben, werde ich gar nicht erst versuchen. Das Gesehene in Worte zu fassen, ist einfach unmöglich. Ein solches Chaos, so viel Armut, so viele Menschen ... unbeschreiblich.

    ​Ein Motorroller, mit zwei Menschen und zwei Schafen beladen, ein etwa fünfjähriges Kind, das mitten auf einer völlig überfüllten, chaotischen Straße mit dem Fahrrad in die falsche Richtung fährt – das sind nur zwei der vielen Bilder, an die ich mich erinnern werde. Über allem liegt der graue Schleier von Abgasen. Die vereinzelt zu sehenden Verkehrspolizisten mit ihren Trillerpfeifen, die im Hupen der vielen Fahrzeuge untergehen, werden komplett ignoriert und wirken wie Karikaturen.

    ​In Orchha angekommen, beziehen wir unser Hotel am Fluss Betwa, direkt an den Palästen und Tempeln von Orchha, die wir morgen besuchen werden. So nah, dass ein kleineres der vielen Gebäude sogar auf dem Gelände unseres Hotels steht.
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  • Orchha, Khajuraho und Fahrt zum Panna NP

    January 28 in India ⋅ ☀️ 23 °C

    ​Heute konnten wir zur Abwechslung mal „ausschlafen“. Der Wecker klingelte erst um 06:45 Uhr, damit wir frühstücken und danach um 08:30 Uhr aus unserem Hotel auschecken konnten. Nach dem Gewitter gestern Abend ist der Himmel heute grau und es ist ziemlich neblig.

    ​Von hier sind es nur ein paar Minuten zum Eingang der sogenannten Paläste von Orchha. Unter denen, die wir uns ansehen, sind der Raja Mahal (Raja = König, Mahal = Palast), der Jahangir Mahal (Mogulkaiser Jahangir) und die sogenannten Chhatris (Grabmäler der Hindu-Könige).

    ​Der Jahangir Mahal (gebaut 1605), den wir zuerst besuchen, ist ein wirklich beeindruckendes dreistöckiges Gebäude. Er ist um einen Pool in der Mitte errichtet und mit vielen schön gearbeiteten Statuen verziert. Das Verrückte ist, dass dieser Palast zu Ehren von Kaiser Jahangir errichtet wurde, welcher nur eine einzige Nacht in ihm wohnte, bevor er weiterzog. Aus Respekt vor ihm wurde er danach nie wieder von den damals dort ansässigen Menschen genutzt. Ein wahnsinniger Aufwand für nur eine Nacht!

    ​Wir sind die einzigen Touristen, da aktuell ein Bollywood-Film im Innern gedreht wird. Viele hundert Menschen laufen in Verkleidungen herum oder tragen Equipment hin und her. Nur unser Guide hat anscheinend besondere Kontakte und durfte uns trotzdem hineinbringen.

    ​Weiter geht es zum Raja Mahal (gebaut 1538). Dieser ist der ehemalige Königspalast und fast genauso beeindruckend. Er besitzt auch mehrere Stockwerke, und die noch überall an den Wänden hängenden Metallringe für große Stoffvorhänge lassen einen mit ein bisschen Fantasie in eine Zeit eintauchen, in der das gesamte Gebäude innen mit Vorhängen und Teppichen dekoriert war.

    ​Zuletzt besuchen wir die sogenannten Chhatris. Diese wurden wie die Pyramiden in Ägypten als Grabmäler für verstorbene Könige errichtet. Je länger ein König geherrscht hat, desto größer sein Chhatri. Im Gegensatz zu den Pyramiden finden sich hier aber keine Gebeine.

    ​Danach geht es weiter nach Khajuraho – eine große Hindu-Anlage, die zwischen 885 und 1000 nach Christus errichtet wurde. Sie bestand einst aus 85 Tempeln, von denen heute noch 25 übrig sind. Der Anblick ist wirklich atemberaubend. Die aus Sandstein gebauten Tempel sind von oben bis unten mit extrem detaillierten Statuen verziert. Das geht so weit, dass selbst Fingernägel, Haare und Hautfalten an den Statuen zu erkennen sind. Überall sind Darstellungen der neun Inkarnationen von Vishnu sowie weiterer Gottheiten, Szenen des damaligen Lebens von Adligen über Krieger bis zu einfachen Leuten und auch einige erotische Skulpturen zu sehen, weshalb die Tempel auch als Kamasutra-Tempel bekannt sind. Diese machen jedoch nur einen kleinen Teil der Darstellungen aus. Heute leben hier überall Streifenhörnchen, die sich auf dem Tempel offensichtlich äußerst wohlfühlen und ihn für sich erobert haben.

    ​Am frühen Abend kommen wir dann in unserem Hotel am Panna-Nationalpark an. Hier beginnen morgen die nächsten Safaris, und mit Glück sehen wir die ersten Tiger. Drückt uns die Daumen! 😉
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  • Ein Tag im Panna Nationalpark

    January 29 in India ⋅ ☀️ 21 °C

    ​Der Panna-Nationalpark ist mit einer Fläche von 542 km² einer der größeren Parks in Indien. Wie bei den meisten sind nur etwa 30 % der Fläche für Besucher zugänglich. Aktuell leben hier etwa 80 Tiger.

    ​Unsere Safari beginnt wie immer um 06:30 Uhr. Nach nur fünf Minuten Fahrt kommen wir am Eingang an; hier stehen schon etwa 20 bis 30 Jeeps und warten darauf, dass sich die Tore öffnen. Nach dem sehr abgelegenen Kuno-Nationalpark ist das ein ziemlicher Kontrast. Dort haben wir den ganzen Tag nur etwa zwei weitere Fahrzeuge gesehen. Unser Guide erzählt uns, dass hier heute sogar über 50 Jeeps unterwegs sein werden. Er mag den Trubel jedoch nicht und wird deshalb eine etwas abgelegenere Route fahren. Da haben wir natürlich absolut nichts dagegen.

    ​Das Gelände ist äußerst bergig und besteht aus mehreren Plateaus an einem großen Fluss, dem Ken River. Im tiefer gelegenen Bereich wachsen viele Akazien, dann kommen malerische Teakwälder, die sich, je höher man kommt, mit Bambus vermischen. Wie jeden Morgen hängt noch dichter Nebel zwischen den Bäumen.

    ​Am Vormittag sehen wir vor allem viele Vögel und genießen die Landschaft. Außerdem gibt es einen zentralen Frühstücksplatz, an dem sich fast alle Jeeps für eine Pause treffen. Bis auf eine Gruppe Japaner sind alle Gäste einheimische Inder. Nach einem leckeren Frühstück fahren wir noch eine Stunde weiter durch den Park, sehen ein paar Pfauen, Raubvögel und Eulen.

    ​Danach geht es zum Mittagessen zurück ins Hotel und am frühen Nachmittag wieder rein in den Park.

    Inzwischen sind unglaublich viele Tiere unterwegs. Überall grasen Axishirsche und Sambars, dazwischen Rhesusaffen, Goldlanguren und Wildschweine. Alle sind gemeinsam auf einer riesigen offenen Fläche unterwegs, sodass sie sich im Falle von Gefahr gegenseitig warnen können.

    ​Plötzlich werden unsere Fahrer hektisch. Jemand hat etwas in einem anderen Teil des Parks entdeckt, und wir beschleunigen auf ein für die engen und steinigen Wege halsbrecherisches Tempo. Das kann eigentlich nur eines bedeuten.

    ​Als wir nach zehn Minuten Fahrt ankommen, können wir unser Glück kaum fassen. Ein Stück vor uns im hohen Gras taucht nicht nur ein Tiger auf, sondern zwei. Ein großes Männchen und ein Weibchen „tigern“ gemeinsam durch die Landschaft. Was für ein Anblick! Die beiden lassen sich von den vielen Beobachtern überhaupt nicht stören, und über eine Stunde können wir ihnen folgen. Dieser Tag wird uns mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben.
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  • Panna NP und Fahrt zum Bandhavgarh NP

    January 30 in India ⋅ ☁️ 22 °C

    ​Heute hieß es Abschied nehmen vom Panna-Nationalpark. Wir haben den Morgen noch einmal für eine letzte Safari genutzt, um die besondere Atmosphäre des Parks ein drittes Mal zu erleben. Es ist faszinierend, wie sich die Stimmung im Wald ändert, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Morgennebel vertreiben. Die Ruhe am Ken River und das allmähliche Erwachen der Tierwelt waren der perfekte Abschluss für unsere Zeit hier.

    ​Nach der Rückkehr ins Hotel und einem schnellen Lunch haben wir unser Gepäck verstaut und uns auf den Weg Richtung Bandhavgarh-Nationalpark gemacht. Vor uns lag eine lange Autofahrt (5,5 h und 200 km), die uns einmal mehr vor Augen geführt hat, wie herausfordernd Indiens Straßen sein können.

    ​Die Landschaft vor dem Fenster hat sich während der Fahrt stetig gewandelt: von weiten Ebenen über kleine, verschlafene Dörfer bis hin zu den dichter werdenden Wäldern, die den Bandhavgarh-Nationalpark ankündigen. Jetzt sind wir in unserer neuen Unterkunft angekommen und freuen uns darauf, ab morgen einen neuen Park zu erkunden.

