Zwischen Sturm und Frühling - Alcossebre
February 13 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C
Nachdem wir unseren traumhaften Stellplatz bei Cartagena verlassen hatten, ging es weiter nordwärts - wie immer mit dieser leisen Spannung im Gepäck: War die Wahl dieses Ortes ein Glücksgriff? Oder haben die Fotos im Internet wieder einmal mehr versprochen als die Realität halten kann?
Zwischen Valencia und Tarragona, in der Nähe von Peñiscola, sind wir nun auf einem grossen Campingplatz gelandet, der sich als sauber, praktisch und erfreulich unkompliziert erweist. Keine falschen Versprechen - einfach solide spanische Camping-Realität. Wobei "solide" hier durchaus mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Es gibt tatsächlich einen geheizten, gedeckten Pool mit Aussenbecken - was bei stürmischem Wetter Gold wert ist. Und dann wäre da noch das Ambiente: Über den ganzen Platz verteilt stehen weissleuchtende Statuen von nackten, oder sehr leicht bekleideten Meerjungfrauen und Nackedeien, die besonders abends eine fast mystisch-kitschige Atmosphäre erzeugen.
Der dazugehörige Supermercado entpuppt sich als wahres Labyrinth. Wer nur schnell Brot holen will, sollte besser Proviant mitnehmen. Doch wer sich durch die Gänge schlängelt, wird belohnt: ein erstaunlich grosses Sortiment, das von der Tortilla bis zur Camping-Ersatzschraube gefühlt alles bereithält.
Am Eingang empfängt uns ein etwas melancholischer Papagei. Je nach Tagesform begrüsst er die Gäste mit einem krächzenden "Hallo" - oder etwas, das sehr danach klingt. An weniger guten Tagen sitzt er zitternd in seinem Pappkarton und verweigert die soziale Interaktion. Ein kleines Sinnbild für die Wetterlage der letzten Wochen vielleicht. Armer Vogel.
Unsere Fahrräder kommen hier ausgiebig zum Einsatz. 3,5 Kilometer bis ins nächste Dorf - eine ideale Aufwärmstrecke für Peter, für mich ein Training. 😀 Ziel: Alcossebre.
Alcossebre gehört zur Gemeinde Alcalà de Xivert und hat sich seinen entspannten Charakter bewahrt. Kein Bettenburger-Monster, sondern ein gewachsener Küstenort mit mehreren naturbelassenen Buchten und langen Sandstränden. Fischerboote schaukeln im Hafen, Cafés servieren Tapas, und das Leben verläuft angenehm unaufgeregt.
Fährt man vom Campingplatz in die andere Richtung, ungefähr 6 Kilometer, erreicht man Torrenostra, den Küstenort von Torreblanca.
Hier wird es spürbar ursprünglicher. Gleich hinter dem Strand beginnt der Parque Natural del Prat de Cabanes-Torreblanca, ein geschütztes Feuchtgebiet mit Lagunen, Dünenlandschaften und einer beeindruckenden Vogelwelt. Flamingos sollen hier zeitweise Rast machen - wir haben sie (noch) nicht gesehen, aber allein die Weite der Landschaft wirkt wie ein Versprechen.
Die Küste zeigt sich naturbelassen, breit und offen. Nach den heftigen Stürmen der letzten Wochen hat sich das Meer kurzerhand bis auf das Küstensträsschen ausgedehnt und dabei Sand und Kies grosszügig neu verteilt. Die Natur kennt keine Strassenplanung - sie macht ihr Ding.
Für mich hatten die Stürme ihr Gutes: Zwischen Muscheln, Kies und Sand wurde ich fündig. Wunderschön geformtes Schwemmholz - glatt geschliffen, sonnengebleicht. Was genau daraus wird, weiss ich noch nicht. Aber Ideen wachsen bekanntlich mit dem Frühling.
Torrenostra selbst bleibt ruhig, fast verschlafen und wartet auf die grosse Horde Sommerfrischler. Ein paar Bars, Apartmenthäuser, viel Himmel und noch mehr Meer.
Etwas weiter im Landesinnern, aber gut mit dem Fahrrad erreichbar, liegt Torreblanca. Hier wird es traditioneller. Keine Strandkulisse, sondern Dorfplätze, schlichte Häuserfassaden und das alltägliche spanische Leben.
Historisch war die Region landwirtschaftlich geprägt - und das sieht man noch heute. Rund um Torreblanca erstrecken sich Felder mit Artischocken, Zitrusbäumen und Mandelhainen. Die Pfarrkirche im Ortskern, die Iglesia Parroquial de San Bartalomé, stammt aus dem 18. Jahrhundert und steht sinnbildlich für die lange Geschichte des Ortes, der maurische, christliche und landwirtschaftliche Einflüsse in sich trägt.
Hier kauft man Brot beim Bäcker an der Ecke, beobachtet ältere Herren beim Kartenspiel und merkt schnell: Das hier ist kein Ferienort. Das ist Alltag. Und genau das macht den Reiz aus.
Die Natur rund um uns erwacht sichtbar. Mandel- und Obstbäume blühen um die Wette, Artischocken recken selbstbewusst ihre Köpfe der Sonne entgegen. Auf der Strandpromenade von Torrenostra liegen vereinzelt reife Datteln am Boden, während oben in den Palmen noch goldglänzend die unreifen Früchte hängen.
Unsere Tage füllen sich mit kleinen Fahrradtouren, Erkundungen, viel Lesen und Schreiben - und dem bewährten "Dolce far niente". Ein Clara (Bier mit Fanta Limón), warme Sonnenstrahlen im Gesicht und das leise Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Langsam schleicht sich der Gedanke an Regen, Schnee und Kälte wieder ins Bewusstsein. Aber noch sind die Temperaturen mild, der Himmel blau, und wir hoffen, dass uns Sturmtief Nils verschont....die Hoffnung sinkt: Soeben durchbrach ein vertrautes Geräusch die Stille: Dieses schrille, bedrohlich laute Alert-Signal auf dem Handy - jenes, das wir noch gut aus Andalusien kennen. Windböen bis zu 130 kmh sind angesagt. Wir haben unsere Habseligkeiten gut verstaut.Read more

















Traveler
Guet bewaffnet chames wage?
Traveler😅👍