• Cartagena bei Sturmwind

    February 5 in Spain ⋅ 🌬 19 °C

    Der heutige Tag begann mit einer Taxifahrt nach Cartagena. Die Wetterprognose versprach stürmische Winde, dafür Sonne satt - eine Mischung, die sich als erstaunlich treffend erweisen sollte. Der Taxifahrer setzte uns direkt im Hafen ab, einem der grössten natürlichen Häfen des Mittelmeers. Schon die Römer wussten diesen geschützten Ort zu schätzen und machten Carthago Nova zu einem der wichtigsten Seehäfen ihres Reiches. Heute liegt der Hafen weitläufig und offen da, eingerahmt von Hügeln, Geschichte und moderner Architektur.
    Die gepflegte Hafenanlage mit ihren Promenaden und die imposanten Bauwerke im Hintergrund machten sofort Lust auf Entdeckungen. Nach ein paar Tagen Natur pur tat es gut, wieder Zivilisation zu spüren. Die Schiffe hier wirken allerdings deutlich bodenständiger als die schwimmenden Statussymbole in Puerto Banús oder Marbella. Ein altes Segelboot stand sogar zum Verkauf - wie lange es schon dort vor sich hin altert, bleibt ein Rätsel. Die ehemaligen Passagiere schienen jedenfalls nur noch als Skelette an Bord zu sein... Piratenromantik inklusive.
    Nach einem kleinen Rundgang entlang des Wasses folgten wir der alten Befestigungsmauer in Richtung Altstadt. Cartagena ist ein echtes Geschichtsbuch unter freiem Himmel: Phönizier, Römer, Mauren - sie alle haben hier ihre Spuren hinterlassen. Das römische Theater aus dem 1. Jahrhundert v.Chr., wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt, zählt heute mit seinem Museum zu den Highlights der Stadt. Gleich daneben erhebt sich die Ruine der Catedral de Santa María la Vieja, zerfallen, offen zum Himmel, und gerade deshalb von besonderer Würde.
    Wir schlenderten über Plätze wie die Plaza del Ayuntamiento mit ihrem prachtvollen Jugendstil-Rathaus und vorbei am Arqua, dem Nationalmuseum für Unterwasserarchäologie - passend für eine Stadt, deren Geschichte so eng mit dem Meer verknüpft ist. Immer wieder blieb mein Blick an Fassadengemälden hängen: auch Cartagena überrascht mit Street Art zwischen Antike und Moderne.
    Auf der Plaza del San Francisco legten wir eine Pause ein. Sandwiches, Sonne - und immer heftigere Windböen. Die riesigen Ficus-Bäume auf dem Platz boten etwas Schutz, doch die eigentliche Gefahr kam von hinten: Plötzlich flogen schwere Metallstühle der umliegenden Cafés über den Platz. Uns wurde mulmig. Wir hatten noch unsere Campingtische vor dem Wohnmobil stehen. Wenn die auch Flügel bekommen sollten... und die Nachbarfahrzeuge waren Liner der Upper-upperclass. Ob unsere Versicherung wohl "fliegende Campingtische" abdeckt?
    So traten wir früher als geplant den Rückweg an, wieder per Taxi, zurück in unsere Bucht. Dort tobte das Meer. Wellen brachen über die Mauer - zum Glück nicht bis zu unserem Giotti. Die Campingtische standen noch immer felsenfest an Ort und Stelle. Langsam beruhigten sich das Meer und Wind, die Böen liessen nach.
    Einer ruhigen letzten Nacht an diesem idyllischen Ort steht nun nichts mehr im Weg.
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