    Edit: sehe gerade ich habe aufgrund meiner halb zufallenden Augen vergessen zu erwähnen, dass wir kurz vor Ankunft im Hotel und schon fast im Dunkeln noch einen Tiger von der Straße aus in der Ferne auf einem Feld gesehen haben.
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  • Ein Tag im Bandhavgarh-Nationalpark

    January 31 in India ⋅ ☁️ 25 °C

    ​Heute klingelt der Wecker für die erste Safari im Bandhavgarh-Nationalpark schon um 05:15 Uhr. Wir wohnen diesmal ein klein bisschen weiter vom Park entfernt und müssen noch 15 Minuten fahren. Außerdem wechselt die Öffnungszeit des Parks erst nächsten Monat – also morgen – auf eine halbe Stunde später.

    ​Der Bandhavgarh-Nationalpark ist mit einer Kernzone von etwa 153 km² (inkl. Pufferzone 1.150 km²) zwar deutlich kleiner als Panna, gehört aber zu den bekanntesten und geschichtsträchtigsten Parks in ganz Indien. 1968 schenkte der Maharaja von Rewa das schon viele Jahrhunderte bestehende Jagdgebiet dem Staat, welcher es zum Nationalpark erklärte.

    ​Berühmt ist er aber vor allem für seine extrem hohe Tigerdichte – man sagt, nirgendwo sonst auf der Welt sei die Chance so groß, einer der majestätischen Großkatzen in freier Wildbahn zu begegnen.

    ​Das Gelände wird von einem beeindruckenden, 800 Meter hohen Tafelberg dominiert, auf dem die Ruinen des über 2.000 Jahre alten Bandhavgarh-Forts thronen. Die Landschaft hier ist geprägt von dichten Salwäldern, weiten Grasflächen und dichtem Bambus, was dem Park eine ganz eigene Atmosphäre verleiht.

    ​Nachdem es langsam hell wird, läuft uns direkt die erste Gruppe Gaure über den Weg. Diese ernähren sich wohl besonders gerne von Bambus und fühlen sich daher hier ausgesprochen wohl. Gaur-Bullen werden fast drei Meter hoch und bis zu 1,5 t schwer. Somit sind sie noch vor Bisons die größten Rinder, die es auf unserem Planeten gibt.

    ​Danach sehen wir wieder viel Wild, unterschiedlichste Vögel und genießen die malerische Landschaft. Kurz vor der Mittagspause geht es noch ein Stück den Tafelberg hoch, auf welchem das Fort steht. Auf halber Strecke nach oben befindet sich hier eine über 1.000 Jahre alte Statue des Hindu-Gottes Lord Vishnu.

    ​Nach dem Mittagessen geht es zurück in den Park und wieder auf Tigersuche. Den finden wir zwar nicht, dafür aber den ersten Marabu-Storch, Geier, ein Pärchen indische Rotmangusten, den ersten bellenden Hirsch (Muntjak) und den ganz besonders seltenen Sumpfluchs (Jungle Cat).
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  • Bandhavgarh Tag 2

    February 1 in India ⋅ ⛅ 16 °C

    Der zweite Tag im Bandhavgarh-Nationalpark war völlig anders als der erste, aber mindestens genauso ereignis- und erfolgreich.

    ​Nach einem außergewöhnlich ruhigen Morgen, an dem nur ein paar kleine Vögel, sogar viel weniger Rehe als sonst und ein paar Pfauen zu sehen waren, hat der Nachmittag doch noch geliefert, was Bandhavgarh verspricht.

    ​Ein Tiger nach dem anderen: Zuerst streift ein junges Männchen durchs Unterholz und legt sich dann entspannt hin. Nicht mal einhundert Meter weiter liegt seine Schwester und beobachtet uns misstrauisch. Beide haben noch wenig Lust, sich zu bewegen, und so können wir sie fast zwei Stunden beim Faulenzen beobachten. Tiger bleiben bis zu drei Jahre bei ihrer Mutter und sind dann schon fast ausgewachsen. Diese war also vermutlich auch noch in der Nähe.

    ​Danach geht es weiter an eine andere Stelle, an der wohl vor Kurzem ein großes Männchen gesichtet wurde. Alle anderen Jeeps sind ungeduldig und fahren weiter, doch unser Guide hat so ein Gefühl, dass sich das Warten lohnen wird. Und tatsächlich – nach 20 Minuten bewegt sich plötzlich etwas im dichten Unterholz. Der große männliche Tiger geht jetzt, wo es langsam dunkel wird, auf Streife und sucht nach passender Beute. Nach ein paar hundert Metern im Dickicht tut er uns dann den Gefallen und läuft keine 10 Meter von unserem Jeep entfernt über die Straße! Was für ein Anblick.

    ​So hat Bandhavgarh dann am letzten Nachmittag doch noch gezeigt, dass er einer der besten Parks für Tiger-Fans ist. Ganz zur Erleichterung unserer Guides, die offensichtlich Sorge hatten, wir könnten enttäuscht sein.
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  • Von Bandhavgarh zum Kanha Nationalpark

    February 2 in India ⋅ ☁️ 28 °C

    Heute geht es nach einem leckeren Frühstück um 07:30 Uhr weiter zu unserem nächsten Ziel. Etwa 200 km weiter südlich, entlang der Satpura-Bergkette, liegt ein spannender Park mit vielen Besonderheiten.

    ​Der Kanha-Nationalpark ist mit einer Kernzone von 940 km² und einer gewaltigen Pufferzone von insgesamt über 2.000 km² einer der größten und am besten verwalteten Nationalparks in ganz Indien. Die weiten, offenen Graslandschaften und die dichten Sal-Wälder dienten einst, neben denen unseres nächsten Ziels, dem Pench-Nationalpark, Rudyard Kipling als Inspiration für sein weltberühmtes „Dschungelbuch“. Der älteste Sal-Baum hier ist über 400 Jahre alt und ein wahrer Riese. Auch einige uralte Banyan-Bäume mit ihren beeindruckenden Luftwurzeln stehen hier.

    ​Auf dieser riesigen Fläche bietet Kanha einen Lebensraum, der in dieser Form einzigartig ist. Neben einer stabilen Tigerpopulation ist der Park vor allem für die Rettung des Barasingha-Hirsches (Sumpfhirsch) berühmt. Das Wort „Barasingha“ bedeutet übersetzt „Zwölfender“, was auf das imposante Geweih der Männchen anspielt.

    ​Diese Tierart war vor einigen Jahrzehnten fast vollständig ausgerottet; es gab weltweit nur noch weniger als 100 Exemplare, die alle hier in Kanha ihr letztes Rückzugsgebiet hatten. Durch ein beispielloses Schutzprogramm und die aufwendige Wiederherstellung ihrer geliebten Sumpfwiesen (hierfür wurden 36 Dörfer umgesiedelt) konnte die Population auf über 1.000 Tiere stabilisiert werden. Damit ist der Barasingha heute das stolze Symbol des Parks und ein Beweis dafür, dass Naturschutz in Indien wirklich etwas bewegen kann.

    ​Keine zehn Minuten nachdem wir mit unserem Jeep das Eingangstor durchquert haben, steht auf einer Wiese schon der erste Barasingha. Dass es so schnell geht, hätten wir nie gedacht. Im Laufe des Nachmittags sehen wir noch ein paar mehr: einen äußerst imposanten Gaur-Bullen – nachdem unser Guide gerade darüber referiert hat, dass es wohl leider schwer wird, diese zu sehen, da sie sich im Winter in einem eher abgelegenen Teil des Parks aufhalten –, einige der bunten Wildhühner und einen wunderschönen Paradiesschnäpper.

    ​Wir freuen uns auf weitere drei Safaris, auf denen wir diesen tollen Nationalpark ab morgen früh um 05:45 Uhr erkunden dürfen.
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  • Ein Tag im Kanha-Nationalpark

    February 3 in India ⋅ ☀️ 28 °C

    Heute haben wir unsere zweite und dritte Safari im Kanha-Nationalpark. Nachdem wir gestern den westlichen Bereich der Kernzone des Parks erkundet haben, dürfen wir morgens in den östlichen und nachmittags in den südlichen Bereich.

    ​In Indien sind die Kernzonen der Parks (aber auch die Pufferzonen drumherum) immer in mehrere Bereiche unterteilt, und die Eintrittserlaubnis pro Vor- oder Nachmittag (permit) gilt immer nur für einen dieser Bereiche. So geht man sicher, dass sich in keinem Bereich mehr Autos aufhalten, als gut für die Tiere ist. Normalerweise sind pro Bereich 10 bis 30 Fahrzeuge erlaubt, je nach Größe des Areals.

    ​Online bekommt man die Karten für die Kernzone bereits Monate im Voraus. Diese sind manchmal schon nach fünf Minuten ausverkauft. Tagesgäste vor Ort bekommen dann oft nur noch Karten für die Pufferzone. In der Kernzone sieht man vor allem Großkatzen und deren Beute. In den Pufferzonen hält sich dann auch alles Mögliche andere auf, das Großkatzen lieber aus dem Weg geht, wie Hyänen oder Wölfe – wobei diese sehr schwer zu finden sind.

    ​Auf unserer morgendlichen Runde im östlichen Teil der Kernzone bewegen wir uns durch bergiges und sehr dicht bewachsenes Gelände. Überall stehen riesige Bambusinseln zwischen hohen Bäumen und undurchdringlichen Büschen. Sehr lange sehen wir – außer den wirklich in allen Parks gefühlt alle 100 Meter anzutreffenden Langurengruppen und Chitals (Axishirschen) – gar nichts.

    ​Immer wieder zu hören sind aber die Alarmrufe der Chitals und Affen. Wer das mal live erlebt, dem geht bei jedem Schrei der Hirsche ein Schauer den Rücken hinunter (in den beiden letzten Tiger Videos sehr gut zu hören). Man spürt förmlich die Angst in ihren Rufen. Der Grund dafür bleibt jedoch im Dickicht versteckt. Wir kommen den Rufen immer näher, aber finden tun wir nichts.

    ​Als unsere Guides frustriert entscheiden, an einen anderen Ort zu fahren, an dem ein paar weitere Jeeps vor Kurzem Alarmrufe gehört, die Suche aber bereits abgebrochen haben, schlägt das Glück mal wieder zu: Direkt vor uns schreitet plötzlich ein Tiger aus dem Gebüsch und läuft gemächlich die Straße entlang auf uns zu. Ein weiterer Nationalpark und schon wieder eine weitere einmalige Tigersichtung!

    ​Nachmittags fahren wir dann im südlichen Bereich der Kernzone durch von Bächen durchzogene offene Sumpf- und Graslandschaften. Der Kanha-Park ist wirklich unfassbar vielseitig und wunderschön. Kurz vor Sonnenuntergang schließen wir uns dann ein paar anderen Jeeps an, die einen Tiger auf der anderen Seite einer großen offenen Wiese im Wald vermuten. Nach ein paar Minuten kommt ein großes Männchen aus dem Wald und läuft mitten über die Wiese (zum Ärger einiger Chitals) auf uns zu und seelenruhig zwischen unseren Fahrzeugen hindurch, ohne uns eines Blickes zu würdigen.

    ​Zwei Tiger an einem Tag im riesigen Kanha-Nationalpark sind wirklich etwas Besonderes. Da können wir nur hoffen, dass wir unser Glück für den Rest der Reise noch nicht aufgebraucht haben. 😉
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  • Vom Kanha NP zum Pench NP

    February 4 in India ⋅ ☀️ 27 °C

    Heute mal ein etwas kürzerer Beitrag, da wir vom Kanha-Nationalpark weiter zum Pench-Nationalpark fahren.

    ​Bevor wir starten, geht es aber um 05:15 Uhr noch mal auf eine letzte Safari in Kanha. Wir haben auf dem langen "morning drive" noch mal Zeit, die Atmosphäre des schönen Parks zu genießen. Das Einzige, was nicht ganz so angenehm ist, ist der feine Staub, der sich beim Umherfahren auf alles legt. Das geht so weit, dass Rogi plötzlich wieder blonde statt graue Haare hat und meine Kamera rötlich-braun statt schwarz ist.

    ​Ich vermute aber mal, dass wir ab Kanha – also auch in den nächsten beiden Parks Pench und Tadoba – weiter auf staubigen Pisten unterwegs sein werden. Je weiter südlich und zentraler wir uns in Indien bewegen, desto wärmer und trockener wird es auch. Aktuell sind hier tagsüber bis zu 30 Grad; im Sommer können es bis zu 47 Grad werden. Zum Glück sind wir vorbereitet und haben Schals, die man sich gut über Mund und Nase ziehen kann, damit man den Staub wenigstens nicht einatmet.

    ​Der Morgen in Kanha ist vergleichsweise ereignislos; neben den üblichen Rehen und Affen bekommen wir aber ein paar Vögel zu sehen – unter anderem Eisvogel-Art Nummer drei von vier, die es hier gibt.

    ​Nach dem Mittagessen geht es dann 200 km und vier Stunden Richtung Süden nach Pench. Für die Strecke sollten wir eigentlich fünf Stunden brauchen, aber unser Fahrer ist äußerst talentiert und zieht an allen vorbei. Wer nicht Platz macht, wird mit energischem Hupen vertrieben.

    ​Nach unserer Ankunft in Pench setzen wir uns zum "High Tea", was nichts anderes als Kaffee und Tee mit ein paar Keksen ist, auf die Terrasse unseres Hotels an einem kleinen See. Von hier können wir beim Sonnenuntergang dann noch die langsam erwachenden Flughunde beobachten, die direkt auf unserem Hotelgelände leben.

    Auf dem Rückweg vom Abendessen zum Bungalow fliegt dann noch eine kleine nachtaktive Eule an uns vorbei und direkt vor unserer Tür klettert ein Fleckenmusang (Schleichkatze) am Bambus empor. Wildlife pur selbst im Hotel.

    ​Jetzt sind wir gespannt, was Pench uns morgen Vor- und Nachmittag zu bieten hat. Eigentlich sollte das ja ein kurzer Bericht werden, aber so ist das halt, wenn man erst mal drauflos schreibt. 😄
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  • Ein Tag im Pench-Nationalpark

    February 5 in India ⋅ ⛅ 28 °C

    Der Pench-Nationalpark, benannt nach dem Fluss Pench, der den Park teilt, gilt als das wahre Herz von „Kiplings Indien“. Während Kanha die allgemeine Inspiration lieferte, ist Pench der eigentliche Schauplatz, an dem die Abenteuer von Mogli, dem Panther Baghira und dem Tiger Schir Khan im „Dschungelbuch“ spielen.

    ​Der Park erstreckt sich über die Grenzen der Bundesstaaten Madhya Pradesh – in welchem die meisten der von uns besuchten Parks liegen – und Maharashtra und umfasst eine Kernzone von etwa 257 km² (inklusive der Pufferzone insgesamt 1.180 km²).

    ​Die Landschaft hier unterscheidet sich deutlich von der in Kanha oder Bandhavgarh: Sie ist geprägt von sanften, hügeligen Gebieten. Der Wald besteht zu überwiegend 60 % aus Teakbäumen; der Rest sind zum Beispiel Arjun-Bäume (für Ayurveda genutzt), Bambus und die charakteristischen „Ghost Trees“ (Kulu-Bäume). Diese Bäume fallen sofort auf, da ihre Rinde fast weiß leuchtet und sie im Laufe des Jahres ihre Farbe von Weiß über Silber bis hin zu einem zarten Rosa wechseln.

    ​Eine weitere Besonderheit ist die außergewöhnlich hohe Dichte an Pflanzenfressern. Pench hat eine der weltweit höchsten Konzentrationen an Axishirschen (Chitals), was ihn zu einem erstklassigen Revier für Großkatzen macht – etwa 40.000 dieser Hirsche soll es hier geben.

    Die legendäre Tigerin Collarwali zog hier bis zu ihrem Tod im Jahr 2022 unglaubliche 29 junge Tiger auf. Neben Tigern ist Pench aber auch bekannt für seine Leopardenpopulation, die sich im felsigen Gelände und den dichten Teakwäldern wohlfühlt und den ihnen nicht so freundlich gesinnten Tigern gut ausweichen kann. Mit Glück sieht man sogar einen schwarzen Leoparden.

    ​Pench besitzt außerdem eine gute Population an Wildhunden. Diese Tiere sind extrem faszinierende Jäger. Sie bellen nicht, sondern kommunizieren über Pfeiflaute (weshalb sie auch „Whistling Dogs“ genannt werden). Des Weiteren gibt es noch die sogenannten Vierhornantilopen. Sie sind die einzigen Tiere weltweit mit vier Hörnern. Leider sind sie aufgrund ihrer Größe sehr schwer zu entdecken. Zu guter Letzt besitzt Pench wohl eine große Population der sogenannten Riesengleithörnchen. Theoretisch gibt es also jede Menge Potenzial, noch nicht gesehene Tiere zu entdecken.

    ​Wer es bis hierher geschafft hat, der soll jetzt auch erfahren, wie unsere Safaris in Pench waren.

    ​Anfangen tut alles sehr positiv. Ein neuer Park ist immer spannend. Auch wenn die Natur sich natürlich nicht gewaltig von den vorherigen Parks unterscheidet, so hat doch auch Pench wieder eine ganz eigene Atmosphäre. Wir fahren vormittags vor allem durch offene Landschaften mit lichten Teakwäldern und großen Wiesen. Vorbei an einer der beeindruckenden Nilgai-Antilopen (Blue Bulls) und einer Gaur-Familie, die gemütlich im Wald grast.

    Als wir kurz durch eine etwas hügelige Ecke fahren, rennen plötzlich ein paar Chitals und kurz danach ein großer männlicher Tiger vor uns über die Straße. Da er es offensichtlich eilig hat, können wir leider nicht rechtzeitig die Kameras zücken.

    ​Wir fahren weiter und kommen am Pench-Fluss an. Von hier können wir in der Ferne dann doch noch mal den Tiger von eben sehen, wie er den Fluss überquert und im Dickicht verschwindet. Viel spannender sind nach unseren tollen Tigerbegegnungen der letzten Tage aber die vielen Wasservögel und beeindruckenden Störche im und am Pench-Fluss.

    Obwohl wir unserem Guide gesagt haben, dass wir schon einige der Großkatzen gesehen haben und gerne auch andere Tiere sehen würden, hat er leider wenig Verständnis dafür und sucht weiter nur nach Tigern – zumindest solange er nicht mit verschränkten Armen gelangweilt durch die Gegend schaut ... sehr schade. Nach einem kurzen Frühstück sehen wir immerhin noch eine Gruppe Gaure am See.

    ​Nachmittags geht es zu einem anderen Tor in den Park. Wir fahren etwa 30 Minuten durch Dörfer und Felder. Eigentlich sind wir schon tief in der Pufferzone des Parks, aber während in dieser bei den anderen Parks nur sehr wenige Menschen anzutreffen waren, fühlt man sich hier nicht wie in der Natur. Auch Müll liegt leider an jeder Ecke.

    Das Khursapar-Gate kann ich wirklich niemandem empfehlen. Der Weg dorthin ist sehr lang und schlecht, und der Teil des Parks dahinter konnte uns auch nicht überzeugen. Wir haben jetzt einen anderen Guide und einen anderen Fahrer als heute früh. Auch das ist neu. Sonst hatten wir in allen Parks immer von der ersten bis zur letzten Safari die gleichen Begleiter. Das war eigentlich sehr schön, da diese viel besser auf individuelle Interessen eingehen konnten. Außerdem erzählen sie einem dann nicht am gleichen Tag dieselben Dinge mehrfach.

    ​Unsere Fahrt durch diesen Teil des Parks ist verglichen mit anderen Touren ebenfalls kein Highlight. Nicht viele Tiere und wenig abwechslungsreiche Natur. Immerhin einen tollen Nilgai-Bullen sehen wir noch in diesmal perfektem Licht.

    Zu der kleinen Enttäuschung kommt, dass der Staub hier besonders fein ist und unsere Begleiter sich auch gern direkt hinter andere Fahrzeuge setzen ... kein Wunder, dass unser Fahrer die ganze Zeit am Husten ist (der andere heute früh auch schon), wenn er das täglich macht.

    ​Zusammenfassend kann man sagen, dass der Park und die Tierwelt auf alle Fälle sehenswert sind. Wir hätten natürlich gerne etwas mehr Tiere entdeckt, aber das ist kein Minuspunkt, da das bei wilden Tieren immer Zufall ist.

    Allerdings sind die vielen Menschen innerhalb der Pufferzone und unsere schlechte Erfahrung mit den Guides ein Grund, Pench auszulassen und lieber einen der anderen Parks ausgiebiger zu erkunden.

    Hätte Rudyard Kipling sein Buch heutzutage geschrieben, wäre der Ort des Geschehens wohl ein anderer.
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  • Vom Pench NP zum Tadoba NP

    February 6 in India ⋅ ☀️ 29 °C

    ​Heute ging es noch einmal auf Safari in Pench. Wir starten wieder am selben Eingang wie gestern früh. Der Fahrer ist derselbe, aber der Guide, der uns begleitet, ist schon wieder ein anderer. Somit kommen wir bei drei Safaris in Pench auf zwei unterschiedliche Fahrer und drei verschiedene Guides.

    ​Der heutige Guide ist von der ersten Minute an deutlich besser als die beiden gestrigen. Ich bin also alles andere als traurig darüber, dass er entgegen der Gewohnheit noch einmal gewechselt hat. Er ist aufgeweckt, freundlich und erzählt sehr viel über den Park und die hiesigen Tiere – ein Unterschied wie Tag und Nacht. Auch auf unsere Interessen geht er ein und verspricht, nach mehr als „nur“ Tigern Ausschau zu halten.

    ​Wir wollen uns wirklich nicht zu laut beschweren – jeder hat mal einen schlechten Tag –, aber der Unterschied zwischen allen anderen Guides und den beiden gestern war einfach extrem deutlich.

    ​Heute fahren wir eine etwas andere Route als gestern früh: vorbei am Pench River und dem großen Stausee. Dieser ist überall von etwa zwei Meter hohem Gras und Schilf umgeben – ein malerischer Anblick. Auch Tiere sieht man heute überall, wo man hinschaut: hunderte Languren, Rhesusaffen, Pfauen und Axishirsche. Dies ist wirklich die deutlich lebendigere und schönere Seite des Parks.

    ​Als wir nach ein paar Rehen schauen, deren Alarmrufe gerade zu hören waren, steht auf der anderen Seite des Autos – auf die niemand geachtet hat – plötzlich ein großer männlicher Tiger nur zehn Meter neben uns. Wir können ihn etwa eine Stunde lang immer wieder beobachten, wie er parallel zur Straße durch den Wald läuft, sein Revier markiert und mehrfach kurz ein paar Rehen hinterherrennt, die ihn jedoch genau im Blick haben. Nach zwei weiteren kurzen Überquerungen der Straße direkt neben unserem Auto (sodass mit meinem Teleobjektiv nur noch Porträtaufnahmen möglich waren), verzieht er sich in den Wald.

    ​Danach gibt es noch ein Frühstück, und der Rückweg fällt wegen der steigenden Temperaturen etwas ruhiger aus. Alle Tiere liegen jetzt im Schatten.

    ​Mittags starten wir dann in Richtung des südlichsten Punktes unserer Reise: dem Tadoba-Nationalpark. Mal wieder liegen 230 km und fünf Stunden Fahrt vor uns. Die Fahrt verläuft relativ ereignislos; inzwischen haben wir uns an das Bild gewöhnt, das sich auf und neben den Straßen bietet. Was neu ist sind die endlosen Baumwollfelder durch die wir fahren.

    ​Die letzten 40 km und 1,5 Stunden der Strecke sind ein wenig seltsam: Alle paar hundert Meter wechselt sich sehr gut gemachter Straßenbelag mit fast nicht mehr vorhandenem ab, auf dem man ordentlich durchgeschüttelt wird. Wer auch immer sich hier einen Spaß erlaubt und nur kurze Abschnitte erneuert hat!

    ​Was ebenfalls seltsam ist: Das erste Mal auf unserer Reise haben wir über eine Strecke von 100 km keine Affen gesehen. Hier im Herzen Indiens ist es noch einmal ein paar Grad wärmer. Unsere Unterkunft, das „Tadoba Jungle Camp“, ist sehr schön, und wir werden hier mit Sicherheit ein paar angenehme Tage verbringen, bevor es am Dienstag nach Assam geht.
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  • Ein Tag im Tadoba Nationalpark

    February 7 in India ⋅ ☀️ 31 °C

    Der Tadoba-Andhari-Nationalpark, gegründet 1955, ist das älteste und größte Tigerreservat im Bundesstaat Maharashtra und gilt unter Safari-Kennern oft als „Geheimtipp“ für garantierte Tigersichtungen. Sein Name setzt sich aus dem Gott „Taru“, der von den lokalen Stämmen verehrt wird, und dem Fluss „Andhari“, der sich durch die dichten Wälder schlängelt, zusammen. Tadoba ist inklusive Pufferzone etwa 1.727 km² groß (davon ca. 625 km² Kernzone).

    ​Das Gelände wird hier – anders als im Bundesstaat Madhya Pradesh, in welchem wir uns vorher aufgehalten haben und der bergig und mit beeindruckenden Salwäldern bewachsen ist – von hügeligen Landschaften und vor allem von dichten Teak- und Bambuswäldern dominiert. Etwa 60 % des Waldes hier bestehen aus Bambus und 20 % aus Teak.

    Das Besondere an Tadoba ist jedoch vor allem das Klima: Da es hier im Vergleich zu anderen Parks noch heißer und trockener ist, zieht es die Tiere an die wenigen verbliebenen Wasserstellen und Seen, wie den großen Tadoba-See.

    ​Berühmt ist der Park auch vor allem für seine extrem hohe Tigerdichte (etwa 90 gibt es) und dafür, dass die Raubkatzen hier oft weniger scheu gegenüber Fahrzeugen sind. Doch Tadoba hat noch mehr zu bieten: Es ist einer der besten Orte in Indien, um den schwer zu findenden Lippenbären (Sloth Bear) oder sogar den seltenen schwarzen Leoparden zu sichten.

    ​Der Morgen im Park (wir fahren heute, nachdem wir immer in den Kernzonen der Parks waren, mal durch die Pufferzone) liefert direkt die erste Tigersichtung. Nach nur fünf Minuten riecht es plötzlich unangenehm. Eine Tigerin hat sich ein Wildschwein gefangen und verspeist es im Dickicht. Wir hören und riechen das erst mal nur; abgesehen von kurzen Blicken auf ein Stückchen Fell ist von ihr nichts zu sehen. Nach einer Stunde hat sich das Warten dann gelohnt: Nach dem Fressen hat sie Durst, steht auf, läuft an den Autos vorbei und geht zu einer kleinen Wasserstelle. Nachdem wir sie hier noch kurz beim Trinken beobachten können, verschwindet sie im Wald. Was für ein Auftakt in Tadoba!

    ​Danach fahren wir ein ganzes Stück am Irai-Reservoir, einem riesigen Stausee am Rande des Parks, entlang. Hier kann man jede Menge Vögel beobachten, aber Lippenbär oder Leopard zeigen sich leider nicht.

    ​Nach einem Mittagessen in unserer tollen Lodge geht es dann auf Nachmittagssafari. Inzwischen ist es 30 °C heiß, in der Sonne gefühlt noch wärmer. Zum Glück fahren wir, und der Fahrtwind kühlt ein wenig.

    Diesmal geht es in die Kernzone des Parks. Was sofort auffällt: Hier befindet sich die erste asphaltierte Straße in einer Kernzone, die wir bisher gesehen haben. Auch die Staubstraßen sind extrem gut instand gehalten, genau wie alle anderen zum Park gehörenden Installationen. Zur Begrüßung bekommt man erst mal eine große, versiegelte Glasflasche mit Wasser und zwei toll gestaltete Infokarten über Vögel und Schmetterlinge im Park. Die Organisation der Safaris hier in Indien war sowieso immer sehr gut, aber Tadoba setzt neue Maßstäbe, was das Gesamtpaket betrifft.

    ​Besonders beeindruckend sind die surreal aussehenden toten Bambusinseln überall im Park. Unser Guide, der übrigens seit 1989 im Park arbeitet, erklärt uns, dass der Lebenszyklus des Bambus etwa 40 Jahre dauert. Nun sind 99 % der Bambuswälder in Tadoba gleichzeitig abgestorben, um in den nächsten drei bis sechs Jahren neu zu wachsen. Der Vorteil ist, dass das sonst undurchdringliche Dickicht jetzt sehr gut einsehbar ist.

    ​Ansonsten ist die Landschaft in der Kernzone extrem abwechslungsreich und wunderschön. Wir fahren bis zum Tadoba-See, sehen wieder viele Vögel – unter anderem ein paar sehr hübsche Bienenfresser –, die obligatorischen Rehe und Affen und eine große Gruppe Wildschweine. Im Tadoba-See badet gerade ein Sambar-Hirsch und frisst gemütlich. Die Abkühlung muss bei der Hitze wirklich guttun; kein Wunder, dass er bis zum Kinn im Wasser schwimmt. Nur ein paar hundert Meter weiter liegen zwei große Krokodile.

    ​Zum Abschluss läuft noch eine Manguste über die Straße und lässt sich, im Gegensatz zu ihren Verwandten, die schon aus großer Distanz eilig im Unterholz verschwunden sind, überhaupt nicht stören. Wir fahren ganz langsam vorbei und werden nicht mal eines Blickes gewürdigt!

    Jetzt geht es zum Abendessen, und ich freue mich schon auf einen weiteren Tag im tollen Tadoba-Nationalpark.
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  • Tag zwei im Tadoba-Nationalpark

    February 8 in India ⋅ 🌙 21 °C

    Um 05:45 Uhr klingelt heute wie üblich der Wecker. So langsam habe ich mich dann doch mal an das frühe Aufstehen gewöhnt.
    ​Unsere Morgensafari führt uns diesmal wieder in die Pufferzone des Parks, heute allerdings auf die andere Seite. Diesmal dauert es nicht wie gestern Morgen fünf, sondern zehn Minuten bis zur ersten Tigersichtung.

    Unglaublich! Die Tigerin verschwindet aber sehr schnell im Dickicht, sodass wir keine Fotos machen können. Wir warten eine Weile an der Straße und hören sie ein Stück entfernt immer wieder brüllen. Nach etwa 15 Minuten antwortet ein weiteres Brüllen aus einer anderen Richtung. Ein männlicher Tiger läuft in größerer Entfernung auf die Stelle zu, an der das Weibchen verschwunden ist. Leider sehen wir die beiden danach nicht mehr. Auch die Rufe hören jetzt auf – sie haben sich offensichtlich gefunden.

    ​Kurz vor unserer Frühstückspause läuft dann auch noch eine weitere Tigerin über die Straße vor uns. Zumindest einen Moment dürfen wir sie beobachten, bis sie im Wald und wir Richtung Frühstück verschwinden.

    Nach dem Frühstück bleibt es erst mal ruhiger. Inzwischen ist es wieder warm, und wie üblich haben sich die meisten Bewohner Tadobas einen schattigen Platz gesucht. Nach einer Weile steht vor uns plötzlich der erste der vielen hundert Pfauen, die wir hier schon gesehen haben, der ein Rad schlägt. Natürlich nicht für uns, sondern für ein paar Hennen im Gebüsch, aber wir sind dankbare Beobachter.

    ​Eine halbe Stunde vor Ende unserer Vormittagssafari sind wir dann an einem kleinen See, an dem wir mehrere Wasservögel und einen schönen Storch sehen. Plötzlich geben wir Gas, um nur 100 Meter weiter wieder zu halten. Im Wasser vor uns schwimmt eine weitere Tigerin auf uns zu, die sich wohl ein Bad zur Abkühlung genehmigt hat. Sie kommt gemächlich heraus und folgt dann eine lange Zeit entspannt dem Weg am Ufer, bis wir uns schließlich verabschieden müssen, da das Tor bald zur Mittagspause schließt. Auf dem Rückweg sehen wir dann noch den ersten Waran auf einem Baum.

    ​Was für ein Vormittag! Unfassbare vier Tiger auf einer Safari und schon fünf auf nur drei Safaris in Tadoba – damit sind wir jetzt schon bei 15 Tigern auf unserer Reise. Das hätten wir nie für möglich gehalten. Der Park macht seinem Ruf wirklich alle Ehre. Wer garantiert Tiger sehen möchte, der muss nur den Tadoba-Nationalpark besuchen.

    ​Mal sehen, was der Nachmittag für uns bereithält. Die Tour beginnt um 13:40 Uhr.

    ​Tja, und da sagt man immer, man soll nie den Tag vor dem Abend loben. In diesem Fall wäre das Lob wohl nur noch größer ausgefallen. Nur 15 Minuten nachdem wir zurück im Park sind – diesmal wieder in einem anderen Teil der Pufferzone –, läuft eine Tigerin neben uns durch den Wald. Im Schlepptau hat sie ihren Nachwuchs: drei kleine, nur vier Monate alte Tiger. Die drei trauen sich erst nicht wirklich in die Nähe der Straße. Nachdem ihre Mama dann aber direkt vor uns auf die andere Straßenseite wechselt, müssen sie ihr wohl oder übel folgen. Das erste ist relativ flott drüben, und die anderen beiden zögern noch, kommen dann aber auch mit Tempo über die Straße gerannt. Ein paar Blicke können wir noch erhaschen, die Kleinen nutzen aber geschickt jede Deckung, die sie finden können. Dann verschwinden sie im Wald.

    ​Weiter geht es auf der Suche nach Bären und Wildhunden. Die finden wir zwar schon wieder nicht, werden aber trotzdem mit ein paar hübschen Vögeln und einer wirklich tollen Gaur-Herde für unsere Geduld belohnt. Knapp über zehn der riesigen Rinder streifen gemächlich fressend durchs Unterholz. Ein fast unschlagbarer Tag in Tadoba mit gleich zwei unserer faszinierendsten und schönsten Tigersichtungen.

    ​Die Annahme, man würde nur in den teureren und schnell ausverkauften Kernzonen der Parks Tiger sehen, ist nach heute auch offensichtlich widerlegt. In Tadoba steht es jetzt Pufferzone 9:0 vs. Kernzone. Das können wir für die anderen Parks jedoch schlecht beurteilen, da wir uns dort nur in den Kernzonen bewegt haben.
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  • Abschied von Tadoba + Fahrt nach Nagpur

    February 9 in India ⋅ ☀️ 31 °C

    ​Um 05:45 Uhr beginnt heute das Finale unserer Safaris in Zentralindien. Eine letzte morgendliche Fahrt durch die Kernzone des Tadoba-Andhari-Nationalparks, bevor es morgen Richtung Nordosten nach Assam geht.

    ​Ich werde mich kurz fassen und lieber die Bilder und Videos für sich sprechen lassen. Das heutige Erlebnis hat noch mal gezeigt, dass Tadoba der vielleicht beste Park in Indien für Tiger ist. Unglaubliche 23 Tiger haben wir in Zentralindien gesehen. Insgesamt sieht die Statistik wie folgt aus:

    ​Kuno: 0 (hier gab es aber auch nur einen)
    ​Panna: 2
    ​Bandhavgarh: 4
    ​Kanha: 2
    ​Pench: 2
    ​Tadoba: 13

    ​Das sollte eigentlich schon alles zu Tadoba sagen. Wer meinen Bericht von gestern gesehen hat, erinnert sich bestimmt an die Tigerin im Wasser. Heute früh durften wir ihre drei Jungtiere (inzwischen zwei Jahre alt und bald auf sich allein gestellt) und den Vater der drei beobachten – ein wunderschönes, riesiges Männchen mit besonders hellem Fell. Nicht nur kurz, sondern immer wieder an verschiedenen Stellen im Park über drei Stunden verteilt. Ein unvergesslicher Vormittag.

    ​Danach gab es noch Mittagessen im Hotel und eine dreistündige Fahrt nach Nagpur, wo wir jetzt früh schlafen gehen, da morgen schon um 04:40 Uhr der Wecker klingelt.

    Ich hoffe, die Fotos und Videos von heute vermitteln zumindest annähernd die Faszination dieser tollen Begegnungen.
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  • Von Nagpur zum Kaziranga Nationalpark

    February 10 in India ⋅ 🌙 20 °C

    Heute klingelt unser Wecker schon um 04:30 Uhr. Die Nacht war leider kurz, da anscheinend eine Hochzeit im Hotel gefeiert wurde. Bis um 00:30 Uhr lief laute Musik und die Bässe haben selbst unsere Betten wackeln lassen. Etwas unprofessionell vom Tuli Imperial, Gäste, die früh abreisen, nicht vorzuwarnen oder wenigstens ein Zimmer im abgelegenen Teil des Hotels zur Verfügung zu stellen. Das Hotel ist nämlich wirklich groß und der Tanzsaal war ein Stockwerk unter uns auf unserer Seite des Gebäudes.

    ​Zusätzlich haben dann auch noch zweimal betrunkene Gäste ihre Zimmernummer vergessen und versucht, mit ihrer Karte unseren Raum aufzusperren. Nach kurzem Rütteln an der Tür kam dann offensichtlich die Erkenntnis, dass es das falsche Zimmer sein muss. Opa hat zum Glück ohne Hörgeräte nichts davon mitbekommen und auch die Musik ist ihm erspart geblieben ... kann durchaus praktisch sein.

    ​Als unser Transfer zum Flughafen um 05:00 Uhr startet, hat das Hotel zu allem Überfluss auch noch vergessen, unser versprochenes Lunchpaket bereitzustellen. Wir haben aber keine Zeit zu warten. Das war schon unsere dritte Tuli-Anlage auf der Reise, und unter den bisher neun Unterkünften belegen sie aus unterschiedlichen Gründen die letzten drei Plätze. Nicht unbedingt zu empfehlen.

    ​An der Gepäckaufgabe am Flughafen von Nagpur angekommen, dann die nächste schlechte Nachricht: Unser Flug nach Kolkata hat wohl so viel Verspätung, dass wir unseren Anschlussflug nach Guwahati nicht bekommen würden. Zum Glück hat unsere Airline IndiGo aber – im Gegensatz zur Lufthansa in Berlin – eigenes Personal am Flughafen, das uns schnell und unkompliziert auf einen anderen Flug umbucht. Auch die Informationen, die man von ihnen bekommt, sind deutlich wertvoller als die der Lufthansa; da können sie wohl etwas von den Indern lernen.

    ​Unser Flug geht jetzt über Bangalore im Süden Indiens statt über Kolkata. Ein ziemlicher Umweg, aber die schnellste Alternative, um heute noch nach Assam zu kommen und vor allem bis zum Hotel beim Kaziranga-Nationalpark. Das bedeutet nur leider, dass wir statt um 11:40 Uhr erst um 17:40 Uhr in Guwahati landen und dann statt um 16:40 Uhr wohl erst um frühestens 22:40 Uhr in unserer Unterkunft sein werden. Das wird dann wieder eine kurze Nacht vor unserer ersten Safari morgen früh.

    ​Am Flughafen in Bangalore angekommen, müssen wir ganz schön staunen: kein Dreck mehr am Flughafen, alles bestens organisiert, kein Chaos an den Sicherheitskontrollen und die wohl saubersten Flughafentoiletten, die ich je gesehen habe – inklusive Online-Bewertungsportal für das zuständige Reinigungspersonal. Wir wussten zwar, dass der Süden deutlich wohlhabender sein soll als Nord- und Zentralindien, aber der Kontrast ist extrem; wie in einem anderen Land. Da kann sich auch der BER echt etwas abschauen. Die fünf Stunden Aufenthalt in Bangalore sind also so angenehm wie möglich.

    ​Nach unserem nächsten Flug in Guwahati angekommen, steigen wir ins Auto. Auf den 250 km bis zu unserem Hotel ist einiges wie im restlichen Norden Indiens, aber einige Unterschiede fallen auf: kaum Müll, kein einziger Hund (sonst waren immer überall Straßenhunde), keine Kühe auf der Fahrbahn und auch nicht daneben, dafür so viele Lastwagen wie noch auf keiner anderen Strecke. Das muss wohl daran liegen, dass dies eine der Hauptverkehrsrouten nach Südostasien und China ist.

    ​Unser Fahrer fährt für unsere Verhältnisse unglaublich riskant, aber mit einer Sicherheit und Ruhe, die ihresgleichen sucht. So schafft er es, aus fünf Stunden Fahrt nur vier zu machen. Jetzt ist es Mitternacht und um 06:30 Uhr wird unser Wecker klingeln. Wir sind von den letzten 20 Stunden erschöpft, freuen uns aber auf Kaziranga!
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  • Tag 1 im Kaziranga-Nationalpark

    February 11 in India ⋅ ☀️ 26 °C

    Heute gibt es zur Abwechslung um 07:00 Uhr mal Frühstück im Hotel statt unterwegs auf Safari. Unsere Morgensafari führt uns in den zentralen Teil der Kernzone. Diese ist hier in drei Bereiche unterteilt: Westen, Zentrum und Osten.

    ​Der Kaziranga-Nationalpark, ein UNESCO-Weltnaturerbe, liegt in den fruchtbaren Ebenen des riesigen Brahmaputra-Flusses und ist das grüne Juwel im Nordosten Indiens. Wo wir in Zentralindien auf Staub und trockene Teakwälder trafen, werden wir hier von einer feuchten, fast tropischen Landschaft aus bis zu vier Meter hohem Elefantengras, dichten Sumpfgebieten und ursprünglichen Wäldern empfangen.

    ​Kaziranga ist weltberühmt für eine der größten Erfolgsgeschichten des Naturschutzes: Er beherbergt etwa 80 % der weltweiten Population des Panzernashorns. Um 1905 gab es hier nur noch etwa 75 Nashörner; heute streifen wieder geschätzt 3.000 dieser wirklich beeindruckend großen Pflanzenfresser durch das Schutzgebiet. Dies liegt nicht zuletzt an den weitreichenden Befugnissen der hier – im Gegensatz zum Rest des Landes – schwer bewaffneten Parkranger. Diese haben den Ruf, erst zu schießen und dann zu fragen – gut für die Nashörner und schlecht für Wilderer.

    ​Doch der Park bietet weit mehr als "nur" Nashörner. Auf einer Fläche von etwa 430 km² in der Kernzone (1.090 km² inklusive Pufferzone) findet man hier eine außergewöhnlich hohe Dichte an Wildtieren: riesige wilde Wasserbüffel, Sumpfhirsche (Barasinghas), natürlich auch Tiger (ungefähr 130), etwa 50.000 indische Schweinshirsche (auf Englisch „Hog deer“) – ja, die heißen wirklich so –, jede Menge Wildschweine und eine stabile Population asiatischer Elefanten (~1.300).

    Die Schweinshirsche waren in Zentralindien nur ganz selten zu sehen und immer so schnell weg, dass uns kaum Aufnahmen gelungen sind. Hier sind sie überall und haben den Platz mit den sonst massenhaft zu sehenden Axishirschen getauscht.

    ​Kaziranga gilt zudem als eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Asiens, da er sehr viel Wasser bietet und auf der Flugroute unzähliger Zugvögel liegt. Die Atmosphäre ist hier spürbar anders – wilder, feuchter und ständig begleitet vom fernen Rauschen des Brahmaputra.

    ​Der Vormittag beginnt direkt mit den ersten Nashörnern in der Ferne, bald darauf sehen wir sie auch direkt neben der Straße im Sumpf. Wir kommen an unzähligen kleinen und großen Vögeln vorbei und sehen sogar einen fast ausgewachsenen Bindenwaran – die weltweit zweitgrößte Art nach den Komodowaranen.

    Wirklich beeindruckend sind auch die überall blühenden Kapokbäume. Ihre tiefroten, großen Blüten schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Außerdem scheinen sie den kleinen Schweinshirschen bestens zu schmecken, die diese ganz gezielt vom Boden aufsammeln und genüsslich verspeisen. Die auch „Rote Seidenwollbäume“ genannten Kapoks blühen etwa zwei Monate im Jahr; wir sind also genau zur richtigen Zeit hier.

    ​Das nächste Highlight sind zwei Pärchen der tollen Doppelhornvögel. Wir haben schon von Anfang an gehofft, welche zu sehen, aber in Zentralindien haben sich die sehr seltenen Vögel nicht blicken lassen. Umso schöner, an einem Tag gleich vier zu finden. Kurz vor Verlassen des Parks zur Mittagspause läuft noch ein großer Elefantenbulle mit Weibchen und Jungtier ein Stück parallel zur Straße, bevor er im Elefantengras verschwindet.

    ​Nachmittags geht es dann in den westlichen Teil der Kernzone. Dieser wird auch „Rhinoland“ genannt. Warum, wird sofort klar, nachdem wir die ersten paar hundert Meter im Park sind: Auf der ersten großen Wiese stehen über zehn Nashörner verteilt und grasen. Je weiter wir fahren, desto weniger können wir unseren Augen trauen. Hier so viele Nashörner zu sehen, damit hätten wir niemals gerechnet. Über den Nachmittag verteilt werden wir weit über 100 der beeindruckenden Tiere sehen. Außerdem Schweinshirsche, Wildschweine, Büffel und unterschiedlichste Wasservögel, so weit das Auge reicht. Ein wahres Paradies.

    ​Unser Guide erklärt uns, dass in diesem Teil des Parks besonders viele Nashörner sind, weil hier so viele Wasserhyazinthen wachsen – das Lieblingsfutter von ihnen und auch den asiatischen Elefanten.

    Später entdecken wir auch noch hübsche Tokehs (Geckos), zwei der stark bedrohten und seltenen Argala-Marabus, die noch mal etwas größer sind als ihre Verwandten, die Marabus, und: Nashörner, Nashörner, Nashörner.

    ​Was für ein erster Tag in Kaziranga! Das wird in den nächsten Tagen nur schwer zu übertreffen sein, aber wir sind jetzt schon froh, dass wir den langen Umweg auf uns genommen haben, um auch noch Assam zu besuchen. So können wir ab morgen die Kameras beiseite legen und die Tiere hier einfach nur noch genießen um die letzten Tage in Indien entspannt im Paradies ausklingen lassen.
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  • Tag 2 im Kaziranga-Nationalpark

    February 12 in India ⋅ ☀️ 26 °C

    Unsere Morgensafari führt uns heute in den östlichen Teil des Parks. Dieser liegt etwas weiter weg von unserem Hotel, ist aber trotzdem in etwa 30 Minuten erreicht. Vorbei geht es an endlosen Teeplantagen und durch kleine Dörfer.

    ​Hier im Osten von Kaziranga gibt es deutlich mehr Wald als im zentralen und westlichen Bereich des Parks. Entsprechend sieht man hier auch ein paar andere Vögel, deutlich weniger Nashörner und Wasserbüffel und generell weniger große Säugetiere.

    Unser Guide erzählt uns außerdem, dass die dichte Vegetation im Osten des Parks Wilderern früher oft als Versteck diente. Zwar ist die Wilderei dank strengster Schutzmaßnahmen heute massiv zurückgegangen, doch der Druck bleibt hoch. Das liegt vor allem an der Nähe zu den Schmuggelrouten, die über die Grenze Richtung Myanmar und weiter nach China führen. In der traditionellen chinesischen Medizin haben Nashorn-Hörner leider immer noch einen hohen Wert, auch wenn eine medizinische Wirkung nie nachgewiesen wurde.

    ​Nach ein paar ruhigen Stunden sehen wir auf dem Rückweg noch einen kleinen Otter, der gerade einen Fisch gefangen hat, und verabschieden uns von Kazirangas Osten, in dem wir vermutlich nur eine Safari haben werden.

    ​Nach dem Mittagessen geht es dann wieder in den zentralen Teil des Parks. Hier machen wir uns heute auf die Suche nach einem ganz besonderen Tier: dem sogenannten „goldenen Tiger“.

    ​In den letzten Jahrzehnten gab es eine Handvoll dieser extrem seltenen Variante in Kaziranga. Sie haben keine schwarzen, sondern eher beige-braune Streifen und ein Großteil ihres Gesichts ist weiß. Der Grund dafür ist – egal wie faszinierend diese besonderen Tiere aussehen – ein eher trauriger: Die Farbe kommt von einem Gendefekt, der häufiger auftritt, wenn nicht genügend frische Gene in eine kleine Population wilder Tiere gelangen. Dies liegt in diesem Fall daran, dass es nicht mehr genug Wildtier-Korridore gibt, durch welche einzelne Tiere zwischen den kleinen, verbliebenen Populationen wandern können.

    ​Indien tut zwar viel, um seine letzten Tiger zu schützen (immerhin 75% aller wilden Tiger leben in Indien), vergrößert Parks, siedelt Dörfer um und schafft neue Korridore, und einige Populationen wachsen auch wieder – aber das reicht nur bedingt aus, um die doch sehr eingeschränkten und selten miteinander verbundenen Populationen auch gesund zu halten.

    Aus der Ferne sehen wir Rauch aufsteigen: Eine kontrollierte Brandstiftung durch die Parkranger. In fast allen Parks Indiens werden solche Feuerkorridore (Firelines) geschaffen, um Waldbrände im Ernstfall schnell in den Griff zu bekommen und an der unkontrollierten Ausbreitung zu hindern. In Kaziranga hat das Feuer aber noch einen zweiten, ökologischen Zweck: Hier wird gezielt das meterhohe Elefantengras abgebrannt. Nur so entstehen wieder Flächen mit kurzem, frischem Gras, die für die vielen großen Säugetiere als Nahrungsquelle überlebenswichtig sind. Ohne diesen Eingriff würde das Grasland schlichtweg zuwachsen und der Lebensraum für Nashörner, Elefanten und Hirsche schwinden.

    ​Nach einem sehr staubigen, aber alles in allem schönen Nachmittag im Park haben wir den goldenen Tiger zwar nicht gefunden, dafür aber wieder ein paar andere schöne Tiere gesehen und beobachten dürfen.

    ​Wer mehr über Indiens Tiger, den Kaziranga-Nationalpark und die Versuche, die Tiger zu schützen, sowie die Hürden dabei lesen möchte, dem empfehle ich folgenden Artikel:
    https://earthjournalism.net/stories/golden-tige…
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  • Tag 3 im Kaziranga-Nationalpark

    February 13 in India ⋅ ☀️ 27 °C

    Heute geht es nach dem Frühstück direkt wieder in die zentrale Zone des Kaziranga-Parks. Wir wollen weiter versuchen, den goldenen Tiger zu finden. Alles andere sieht man ja sowieso nebenbei. 😄

    ​Gleich zu Beginn unserer Safari kommen wir an einer Gruppe von 10 bis 15 Ottern vorbei, die sich ein morgendliches Sandbad genehmigt. Otter sind schon wirklich lustige und soziale Tiere. Gemeinsam wird sich im Sand hin- und hergerollt, über- und untereinander geklettert, und gleichzeitig tobt ein Teil der Gruppe im Wasser.

    ​Danach suchen wir weiter nach dem „goldenen Tiger“. Nachdem es gestern nicht geklappt hat, sind wir heute guter Dinge. Wir stellen uns in ein kleines Waldstück und warten. Tiger laufen häufig sehr ähnliche Routen ab, um ihre Reviere zu markieren; dies kann je nach Größe zwar auch ein paar Tage dauern, aber früher oder später tauchen sie an den gleichen Orten auf.

    ​Direkt über uns ist ein großer Kapokbaum. Immer wieder fallen die großen, schweren Blüten im Ganzen oder in Teilen auf und um uns herum auf den Boden. Es ist schon wirklich beeindruckend, wie viele unterschiedliche Tiere von den Kapoks profitieren: Erst landen ein paar Sittiche im Baum und holen sich den Nektar der Blüte, danach kommen mehrere Eichhörnchen vorbei und genehmigen sich die Fruchtkörper, wobei sie die Blütenblätter fallen lassen. Über diese und die oben aussortierten Blüten freuen sich dann ein paar Schweinshirsche. Danach schauen noch Rhesusaffen vorbei und holen sich ebenfalls die gesamten Blüten. Ein wirklich wichtiger Baum für das Ökosystem des Kaziranga-Nationalparks.

    ​Wir fahren noch ein kleines Stück die Straße auf und ab, und auf einmal ruft unser Guide aufgeregt: „Tiger!“ Etwa 150 Meter entfernt kämpft sich eine Tigerin durch den Matsch auf die andere Seite eines kleinen Sumpfgebietes. Sie ist schnell wieder im hohen Elefantengras verschwunden, und so haben die vielen anderen Fahrzeuge, die nach und nach eintreffen, leider Pech gehabt.

    ​Das war zwar nicht der goldene Tiger, aber wir haben jetzt in jedem Nationalpark auf unserer Reise mindestens einen gesehen (außer natürlich in Kuno, aber da gibt es ja auch eigentlich keine). Ein wirklich erfolgreicher Vormittag.

    ​Nach dem Mittagessen setzen wir unsere Suche fort. Wir verbringen fast den ganzen Nachmittag im Halbschatten auf seiner Route, und kurz vor Sonnenuntergang hören wir auf einmal Elefanten in der Ferne brüllen. Etwa 15 Autos stehen hier schon länger mit uns und hatten den ganzen Nachmittag das selbe Ziel. Als der Erste Gas gibt, beginnt ein staubiger Sprint bis zu einer anderen Straße.

    ​Irgendwer hat den goldenen Tiger in der Ferne dabei beobachtet, wie er versucht hat, sich ein Elefantenjunges zu schnappen. Die Herde hat aber schnell reagiert und ist vor ihm in ein kleines Wäldchen geflüchtet. Auf die andere Seite davon führt uns unsere Fahrt jetzt. Dort angekommen warten wir zwanzig Minuten, aber niemand zeigt sich. Dann gibt auf einmal wieder eines der Fahrzeuge Gas in Richtung der Stelle, wo wir vorher waren.

    ​Als wir ankommen, bleiben wir noch eine Weile stehen. Die äußerst nervösen Elefanten sind jetzt wieder aus dem Wald herausgekommen; auch Büffel und Rehe schauen nervös in die Richtung. Nur ein Nashorn läuft seelenruhig in die andere Richtung und interessiert sich überhaupt nicht für den Trubel – der Tiger aber zeigt sich leider nicht.

    Als die Sonne langsam untergeht, brechen wir ab und fahren los, um rechtzeitig am Ausgang anzukommen. Das war verdammt knapp; nur um ein paar hundert Meter und wenige Minuten haben wir ihn verpasst.
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  • Bye Kaziranga und Fahrt nach Jorhat

    February 14 in India ⋅ 🌙 19 °C

    Heute nach dem Frühstück geht es ein letztes Mal in den Kaziranga-Nationalpark. Nur etwa 100 m, nachdem wir in den Park hineingefahren sind, schläft schon das erste Nashorn am Wegesrand. Die hübschen pinken Blumen wachsen übrigens nur dort, wo sie ihre Notdurft verrichten; sie brauchen offensichtlich den Dung der großen Pflanzenfresser.

    Weitere Nashörner, Elefanten, Wasserbüffel und Schweinshirsche sind wie immer an ihren Lieblingsplätzen zu finden. Wer aufmerksam gelesen hat, der weiß, dass man nur unter Kapokbäumen und an Stellen mit Wasserhyazinthen schauen muss, um sie alle beim Frühstück zu erwischen.

    ​Nach einer kurzen Pause zwischen Elefantengras an einer möglichen Tigerroute schreitet etwa 200 m hinter uns ein großer, aber noch junger Elefantenbulle auf die Straße. Da heute Samstag ist, sind besonders viele Jeeps im Park unterwegs, und die stecken jetzt alle hinter dem Bullen fest. Der ist zwar wenig begeistert und droht immer mal in ihre Richtung, macht aber keine Anstalten, die Straße zu verlassen. So landet ein Auto nach dem anderen im „Elefantenstau“. Nach etwa zehn Minuten reicht es ihm dann doch, und mit nur zwei Schritten verschwindet er gänzlich im Elefantengras. Von einem Moment auf den anderen gibt es keine Spur mehr von dem riesigen Tier. Es ist immer wieder beeindruckend, wie im Gras alles unsichtbar wird.

    ​Nach unserem Abschied von Kaziranga und einem letzten Lunch in unserem wirklich tollen Hotel fahren wir drei Stunden Richtung Jorhat. Von hier geht morgen unser Flug. In unserem Hotel wird gerade groß gefeiert: Die indische Luftwaffe hat hier eine Party organisiert und die gesamte Truppe mit sechs großen Reisebussen zum Lunch ins Kaziranga Golf Resort gebracht, das inmitten von Teefeldern liegt. Nach ein paar Stunden fahren sie nach Hause, und wir dürfen zum Sonnenuntergang dem Hotelpersonal beim Cricket zuschauen.
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  • Gibbon Reservat und Abschied von Indien

    February 15 in India ⋅ ☀️ 26 °C

    ​Heute klingelt der Wecker schon um 05:30 Uhr. Wir waren zwar früh im Bett, aber da irgendwo hinter unserem Hotel eine Bahnstrecke verläuft und die Züge hier immer wieder sehr laut hupen, um alles Mögliche von den Gleisen zu scheuchen und vor Übergängen zu warnen, sind wir nachts mehrfach geweckt worden.

    ​Unser Frühstück wird es wieder unterwegs geben, da wir von unserem Hotel etwa eine Stunde ins Gibbon-Reservat bei Jorhat fahren. Durch winzige Dörfer geht es bis zu einem plötzlich zwischen Teeplantagen auftauchenden Stück tropischen Regenwaldes. Hier steigen wir aus und machen zur Abwechslung mal eine Wanderung zu Fuß. Kaum ist man ein paar Meter im Wald, könnte man glatt vergessen, dass um den Wald herum Plantagen und Zivilisation liegen.

    ​Nach etwa 30 Minuten zu Fuß sehen wir sie dann: Eine kleine Hoolock-Gibbon-Familie ist hoch oben in den Bäumen mit ihrem Frühstück beschäftigt. Wirklich beeindruckend, wie großartig diese kleinen Menschenaffen klettern können! Mit ihren langen Armen schwingen sie sich in halsbrecherischem Tempo von Ast zu Ast und springen mehrere Meter weit von einem Baum zum anderen. Die braunen Gibbons sind übrigens Weibchen, die schwarzen Männchen. Unser Guide führt uns etwa 150 m abseits vom Weg ins Unterholz, wo die Gibbons auf einem Baum angehalten haben, um die dort wachsenden Früchte zu sammeln. Wir können sie eine gute halbe Stunde beobachten und machen uns dann auf den Rückweg.

    ​Beim Auto angekommen, sehen wir sogar noch eine Gruppe der hier ebenfalls lebenden und seltenen Haubenlanguren. Insgesamt gibt es hier sieben Affenarten, von denen vier Makaken sind, zu denen auch die Rhesusaffen gehören. Außerdem gibt es eine Nachtaffen Art. Auf etwa 21 km² wurde hier ein letztes Stück Wald gerettet und wieder aufgeforstet, um ihren Lebensraum nicht komplett zu zerstören. So gibt es hier jetzt wieder 26 Familien der Hoolock-Gibbons, was etwa 160 dieser Menschenaffen entspricht.

    ​Danach geht es zurück zum Hotel und von dort zum Flughafen von Jorhat. Der ist winzig und hat nur zwei Flugsteige, aber unser Flug geht wenigstens pünktlich. Nach 1,5 Stunden Flug landen wir in Kolkata. Indiens Billigflieger IndiGo ist wirklich in vielerlei Hinsicht deutlich besser als unsere Ryanair – man kann sogar die Beine ausstrecken.

    Kolkata ist wieder ein ganz schöner Kontrast zu Jorhat: ein riesiger Flughafen und auch, wie der in Bangalore, topmodern. Alles ist sehr aufgeräumt und es gibt eine schier endlose Auswahl an Essens- und Shoppingmöglichkeiten. Mal sehen, ob Air India auch pünktlich startet. Wir müssen jetzt erst mal unseren fünfstündigen Aufenthalt überbrücken, aber das wird schon. Mit 15 Minuten Verspätung starten wir dann um 21:15 Uhr Richtung Delhi.

    ​Was ich wirklich hervorheben muss, ist der Gepäckservice von Air India. Sobald die Taschen ins Flugzeug geladen oder entladen werden, erhält man eine WhatsApp mit Status, Zeit und Tracking-Code. Äußerst modern und ein weiterer Punkt, bei dem wir von den Indern lernen können. Sollten die Taschen im falschen Flieger landen, kann man zwar auch nichts machen, aber man ist zumindest immer informiert. 😄

    ​Mit ein klein wenig Verspätung in Delhi angekommen, geht es bei der Ausreise erst mal noch mal durch eine Sicherheitskontrolle. Wozu, ist mir nicht ganz klar, da alle, die hier ankommen, ja bereits vor ihrem ersten Flug kontrolliert worden sind – aber gut. Die leichte Verspätung der Air India gleicht die Lufthansa gekonnt aus: Etwa zur gleichen Zeit soll sie ebenfalls später nach München starten.

    ​Nach unvergesslichen dreieinhalb Wochen werden sich dann in 1,5 Stunden unsere Wege trennen. Opa fliegt in die Heimat und für mich geht es weiter nach Kathmandu. Um 02:00 Uhr werde ich ihn am Gate verabschieden und dann um 04:30 Uhr Richtung Nepal abheben.

    ​Ich hoffe, ihr hattet viel Spaß beim Lesen und Verfolgen unserer Reise! Vielen Dank, dass ihr so fleißig kommentiert und gelikt habt! Wer möchte, kann in den nächsten zwei Monaten vielleicht nicht täglich, aber regelmäßig Updates von meiner Reise durch Nepal und danach Südostasien erwarten. Wer die App nicht besitzt und einen Link braucht, kann gerne mir, Rogi, Frank oder Natascha schreiben.

    An dieser Stelle auch noch mal ein großes Dankeschön an Cristina von Natouralist. Die Organisation der Reise war wirklich großartig; das Team vor Ort war immer hilfsbereit, flexibel und hat auf alle Anfragen schnell reagiert. Wir haben uns von Anfang bis Ende der Reise bestens aufgehoben gefühlt. Natouralist steht für nachhaltige Reisen an die für Wildlife-Fans spannendsten Ziele der Welt und verfügt über extrem viel Know-how in diesem Bereich.

    ​Wer Interesse hat, kann sich hier sehr umfassend informieren:
    https://natouralist.de/
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    Trip end
    February 16, 2026